Achtung Statistik
Verbraucherpreisindex

Von Björn Christensen und Sören Christensen am 28. Juni 2013
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Karl ist wütend: „So eine Sauerei, der Friseur hat die Preise schon wieder um einen Euro angehoben! Es wird aber auch immer alles teurer!“ Seine bessere Hälfte Susanne versucht ihn zu beruhigen: „Im Radio haben sie gerade berichtet, dass die Verbraucherpreise im letzten Monat gerade einmal um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind – früher gab es auch mal 5 Prozent Inflation!“ Da Susanne in der Regel besser als Karl informiert ist, versucht er Susanne aus der Reserve zu locken: „Wer weiß schon genau, wie die im Statistikamt das wieder berechnet haben!“ – Es stellt sich also die Frage, wie der Verbraucherpreisindex, der quasi die Inflation der privaten Haushalte misst, konkret berechnet wird.

Jeden Monat werden mehr als 100000 einzelne Preise im ganzen Bundesgebiet erhoben. Diese werden dann entsprechend ihrem Anteil an einem „typischen Warenkorb“ zusammengefasst. Darunter werden die Ausgaben verstanden, die der durchschnittliche Haushalt tätigt. Dazu gehört Karls Feierabendbier genauso wie der jährliche Urlaub an der Nordsee. Susanne und Karl verhalten sich relativ durchschnittlich und geben etwa 30 Prozent ihres Einkommens für Miete und Nebenkosten aus, aber nur gut zehn Prozent für Nahrungsmittel. Dementsprechend würde sich eine Steigerung der Miete deutlich stärker als eine Steigerung des Brotpreises in der Entwicklung der Verbraucherpreise widerspiegeln. Da sich nun aber die Konsumgewohnheiten ändern, wird alle fünf Jahre der typische Warenkorb neu berechnet: Auf der Basis von 60000 Haushalten, die alle Ausgaben dokumentieren müssen, wird ermittelt, wofür „der durchschnittliche Deutsche“ sein Geld ausgibt. Würde diese Anpassung nicht vorgenommen, würden immer noch die Kosten von Telegrammen und Kutschenreparaturen mit berücksichtigt.

Nur, wie kann es sein, dass Karl das Gefühl hat, dass alles teurer wird, wenn doch der Verbraucherpreisindex kaum Preissteigerung ausweist? Während wir Güter des täglichen Bedarfs häufig bar bezahlen müssen, werden viele andere Kosten entweder vom Konto abgebucht (zum Beispiel die stark gesunkenen Handykosten) oder fallen nur selten an (zum Beispiel die Kosten für den Urlaub am anderen Ende der Welt, der vor 20 Jahren noch enorm teuer war). Außerdem ist es wohl menschlich, dass wir uns über negative Informationen stärker aufregen als über positive. Zum Glück kennt Susanne ihren Karl nur zu gut und so stimmt es ihn gleich milde, dass sie ihm erzählt, sein Feierabendbier sei ein Sonderangebot gewesen.

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3 Reaktionen zu “ Achtung Statistik
Verbraucherpreisindex

  1. David

    Zu glauben, die statistischen Erhebungen der Regierung seien in irgend einem Sinne objektiv, halte ich für naiv. Alles, was von der Regierung (und nicht nur von dort) kommt, ist „zielgerichtet“ manipuliert. Eines dieser Ärgernisse (und permanenten Lügen) ist der Verbraucherpreisindex.

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