Wachstumsbremse: Dienstleistungen in Europa

Finanzmarktkrise verstärkt Wachstumsbremse im Dienstleistungshandel

Zu befürchten ist, daß die gegenwärtige Finanzmarktkrise mindestens zweierlei hervorbringt: Erstens eine mittelfristig fühlbare Abschwächung des Wachstumspotentials in Europa und weltweit sowie zweitens neue Rufe nach Kapitalverkehrsbeschränkungen. Staatsregulierung und Protektion gewinnen allenthalben an unreflektierter Sympathie. Diese Wirkungen der Finanzmarktkrise paaren sich mit der Protektionsentwicklung, wie sie sich auf den europäischen Dienstleistungsmärkten in signifikantem Ausmaß bereits seit Jahren mit höchstrichterlichem EU-Segen wachstumshemmend herausgebildet hat. So verstärkt die Finanzmarktkrise die schon bestehende Wachstumsbremse, wie sie von den Protektionswirkungen im europäischen Dienstleistungshandel ausgehen, die hier im Fokus stehen sollen.

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Die deutsche Wirtschaft im Sog der internationalen Finanzkrise

1. Von der US-Immobilien- zur globalen Finanzmarktkrise

Auslöser der mittlerweile in vielen Ländern akuten Finanzmarktprobleme waren im Sommer 2007 schlechte Nachrichten über zweitrangige Immobilienkredite (subprime credits) in den USA. Im Gefolge entstanden zunächst am Interbankenmarkt – an dem sich Banken untereinander mit Liquidität versorgen – große Engpässe. Es kam zu einer nennenswerten Vertrauenskrise im Bankensektor. Die Vertrauenskrise entstand, weil lange Zeit nicht sicher war, welche Banken mit welchem Engagement und Risiko und über welchen Weg in die Krise am Subprime-Markt verwickelt sind. Die kurzfristigen Zinsen am Interbankenmarkt stiegen – im Gegensatz zu den Zinsen für Staatliche Anleihen – deutlich an. Die Notenbanken haben mit Rekordsummen versucht, den Banken genügend Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Krise am Subprime-Markt in den USA hat Kreise gezogen und eine Reihe von Banken kamen unter Druck – auch in Deutschland. Das Vertrauens- oder Misstrauensproblem ist noch nicht gelöst. In den letzten Wochen kamen erneut Banken und Versicherungsgesellschaften auf den Prüfstand, den einige Institute nicht überlebten. Der amerikanische Staat hat massiv eingegriffen, um den Finanzmarkt zu stabilisieren.

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Liberale oder autoritäre Marktwirtschaft: Hat das westliche Freiheitsverständnis ausgedient?

In China entwickelt sich derzeit ein marktwirtschaftliches Gesellschaftsmodell ganz eigenen Typs. Die chinesische Regierung spricht davon, dass sie die Mechanismen des Kapitalismus zum Aufbau des Sozialismus einsetzen will. Der wirtschaftlichen Freiheit wird demnach kein Selbstzweck beigemessen, sondern sie wird lediglich als Instrument zur Verwirklichung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ziele eingesetzt, nachdem alle anderen Instrumente bis zum Ende der 1970er Jahre versagt hatten.

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Die „Kreditkrise“ – die große Umverteilung

Wohl keine Institution stellt die Weichen der gesellschaftlichen Entwicklung so sehr in Richtung einer interventionistischen und dirigistischen Wirtschaftsordnung wie das staatliche Papiergeldsystem. Durch die Störungen, die es in der Wirtschaft verursacht, provoziert es eine Wirtschafts- und Finanzmarktkrise nach der anderen. Und nichts dürfte das freie Marktsystem so sehr kompromittieren wie die Serien von Konjunkturaufschwüngen („Boom“) und Konjunkturabschwüngen („Bust“).

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Eigentum als Garant der Freiheit

1. Staat und Wohlfahrtsstaat

Auf einer grundsätzlichen Ebene muss man feststellen, dass jeder Staat auch der minimalste Nachtwächterstaat bereits wohlfahrtsstaatliche Elemente enthält. Insbesondere die Abwehrrechte, die die individuellen Sphären gegenüber anderen Individuen und gegenüber dem Staat schützen sollen, werden vom freiheitlichen Rechtsstaat nicht gegen Gebühren durchgesetzt. Der Bürger zahlt nicht für einzelne Leistungen des Rechtsschutzes je nach Inanspruchnahme wie bei einem Dienstleister. Es gehört zum Wesen des Rechtsstaates, dass auch diejenigen den vollen Schutz ihrer Rechte erhalten, die entweder nicht in der Lage oder nicht bereit sind, für diese Rechte zu zahlen. Der Staat ist seiner Natur nach, sofern er jene die Freiheit definierenden Grundrechte überhaupt für jedermann durchsetzt, grundlegend umverteilender Natur. Diese Form der Umverteilung gehört notwendig zur freiheitlichen Rechtsstaatlichkeit hinzu. Denn es geht für den Anhänger des Rechtsstaates darum, die Freiheit für jeden Bürger und nicht nur für sich selbst gesichert zu sehen. Auch die Nettozahler dieser Umverteilung müssen diese als Anhänger des freiheitlichen Rechtsstaates befürworten, weil sie den Rechtsstaat, den sie meinen, nur haben können, wenn alle anderen ebenso, wie sie selbst geschützt werden. Wir können nur in einer freien Gesellschaft leben, wenn auch die anderen und nicht nur wir selbst frei sind.

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Gastbeitrag:
Rationalität auf dem Markt, Irrationalität in der Politik ?

Wenn man von den durchaus vorhandenen fachinternen Unterschieden mal absieht, dann gehen die meisten Wirtschaftswissenschaftler von der Rationalitätsprämisse aus, wonach Menschen versuchen, die Handlungsfolgen abzuschätzen und sich zumindest um Nutzenmaximierung bemühen. Ob sich die verhaltenstheoretische Psychologie mehr im Jargon oder auch in der Substanz von diesem Menschenbild unterscheidet, darüber kann man streiten. Klinische oder Tiefenpsychologen begegnen diesem Menschenbild mit einer Mischung aus Skepsis und Entsetzen über die Realitätsferne der Prämisse. Soziologen neigen dazu, die Einflüsse von sozialen Normen und Mitmenschen auf Handlungen hervorzuheben. Seit den späten 1950er Jahren kann man beobachten, dass das ökonomische Menschenbild vor allem in Amerika auf die benachbarten Sozialwissenschaften übergreift, zunächst mit der ökonomischen Demokratietheorie auf die Politikwissenschaft, später auch auf die Soziologie. Der immer noch anhaltende Siegeszug des ökonomischen Menschenbildes wird von der Merkwürdigkeit begleitet, dass experimentelle Studien Evidenz dafür geliefert haben, dass dieses Menschenbild nicht ganz stimmt und der Modifikation bedarf. Bisher sieht es allerdings so aus, als ob man einigermaßen unfassende sozialwissenschaftliche Theorien nur auf einem stark vereinfachten Menschenbild aufbauen kann. Der ,homo oeconomicus’ besticht durch die Einfachheit des Menschenbildes, das auf  Eigennutz und Maximierungsversuch aufbaut.

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Rationalität auf dem Markt, Irrationalität in der Politik ?”
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Konjunkturprogramme – oft nur politischer Aktionismus

Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2008 deutlich an Schwung verloren. Im Vergleich zum vorhergehenden Quartal sank die preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigte Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent. Grund genug für manche, auf eine unausweichliche Rezession hinzuweisen. Dabei muss aber Folgendes berücksichtigt werden:

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Der Bieterkampf um Hapag-Lloyd: Sind hanseatische Politiker die besseren Unternehmer?

Der geplante Verkauf von Hapag-Lloyd hat beim Hamburger Senat unternehmerische Instinkte geweckt. Die Container-Reederei gehört bislang noch zum TUI-Konzern, der sich aber unter dem Druck von Großaktionären von seiner Schifffahrtssparte trennen will, um mit dem Verkaufserlös seine Schulden abzubauen und sein Tourismusgeschäft auszubauen. Zu den interessierten Bietern gehört eine Gruppe Hamburger Kaufleute, die es gegenüber der Öffentlichkeit zur hanseatischen Ehrensache erklären, dass die Traditionsreederei nach über zehn Jahren unter TUI-Kontrolle wieder in Hamburger Hände kommt.

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