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	<title>Kommentare zu: Ordnungsruf: Krise am Finanzmarkt – Krise auch im Elfenbeinturm?</title>
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	<description>Ordnungspolitischer Blog</description>
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		<title>Von: Gerald Braunberger</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=1308&#038;cpage=1#comment-67974</link>
		<dc:creator>Gerald Braunberger</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 22:51:38 +0000</pubDate>
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		<description>Ein paar nicht notwendigerweise zusammenh&#228;ngende Anmerkungen.

1. Es wird heute so getan, als h&#228;tten wir zu Beginn der Krise in einer generellen &quot;Bubble-&#214;konomie&quot; gelebt, die (und deren Folgen) doch vorhersehbar gewesen sein m&#252;sse. Ich bestreite das. 

Abgesehen davon, dass systematisch erfolgreiche Prognosen an einigerma&#223;en effizienten M&#228;rkten eh nicht m&#246;glich sind: Wie sah es denn im Sommer 2007 an den gro&#223;en Finanzm&#228;rkten aus?

- Die Aktienm&#228;rkte waren im historischen Ma&#223;stab teuer, aber nicht exzessiv hoch bewertet, wenn man den f&#252;r solche F&#228;lle &#252;blichen Ma&#223;stab, das Verh&#228;ltnis von Kursniveau zu (erwarteten) Unternehmensgewinnen, sprich das KGV, anlegte. Selbst bei einem Dax von 8000 war der deutsche Aktienmarkt im Sommer 2007 erheblich billiger als beim Stand von 8000 Punkten rund zehn Jahre zuvor, weil die Gewinnsch&#228;tzungen viel h&#246;her waren.
- An den Anleihem&#228;rkten war trotz historisch niedriger Nominalrenditen von einem Bubble ebenfalls nichts zu sehen. Die Inflationsraten waren niedrig, Inflationswartungen kaum existent, die Staaten hatten in den Vorjahren ihre Neuverschuldung heruntergefahren und aus den Schwellenl&#228;ndern str&#246;mte das Kapital. 
- Die Devisenm&#228;rkte warfen auch keine gro&#223;en Probleme auf. Zwar gab es umfangreiche &quot;Carry-Trades&quot;, bei denen man sich in Niedrigzinsw&#228;hrungen wie dem Yen verschuldete und in h&#246;her verzinslichen W&#228;hrungen wie dem Neuseeland- und dem Australien-Dollar verzinste, aber das fand eher an der Peripherie statt.
- An den Geldm&#228;rkten gab es keine Spannungen. Es existierte ein hohes Angebot an Geldmarktpapieren, etwa Commercial Paper von Unternehmen, aber auch eine hohe Nachfrage der Geldmarktfonds.
- Bewegung gab es an Rohstoffm&#228;rkten, wo das Interesse von Finanzinvestoren zunahm, die nach Alternativen suchten. Aber dort gab es auch eine &quot;Wachstumsstory&quot;: Gerade in den rasch wachsenden Schwellenl&#228;ndern w&#252;rde die Rohstoffnachfrage langfristig zunehmen. Das war ja auch nicht unplausibel.
- Die Immobilienm&#228;rkte befanden sich NICHT generell in einem Bubble. Es gab starke Preissteigerungen an TEILEN des amerikanischen Immobilienmarktes, aber nicht am gesamten amerikanischen Immobilienmarkt. Es gab starke Preissteigerungen in EINZELNEN europ&#228;ischen M&#228;rkten wie Spanien, Gro&#223;britannien und Irland, aber nicht an ALLEN europ&#228;ischen Immobilienm&#228;rkten.
- Es gab - ex-post betrachtet - &#220;bertreibungen bei einigen, nicht ALLEN, M&#228;rkten f&#252;r strukturierte Wertpapiere und f&#252;r Kreditderivate. Diese M&#228;rkte waren total unreguliert, f&#252;r Au&#223;enstehende (und wie man heute wei&#223;, auch f&#252;r nicht wenige Marktteilnehmer) intransparent, extrem komplex und es waren ganz &#252;berwiegend Profis aus derFinanzbranche an ihnen t&#228;tig.
- Das Leverage und das Pricing von Private-Equity-Deals war extrem. Aber Private-Equity war nur ein kleiner Teil des gesamten Finanzmarkts.

Noch einmal: Von einem generellen Bubble konnte keine Rede sein.

2. Nat&#252;rlich haben Marktprofis gesehen, dass es an einzelnen M&#228;rkten zu Exzessen gekommen war und das wurde in der Presse auch in den Monaten vor dem Ausbruch der Krise beschrieben. Aber aus der Sicht dieser Profis war ein Crash nicht zwingend (ansonsten h&#228;tten sie sich doch gegen ihn abgesichert, was an modernen M&#228;rkten leicht m&#246;glich gewesen w&#228;re). Man hielt eine allm&#228;hliche, eher sanfte Korrektur f&#252;r wahrscheinlich.

3. In der Regulierungsdebatte kann ich nur anregen, jegliche ideologische Scheuklappen abzulegen. Daf&#252;r ist die Materie zu komplex und die Sache zu ernst. Aus meiner Sicht lassen sich aber zwei Feststellungen treffen:

- Nat&#252;rlich wehte in der Fachwelt ein liberaler Zeitgeist. Finanzm&#228;rkte galten als (ziemlich) effizient. Das hatte zweierlei zur Folge: Neue M&#228;rkte wie jene f&#252;r strukturierte Papiere und Kreditderivate sollten nicht reguliert werden. Hedge-Fonds m&#252;ssen nicht einmal Transparenz schaffen. Hier ist es vor allem in den USA und in GB der Finanzbranche gelungen, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Und in der Mainstream-Makro&#246;konomik spielten Finanzm&#228;rkte keine Rolle, denn die funktionierten ja sowieso einwandfrei. Von deutschen Ordnungs&#246;konomen habe ich vor der Krise wenig &#252;ber Finanzm&#228;rkte gelesen, aber ich liege wohl nicht ganz falsch, dass sie den Chicago-Ansatz eher pr&#228;feriert h&#228;tten als Forderungen nach mehr Regulierungen. Insofern macht dieser obskure &quot;Methodenstreit&quot; gerade angesichts der Finanzkrise aus meiner Sicht wenig Sinn. Da geht es doch eher um die Besetzung frei werdender Professuren, und wohin die Reise geht, ist ja offensichtlich.

- Gleichzeitig existierten an anderen Finanzm&#228;rkten vielf&#228;ltige Regulierungen, und wie wir gelernt haben, waren da einige nicht sehr effizient. Auch &#252;ber die Arbeit und die Kompetenzen von Aufsichtsbeh&#246;rden muss man nachdenken und das wird ja auch getan. Ein Hinweis an einen Diskutanten: Die USA haben Basel II nie &#252;bernommen.

Meine Schlussfolgerung ist: Wir brauchen keine ideologischen Debatten &#252;ber mehr oder weniger Regulierung. Es muss gelingen, auch angesichts eines notwendigerweise unvollkommenen Wissens, ein notwendiges Ma&#223; m&#246;glichst effizienter Regulierungen zu finden. Das ist aber schwierig und erfordert viele Detailkenntnisse. Da Finanzm&#228;rkte sehr innovativ dynamisch sind, wird es auch immer wieder notwendig sein, &#252;ber Adjustierungen des Regulierungsgef&#252;ges nachzudenken. Dazu habe ich einiges gelesen von Herrn Hellwig und Frau Weder di Mauro, von Herrn Brunnermeier, von Herrn Sinn, und die Herren Issing und Krahnen haben in einer Regierungskomission gearbeitet. Falls deutsche Ordnungs&#246;konomen hierzu konkrete Arbeiten geliefert haben sollten, w&#228;re ich f&#252;r einen Hinweis dankbar.

4. In modernen Arbeiten zur Krise wird eine Interpretation deutlich, die auch f&#252;r die Geschehnisse nach 1929 gilt: Es gab nicht EINE Krise, es gab ZWEI.

- Die erste Krise war die Subprime-Immobilienkrise. Die war bedeutend, in ihrem Ausma&#223; im historischen Vergleich aber keineswegs einmalig. Sie wirkte in das internationale Finanzsystem hinein, h&#228;tte es aber alleine ebensowenig an den Rand den Zusammenbruchs f&#252;hren m&#252;ssen wie die Sparbanken-Krise in den USA oder die japanische Immobilienkrise, die Immobilienkrisen vergleichbarer Gr&#246;&#223;e waren. Damals drohte kein Systemkrach.

- Die Immobilienkrise l&#246;ste aber innerhalb des Finanzsystems eine zweite Krise aus, die viel mit der unendlichen Komplexit&#228;t und der dank moderner Informationstechnologie extremen inneren Verwobenheit des Finanzsystems zu tun hatte. Ein externer Schock an einem G&#252;termarkt braucht Zeit, bis er sich ausbreitet. Ein Schock an einem Segment des Finanzmarktes kann innerhalb weniger Minuten andere Segmente des Finanzmarkts ersch&#252;ttern, und genau das haben wir gesehen. Wenn dann noch die &quot;animal spirits&quot; sich melden, und die extreme Komplexit&#228;t des Finanzsystems tr&#228;gt dazu bei, dass sie sich melden, weil keiner mehr das ganze System und seine Produkte versteht, und das verst&#228;rkt die Unsicherheit und den Herdentrieb.

Wenn die These der zwei Krisen richtig ist, verbieten sich alle simplistischen Interpretationen nach dem Motto: Die Geldpolitik war an allem schuld. Dann sind Ordnungs&#246;konomen und Makro&#246;konomen zun&#228;chst einmal gleicherma&#223;en nackt wie der Kaiser im M&#228;rchen. Die historische Evidenz zeigt zudem, dass es auch in den angeblich g&#252;ldenen Zeiten der Goldw&#228;hrung Finanzkrisen gegeben hat, und wer f&#252;r 100-Prozen-Mindestreserven optiert, wird sich auch mit den Unvollkommenheiten dieses Modells auseinandersetzen m&#252;ssen. Auch da sind Finanzkrisen m&#246;glich. Erst recht aber wird man von keinem &#214;konomen verlagen d&#252;rfen, die Zukunft zu prognostizieren. Denn, um einen alten Spruch anzubringen, wenn der &#214;konom die Zukunft kennte, w&#228;re er reich. (F&#252;r Journalisten gilt das nat&#252;rlich auch.)

Den gr&#246;&#223;ten Nutzen k&#246;nnten &#214;konomen stiften, wenn sie die Krise als ein (h&#246;chst spannendes und offenes) Forschungsprogramm verstehen w&#252;rden anstelle der Gelegenheit, einfach alte Weisheiten zu propagieren. Auf das Ergebnis dieser Forschungen werden viele Menschen mit Interesse warten.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ein paar nicht notwendigerweise zusammenh&#228;ngende Anmerkungen.</p>
<p>1. Es wird heute so getan, als h&#228;tten wir zu Beginn der Krise in einer generellen &#8220;Bubble-&#214;konomie&#8221; gelebt, die (und deren Folgen) doch vorhersehbar gewesen sein m&#252;sse. Ich bestreite das. </p>
<p>Abgesehen davon, dass systematisch erfolgreiche Prognosen an einigerma&#223;en effizienten M&#228;rkten eh nicht m&#246;glich sind: Wie sah es denn im Sommer 2007 an den gro&#223;en Finanzm&#228;rkten aus?</p>
<p>- Die Aktienm&#228;rkte waren im historischen Ma&#223;stab teuer, aber nicht exzessiv hoch bewertet, wenn man den f&#252;r solche F&#228;lle &#252;blichen Ma&#223;stab, das Verh&#228;ltnis von Kursniveau zu (erwarteten) Unternehmensgewinnen, sprich das KGV, anlegte. Selbst bei einem Dax von 8000 war der deutsche Aktienmarkt im Sommer 2007 erheblich billiger als beim Stand von 8000 Punkten rund zehn Jahre zuvor, weil die Gewinnsch&#228;tzungen viel h&#246;her waren.<br />
- An den Anleihem&#228;rkten war trotz historisch niedriger Nominalrenditen von einem Bubble ebenfalls nichts zu sehen. Die Inflationsraten waren niedrig, Inflationswartungen kaum existent, die Staaten hatten in den Vorjahren ihre Neuverschuldung heruntergefahren und aus den Schwellenl&#228;ndern str&#246;mte das Kapital.<br />
- Die Devisenm&#228;rkte warfen auch keine gro&#223;en Probleme auf. Zwar gab es umfangreiche &#8220;Carry-Trades&#8221;, bei denen man sich in Niedrigzinsw&#228;hrungen wie dem Yen verschuldete und in h&#246;her verzinslichen W&#228;hrungen wie dem Neuseeland- und dem Australien-Dollar verzinste, aber das fand eher an der Peripherie statt.<br />
- An den Geldm&#228;rkten gab es keine Spannungen. Es existierte ein hohes Angebot an Geldmarktpapieren, etwa Commercial Paper von Unternehmen, aber auch eine hohe Nachfrage der Geldmarktfonds.<br />
- Bewegung gab es an Rohstoffm&#228;rkten, wo das Interesse von Finanzinvestoren zunahm, die nach Alternativen suchten. Aber dort gab es auch eine &#8220;Wachstumsstory&#8221;: Gerade in den rasch wachsenden Schwellenl&#228;ndern w&#252;rde die Rohstoffnachfrage langfristig zunehmen. Das war ja auch nicht unplausibel.<br />
- Die Immobilienm&#228;rkte befanden sich NICHT generell in einem Bubble. Es gab starke Preissteigerungen an TEILEN des amerikanischen Immobilienmarktes, aber nicht am gesamten amerikanischen Immobilienmarkt. Es gab starke Preissteigerungen in EINZELNEN europ&#228;ischen M&#228;rkten wie Spanien, Gro&#223;britannien und Irland, aber nicht an ALLEN europ&#228;ischen Immobilienm&#228;rkten.<br />
- Es gab &#8211; ex-post betrachtet &#8211; &#220;bertreibungen bei einigen, nicht ALLEN, M&#228;rkten f&#252;r strukturierte Wertpapiere und f&#252;r Kreditderivate. Diese M&#228;rkte waren total unreguliert, f&#252;r Au&#223;enstehende (und wie man heute wei&#223;, auch f&#252;r nicht wenige Marktteilnehmer) intransparent, extrem komplex und es waren ganz &#252;berwiegend Profis aus derFinanzbranche an ihnen t&#228;tig.<br />
- Das Leverage und das Pricing von Private-Equity-Deals war extrem. Aber Private-Equity war nur ein kleiner Teil des gesamten Finanzmarkts.</p>
<p>Noch einmal: Von einem generellen Bubble konnte keine Rede sein.</p>
<p>2. Nat&#252;rlich haben Marktprofis gesehen, dass es an einzelnen M&#228;rkten zu Exzessen gekommen war und das wurde in der Presse auch in den Monaten vor dem Ausbruch der Krise beschrieben. Aber aus der Sicht dieser Profis war ein Crash nicht zwingend (ansonsten h&#228;tten sie sich doch gegen ihn abgesichert, was an modernen M&#228;rkten leicht m&#246;glich gewesen w&#228;re). Man hielt eine allm&#228;hliche, eher sanfte Korrektur f&#252;r wahrscheinlich.</p>
<p>3. In der Regulierungsdebatte kann ich nur anregen, jegliche ideologische Scheuklappen abzulegen. Daf&#252;r ist die Materie zu komplex und die Sache zu ernst. Aus meiner Sicht lassen sich aber zwei Feststellungen treffen:</p>
<p>- Nat&#252;rlich wehte in der Fachwelt ein liberaler Zeitgeist. Finanzm&#228;rkte galten als (ziemlich) effizient. Das hatte zweierlei zur Folge: Neue M&#228;rkte wie jene f&#252;r strukturierte Papiere und Kreditderivate sollten nicht reguliert werden. Hedge-Fonds m&#252;ssen nicht einmal Transparenz schaffen. Hier ist es vor allem in den USA und in GB der Finanzbranche gelungen, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Und in der Mainstream-Makro&#246;konomik spielten Finanzm&#228;rkte keine Rolle, denn die funktionierten ja sowieso einwandfrei. Von deutschen Ordnungs&#246;konomen habe ich vor der Krise wenig &#252;ber Finanzm&#228;rkte gelesen, aber ich liege wohl nicht ganz falsch, dass sie den Chicago-Ansatz eher pr&#228;feriert h&#228;tten als Forderungen nach mehr Regulierungen. Insofern macht dieser obskure &#8220;Methodenstreit&#8221; gerade angesichts der Finanzkrise aus meiner Sicht wenig Sinn. Da geht es doch eher um die Besetzung frei werdender Professuren, und wohin die Reise geht, ist ja offensichtlich.</p>
<p>- Gleichzeitig existierten an anderen Finanzm&#228;rkten vielf&#228;ltige Regulierungen, und wie wir gelernt haben, waren da einige nicht sehr effizient. Auch &#252;ber die Arbeit und die Kompetenzen von Aufsichtsbeh&#246;rden muss man nachdenken und das wird ja auch getan. Ein Hinweis an einen Diskutanten: Die USA haben Basel II nie &#252;bernommen.</p>
<p>Meine Schlussfolgerung ist: Wir brauchen keine ideologischen Debatten &#252;ber mehr oder weniger Regulierung. Es muss gelingen, auch angesichts eines notwendigerweise unvollkommenen Wissens, ein notwendiges Ma&#223; m&#246;glichst effizienter Regulierungen zu finden. Das ist aber schwierig und erfordert viele Detailkenntnisse. Da Finanzm&#228;rkte sehr innovativ dynamisch sind, wird es auch immer wieder notwendig sein, &#252;ber Adjustierungen des Regulierungsgef&#252;ges nachzudenken. Dazu habe ich einiges gelesen von Herrn Hellwig und Frau Weder di Mauro, von Herrn Brunnermeier, von Herrn Sinn, und die Herren Issing und Krahnen haben in einer Regierungskomission gearbeitet. Falls deutsche Ordnungs&#246;konomen hierzu konkrete Arbeiten geliefert haben sollten, w&#228;re ich f&#252;r einen Hinweis dankbar.</p>
<p>4. In modernen Arbeiten zur Krise wird eine Interpretation deutlich, die auch f&#252;r die Geschehnisse nach 1929 gilt: Es gab nicht EINE Krise, es gab ZWEI.</p>
<p>- Die erste Krise war die Subprime-Immobilienkrise. Die war bedeutend, in ihrem Ausma&#223; im historischen Vergleich aber keineswegs einmalig. Sie wirkte in das internationale Finanzsystem hinein, h&#228;tte es aber alleine ebensowenig an den Rand den Zusammenbruchs f&#252;hren m&#252;ssen wie die Sparbanken-Krise in den USA oder die japanische Immobilienkrise, die Immobilienkrisen vergleichbarer Gr&#246;&#223;e waren. Damals drohte kein Systemkrach.</p>
<p>- Die Immobilienkrise l&#246;ste aber innerhalb des Finanzsystems eine zweite Krise aus, die viel mit der unendlichen Komplexit&#228;t und der dank moderner Informationstechnologie extremen inneren Verwobenheit des Finanzsystems zu tun hatte. Ein externer Schock an einem G&#252;termarkt braucht Zeit, bis er sich ausbreitet. Ein Schock an einem Segment des Finanzmarktes kann innerhalb weniger Minuten andere Segmente des Finanzmarkts ersch&#252;ttern, und genau das haben wir gesehen. Wenn dann noch die &#8220;animal spirits&#8221; sich melden, und die extreme Komplexit&#228;t des Finanzsystems tr&#228;gt dazu bei, dass sie sich melden, weil keiner mehr das ganze System und seine Produkte versteht, und das verst&#228;rkt die Unsicherheit und den Herdentrieb.</p>
<p>Wenn die These der zwei Krisen richtig ist, verbieten sich alle simplistischen Interpretationen nach dem Motto: Die Geldpolitik war an allem schuld. Dann sind Ordnungs&#246;konomen und Makro&#246;konomen zun&#228;chst einmal gleicherma&#223;en nackt wie der Kaiser im M&#228;rchen. Die historische Evidenz zeigt zudem, dass es auch in den angeblich g&#252;ldenen Zeiten der Goldw&#228;hrung Finanzkrisen gegeben hat, und wer f&#252;r 100-Prozen-Mindestreserven optiert, wird sich auch mit den Unvollkommenheiten dieses Modells auseinandersetzen m&#252;ssen. Auch da sind Finanzkrisen m&#246;glich. Erst recht aber wird man von keinem &#214;konomen verlagen d&#252;rfen, die Zukunft zu prognostizieren. Denn, um einen alten Spruch anzubringen, wenn der &#214;konom die Zukunft kennte, w&#228;re er reich. (F&#252;r Journalisten gilt das nat&#252;rlich auch.)</p>
<p>Den gr&#246;&#223;ten Nutzen k&#246;nnten &#214;konomen stiften, wenn sie die Krise als ein (h&#246;chst spannendes und offenes) Forschungsprogramm verstehen w&#252;rden anstelle der Gelegenheit, einfach alte Weisheiten zu propagieren. Auf das Ergebnis dieser Forschungen werden viele Menschen mit Interesse warten.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Jan Schnellenbach</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=1308&#038;cpage=1#comment-65990</link>
		<dc:creator>Jan Schnellenbach</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 21:21:51 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=1308#comment-65990</guid>
		<description>Christian,

Du schreibst:

&quot;Die &#214;konomik kann sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht dadurch entledigen, dass sie auf die Komplexit&#228;t ihres Untersuchungsobjekts und die Beratungsresistenz der Politik verweist; und sie ist niemals „fertig“, steckt in diesem Sinne immer in der „Krise“, ...&quot;

Wahrscheinlich k&#246;nnen wir unsere Meinungsverschiedenheit an diesem Punkt festmachen. Klar, wenn die &#214;konomik immer in der Krise steckt, dann nat&#252;rlich auch jetzt. 

Unter uns kritischen Rationalisten k&#246;nnen wir uns nat&#252;rlich problemlos darauf einigen, da&#223; &#246;konomische Theorien mit empirischen Schwierigkeiten zu k&#228;mpfen haben. Nur folgt daraus eben f&#252;r mich keine Krise der &#214;konomik als Wissenschaft insgesamt. Im Gegenteil.  Kapitel 6 in Gebhard Kirchg&#228;ssners Homo Oeconomicus ist da immer wieder eine lohnende Lekt&#252;re: Empirische Schwierigkeiten von Theorien konstituieren noch keine Krise, sie sind der wissenschaftliche Normalfall. Auch darauf sollten wir uns eigentlich einigen k&#246;nnen.

Was ich in meinem Blogbeitrag im Mai meinte, war aber genau dies: Es ging darum, das normale wissenschaftliche Arbeiten, wie es in der &#214;konomik genauso wie in allen anderen empirischen Wissenschaften vor sich geht, gegen naive Kritik von au&#223;en zu verteidigen. Deren Vertreter stellen ja gerade nicht in Rechnung, da&#223; alle Wissenschaften -- in Deinem Sinne -- permanent &quot;in der Krise&quot; sind. 

Es geht hier auch ausdr&#252;cklich nicht um inner-disziplin&#228;re Kontroversen, z.B. im Sinne von Neoklassik versus Evolutions&#246;konomik, sondern darum, da&#223; ein paar fachfremde Kritiker so weit &#252;ber das Ziel legitimer Kritik hinaus schie&#223;en, da&#223; man sich fragen mu&#223;, ob sie ganz generell verstanden haben, wie Wissenschaft eigentlich funktioniert. Um das zu verdeutlichen, habe ich im Mai-Blogbeitrag schlie&#223;lich die Anspielungen auf andere Disziplinen und deren Probleme untergebracht.

Vielleicht kam das im Blogbeitrag nicht deutlich genug heraus. Dieser sollte kein panglossianisches Argument liefern, im Sinn von: Die aktuelle &#214;konomik ist die beste vorstellbare &#214;konomik. Deshalb ja auch der ausdr&#252;ckliche Hinweis im urspr&#252;nglichen Beitrag, da&#223; dieser sich auf die groben Vorw&#252;rfe bezog, die zu dieser Zeit reihenweise von au&#223;erhalb der Disziplin kamen. 

Viele Gr&#252;&#223;e,
Jan</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Christian,</p>
<p>Du schreibst:</p>
<p>&#8220;Die &#214;konomik kann sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht dadurch entledigen, dass sie auf die Komplexit&#228;t ihres Untersuchungsobjekts und die Beratungsresistenz der Politik verweist; und sie ist niemals „fertig“, steckt in diesem Sinne immer in der „Krise“, &#8230;&#8221;</p>
<p>Wahrscheinlich k&#246;nnen wir unsere Meinungsverschiedenheit an diesem Punkt festmachen. Klar, wenn die &#214;konomik immer in der Krise steckt, dann nat&#252;rlich auch jetzt. </p>
<p>Unter uns kritischen Rationalisten k&#246;nnen wir uns nat&#252;rlich problemlos darauf einigen, da&#223; &#246;konomische Theorien mit empirischen Schwierigkeiten zu k&#228;mpfen haben. Nur folgt daraus eben f&#252;r mich keine Krise der &#214;konomik als Wissenschaft insgesamt. Im Gegenteil.  Kapitel 6 in Gebhard Kirchg&#228;ssners Homo Oeconomicus ist da immer wieder eine lohnende Lekt&#252;re: Empirische Schwierigkeiten von Theorien konstituieren noch keine Krise, sie sind der wissenschaftliche Normalfall. Auch darauf sollten wir uns eigentlich einigen k&#246;nnen.</p>
<p>Was ich in meinem Blogbeitrag im Mai meinte, war aber genau dies: Es ging darum, das normale wissenschaftliche Arbeiten, wie es in der &#214;konomik genauso wie in allen anderen empirischen Wissenschaften vor sich geht, gegen naive Kritik von au&#223;en zu verteidigen. Deren Vertreter stellen ja gerade nicht in Rechnung, da&#223; alle Wissenschaften &#8212; in Deinem Sinne &#8212; permanent &#8220;in der Krise&#8221; sind. </p>
<p>Es geht hier auch ausdr&#252;cklich nicht um inner-disziplin&#228;re Kontroversen, z.B. im Sinne von Neoklassik versus Evolutions&#246;konomik, sondern darum, da&#223; ein paar fachfremde Kritiker so weit &#252;ber das Ziel legitimer Kritik hinaus schie&#223;en, da&#223; man sich fragen mu&#223;, ob sie ganz generell verstanden haben, wie Wissenschaft eigentlich funktioniert. Um das zu verdeutlichen, habe ich im Mai-Blogbeitrag schlie&#223;lich die Anspielungen auf andere Disziplinen und deren Probleme untergebracht.</p>
<p>Vielleicht kam das im Blogbeitrag nicht deutlich genug heraus. Dieser sollte kein panglossianisches Argument liefern, im Sinn von: Die aktuelle &#214;konomik ist die beste vorstellbare &#214;konomik. Deshalb ja auch der ausdr&#252;ckliche Hinweis im urspr&#252;nglichen Beitrag, da&#223; dieser sich auf die groben Vorw&#252;rfe bezog, die zu dieser Zeit reihenweise von au&#223;erhalb der Disziplin kamen. </p>
<p>Viele Gr&#252;&#223;e,<br />
Jan</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Christian Schubert</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=1308&#038;cpage=1#comment-65884</link>
		<dc:creator>Christian Schubert</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Aug 2009 07:39:07 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=1308#comment-65884</guid>
		<description>Sehr geehrter Herr Hentrich,

vielen Dank f&#252;r den Hinweis auf die &quot;Critical Review&quot;. F&#252;r das Thema meines Beitrags interessant ist dort vielleicht weniger das Hickhack um die Regulierung von CSD (dazu ist das letzte Wort noch nicht gesprochen) als vielmehr der Beitrag von Colander et al. &#252;ber das &quot;systemic failure of the economics profession&quot;. 
Bitte beachten Sie, da&#223; ich im Text weit davon entfernt bin, die deregulierenden Ma&#223;nahmen als &quot;den kausalen Einfluss schlechthin&quot; zu &quot;pr&#228;sentieren&quot;. Es gab eine Vielzahl kausaler Faktoren, und der Einflu&#223; institutioneller &#196;nderungen l&#228;&#223;t sich stets nur im gesamten institutionellen Kontext erfassen. Das mu&#223; f&#252;r die ordnungs&#246;konomischen Leser dieses Blogs nicht jedesmal gesondert betont werden.
Ob Wettbewerb ausgerechnet in der Rating-Branche die dortigen Probleme (Fehleinsch&#228;tzungen von Risiken) verhindert h&#228;tte? Doch wohl kaum ohne eine L&#246;sung der gravierenden Prinzipal-Agent-Probleme in den Gesch&#228;ftsmodellen der Agenturen.
Beste Gr&#252;&#223;e,
C.Schubert</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrter Herr Hentrich,</p>
<p>vielen Dank f&#252;r den Hinweis auf die &#8220;Critical Review&#8221;. F&#252;r das Thema meines Beitrags interessant ist dort vielleicht weniger das Hickhack um die Regulierung von CSD (dazu ist das letzte Wort noch nicht gesprochen) als vielmehr der Beitrag von Colander et al. &#252;ber das &#8220;systemic failure of the economics profession&#8221;.<br />
Bitte beachten Sie, da&#223; ich im Text weit davon entfernt bin, die deregulierenden Ma&#223;nahmen als &#8220;den kausalen Einfluss schlechthin&#8221; zu &#8220;pr&#228;sentieren&#8221;. Es gab eine Vielzahl kausaler Faktoren, und der Einflu&#223; institutioneller &#196;nderungen l&#228;&#223;t sich stets nur im gesamten institutionellen Kontext erfassen. Das mu&#223; f&#252;r die ordnungs&#246;konomischen Leser dieses Blogs nicht jedesmal gesondert betont werden.<br />
Ob Wettbewerb ausgerechnet in der Rating-Branche die dortigen Probleme (Fehleinsch&#228;tzungen von Risiken) verhindert h&#228;tte? Doch wohl kaum ohne eine L&#246;sung der gravierenden Prinzipal-Agent-Probleme in den Gesch&#228;ftsmodellen der Agenturen.<br />
Beste Gr&#252;&#223;e,<br />
C.Schubert</p>
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		<title>Von: Steffen Hentrich</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=1308&#038;cpage=1#comment-65859</link>
		<dc:creator>Steffen Hentrich</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Aug 2009 01:23:01 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=1308#comment-65859</guid>
		<description>Sehr geehrter Herr Schubert,

die von Ihnen genannten Deregulierungen lassen sich nicht trennscharf von Regulierungen unterscheiden und k&#246;nnen einzeln genommen nur im Kontext der Gesamtheit der Rahmenbedingungen als kausale Faktoren f&#252;r die Finanzkrise herangezogen werden. Viele der heute als Regulierungsvers&#228;umnisse beklagten Probleme traten in diesem Ausma&#223; nur auf, weil staatliche Interventionen im Rahmen der amerikanischen Wohneigentumspolitik, der Zinspolitik und des staatlich forcierten mangelnden Wettbewerb in der Rating-Branche erst den Rahmen daf&#252;r boten. Zudem haben Basel I und II f&#252;r eine regulative Absegnung institutioneller Sorglosigkeit gesorgt. Also ist es eher problematisch die Deregulierung des Finanzsektors als den kausalen Einfluss schlechthin zu pr&#228;sentieren. Hier war die &#214;konomenzunft schlichtweg &#252;berfordert alle interdependenten Wirkungen antizipieren zu k&#246;nnen. Der Interventionismus in den vorab genannten Bereichen wurde einzeln durchaus von &#214;konomen kritisiert, wenn auch nicht mit der n&#246;tigen Vehemenz, da die systemische Wirkung so schwer zu durchschauen war. Eine sehr empfehlenswerte Lekt&#252;re hierzu ist das aktuelle Sonderheft der Zeitschrift Critical Review (21,2-3, 2009), in dem beispielsweise eine durchaus kontroverse Debatte &#252;ber die kausale Rolle der Credit Default Swaps und deren Regulierung gef&#252;hrt wird. Die Einf&#252;hrung der &quot;fair value&quot;-Regeln sollte man ohnehin nicht als Deregulierung, sonders als Regulierung bezeichnen, da sie bereits verpflichtend im Jahr 1994 f&#252;r alle amerikanischen Unternehmen, inklusive Banken eingef&#252;hrt wurde, wobei bereits lange bekannt ist, dass sie Abschreibungen von Verlusten zementiert, die eigentlich nur tempor&#228;rer Natur aufgrund von Preisschwankungen der Verm&#246;genstitel sind.

Mit besten Gr&#252;&#223;en

Steffen Hentrich</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrter Herr Schubert,</p>
<p>die von Ihnen genannten Deregulierungen lassen sich nicht trennscharf von Regulierungen unterscheiden und k&#246;nnen einzeln genommen nur im Kontext der Gesamtheit der Rahmenbedingungen als kausale Faktoren f&#252;r die Finanzkrise herangezogen werden. Viele der heute als Regulierungsvers&#228;umnisse beklagten Probleme traten in diesem Ausma&#223; nur auf, weil staatliche Interventionen im Rahmen der amerikanischen Wohneigentumspolitik, der Zinspolitik und des staatlich forcierten mangelnden Wettbewerb in der Rating-Branche erst den Rahmen daf&#252;r boten. Zudem haben Basel I und II f&#252;r eine regulative Absegnung institutioneller Sorglosigkeit gesorgt. Also ist es eher problematisch die Deregulierung des Finanzsektors als den kausalen Einfluss schlechthin zu pr&#228;sentieren. Hier war die &#214;konomenzunft schlichtweg &#252;berfordert alle interdependenten Wirkungen antizipieren zu k&#246;nnen. Der Interventionismus in den vorab genannten Bereichen wurde einzeln durchaus von &#214;konomen kritisiert, wenn auch nicht mit der n&#246;tigen Vehemenz, da die systemische Wirkung so schwer zu durchschauen war. Eine sehr empfehlenswerte Lekt&#252;re hierzu ist das aktuelle Sonderheft der Zeitschrift Critical Review (21,2-3, 2009), in dem beispielsweise eine durchaus kontroverse Debatte &#252;ber die kausale Rolle der Credit Default Swaps und deren Regulierung gef&#252;hrt wird. Die Einf&#252;hrung der &#8220;fair value&#8221;-Regeln sollte man ohnehin nicht als Deregulierung, sonders als Regulierung bezeichnen, da sie bereits verpflichtend im Jahr 1994 f&#252;r alle amerikanischen Unternehmen, inklusive Banken eingef&#252;hrt wurde, wobei bereits lange bekannt ist, dass sie Abschreibungen von Verlusten zementiert, die eigentlich nur tempor&#228;rer Natur aufgrund von Preisschwankungen der Verm&#246;genstitel sind.</p>
<p>Mit besten Gr&#252;&#223;en</p>
<p>Steffen Hentrich</p>
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