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	<title>Kommentare zu: B&#252;cherMarkt: &#214;konomische Theorie als politische Ideologie?</title>
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	<description>Ordnungspolitischer Blog</description>
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		<item>
		<title>Von: Gerald Braunberger</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249&#038;cpage=1#comment-78086</link>
		<dc:creator>Gerald Braunberger</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 19:47:56 +0000</pubDate>
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		<description>Da ich gerade in den &quot;Collected Writings&quot; bl&#228;ttere, hier Ausz&#252;ge aus zwei Briefen von John Maynard Keynes an Roy Harrod aus dem Jahre 1938 (&#220;bersetzung von mir):


&quot;Es scheint mir, dass die &#214;konomik ein Zweig der Logik ist, eine Denkweise, und dass Du nicht entschieden genug Versuche zur&#252;ckweist, sie in eine Pseudo-Naturwissenschaft zu verwandeln. Man kommt nicht sehr weit au&#223;er durch die Entwicklung neuer und verbesserter Modelle. Das erfordert, wie Du schreibst, &#039;eine wachsame Beobachtung des tats&#228;chlichen Funktionieren unseres Systems&#039;. Fortschritt in der &#214;konomik besteht fast ausschlie&#223;lich in der fortschreitenden Verbesserung der Modellwahl...

Aber es geh&#246;rt zur Essenz eines Modells, dass man es nicht mit realen Werten f&#252;r die variablen Funktionen auff&#252;llt. Damit w&#252;rde es als Modell unbauchbar. Denn damit verl&#246;re das Modell seine Allgemeinheit und seinen Wert als Denkweise...

Die &#214;konomik ist eine Wissenschaft des Denkens in Modellen verbunden mit der Kunst, f&#252;r die zeitgen&#246;ssische Welt relevante Modelle zu finden. So muss es sein, denn, anders als in den typischen Naturwissenschaften, ist das in den Modellen verwendete Material in zu vielen Hinsichten nicht homogen im Zeitablauf. Das Ziel eines Modells besteht in der Trennung der semi-permanenten oder relativ konstanten Faktoren von jenen, die vor&#252;bergehend oder fluktuierend sind...

Gute &#214;konomen sind rar, weil die Gabe zur Auswahl guter Modelle auf der Basis &#039;wachsamer Beobachtung&#039; sehr selten zu sein scheint, obgleich sie keine hochgez&#252;chteten intellektuellen Techniken verlangt.

Zweitens ist die &#214;konomik wesentlich eine Moralwissenschaft und keine Naturwissenschaft. Das hei&#223;t, sie beinhaltet Introspektion und Werturteile. Ich k&#246;nnte hinzuf&#252;gen, dass sie sich mit Motiven, Erwartungen und psychologischen Unsicherheiten besch&#228;ftigt. Es ist so, als wenn der Fall eines Apfels auf den Boden abh&#228;ngt von den Motiven des Apfels, ob es sich auf den Boden zu fallen lohnt, davon, ob der Boden den Fall des Apfels w&#252;nscht und von falschen Berechnungen des Apfels &#252;ber seine Entfernung von Zentrum der Erde.&quot;

Im Jahre 1938 war Poppers &quot;Logik der Forschung&quot; erschienen, aber ich bis heute bei Keynes keinen Hinweis auf Popper gefunden. Hingegen war er sehr skeptisch gegen&#252;ber der &#214;konometrie mit einer Begr&#252;ndung, die Jahrzehnte sp&#228;ter als &quot;Lucas-Kritik&quot; ber&#252;hmt werden sollte.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Da ich gerade in den &#8220;Collected Writings&#8221; bl&#228;ttere, hier Ausz&#252;ge aus zwei Briefen von John Maynard Keynes an Roy Harrod aus dem Jahre 1938 (&#220;bersetzung von mir):</p>
<p>&#8220;Es scheint mir, dass die &#214;konomik ein Zweig der Logik ist, eine Denkweise, und dass Du nicht entschieden genug Versuche zur&#252;ckweist, sie in eine Pseudo-Naturwissenschaft zu verwandeln. Man kommt nicht sehr weit au&#223;er durch die Entwicklung neuer und verbesserter Modelle. Das erfordert, wie Du schreibst, &#8216;eine wachsame Beobachtung des tats&#228;chlichen Funktionieren unseres Systems&#8217;. Fortschritt in der &#214;konomik besteht fast ausschlie&#223;lich in der fortschreitenden Verbesserung der Modellwahl&#8230;</p>
<p>Aber es geh&#246;rt zur Essenz eines Modells, dass man es nicht mit realen Werten f&#252;r die variablen Funktionen auff&#252;llt. Damit w&#252;rde es als Modell unbauchbar. Denn damit verl&#246;re das Modell seine Allgemeinheit und seinen Wert als Denkweise&#8230;</p>
<p>Die &#214;konomik ist eine Wissenschaft des Denkens in Modellen verbunden mit der Kunst, f&#252;r die zeitgen&#246;ssische Welt relevante Modelle zu finden. So muss es sein, denn, anders als in den typischen Naturwissenschaften, ist das in den Modellen verwendete Material in zu vielen Hinsichten nicht homogen im Zeitablauf. Das Ziel eines Modells besteht in der Trennung der semi-permanenten oder relativ konstanten Faktoren von jenen, die vor&#252;bergehend oder fluktuierend sind&#8230;</p>
<p>Gute &#214;konomen sind rar, weil die Gabe zur Auswahl guter Modelle auf der Basis &#8216;wachsamer Beobachtung&#8217; sehr selten zu sein scheint, obgleich sie keine hochgez&#252;chteten intellektuellen Techniken verlangt.</p>
<p>Zweitens ist die &#214;konomik wesentlich eine Moralwissenschaft und keine Naturwissenschaft. Das hei&#223;t, sie beinhaltet Introspektion und Werturteile. Ich k&#246;nnte hinzuf&#252;gen, dass sie sich mit Motiven, Erwartungen und psychologischen Unsicherheiten besch&#228;ftigt. Es ist so, als wenn der Fall eines Apfels auf den Boden abh&#228;ngt von den Motiven des Apfels, ob es sich auf den Boden zu fallen lohnt, davon, ob der Boden den Fall des Apfels w&#252;nscht und von falschen Berechnungen des Apfels &#252;ber seine Entfernung von Zentrum der Erde.&#8221;</p>
<p>Im Jahre 1938 war Poppers &#8220;Logik der Forschung&#8221; erschienen, aber ich bis heute bei Keynes keinen Hinweis auf Popper gefunden. Hingegen war er sehr skeptisch gegen&#252;ber der &#214;konometrie mit einer Begr&#252;ndung, die Jahrzehnte sp&#228;ter als &#8220;Lucas-Kritik&#8221; ber&#252;hmt werden sollte.</p>
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	<item>
		<title>Von: John Dean (as good as seen)</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249&#038;cpage=1#comment-77180</link>
		<dc:creator>John Dean (as good as seen)</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 01:59:26 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249#comment-77180</guid>
		<description>Wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, Fragen des Allgemeinwohls und der politischen Wege dorthin erstens rational zu fassen und zweitens zu diskutieren, dann leisten &#214;konomen, welche ihrer Fachdisziplin in gesellschaftspolitischen Fragen etwas zu sehr vertrauen, dennoch und oft etwas Wertvolles: Sie schaffen wichtige Grundlagen f&#252;r einen rationalen Diskurs &#252;ber politische Entscheidungsalternativen.

Interessant finde ich vor allem jene F&#228;lle, wo der &quot;&#246;konomisch richtige Weg&quot; sich in Gegensatz zu anderen Werthorizonten bzw. Beurteilungsma&#223;st&#228;ben begibt. Auch dann, wenn Herr Schnellenbach nicht gerade ein Freund der Gl&#252;cksforschung ist (die dennoch &#252;berwiegend sehr empirisch orientiert ist), meine ich, dass in Auswertung dieses Forschungszweiges eine Reihe hoch interessanter Wertungsdifferenzen und Paradoxien gefunden werden k&#246;nnen, zudem auch viel versprechende Hinweise darauf, wie die anthropologische L&#252;cke des Homo Oeconomicus verringert werden kann.

Falls daran Interesse besteht, liefere ich daf&#252;r ein paar Beispiele.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, Fragen des Allgemeinwohls und der politischen Wege dorthin erstens rational zu fassen und zweitens zu diskutieren, dann leisten &#214;konomen, welche ihrer Fachdisziplin in gesellschaftspolitischen Fragen etwas zu sehr vertrauen, dennoch und oft etwas Wertvolles: Sie schaffen wichtige Grundlagen f&#252;r einen rationalen Diskurs &#252;ber politische Entscheidungsalternativen.</p>
<p>Interessant finde ich vor allem jene F&#228;lle, wo der &#8220;&#246;konomisch richtige Weg&#8221; sich in Gegensatz zu anderen Werthorizonten bzw. Beurteilungsma&#223;st&#228;ben begibt. Auch dann, wenn Herr Schnellenbach nicht gerade ein Freund der Gl&#252;cksforschung ist (die dennoch &#252;berwiegend sehr empirisch orientiert ist), meine ich, dass in Auswertung dieses Forschungszweiges eine Reihe hoch interessanter Wertungsdifferenzen und Paradoxien gefunden werden k&#246;nnen, zudem auch viel versprechende Hinweise darauf, wie die anthropologische L&#252;cke des Homo Oeconomicus verringert werden kann.</p>
<p>Falls daran Interesse besteht, liefere ich daf&#252;r ein paar Beispiele.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Christian Schubert</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249&#038;cpage=1#comment-76355</link>
		<dc:creator>Christian Schubert</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 09:12:16 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249#comment-76355</guid>
		<description>Lieber Herr Braunberger,
stimme Ihnen voll zu. Mein &quot;aufregend&quot; bezog sich eher auf die normativen Implikationen der erw&#228;hnten &quot;neuen&quot; positiven Erkenntnisse als auf die Akzeptanz der Notwendigkeit von Werturteilen. Was die aktuelle Diskussion &#252;ber eine Neuausrichtung der Wohlfahrts&#246;konomik betrifft, so beginnt sie - typisch f&#252;r &#214;konomen - an vielen Stellen auch wieder bei Null. Immerhin haben die meisten Teilnehmer die von Ihnen zitierte Schmoller-Einsicht inzwischen nolens volens akzeptiert (Sen hat m.E. dazu entscheidend beigetragen, jedoch ohne sich selbst auf die &quot;Altmeister&quot; zu berufen). Andererseits findet sich auch immer wieder die Auffassung, Paretianische Kriterien (wie das beliebte Kaldor-Hicks-Kriterium) seien &quot;objektive&quot;, &quot;wertfreie&quot; Ma&#223;st&#228;be zur Politikbewertung. Folgen wir Albert (und Buchanan) im Herunterschrauben der Geltungsanspr&#252;che normativer Folgerungen, dann f&#228;llt es wom&#246;glich leichter, die Werthaltigkeit dieser Folgerungen zu akzeptieren, ebenso wie die Tatsache, da&#223; sie stets auf bestreitbaren positiven/instrumentellen Hypothesen beruhen (besonders wichtig: sind Pr&#228;ferenzen statisch oder variabel?), denn sie er&#246;ffnen ja &quot;blo&#223;&quot; den &#246;ffentlichen Diskurs, statt ihn als in Marmor gemei&#223;elte &quot;Wahrheit&quot; zu beenden.
Die eigentlich interessante Arbeit beginnt dann erst: Wie entwickeln wir Vorschl&#228;ge f&#252;r (a) Wohlfahrtskriterien, (b) darauf aufbauend Bewertungen sozialer Zust&#228;nde/Prozesse und (c) letztendlich Politikma&#223;nahmen, wenn wir davon ausgehen, da&#223; wir es nicht mit einer statischen Welt voller homines oeconomici zu tun haben?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Herr Braunberger,<br />
stimme Ihnen voll zu. Mein &#8220;aufregend&#8221; bezog sich eher auf die normativen Implikationen der erw&#228;hnten &#8220;neuen&#8221; positiven Erkenntnisse als auf die Akzeptanz der Notwendigkeit von Werturteilen. Was die aktuelle Diskussion &#252;ber eine Neuausrichtung der Wohlfahrts&#246;konomik betrifft, so beginnt sie &#8211; typisch f&#252;r &#214;konomen &#8211; an vielen Stellen auch wieder bei Null. Immerhin haben die meisten Teilnehmer die von Ihnen zitierte Schmoller-Einsicht inzwischen nolens volens akzeptiert (Sen hat m.E. dazu entscheidend beigetragen, jedoch ohne sich selbst auf die &#8220;Altmeister&#8221; zu berufen). Andererseits findet sich auch immer wieder die Auffassung, Paretianische Kriterien (wie das beliebte Kaldor-Hicks-Kriterium) seien &#8220;objektive&#8221;, &#8220;wertfreie&#8221; Ma&#223;st&#228;be zur Politikbewertung. Folgen wir Albert (und Buchanan) im Herunterschrauben der Geltungsanspr&#252;che normativer Folgerungen, dann f&#228;llt es wom&#246;glich leichter, die Werthaltigkeit dieser Folgerungen zu akzeptieren, ebenso wie die Tatsache, da&#223; sie stets auf bestreitbaren positiven/instrumentellen Hypothesen beruhen (besonders wichtig: sind Pr&#228;ferenzen statisch oder variabel?), denn sie er&#246;ffnen ja &#8220;blo&#223;&#8221; den &#246;ffentlichen Diskurs, statt ihn als in Marmor gemei&#223;elte &#8220;Wahrheit&#8221; zu beenden.<br />
Die eigentlich interessante Arbeit beginnt dann erst: Wie entwickeln wir Vorschl&#228;ge f&#252;r (a) Wohlfahrtskriterien, (b) darauf aufbauend Bewertungen sozialer Zust&#228;nde/Prozesse und (c) letztendlich Politikma&#223;nahmen, wenn wir davon ausgehen, da&#223; wir es nicht mit einer statischen Welt voller homines oeconomici zu tun haben?</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Gerald Braunberger</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249&#038;cpage=1#comment-76270</link>
		<dc:creator>Gerald Braunberger</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 00:02:50 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249#comment-76270</guid>
		<description>Christian Schubert: &quot;Es geht um die Abl&#246;sung der traditionell axiomatisch fundierten Wohlfahrts&#246;konomik durch eine st&#228;rker empirisch informierte normative &#214;konomik. Wir hatten gerade dazu einen Workshop in Freiburg in Kooperation mit dem Eucken-Institut (Infos auf: http://www.econ.mpg.de/english/news/) Ein aufregendes Thema, das gerade Ordnungs&#246;konomen interessieren sollte.&quot;

Dazu f&#228;llt mir ein unsterbliches Bonmot Gustav Schmollers aus dem Werturteilsstreit vor rund 100 Jahren ein: &quot;Ohne Werturteil schl&#228;gt man nicht einmal einen Nagel in die Wand.&quot;

Das ist offensichtlich wahr und keineswegs aufregend, nicht durch eine &quot;traditionell axiomatisch fundierte Wohlfahrts&#246;konomik&quot; abgeleitet, sondern eher das Ergebnis einer &quot;empirisch st&#228;rker informierten normativen &#214;konomik&quot;. 

Wenn ich mich recht erinnere, hat Gerold Bl&#252;mle vor Jahren empfohlen, die Klassiker der deutschen Historischen Schule zu lesen. Deutsche Ordnungs&#246;konomen k&#246;nnten davon einiges lernen. Denn was gelegentlich als neu und aufregend bezeichnet wird, findet sich l&#228;ngst in den Schriften der als angeblich inkompetent abgelegten Altmeister. Gerade, was die M&#246;glichkeiten und Grenzen normativer &#214;konomik betrifft, sollte die Historische Schule und die dar&#252;ber existierende Sekund&#228;rliteratur konsultiert werden.

(Der Zusammenhang ging durch Eucken versch&#252;ttet, der sein theoretisches Hauptwerk als eine klare Abgrenzung von der Historischen Schule verstand. Moderne Autoren wie Goldschmidt und Peukert haben das gl&#252;cklicherweise relativiert, aber die Originalquelle bleibt von Stackelbergs Rezension von Euckens Hauptwerk,in dem er diesem dessen vermeintliche Abkehr vom Historismus geradezu um die Ohren schlug.)

&#220;brigens befasst sich gerade ein &quot;Cluster&quot; an der Goethe-Universit&#228;t in Frankfurt mit &quot;normativen Ordnungen&quot;. Vielleicht ergibt sich ja f&#252;r Forscher an anderen Universit&#228;ten die M&#246;glichkeit eines fruchtbaren Austauschs. Ansprechpartner w&#228;ren, soweit mir bekannt, die Professoren Klump und Schefold.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Christian Schubert: &#8220;Es geht um die Abl&#246;sung der traditionell axiomatisch fundierten Wohlfahrts&#246;konomik durch eine st&#228;rker empirisch informierte normative &#214;konomik. Wir hatten gerade dazu einen Workshop in Freiburg in Kooperation mit dem Eucken-Institut (Infos auf: <a href="http://www.econ.mpg.de/english/news/)" rel="nofollow"></a><a href='http://www.econ.mpg.de/english/news/'>http://www.econ.mpg.de/english/news/</a>) Ein aufregendes Thema, das gerade Ordnungs&#246;konomen interessieren sollte.&#8221;</p>
<p>Dazu f&#228;llt mir ein unsterbliches Bonmot Gustav Schmollers aus dem Werturteilsstreit vor rund 100 Jahren ein: &#8220;Ohne Werturteil schl&#228;gt man nicht einmal einen Nagel in die Wand.&#8221;</p>
<p>Das ist offensichtlich wahr und keineswegs aufregend, nicht durch eine &#8220;traditionell axiomatisch fundierte Wohlfahrts&#246;konomik&#8221; abgeleitet, sondern eher das Ergebnis einer &#8220;empirisch st&#228;rker informierten normativen &#214;konomik&#8221;. </p>
<p>Wenn ich mich recht erinnere, hat Gerold Bl&#252;mle vor Jahren empfohlen, die Klassiker der deutschen Historischen Schule zu lesen. Deutsche Ordnungs&#246;konomen k&#246;nnten davon einiges lernen. Denn was gelegentlich als neu und aufregend bezeichnet wird, findet sich l&#228;ngst in den Schriften der als angeblich inkompetent abgelegten Altmeister. Gerade, was die M&#246;glichkeiten und Grenzen normativer &#214;konomik betrifft, sollte die Historische Schule und die dar&#252;ber existierende Sekund&#228;rliteratur konsultiert werden.</p>
<p>(Der Zusammenhang ging durch Eucken versch&#252;ttet, der sein theoretisches Hauptwerk als eine klare Abgrenzung von der Historischen Schule verstand. Moderne Autoren wie Goldschmidt und Peukert haben das gl&#252;cklicherweise relativiert, aber die Originalquelle bleibt von Stackelbergs Rezension von Euckens Hauptwerk,in dem er diesem dessen vermeintliche Abkehr vom Historismus geradezu um die Ohren schlug.)</p>
<p>&#220;brigens befasst sich gerade ein &#8220;Cluster&#8221; an der Goethe-Universit&#228;t in Frankfurt mit &#8220;normativen Ordnungen&#8221;. Vielleicht ergibt sich ja f&#252;r Forscher an anderen Universit&#228;ten die M&#246;glichkeit eines fruchtbaren Austauschs. Ansprechpartner w&#228;ren, soweit mir bekannt, die Professoren Klump und Schefold.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Jan Schnellenbach</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249&#038;cpage=1#comment-76239</link>
		<dc:creator>Jan Schnellenbach</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 10:38:52 +0000</pubDate>
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		<description>Lieber Christian,

manchmal erinnern mich die Diskussionen mit Dir an die Auseinandersetzungen, die man immer mal wieder mit Sozialisten f&#252;hren kann. Wenn man denen sagt, zu welchen enormen materiellen Wohlstandsgewinnen die Marktwirtschaft &#252;ber Jahrzehnte f&#252;hrte, dann entgegnen die einem immer, da&#223; man ein Apologet des Status quo sei und Armut in Afrika bef&#252;rworte. So &#228;hnlich machst Du es auch: Wenn ich darauf hinweise, da&#223; die Volkswirtschaftslehre heute eine andere, methodisch viel offenere ist als noch vor zwanzig Jahren, dann unterstellst Du mir gleich, ich w&#252;rde den Status quo als beste aller denkbaren Volkswirtschaftslehren verteidigen. So ein Quark.

&#196;hnlich der Satz: &quot;Ist es wissenschaftlich, Kritik am &#246;konomischen Mainstream (etwa am Homo Oeconomicus-Konzept) als “&#228;rgerlich” zur&#252;ckzuweisen?&quot;. Wenn Du meinen Kommentar nochmal in Ruhe liest, wirst Du feststellen, da&#223; ich dort das Festhalten an alten Feindbildern, die mit der aktuellen Volkswirtschaftslehre nichts zu tun haben, als &#228;rgerlich bezeichne.

Also, ich freue mich immer auf Diskussionen, aber dann bitte auch &#252;ber Dinge, die ich tats&#228;chlich geschrieben habe!

Und nochmal: Ich bin mir durchaus der Tatsache bewu&#223;t, da&#223; normative &#214;konomik mehr ist als Wohlfahrts&#246;konomik. Das Problem ist nur, da&#223; das, was Du als Kern normativer &#214;konomik definierst - das Reflektieen von wertenden Begriffen - eigentlich bisher ein eher marginales Forschungsprogramm ist. Das mag man zurecht bedauern. Aber die g&#228;ngige Praxis ist nun einmal immer noch die damals schon von Albert kritisierte normative &quot;Brot-und-Butter-&#214;konomik&quot;: Handlungsempfehlungen f&#252;r eine &quot;effiziente&quot; Politik stur &#252;ber die Maximierung von Wohlfahrtsfunktionen zu erschlie&#223;en.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Christian,</p>
<p>manchmal erinnern mich die Diskussionen mit Dir an die Auseinandersetzungen, die man immer mal wieder mit Sozialisten f&#252;hren kann. Wenn man denen sagt, zu welchen enormen materiellen Wohlstandsgewinnen die Marktwirtschaft &#252;ber Jahrzehnte f&#252;hrte, dann entgegnen die einem immer, da&#223; man ein Apologet des Status quo sei und Armut in Afrika bef&#252;rworte. So &#228;hnlich machst Du es auch: Wenn ich darauf hinweise, da&#223; die Volkswirtschaftslehre heute eine andere, methodisch viel offenere ist als noch vor zwanzig Jahren, dann unterstellst Du mir gleich, ich w&#252;rde den Status quo als beste aller denkbaren Volkswirtschaftslehren verteidigen. So ein Quark.</p>
<p>&#196;hnlich der Satz: &#8220;Ist es wissenschaftlich, Kritik am &#246;konomischen Mainstream (etwa am Homo Oeconomicus-Konzept) als “&#228;rgerlich” zur&#252;ckzuweisen?&#8221;. Wenn Du meinen Kommentar nochmal in Ruhe liest, wirst Du feststellen, da&#223; ich dort das Festhalten an alten Feindbildern, die mit der aktuellen Volkswirtschaftslehre nichts zu tun haben, als &#228;rgerlich bezeichne.</p>
<p>Also, ich freue mich immer auf Diskussionen, aber dann bitte auch &#252;ber Dinge, die ich tats&#228;chlich geschrieben habe!</p>
<p>Und nochmal: Ich bin mir durchaus der Tatsache bewu&#223;t, da&#223; normative &#214;konomik mehr ist als Wohlfahrts&#246;konomik. Das Problem ist nur, da&#223; das, was Du als Kern normativer &#214;konomik definierst &#8211; das Reflektieen von wertenden Begriffen &#8211; eigentlich bisher ein eher marginales Forschungsprogramm ist. Das mag man zurecht bedauern. Aber die g&#228;ngige Praxis ist nun einmal immer noch die damals schon von Albert kritisierte normative &#8220;Brot-und-Butter-&#214;konomik&#8221;: Handlungsempfehlungen f&#252;r eine &#8220;effiziente&#8221; Politik stur &#252;ber die Maximierung von Wohlfahrtsfunktionen zu erschlie&#223;en.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Christian Schubert</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249&#038;cpage=1#comment-76227</link>
		<dc:creator>Christian Schubert</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 08:00:29 +0000</pubDate>
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		<description>Lieber Jan,

- ja, all die &quot;fundamentalen Ver&#228;nderungen&quot; - gro&#223;artig. Aber ist es der Sinn und Zweck verhaltens- und evolutions&#246;konomischer Forschung, sich &quot;verdauen&quot; zu lassen? Es geht dabei ja nicht um rationale Ignoranz un rationale Regelbindung (die von Dir im Blogbeitrag erw&#228;hnten Beispiele). Das waren Themen der 1980er. Um ein neueres Beispiel zu nennen: Werden verhaltens&#246;konomische Erkenntnisse schlicht in den guten alten Maximierungs/Gleichgewichts-Rahmen eingef&#252;gt, oder sollte man das vielleicht eher kritisch sehen und alternative Ans&#228;tze ausprobieren (wie es etwa Gigerenzer, Witt und z.T. G&#252;th tun)? Grunds&#228;tzlicher gefragt: Warum mu&#223; eigentlich alles in diese gro&#223;e von Dir gefeierte Synthese einflie&#223;en? Ist es wissenschaftlich, Kritik am &#246;konomischen Mainstream (etwa am Homo Oeconomicus-Konzept) als &quot;&#228;rgerlich&quot; zur&#252;ckzuweisen?

- Dein Verst&#228;ndnis von &quot;normativer &#214;konomik&quot; ist eigenartig. Man nimmt dort ja gerade nicht &quot;irgendeinen&quot; Begriff von &quot;Effizienz&quot;, &quot;Gerechtigkeit&quot; oder &quot;Freiheit&quot;, sondern man reflektiert &#252;ber die Bedeutung, Konsistenz, Formalisier- und Operationalisierbarkeit dieser (hochgradig wertgeladenen) Begriffe im Lichte (neuer) positiver Erkenntnisse. Positive Erkenntnisse spielen hier nat&#252;rlich eine Rolle, das macht das Unternehmen aber nicht zur &quot;positiven &#214;konomik&quot;. Ich empfehle zum Verst&#228;ndnis dessen die aktuelle Debatte zwischen Sugden und Sen (etwa in &quot;Utilitas&quot;, 2006) zu den Implikationen verhaltens&#246;konomischer Erkenntnisse in diesem Bereich. Es geht um die Abl&#246;sung der traditionell axiomatisch fundierten Wohlfahrts&#246;konomik durch eine st&#228;rker empirisch informierte normative &#214;konomik. Wir hatten gerade dazu einen Workshop in Freiburg in Kooperation mit dem Eucken-Institut (Infos auf: http://www.econ.mpg.de/english/news/) Ein aufregendes Thema, das gerade Ordnungs&#246;konomen interessieren sollte.
Was Du hingegen meinst,  wenn Du von &quot;normativer Brot-und-Butter-&#214;konomik&quot; sprichst, ist wohl eher instrumentelle &#214;konomik im Sinne von John Neville Keynes (dem Vater von John Maynard; er sprach von &quot;the art of economics&quot;), welche von gegebenen Zielsetzungen (zB einer gegebenen soz. Wohlfahrtsfunktion) ausgeht, ohne diese zu hinterfragen. In Deiner Begriffsabgrenzung bleibt f&#252;r normative &#214;konomik letztlich &#252;berhaupt kein Platz - eine Haltung, die etwa von Sen in seinem &quot;Ethics and Economics&quot; (1987) mit Argumenten kritisiert wird, die geradezu albertianisch klingen...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Jan,</p>
<p>- ja, all die &#8220;fundamentalen Ver&#228;nderungen&#8221; &#8211; gro&#223;artig. Aber ist es der Sinn und Zweck verhaltens- und evolutions&#246;konomischer Forschung, sich &#8220;verdauen&#8221; zu lassen? Es geht dabei ja nicht um rationale Ignoranz un rationale Regelbindung (die von Dir im Blogbeitrag erw&#228;hnten Beispiele). Das waren Themen der 1980er. Um ein neueres Beispiel zu nennen: Werden verhaltens&#246;konomische Erkenntnisse schlicht in den guten alten Maximierungs/Gleichgewichts-Rahmen eingef&#252;gt, oder sollte man das vielleicht eher kritisch sehen und alternative Ans&#228;tze ausprobieren (wie es etwa Gigerenzer, Witt und z.T. G&#252;th tun)? Grunds&#228;tzlicher gefragt: Warum mu&#223; eigentlich alles in diese gro&#223;e von Dir gefeierte Synthese einflie&#223;en? Ist es wissenschaftlich, Kritik am &#246;konomischen Mainstream (etwa am Homo Oeconomicus-Konzept) als &#8220;&#228;rgerlich&#8221; zur&#252;ckzuweisen?</p>
<p>- Dein Verst&#228;ndnis von &#8220;normativer &#214;konomik&#8221; ist eigenartig. Man nimmt dort ja gerade nicht &#8220;irgendeinen&#8221; Begriff von &#8220;Effizienz&#8221;, &#8220;Gerechtigkeit&#8221; oder &#8220;Freiheit&#8221;, sondern man reflektiert &#252;ber die Bedeutung, Konsistenz, Formalisier- und Operationalisierbarkeit dieser (hochgradig wertgeladenen) Begriffe im Lichte (neuer) positiver Erkenntnisse. Positive Erkenntnisse spielen hier nat&#252;rlich eine Rolle, das macht das Unternehmen aber nicht zur &#8220;positiven &#214;konomik&#8221;. Ich empfehle zum Verst&#228;ndnis dessen die aktuelle Debatte zwischen Sugden und Sen (etwa in &#8220;Utilitas&#8221;, 2006) zu den Implikationen verhaltens&#246;konomischer Erkenntnisse in diesem Bereich. Es geht um die Abl&#246;sung der traditionell axiomatisch fundierten Wohlfahrts&#246;konomik durch eine st&#228;rker empirisch informierte normative &#214;konomik. Wir hatten gerade dazu einen Workshop in Freiburg in Kooperation mit dem Eucken-Institut (Infos auf: <a href="http://www.econ.mpg.de/english/news/)" rel="nofollow"></a><a href='http://www.econ.mpg.de/english/news/'>http://www.econ.mpg.de/english/news/</a>) Ein aufregendes Thema, das gerade Ordnungs&#246;konomen interessieren sollte.<br />
Was Du hingegen meinst,  wenn Du von &#8220;normativer Brot-und-Butter-&#214;konomik&#8221; sprichst, ist wohl eher instrumentelle &#214;konomik im Sinne von John Neville Keynes (dem Vater von John Maynard; er sprach von &#8220;the art of economics&#8221;), welche von gegebenen Zielsetzungen (zB einer gegebenen soz. Wohlfahrtsfunktion) ausgeht, ohne diese zu hinterfragen. In Deiner Begriffsabgrenzung bleibt f&#252;r normative &#214;konomik letztlich &#252;berhaupt kein Platz &#8211; eine Haltung, die etwa von Sen in seinem &#8220;Ethics and Economics&#8221; (1987) mit Argumenten kritisiert wird, die geradezu albertianisch klingen&#8230;</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Jan Schnellenbach</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249&#038;cpage=1#comment-76202</link>
		<dc:creator>Jan Schnellenbach</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 01:22:12 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249#comment-76202</guid>
		<description>Lieber Christian,

zun&#228;chst mal: frohes neues Jahr!

Zu den Kritikpunkten:

i) Ich bin mir ziemlich sicher, da&#223; Hans Albert mit dem aktuellen Stand der &#214;konomik nicht zufrieden ist. Darauf deutete jedenfalls seine Th&#252;nen-Vorlesung hin. &#220;brigens bin ich selbst auch nicht unkritisch vom Zustand der modernen &#214;konomik begeistert. Aber wenn Du nicht siehst, was f&#252;r fundamentale Ver&#228;nderungen es in den letzten zehn, zwanzig Jahren gab und stattdessen immer noch K&#228;mpfe aus den 1980ern ausfechten willst, dann finde ich das schon etwas &#228;rgerlich. Meine G&#252;te, Leute wie Bowles oder Kirman publizieren im QJE. Kann man da wirklich noch behaupten, da&#223; der Mainstream sich hermetisch gegen alles Heterodoxe abriegelt? Oder ist er nicht vielmehr l&#228;ngst mit der Verdauung besch&#228;ftigt? Klar gibt es Milieus, die konservativer sind als andere - man denke an VfS-Jahrestagungen! - aber insgesamt sehe ich viel mehr methodische Offenheit als fr&#252;her.

ii) Der Begriff von &quot;normativer &#214;konomik&quot;, so wie Du ihn abgrenzt, wirft glaube ich einiges durcheinander. Wenn es um die Analyse von Beziehungen zwischen normativen Begriffen wie &quot;Freiheit&quot;, &quot;Effizienz&quot;, &quot;Gerechtigkeit&quot; geht, dann helfen uns ja letztendlich nur positive Erkl&#228;rungsans&#228;tze. Man nimmt ein irgendwie definierten Begriff von Effizienz und einen irgendwie definierten Begriff von Gerechtigkeit und fragt sich, wie weit man sich vom Gerechtigkeitsideal entfernt, wenn man mehr Effizienz will. Positive &#214;konomik kann uns &#252;ber die Tradeoffs aufkl&#228;ren. Das w&#252;rde ich also noch gar nicht der normativen &#214;konomik zurechnen. Gleiches gilt letztendlich f&#252;r die M&#246;glichkeit, normative Aussagen kritisch zu diskutieren. Auch da besteht unsere Aufgabe darin, zu erkl&#228;ren und zu verstehen und mit dem so erworbenen Wissen kritisch zu hinterfragen, ob z.B. bestimmte gesellschaftlich gew&#252;nschte Zielkombinationen &#252;berhaupt realisierbar sind.

Auf der anderen Seite die Frage, wie man Begriffe wie &quot;Effizienz&quot;, &quot;Gerechtigkeit&quot; etc. &#252;berhaupt mit Inhalt f&#252;llt. Nat&#252;rlich ist es wichtig, das zu diskutieren. Auch, da&#223; sich die &#214;konomen (mehr) Gedanken dar&#252;ber machen, was eigentlich hinter ihren Effizienzma&#223;st&#228;ben genau steckt, unter welchen Bedingungen diese tats&#228;chlich zu sinnvollen Aussagen f&#252;hren, wo eigentlich die sozialphilosophischen Wurzeln sind -- all das ist wichtig. Genauso wie Frage, wie sich all das mit den Ans&#228;tzen anderer Gesellschaftswissenschaften vertr&#228;gt.

Aber das ist nicht die normative Brot-und-Butter-&#214;konomik, wie wir sie heute immer noch, und fast genauso wie vor f&#252;nfzig Jahren, in so unendlich vielen Papieren finden. Da tut sich in der positiven &#214;konomik so viel Aufregendes, aber dann werden auf der anderen Seite immer noch Politikempfehlungen hergeleitet, indem Wohlfahrtsfunktionen maximiert werden. Und da pa&#223;t einfach vieles von dem, was Hans Albert in den 1950ern schrieb, immer noch wie die Faust aufs Auge, denke ich.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Christian,</p>
<p>zun&#228;chst mal: frohes neues Jahr!</p>
<p>Zu den Kritikpunkten:</p>
<p>i) Ich bin mir ziemlich sicher, da&#223; Hans Albert mit dem aktuellen Stand der &#214;konomik nicht zufrieden ist. Darauf deutete jedenfalls seine Th&#252;nen-Vorlesung hin. &#220;brigens bin ich selbst auch nicht unkritisch vom Zustand der modernen &#214;konomik begeistert. Aber wenn Du nicht siehst, was f&#252;r fundamentale Ver&#228;nderungen es in den letzten zehn, zwanzig Jahren gab und stattdessen immer noch K&#228;mpfe aus den 1980ern ausfechten willst, dann finde ich das schon etwas &#228;rgerlich. Meine G&#252;te, Leute wie Bowles oder Kirman publizieren im QJE. Kann man da wirklich noch behaupten, da&#223; der Mainstream sich hermetisch gegen alles Heterodoxe abriegelt? Oder ist er nicht vielmehr l&#228;ngst mit der Verdauung besch&#228;ftigt? Klar gibt es Milieus, die konservativer sind als andere &#8211; man denke an VfS-Jahrestagungen! &#8211; aber insgesamt sehe ich viel mehr methodische Offenheit als fr&#252;her.</p>
<p>ii) Der Begriff von &#8220;normativer &#214;konomik&#8221;, so wie Du ihn abgrenzt, wirft glaube ich einiges durcheinander. Wenn es um die Analyse von Beziehungen zwischen normativen Begriffen wie &#8220;Freiheit&#8221;, &#8220;Effizienz&#8221;, &#8220;Gerechtigkeit&#8221; geht, dann helfen uns ja letztendlich nur positive Erkl&#228;rungsans&#228;tze. Man nimmt ein irgendwie definierten Begriff von Effizienz und einen irgendwie definierten Begriff von Gerechtigkeit und fragt sich, wie weit man sich vom Gerechtigkeitsideal entfernt, wenn man mehr Effizienz will. Positive &#214;konomik kann uns &#252;ber die Tradeoffs aufkl&#228;ren. Das w&#252;rde ich also noch gar nicht der normativen &#214;konomik zurechnen. Gleiches gilt letztendlich f&#252;r die M&#246;glichkeit, normative Aussagen kritisch zu diskutieren. Auch da besteht unsere Aufgabe darin, zu erkl&#228;ren und zu verstehen und mit dem so erworbenen Wissen kritisch zu hinterfragen, ob z.B. bestimmte gesellschaftlich gew&#252;nschte Zielkombinationen &#252;berhaupt realisierbar sind.</p>
<p>Auf der anderen Seite die Frage, wie man Begriffe wie &#8220;Effizienz&#8221;, &#8220;Gerechtigkeit&#8221; etc. &#252;berhaupt mit Inhalt f&#252;llt. Nat&#252;rlich ist es wichtig, das zu diskutieren. Auch, da&#223; sich die &#214;konomen (mehr) Gedanken dar&#252;ber machen, was eigentlich hinter ihren Effizienzma&#223;st&#228;ben genau steckt, unter welchen Bedingungen diese tats&#228;chlich zu sinnvollen Aussagen f&#252;hren, wo eigentlich die sozialphilosophischen Wurzeln sind &#8212; all das ist wichtig. Genauso wie Frage, wie sich all das mit den Ans&#228;tzen anderer Gesellschaftswissenschaften vertr&#228;gt.</p>
<p>Aber das ist nicht die normative Brot-und-Butter-&#214;konomik, wie wir sie heute immer noch, und fast genauso wie vor f&#252;nfzig Jahren, in so unendlich vielen Papieren finden. Da tut sich in der positiven &#214;konomik so viel Aufregendes, aber dann werden auf der anderen Seite immer noch Politikempfehlungen hergeleitet, indem Wohlfahrtsfunktionen maximiert werden. Und da pa&#223;t einfach vieles von dem, was Hans Albert in den 1950ern schrieb, immer noch wie die Faust aufs Auge, denke ich.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Christian Schubert</title>
		<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249&#038;cpage=1#comment-76068</link>
		<dc:creator>Christian Schubert</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Jan 2010 11:01:15 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2249#comment-76068</guid>
		<description>Lieber Jan,

ein wie immer anregender Beitrag, der aber zum Widerspruch reizt:

- Ich kann mir schwer vorstellen, da&#223; Hans Albert Deine unkritische Begeisterung &#252;ber den heutigen Zustand der &#214;konomik teilen w&#252;rde. Die Verhaltens&#246;konomik ist Jahrzehnte entfernt von einer allgemeinen Anerkennung (selbst ihrer basalen methodischen Grundlagen) in der Zunft. Das Bild, das Du vom vermeintlich neuen &quot;Homo Oeconomicus&quot; zeichnest, hat mit verhaltens&#246;konomischen Erkenntnissen kaum etwas zu tun.

- viel wichtiger aber ist Deine Einsch&#228;tzung bzgl. des angeblich r&#252;ckst&#228;ndigen Zustands der &quot;normativen &#214;konomik&quot;. Wen genau meinst Du? Ich vermute hier ein Mi&#223;verst&#228;ndnis. &quot;Normative &#214;konomik&quot; i.e.S. ist nicht Effizienzpredigertum auf der Ebene &#246;konomischer Praktiker, sondern das systematische Nachdenken &#252;ber die Bedeutung, Begr&#252;ndbarkeit (nicht: Letzt-Begr&#252;ndbarkeit) und Operationalisierung von Begriffen wie &quot;Wohlfahrt&quot; und &quot;Effizienz&quot; sowie &#252;ber die Beziehung dieser Begriffe zu anderen Werten wie &quot;Freiheit&quot;, &quot;Gerechtigkeit&quot; (kommutativer oder distributiver Art), &quot;Konsens&quot;, usw. Seit einigen Jahren gibt es dar&#252;ber eine lebhafte Diskussion im Lichte verhaltens- und evolutions&#246;konomischer Einsichten in die Inkoh&#228;renz und Wandelbarkeit von Pr&#228;ferenzen, an der sich etwa Amartya Sen, Robert Sugden, James Konow, Ken Binmore, Daniel Kahneman, Viktor Vanberg, Bruno Frey und auch die Vertreter des &quot;Libertarian Paternalism&quot; (Thaler, Sunstein, Rabin, Loewenstein, Camerer,...) beteiligen. Ein breites Spektrum. Ich w&#252;&#223;te nicht, wer von den Genannten den von Dir zitierten Satz Alberts (S. 161 des besprochenen Buches) ernstlich zur&#252;ckweisen w&#252;rde.
So wichtig Alberts dort und in seinen sp&#228;teren Werken (zB dem &quot;Traktat &#252;ber kritische Vernunft&quot;, 5. Aufl., 1991) formulierte Kritik ist, indem sie den Status normativer Aussagen von &#214;konomen relativiert, so ist die Kl&#228;rung dieser &quot;Statusfrage&quot; doch nur der allererste Schritt. In einem zweiten Schritt geht es darum, Alberts Erkenntnis zu beherzigen, da&#223; es m&#246;glich ist, in bestimmten Grenzen rational &#252;ber alternative normative Aussagen zu diskutieren (vgl. seine &quot;Br&#252;ckenprinzipien&quot;, TKV, 1991: 76ff, 92f.), da sie ja stets (i.d.R. implizit) auf bestimmten positiven Hypothesen beruhen. Und genau das geschieht ja derzeit in der verhaltens&#246;konomisch informierten normativen &#214;konomik: Wenn Wohlfahrt nicht mehr schlicht mit der &quot;Befriedigung gegebener (und &quot;rationaler&quot;?!) Pr&#228;ferenzen&quot; gleichgesetzt werden kann, eben weil reale Pr&#228;ferenzen oft weder &quot;gegeben&quot; noch &quot;rational&quot; sind, wie k&#246;nnten dann alternative Wohlfahrtsbegriffe aussehen, die als Vorschl&#228;ge Eingang in den gesellschaftlichen Diskurs &#252;ber institutionelle Verbesserungen finden k&#246;nnen? Am Ende k&#246;nnte eine (versuchsweise) Rechtfertigung marktlicher L&#246;sungen stehen, die sich nicht blo&#223; auf das wacklige Fundament statischer Effizienzkriterien st&#252;tzen mu&#223;.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Jan,</p>
<p>ein wie immer anregender Beitrag, der aber zum Widerspruch reizt:</p>
<p>- Ich kann mir schwer vorstellen, da&#223; Hans Albert Deine unkritische Begeisterung &#252;ber den heutigen Zustand der &#214;konomik teilen w&#252;rde. Die Verhaltens&#246;konomik ist Jahrzehnte entfernt von einer allgemeinen Anerkennung (selbst ihrer basalen methodischen Grundlagen) in der Zunft. Das Bild, das Du vom vermeintlich neuen &#8220;Homo Oeconomicus&#8221; zeichnest, hat mit verhaltens&#246;konomischen Erkenntnissen kaum etwas zu tun.</p>
<p>- viel wichtiger aber ist Deine Einsch&#228;tzung bzgl. des angeblich r&#252;ckst&#228;ndigen Zustands der &#8220;normativen &#214;konomik&#8221;. Wen genau meinst Du? Ich vermute hier ein Mi&#223;verst&#228;ndnis. &#8220;Normative &#214;konomik&#8221; i.e.S. ist nicht Effizienzpredigertum auf der Ebene &#246;konomischer Praktiker, sondern das systematische Nachdenken &#252;ber die Bedeutung, Begr&#252;ndbarkeit (nicht: Letzt-Begr&#252;ndbarkeit) und Operationalisierung von Begriffen wie &#8220;Wohlfahrt&#8221; und &#8220;Effizienz&#8221; sowie &#252;ber die Beziehung dieser Begriffe zu anderen Werten wie &#8220;Freiheit&#8221;, &#8220;Gerechtigkeit&#8221; (kommutativer oder distributiver Art), &#8220;Konsens&#8221;, usw. Seit einigen Jahren gibt es dar&#252;ber eine lebhafte Diskussion im Lichte verhaltens- und evolutions&#246;konomischer Einsichten in die Inkoh&#228;renz und Wandelbarkeit von Pr&#228;ferenzen, an der sich etwa Amartya Sen, Robert Sugden, James Konow, Ken Binmore, Daniel Kahneman, Viktor Vanberg, Bruno Frey und auch die Vertreter des &#8220;Libertarian Paternalism&#8221; (Thaler, Sunstein, Rabin, Loewenstein, Camerer,&#8230;) beteiligen. Ein breites Spektrum. Ich w&#252;&#223;te nicht, wer von den Genannten den von Dir zitierten Satz Alberts (S. 161 des besprochenen Buches) ernstlich zur&#252;ckweisen w&#252;rde.<br />
So wichtig Alberts dort und in seinen sp&#228;teren Werken (zB dem &#8220;Traktat &#252;ber kritische Vernunft&#8221;, 5. Aufl., 1991) formulierte Kritik ist, indem sie den Status normativer Aussagen von &#214;konomen relativiert, so ist die Kl&#228;rung dieser &#8220;Statusfrage&#8221; doch nur der allererste Schritt. In einem zweiten Schritt geht es darum, Alberts Erkenntnis zu beherzigen, da&#223; es m&#246;glich ist, in bestimmten Grenzen rational &#252;ber alternative normative Aussagen zu diskutieren (vgl. seine &#8220;Br&#252;ckenprinzipien&#8221;, TKV, 1991: 76ff, 92f.), da sie ja stets (i.d.R. implizit) auf bestimmten positiven Hypothesen beruhen. Und genau das geschieht ja derzeit in der verhaltens&#246;konomisch informierten normativen &#214;konomik: Wenn Wohlfahrt nicht mehr schlicht mit der &#8220;Befriedigung gegebener (und &#8220;rationaler&#8221;?!) Pr&#228;ferenzen&#8221; gleichgesetzt werden kann, eben weil reale Pr&#228;ferenzen oft weder &#8220;gegeben&#8221; noch &#8220;rational&#8221; sind, wie k&#246;nnten dann alternative Wohlfahrtsbegriffe aussehen, die als Vorschl&#228;ge Eingang in den gesellschaftlichen Diskurs &#252;ber institutionelle Verbesserungen finden k&#246;nnen? Am Ende k&#246;nnte eine (versuchsweise) Rechtfertigung marktlicher L&#246;sungen stehen, die sich nicht blo&#223; auf das wacklige Fundament statischer Effizienzkriterien st&#252;tzen mu&#223;.</p>
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