Robust ist nicht immun
Risiken für den wirtschaftlichen Aufschwung

Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Anfang 2013 in einem robusten Aufschwung. Durch ein stärkeres Anspringen der Ausrüstungsinvestitionen hat sich die bislang vorwiegend vom privaten und öffentlichen Konsum sowie von den Bauinvestitionen getragene Aufwärtsbewegung im vergangenen Jahr weiter verbreitert. Diese breite binnenwirtschaftliche Fundierung des Aufschwungs stärkt derzeit die Resilienz gegen eine Reihe von sich abzeichnenden konkreten und relevanten Risiken.

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Mindestlöhne, Arbeitslosigkeit und Flüchtlinge
Deutschland gefangen in einem Netz von Lohnuntergrenzen

„Die deutsche Regierung will Arbeitsplätze mit geringer Produktivität möglichst aus Deutschland weghaben.“ (Beat Gygi)

„Erst wenn die Flut zurückgeht, sieht man, wer nackt gebadet hat.“ (Warren Buffett )

Der 1. Januar 2015 markiert eine lohnpolitische Zeitenwende. In Deutschland wurde flächendeckend ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn eingeführt. Er war und ist heftig umstritten. Für die Befürworter war der Schritt längst überfällig. Die gewerkschaftliche Macht schwindet, tarifliche Mindestlöhne erodieren. Tarifpolitisch entstehen immer öfter weiße Flecken, vor allem im Osten der Republik. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn soll eine neue untere Haltelinie für die Löhne eingezogen werden. Für die Gegner von Mindestlöhnen sind sie Teufelszeug. Staatlich verordnete Löhne setzen den Preismechanismus für Niedriglöhne außer Kraft. Das stresst das Herz der marktwirtschaftlichen Ordnung. Gesetzliche Mindestlöhne gehen zu Lasten der Beschäftigung einfacher Arbeit. Als verteilungspolitisches Instrument sind sie wie Akupunktur mit der Gabel. Sie sind weder effizient noch gerecht. Tatsächlich hat aber die Einführung und zwischenzeitliche Erhöhung gesetzlicher Mindestlöhne bisher nicht zu massiven Verlusten an Beschäftigung geführt. Leicht negative Beschäftigungseffekte sind zwar zu beobachten, vor allem in den neuen Bundesländern. Sie treten aber weniger ein, weil Unternehmen massenhaft Arbeitnehmer entlassen. Eher entstehen sie, weil sie vorsichtiger sind, neue einzustellen.

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Wie man mit Hayek den Zusammenhang zwischen ultra-lockerer Geldpolitik und politischer Instabilität erklären kann

Die Europäische Zentralbank wird das Gesamtvolumen ihres Anleihekaufprogramms bis September 2018 auf 2.550.000.000.000 Euro erhöhen. Der Hauptrefinanzierungssatz wird bei null bleiben. Mario Draghi hat betont, dass diese Politik fortgesetzt werden wird, bis die Inflation nachhaltig ansteigt. Da mehr Inflation unwahrscheinlich ist, dürfte sich die gewaltige Geldschwemme in Europa auf absehbare Zeit fortsetzen. Das wird zunehmend gesellschaftliche und politische Instabilität nach sich ziehen. Das Werk Friedrich August von Hayek (1929, 1944, 1976) erklärt warum.

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Hohe Auslastung der deutschen Wirtschaft
Hände weg von der Nachfragepolitik!

Die deutsche Wirtschaft geht 2018 in ihr sechstes Aufschwungsjahr. Die Wachstumsraten liegen in den letzten Jahren durchweg bei um die 2 Prozent. Diese Robustheit verstärkt auch die Diskussion darüber, ob die deutsche Wirtschaft Gefahr läuft, sich derzeit zu überhitzen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung stellt in seinem aktuellen Gutachten fest, dass nicht nur die tatsächliche Wirtschaftsleistung stärker zulegt als das Wachstum des Produktionspotenzials. Gemäß SVR liegt auch die absolute Produktion über dem Produktionspotenzial. Auch die rückläufige Arbeitslosigkeit hin zum Niveau der strukturellen Arbeitslosigkeit deutet laut SVR auf Überhitzungsgefahren hin.

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Kein Potenzial für Wünsche

Die deutsche Volkswirtschaft steht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht da, sie wirkt erstaunlich robust. Nach dem Rendezvous mit der Stagnation in den Jahren 2012 und 2013 legte das reale Bruttoinlandsprodukt hierzulande in den vergangenen beiden Jahren um deutlich mehr als 1 ½ Prozent zu. Für dieses Jahr wird ein Wirtschaftswachstum von 1 ½ Prozent und für das kommende Jahr ein etwas schwächerer Zuwachs von gut 1 ¼ Prozent erwartet (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2016).

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Säkulare Stagnation (1)
Nachfragemangel schwächt langfristiges Wachstum
Gute Idee oder heiße Luft?

„Secular stagnation, we have learned, is an economist’s Rorschach Test. It means different things to different people.” (Barry Eichengreen)

“Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ Dieser Spruch von Mark Twain hat was, auch für die Ökonomie. Es ist bald schon ein Jahrzehnt her, dass die Finanzkrise ausbrach, die weltweit größte Krise seit der „Großen Depression“. Ökonomen sprechen von der „Großen Rezession“. Nach wie vor ist die wirtschaftliche Entwicklung enttäuschend. Die Arbeitslosigkeit ist noch immer meist höher als zuvor. Das wirtschaftliche Wachstum ist weiter anämisch. Auf den ersten Blick ähnelt die Entwicklung heute der nach der „Großen Depression“. Das ist die Zeit der Pessimisten, damals wie heute. Alvin Hansen sprach im Jahre 1938 von „Säkularer Stagnation“. Heute sehen prominente Ökonomen eine ähnliche Entwicklung heraufziehen. Das wirtschaftliche Wachstum stockt. Der Harvard-Ökonom Lawrence Summers bemängelt die unzulängliche gesamtwirtschaftliche Nachfrage, Robert Gordon von der Northwestern University eine rückläufige Rate der Innovation. Die historische Entwicklung hat den Pessimisten allerdings nicht Recht gegeben. Eine „Säkulare Stagnation“ fand nicht statt. Wird die Entwicklung dieses Mal anders verlaufen?

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Gastbeitrag
Konjunktur: Ein Phänomen zwischen Realität und Fiktion

“Well, I´ve often seen a cat without a grin, but a grin without a cat is the curious thing I ever saw in my life.“ (Lewis Carroll, 1984)

Es ist erstaunlich, wie eine Vermutung über ein ökonomisches Phänomen, welches über ein Jahrhundert hinweg von vielen in Politik, Wirtschaft und in den Medien so genutzt wird, als ob es Realität wäre, also zum gesicherten Bestand des Wissens gehörte: das Phänomen Konjunktur. Bei genauerer Betrachtung ist es zwischen Realität und Fiktion angesiedelt und kommt einer Fiktion nahe. Einige Verdikte von Hayek begründen, warum die Konjunkturpolitik und ihr gesetzlicher Rahmen kritisch überprüft werden sollten: (1) „die Irrtümer der Makroökonomik“, (2) „der keynesianische Traum“ und (3) „die Anmaßung von Wissen“. In der nachstehenden Analyse wird das Phänomen auf seinen empirischen Gehalt und seine analytische Qualität geprüft.

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Irgendwie, irgendwo, irgendwann
Deflation, Inflation oder Stagflation?

“Die Zentralbankgeldmenge, international als Geldbasis bezeichnet, ist das Schlüsselaggregat der Geld- und Kreditschöpfung. Diese Geldmenge hat die EZB innerhalb der noch kurzen Amtszeit Draghis um gut 50 Prozent auf 1,8 Billionen Euro angehoben…So beträgt die Verschuldung der italienischen Banken beim Eurosystem inzwischen das 7-fache ihrer Basisgeldreserven, die entsprechende Verschuldung der griechischen Banken sogar das 24-fache. Bei solchen Verhältnissen nur von Bankrott zu sprechen, wäre Bagatellisierung…Wenn sich das Bundesverfassungsgericht nicht der Bürger erbarmt und Draghi ein „Halt“ zuruft, wird er den Euro bald vollends demontiert haben.“ (Manfred J.M. Neumann, 2012)

„Die Deutsche Bundesbank sucht die Inflation unter jedem Kieselstein.“ (James Baker, ehemaliger amerikanischer Außenminister)

Ist dieses Mal alles anders, auch in der Geldpolitik? Seit der Finanzkrise fluten die Notenbanken die Welt mit Geld. Damit retteten sie das Finanzsystem vor dem Kollaps. Von einem nachhaltig kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung fehlt aber nach wie vor jede Spur. Daran hat auch der Einsatz unkonventioneller Instrumente der Geldpolitik, wie QE 1ff. oder OMT, nichts geändert. Das Wachstum bleibt anämisch, die Arbeitslosigkeit persistent hoch. Auch die “moderne” Geldpolitik ist unfähig, diese Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Das ist bei sich weiter verfestigender struktureller Arbeitslosigkeit nicht überraschend. Erstaunlich ist allerdings, dass bei einer Output-Lücke, die sich schließt, eine hyper-expansive Geldpolitik das allgemeine Preisniveau nicht stärker treibt. Nach traditionellem Verständnis müsste die Inflationsrate längst durch die Decke gehen. Das ist nicht der Fall. Sie liegt meist unter der 2 %-Zielmarke der Notenbanken. Am aktuellen Rand ist das Bild allerdings uneinheitlich. In der EWU dominieren eher disinflationäre Tendenzen, in den USA scheint die Inflation aus einem langen Schlaf zu erwachen. Die spannende Frage ist: Droht weltweit Stagnation,  kommt es doch noch zur Inflation oder schlittern wir in eine Stagflation?

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Deflation, Inflation oder Stagflation?
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