Forschung

Die Kategorie “Ordnungs- und institutionenökonomische Forschung” informiert über aktuelle Diskussionspapiere.

SCHNABL, Gunther (2014): Mit dem Kopf im Sand? Goodharts Gesetz und die Wirkungslosigkeit von Inflationszielen als geldpolitischen Regelmechanismen
Historisch niedrige Inflationsraten und Warnungen vor Deflation gehen in den großen Industrieländern mit Exzessen auf den Finanzmärkten einher. Um Wachstum und In-flation wiederzubeleben, werden im Zuge der quantitativen Lockerung die Zentral-bankbilanzen aufgeblasen, ohne dass es zum einem maßgeblichen Anstieg der Inflati-onsraten kommt. Der Artikel argumentiert, dass gemäß Goodharts Gesetz Inflations-ziele als geldpolitische Regelwerke zur Kontrolle von Konsumentenpreisinflation ihre Wirkung verloren haben. Durch die Etablierung der Regeln ist der zugrundeliegende Transmissionsmechanismus von einer Ausweitung der Geldbasis zu Konsumenten-preisinflation zusammengebrochen. Rationale gewinnmaximierende Finanzinstitute umgehen die Regel, indem sie zusätzliche Zentralbankliquidität in die Finanz- statt in die Gütermärkte lenken. Dies führt zu Umverteilungseffekten zugunsten der Akteure in den Finanzmärkten und den Haltern von Vermögenswerten, die mit Reallohnrepres-sion im Rest der Volkswirtschaften verbunden sind. Die wirtschaftspolitische Konse-quenz ist die Reform der bestehenden geldpolitischen Regelwerke.

erschienen in: Working Papers on Globals Financial Markets, Nr. 55.

BERTHOLD, Norbert/ BRAUN, Stella/ ÇOBAN, Mustafa (2014): Das Scheitern historischer Währungsräume: Kann sich die Geschichte auch für die Eurozone wiederholen?
In den letzten drei Jahrhunderten wurde mehrmals der Versuch gestartet, eine stabile Währungsunion aus souveränen Staaten zu bilden. Vier historische Beispiele sollen durch ihre Entstehungsgeschichte und ihren Zerfall Aufschluss darüber geben, welche Gründe und Ursachen die Instabilität von Währungsräumen vorantreibt. Die Geschichte zeigt in bestimmten Punkten gewisse Parallelen zur heutigen Situation der Europäischen Währungsunion. Austrittsgründe der historischen Unionsmitglieder und die Stärke der Austrittsbemühungen lassen sich zum Teil auf die heutige Eurozone projizieren.

erschienen in: Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik, Nr.127.

GRÜNDLER, Klaus/ WEITZEL, Jan (2013): The Financial Sector and Economic Growth in a Panel of Countries
Der Beitrag untersucht, in wieweit der Finanzsektor zu wirtschaftlichem Wachstum beiträgt. Es zeigt sich, dass Finanzinstitute grundsätzlichen einen positiven Einfluss ausüben. Dieser Einfluss nimmt im Entwicklungsprozess einer Volkswirtschaft allerdings ab und wird ab einem bestimmten Punkt sogar negativ. Während der Finanzsektor das Wachstum in Entwicklungsländern noch immer positiv beeinflusst, führen weitere quantitative Zuwächse des Finanzsystems in entwickelten Volkswirtschaften nicht zu einem Anstieg der Einkommen.

erschienen in: Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik, Nr.123.

BERTHOLD, Norbert/ GRÜNDLER, Klaus (2013): Dezentrale Wirtschaftspolitik in Europa – Basis einer stabilen Währungsunion
Die gegenwärtige Ruhe in der Eurozone trügt, der Euro steht weiter auf der Kippe. Die Dreifach-Krise – Banken-, Staatsschulden- und Wettbewerbskrise – schwelt weiter. Der Beitrag zeigt, welche Maßnahmen gegenwärtig ergriffen werden müssen, um den das Euro-Währungsgebiet aus der Krise zu führen. Eine dezentrale Arbeitsmarkt- und Fiskalpolitik ist dabei ebenso entscheidend wie die Wiederbelebung des europäischen Wirtschaftswachstums.

erschienen in: Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik, Nr.121.

BERTHOLD, Norbert/ GRÜNDLER, Klaus (2013): The Growth Crisis of Germany: A Blueprint of the Developed Economies?
Der Beitrag zeigt, dass die starken Wachstumsraten der deutschen Nachkriegszeit zum größten Teil auf Konvergenzeffekte zurückzuführen sind und daher heute nicht mehr reproduziert werden können. Die deutsche Wachstumsrate weist jedoch seit Beginn der 2000er Jahre einen erneuten negativen Trend auf. Dies kann in ähnlicher Form in nahezu allen reichen Ökonomien beobachtet werden. Die rückläufige Tendenz ist auf einen grundlegenden und weltweiten Mangel an radikalen neuen Ideen zurückzuführen. Dass Deutschland in der Gruppe der reichen Volkswirtschaften unterdurchschnittlich abschneidet, liegt an den vergleichsweise geringen Humankapitalzuwächsen.

erschienen in: Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik, Nr.120.

BERTHOLD, Norbert/ ÇOBAN, Mustafa (2013): Mini- und Midijobs in Deutschland: Lohnsubventionierung ohne Beschäftigungseffekte?
Der Beitrag erläutert zunächst die theoretischen Wirkungskanäle von Lohnsubventionen und untersucht hiernach mittels einer Metaanalyse der bisherigen Forschungsergebnisse die Effekte der Mini- und Midijobs auf die Beschäftigung. Für beide Beschäftigungstypen lassen sich nur bedingt positive Ergebnisse konstatieren. Sie bilden weder eine Brücke aus der Arbeitslosigkeit in den Arbeitsmarkt noch dienen sie als Sprungbrett in ein normales Beschäftigungsverhältnis. Aufbauend auf den arbeitsmarktpolitischen Schwächen der Mini- und Midijobs werden zwei Reformvarianten vorgeschlagen, welche diese Zielsetzungen im Bereich der niedrigen Einkommensniveaus erzielen können.

erschienen in: Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik, Nr.119.

SCHNABL, Gunther (2012): Die japanischen Lehren für die europäische Krise
Das Papier vergleicht die Boom-und-Krisen-Zyklen in Japan und Europa hinsichtlich der Ursachen, des Krisenverlaufs, der Krisentherapien und der Wirkung der Krisentherapien. Als Folgen einer auf expansiver Geld- und Finanzpolitik basierenden Krisentherapie werden die Hysterese der Niedrigzins- und Hochverschuldungsfalle, das Aussetzen der Allokations- und Signalfunktion des Zinses, die graduelle Verstaatlichung des Finanzsektors und der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage sowie graduelle reale Einkommensverluste abgeleitet. Die wirtschaftspolitische Implikation für Europa und Japan ist der konsequente Ausstieg aus der expansiven Geld- und Finanzpolitik trotz hoher Anpassungskosten.

erschienen in: Working Papers on Global Financial Markets, Nr.36.

SCHNABL, Gunther (2011): Triebkräfte und Lösungsansätze Globaler und Europäischer Leistungsbilanzungleichgewichte
Das Papier untersucht die Triebkräfte globaler und europäischer Leistungsbilanzungleichgewichte. Für Europa wird die Hauptursache in den deutschen Bemühungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und der Schuldenreduktion identifiziert. Auf globaler Ebene wird die expansive Geld- und Fiskalpolitik als ein wesentlicher Treiber ausgemacht. Als Maßnahme zum Abbau der Ungleichgewichte wird die Konsolidierung der US-amerikanischen Geld- und Finanzpolitik gefordert.

erschienen in: Working Papers on Global Financial Markets, Nr.23.

THEURL, Theresia / SCHÄTZLE, Dominik (2011): Ratingagenturen in der Kritik. Eine Analyse der Reformforderungen und -vorschläge
Der Beitrag analysiert verschiedene Reformvorschläge der Regulierung des Ratingmarktes im Hinblick auf ihre Wirkungen auf die Ratingqualität und die Erfüllung der Funktionen der Ratingagenturen. Es wird gezeigt, dass eine stärkere staatliche Regulierung, welche vor allem auch die Anreizstrukturen der Ratingagenturen berücksichtigt, positive Effekte aufweisen würde.

erschienen in: MÜLLER, C./ TROSKY, F./ WEBER, M. (Hrsg.)(2012): Ökonomik als allgemeine Theorie menschlichen Verhaltens. Grundlagen und Anwendung. Schriften zu Ordnungsfragen der Wirtschaft. Band 94, S. 101 – 130.

BERTHOLD, Norbert / GRÜNDLER, Klaus (2012): Stagflation in the World Economy: A Revival?
Der Beitrag untersucht empirisch, welche Determinanten in der Vergangenheit Stagflation ausgelöst haben und durch welche Faktoren die Stärke der jeweiligen stagflationären Periode beeinflusst wurde. Auf Basis eines Panels von 13 Ländern zwischen 1970 und 2010 wird gezeigt, dass Stagflation im Zeitverlauf regelmäßig entstand, wenngleich ein negativer Trend ausfindig gemacht werden kann. Zudem wird ersichtlich, dass das Zinsniveau und die Produktivitätsentwicklung einen deutlich stärkeren Einfluss ausüben als der Ölpreis.

erschienen in: Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik, Nr.117.

SCHNELLENBACH, Jan (2012): Wohlwollendes Anschubsen: Was ist mit liberalem Paternalismus zu erreichen und was sind seine Nebenwirkungen?
Das Papier diskutiert das Konzept des liberalen Paternalismus, insbesondere seine verhaltensökonomischen und normativen Grundlagen sowie seine politisch-ökonomischen Implikationen. Die Vertreter des Konzepts sind davon überzeugt, dass die Qualität der Entscheidungen von Individuen durch ein effizientes Design der Randbedingungen verbessert werden kann. Dieses Papier zeigt jedoch, dass diese Annahme höchst zweifelhaft ist und dass der paternalistische Ansatz häufig verzerrend wirken kann.

erscheint in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik

FELD, Lars / SCHNELLENBACH, Jan / BASKARAN, Thushyanthan (2012): Creative destruction and fiscal institutions: a long-run case study of three regions
Das Papier untersucht die Frage ob, wie im politischen Prozess oft behauptet, fiskalische Transfers in einem föderalen System tatsächlich genutzt werden, um Strukturwandel zu gestalten und zu beschleunigen. In einer Zeitreihenanalyse wird der Strukturwandel in der Montanindustrie in den angrenzenden Regionen Saarland, Lothringen und Luxemburg analysiert. Es werden keine Hinweise auf eine Beschleunigung des Strukturwandels durch Transfers gefunden.

erschienen in: Journal of Evolutionary Economics, Vol.22, Nr.1/2012.

BERTHOLD, Norbert / BRUNNER, Alexander (2012): Wie ungleich ist die Welt?
Der Beitrag untersucht die Entwicklung der weltweiten Ungleichheit im Verlauf der letzten Jahrzehnte. Einerseits ist die Ungleichheiten zwischen den Ländern in den letzten zehn Jahren zurückgegangen, andererseits gewann die Ungleichheit in den Ländern zunehmend an Bedeutung.

erscheint in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Vol.13, Nr.1/2012.