Gastbeitrag
Die Zukunft der Energiewende – Von der notwendigen Entdeckung der Langsamkeit

Die Fortschritte Deutschlands bei der Energiewende erinnern stark an die Errichtung eines mit zahlreichen Konstruktionsmängeln behafteten Neubaus. So sind bei der Energiewende einige Fundamente noch gar nicht gelegt, auch viele Stützpfeiler fehlen noch. Trotzdem wird das Dach in hohem Tempo immer prunkvoller ausgebaut. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis das Ganze in sich zusammenstürzt.

Dem Ausbau des Dachs entspricht in der Realität der rasant wachsende Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung. Ungelöst ist allerdings, was mit dem zunehmend überschüssig produzierten Ökostrom geschehen soll. Diese häufig ins Ausland entsorgte Überschussproduktion gefährdet die Netzstabilität, ein wichtiges Fundament unserer Volkswirtschaft, und sorgt für unnötig hohe Kosten, besonders in Zeiten negativer Preise an der Strombörse. Gleichzeitig drückt das wachsende Angebot an grünem Strom auf die Strompreise an der Börse. Dies macht den Betrieb konventioneller Kraftwerke, die als Reserve für sonnen- und windschwache Zeiten unsere Stromversorgung sichern, zunehmend unattraktiver. Damit gerät ein bedeutender Stützpfeiler unserer Wohlfahrt, die Versorgungssicherheit, immer stärker ins Wanken.

Nicht zuletzt gefährdet der prunkvolle Dachausbau, der mit den überaus teuren Photovoltaikanlagen nur so gespickt ist, den entscheidenden Stützpfeiler der Energiewende: Die Akzeptanz der Bürger. Dieser Pfeiler hat durch den massiven Anstieg der sogenannten EEG-Umlage, mit der die Kosten der Förderung von grünem Strom auf die Verbraucher umgelegt werden, einen starken Knacks erhalten. Die Umlage hat sich seit dem Jahr 2009 mehr als vervierfacht und erhöhte sich von 1,31 auf 5,28 Cent je Kilowattstunde (kWh) im Jahr 2013. Die Hauptschuld dafür trägt die Solarstromerzeugung: Der in den Jahren 2000 bis 2012 erfolgte Ausbau der Photovoltaik in Deutschland hat den Stromverbrauchern Zahlungsverpflichtungen in Höhe von rund 108 Mrd. aufgebürdet.

Der weltweit beispiellose Energiewende-Neubau ist durch diese baulichen Mängel akut einsturzgefährdet. Die Politik wäre daher gut beraten, die Förderung der Photovoltaik schleunigst aufzugeben und den Ausbau der Erneuerbaren generell zu verlangsamen. Hierfür ist der baldige Wechsel des Fördersystems für erneuerbare Energietechnologien zu einem Quotenmodell empfehlenswert, wie es die Monopolkommission und die Wirtschaftsweisen seit Jahren fordern.

Im Gegensatz zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) wäre ein Quotensystem kosteneffizient. Es hätte zudem den Vorteil, dass die Produzenten grünen Stroms sich nach der Nachfrage richten müssten. Statt 20 Jahre lang eine feste und von der jeweiligen Nachfrage völlig unabhängige Vergütung zu erhalten, würden sie künftig nach Marktpreisen entlohnt. Demzufolge würde in einem Quotensystem in die kostengünstigsten Technologien investiert und wohl kaum mehr Ausbau betrieben, als zur Erreichung der Zielquoten notwendig ist.

Bei Beibehaltung des EEG erfolgt der Ausbau hingegen unkontrolliert. Damit käme der Energiewendeneubau nicht nur erheblich teurer. Wesentliche Stützpfeiler wie die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit gerieten so noch mehr ins Wanken, solange der Netzausbau − auch über Grenzen hinweg − weiterhin nur schleppend vorankommt.

Welchem Verbraucher ist es da zu verdenken, wenn er schleunigst aus dem fragilen Gebäude flüchtet und seinen Strombedarf selbst deckt? Tatsächlich werden sich zur Deckung des Eigenbedarfs immer mehr private Haushalte, Eigentümergemeinschaften und Gewerbetreibende für die Solarstromerzeugung, für Mini-Blockheizkraftwerke et cetera entscheiden, und einige große industrielle Verbraucher könnten â“€ auch aus Gründen der Versorgungssicherheit â“€ ihre eigenen Kraftwerke bauen. Am Ende erhöhen sich die Finanzierungslasten der Energiewende für alle übrigen Verbraucher.

Damit der Energiewendeneubau nicht einstürzt, wird die Politik wohl versuchen, die vor der EEG-Umlage, Netznutzungsentgelten und anderen Abgaben und Steuern Flüchtenden einzufangen und weitere Fluchtversuche zu verhindern, indem die Eigenstromerzeugung künftig ebenfalls diese Lasten aufgebürdet bekommt. Künftig könnte so die Politik mehr damit befasst sein, Fluchtversuche zu vereiteln, als den Energiewende-Neubau zu stabilisieren. Um den Zusammenbruch abzuwenden, wäre es dringend nötig, dass die Politik jetzt zu einer wohlüberlegten, soliden Bauweise findet, anstatt weiterhin hastig ein teures Kartenhaus zu errichten.

Hinweis:

Dieser Leitartikel ist in der Ausgabe 06/2013 der Fachzeitschrift WiSt erschienen.

4 Antworten auf „Gastbeitrag
Die Zukunft der Energiewende – Von der notwendigen Entdeckung der Langsamkeit“

  1. Dem Artikel kann man nur beipflichten. Es läßt einen schon verwundern, dass Dtl. diesen teuren Alleingang wagt, der der Umwelt nichts nützt & einen hohen monetären Schaden in der Volkswirtschaft anrichtet. Dass aktuell immer mehr Produzenten von Solar-Hardware pleite gehen, war ohnehin klar, nur wurde dies von den politischen Protagonisten wie immer überhört. Wiedermal bewahrheitet sich, dass staatlicher Eingriff in das Wirtschaftsgeschehen oft in Fehlallokation mündet. Das einzige, was der Rest der Welt von uns lernen kann ist: Finger weg von Solar & Windkraft. Insbesondere ausufernde Subventionen puschen kurzfristig eine Branche, die es ohne diese Subventionen nicht gäbe. Länder wie China werden weiterhin täglich ein Kohlekraftwerk & alle 4 Tage ein KKW ans Netz bringen.

    In Dtl. wird stattdessen fleißig weiter die Mär vom durch Menschen verursachten/beschleunigten Klimawandel verbreitet. Zudem begreifen hier einige bis heute nicht, dass ein stärkerer Ausbau von Solar & Windkraft auch den Zubau konventioneller Kraftwerke impliziert, da diese ja in Kaltreserve (siehe Artikel) vorgehalten werden müssen und letztlich auch vom Verbraucher bezahlt werden. Mehr Solar/Windkraft => höhere benötigte Kaltreserve=>Bau neuer konventioneller Kraftwerke! Wenn man den meisten Ingenieuren aus der Energietechnik glauben darf, dann funktioniert dezentrale Energieversorgung auch nicht. Ich bin schon gespannt, wann wir in Dtl. den ersten Blackout erleben werden. In den letzten zwei Jahren waren wir ja schon mehrfach verdammt nah dran.

  2. Hallo Franke,

    also wenn der Wirkungsgrad der Solarpanele erhöht werden kann, dann sehe ich ( ohh ja, ich sehe, haha ) schon Potential. Aber wie kann man das nur erreichen, hmm ?! 😉 🙂

    Ich denke, man sollte auch an anderes denken; wie zum Beispiel biochemische Prozesse. Man müsste eine biologische Substanz finden ( oder laboratorisch generieren ), die unter komprimierten Bedingungen, bei exponentiellem Wachstum, Wärme erzeugt ( auf Grund der Komprimierung ). Habe ich einen Denkanstoss gegeben ?

  3. Momentan sieht es um die Energiewende ziemlich schlecht aus. Viele haben einen schlechten Eindruck von der Energiewende. Eine große Ursache ist wohl die EEG-Umlage. Aber Deutschland tut wenigstens noch was, andere EU Länder wollen nicht mal.
    „Während in Deutschland bis 2022 alle Atomkraftwerke den Betrieb einstellen sollen, will die Europäische Union den Bau neuer Atomkraftwerke sogar durch staatliche Finanzhilfen forcieren.“ (Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/energiewende-deutschland-auf-isolationskurs/ )
    So kann es nicht funktionieren. Viele deutschen Unternehmen können durch die hohen Strompreise nicht auf dem internationalen Wettbewerb nicht bestehen. Das senkt stark die Motivation. Aber was tun?
    Gruß,
    W.

  4. @ Wasi,

    na eigentlich sollte man ( die Politik ) nichts tun. Wenn es Preisdifferenzen zu anderen Märkten ( in Europa ) gibt, sollten dass die energieintensiven Wirtschaftsbereiche doch nutzen können, oder nicht ? Daran scheitert es jedoch auf Grund der rosagrünen Politik.

    Ich habe eine tolle Idee: pflastern wir Griechenland mit Atomanlage zu, dann baut sich auch schnell das “strukturelle” Defizit ab. Auweia … .

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