Gastbeitrag
Vor 70 Jahren – die Geburt der DM

Am 20. Juni 1948, einem Sonntag, erhielten die Bewohner der drei Westzonen pro Kopf eine Erstausstattung mit der neuen Währung in Höhe von 40 DM. (Später wurde eine zweite Rate von 20 DM ausgehändigt.) Einige Tage darauf erfolgte auf Antrag die Ausstattung von Firmen mit der neuen Währung bemessen nach der Zahl der Beschäftigten in Höhe von 60 DM pro Kopf. Für die Umwandlung von Altgeldguthaben in DM wurde zunächst ein Verhältnis von 100 zu 10 festgelegt. Die endgültige Umwandlung geschah dann zum Kurs von 100 Reichsmark zu 6,50 DM.

Bereits im März 1948 war die Bank deutscher Länder als neue Notenbank gegründet worden. Diese wurde dann durch das Gesetz von 1957 durch die Deutsche Bundesbank abgelöst.

Diese Währungsreform betraf nur die drei Westzonen (und 4 Tage später West-Berlin). In der Sowjetischen Besatzungszone wurde eine  Währungsreform am 23. Juni 1948 durchgeführt. Damit wurde das bis dahin einheitlich Reichs­mark­-Gebiet in ein West- und Ostgebiet mit unterschiedlichen Währungen geteilt.

Die Hoheit über die Besatzungszonen lag bei den Siegermächten. So wurden die DM-Noten in den USA gedruckt und Ende 1947 unter strengster Geheimhaltung in Frankfurt am Main deponiert. Das Grundgesetz für die Bundes­republik Deutschland wurde erst ein Jahr später im Mai 1949 verabschiedet. So viel zur technisch-administrativen Seite.

Die Währungsreform von 1948 markiert einen tiefen Einschnitt in der wirtschaftlichen und gesellschaft­lichen Entwicklung Westdeutschlands. Den Vorgängerinnen der DM-Währung war nur eine relativ kurze Existenz beschieden. Die Mark-Währung wurde im Zuge der Reichsgründung als einheitliches Geld in einem vorher heillos zersplitterten Währungsgebiet eingeführt. Ihr Ende als Goldwährung kam mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. Sie ging dann 1923 in der Hyperinflation unter und wurde 1924 durch die Reichsmark abgelöst. Wegen der „gestoppten“ Preise äußerte sich die Finanzierung der Rüstung und des Krieges in einem riesigen Geldüberhang, der dann durch die Währungs­umstellung 1948 weitgehend beseitigt wurde.

Ohne „Berechtigungsscheine“ (Lebensmittelmarken etc.) hatte die Reichsmark faktisch ihre Zahlungsmittelfunktion verloren. Der Ausdruck „Zigarettenwährung“ steht für die Verdrängung des Geldes im Alltagsverkehr und im blühenden Schwarzmarkt durch reale Güter. Dies änderte sich schlag­artig mit der Einführung der DM-Währung. In den Schaufenstern erschienen Waren, die vorher zurückgehalten worden waren. Der Konsument wurde vom Bittsteller zum Kunden.

Gleichwohl hätte die Währungsreform allein den anschließenden Wirt­schaftsaufschwung nicht bewirkt. Der Wissenschaftliche Beirat der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebiets (später beim Bundes­­ministerium für Wirtschaft) schrieb in seinem ersten Gutachten vom 1. April 1948: „Die Währungsreform ist nur sinnvoll, wenn eine grundsätzliche Ände­rung der bisherigen Wirtschaftslenkung mit ihr verbunden wird. Als insolierter technischer Vorgang wäre sie wertlos, wenn nicht sogar gefährlich. Durch die Währungsreform wird die wirksame Nachfrage so beschränkt, dass eine totale Verbrauchsregelung und Zwangsbewirtschaftung gegenstandslos wird.“

In der Tat kam es anschließend zu den Wirtschaftsreformen, die sich untrennbar mit dem Namen Ludwig Erhard verbinden. Die Güterpreise wurden (weitgehend) freigegeben, an die Stelle der staatlich kontrollierten Wirtschaft trat die Marktwirtschaft. Die Verbindung von stabilem Geld und marktwirt­schaftlichem Wettbewerb schuf die Grundlage für den erstaunlichen wirt­schaftlichen Aufstieg (West-)Deutschlands in den fünfziger Jahren. Oft als „Wirtschaftswunder“ deklariert war dieser Erfolg einer grundlegenden – heute würde man sagen – Deregulierung und stabilitätsorientierten Geldpolitik zu verdanken.

Zum ersten Mal in einer Generation, die den Verlust des Geldes zwei Mal erleben musste, erfuhren die Deutschen wieder die Vorteile einer stabilen Währung. Auch wenn die DM mit einer durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate von 2,8% in den 50 Jahren ihrer Existenz einen nicht unerheblichen Wertverlust zu verzeichnen hatte, galt sie zu Recht (zusammen mit dem Schweizer Franken) als stabilste Währung in der Welt.

So ist es kein Wunder, dass die Deutschen eine besondere Wertschätzung für ihre Währung und die dafür verantwortliche Notenbank entwickelten. Diese Beziehung endete am 1. Januar 1999, als die DM durch den Euro abgelöst wurde.

Hinweis: Der Beitrag erschien als Leitartikel in der Rubrik “Im Visier” der Juni-Ausgabe 2018 der Fachzeitschrift WiSt.

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