Gastbeitrag:
Der trügerische Charme des Mindestlohnes

Die Bundesregierung ist dem trügerischen Charme des Mindestlohns aufgesessen. Seine Verheißungen leuchten jedem Gutmenschen unmittelbar ein: „gerechter Lohn für gute Arbeit“, „man muss von seiner Hände Arbeit leben können“, „gegen Hungerlöhne, für Menschenwürde“. Keine dieser Versprechungen kann ein Mindestlohn halten, im Gegenteil. Nicht nur kostet ein bindender Mindestlohn erfahrungsgemäß Arbeitsplätze, sondern er erfüllt noch nicht einmal die Hoffnungen, die seine Befürworter in ihn setzen. Später einmal, beim nächsten Konjunkturabschwung, schieben dieselben Personen, die jetzt mit einem Mindestlohn die Funktionstüchtigkeit einer marktwirtschaftlichen Ordnung beschädigen, eben diesem System die Verantwortung für die dann steigende Arbeitslosigkeit in die Schuhe. Ist dies auch ökonomischer Unfug, so hat es doch Methode (frei nach Shakespeare).

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Wenn relative Armut mit absoluter Armut bekämpft wird

Nachdem Heiner Geissler verkündet hatte, dass er Mitglied der globalisierungskritischen Organisation Attac geworden ist, wurde er gefragt, ob er denn nicht sehe, dass ein Land wie China in der Folge seiner Öffnungspolitik spektakuläre Zugewinne an Einkommen und Wohlstand erzielt habe. Seine Antwort war, dass der Preis, den China dafür zu zahlen habe, die Zugewinne nicht rechtfertigen könne. Dieser Preis besteht in der Ungleichverteilung des Einkommens, welche in der gleichen Zeit in China ebenfalls spektakulär zugenommen hat. In der Tat beobachten Ökonomen seit etwa zwei Jahrzehnten eine stärkere Ungleichverteilung der personellen Einkommen innerhalb sehr vieler Länder. Vor allem die Lohneinkommen der höher Qualifizierten sind deutlich schneller gestiegen als jene der gering Qualifizierten. Und was die Ökonomen dabei am meisten verwundert ist, dass dies nicht nur in den Industrieländern so ist, sondern auch in den Entwicklungsländern. Die traditionelle Theorie der Außenwirtschaft würde nämlich voraussagen, dass es bei einer Zunahme des internationalen Handels gerade in den ärmeren Ländern zu einem relativen Anstieg der Löhne der gering Qualifizierten im Vergleich zu den höher Qualifizierten kommt.

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Credit crisis – threat to sound money

The problems in the US market for low rated mortgage loans (“subprime“) are increasingly spilling over into world financial markets. Investor concern is rising as far as credit quality is concerned, making itself felt in greatly diminished market liquidity – that is the ability to buy and sell an asset at any time without causing significant price changes. The fear of potentially destabilising effects on financial systems has made central banks to take action.

On 10 August 2007, the European Central Bank (ECB) injected €94.8bn into the euro money market. A few hours later, the US Federal Reserve (Fed) followed, adding US$24bn in temporary reserves to the US banking system. Canada’s central bank put C$1.64bn (U$1.5bn) into the money market, while the Bank of Japan added 1 trillion yen (US$8.39bn). On 11 August, the ECB injected another €61.05bn.

By making available virtually any amount of base money demanded, central banks want to bolster investor confidence, thereby solving the liquidity crisis issue. How high is the risk of a major financial and banking crisis? Would monetary policy measures be successul in fending it off? When thinking about these questions, it might be worthwhile to start by taking a look at the causes of the crisis.

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Weiterbildung im Urlaub – warum denn nicht?

Der Hauptgeschäftsführer des DIHK Wansleben hat eine Diskussion angestoßen, die deshalb notwendig ist, weil viele sie so brisant finden: Die Arbeitnehmer in Deutschland sollten überlegen, ob sie nicht einen Teil ihrer Urlaubs- und Freizeit in Weiterbildung investieren. Dahinter steht die neueste EU-Statistik, daß Deutschland mit 40 Tagen im Jahr nach Schweden auf dem zweiten Platz in der europäischen Urlaubs- und Feiertagsliga liegt (EU-Durchschnitt: 33,7) und zugleich bei der Jahresarbeitszeit (1659 Stunden) zu den Schlußlichtern zählt. Hinzu kommt, daß im Bereich des DIHK nur etwa ein Viertel aller Absolventen an einer Weiterbildungsprüfung teilnehmen.

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Beteiligungslöhne: Gewinn oder Kapital?

Ökonomen haben gute Argumente dafür, weshalb ein System von Beteiligungslöhnen volkswirtschaftlich sinnvoll sein kann. Diese Argumente sprechen allerdings für eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer – nicht für eine Kapitalbeteiligung.

Das Konzept der Beteiligungslöhne wurde ursprünglich von dem Harvard-Ökonomen Martin Weitzman entwickelt, dem es vor allem auf die Beschäftigungswirkungen dieses Instruments ankam. Seine Argumentation lässt sich wie folgt erläutern: Nach dem Lehrbuch der Arbeitsmarktökonomie werden die Unternehmen ihre Nachfrage nach Arbeitskräften so lange ausweiten, wie der Arbeitsertrag einer zusätzlich eingestellten Arbeitskraft mindestens so hoch ist wie ihr Arbeitslohn. Diese sogenannte marginale Arbeitskraft trägt also nichts mehr zum Gewinn des Unternehmens bei, während die zuvor eingestellten Arbeitskräfte, deren Arbeitsertrag höher liegt, dem Unternehmen mehr einbringen als sie kosten.

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Konservative Revolution: Die CDU und der Markt

Die Union sucht das Konservative. Und verabschiedet sich von der Marktwirtschaft. Roland Koch, einer der Klügsten der Neuchauvinisten, hat angefangen. In einem großen Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (28. Juni) spricht er clever von den „Neuen Herausforderungen der Marktwirtschaft“ und verschweigt doch zugleich, dass er das Gegenteil von Marktwirtschaft will: Protektionismus, Bilateralismus und die Schaffung einer neuen Wagenburg, wahlweise mit den Europäern oder den Amerikanern.

Willkommenen Anlass für die Trendwende bieten Chinesen und Russen, denen Koch und Konsorten nur finstere Absichten unterstellen. Niemand malt den Teufel so schön an die Wand wie der hessische Ministerpräsident: Chinesen nutzen ihre unfassbar großen Devisenreserven von 1,3 Billionen Dollar, um mithilfe staatlicher Fonds die für sie strategisch wichtigsten Unternehmen der Welt zusammen zu kaufen. Eisenbahnen, Energieunternehmen oder Banken – und ehe wir uns versehen, steht auf Ackermanns Frankfurter Twin Towers „Bank of China“ und Mehdorns Deutsche Bahn AG heißt künftig Shanghai Railway Co. Zuvor schon haben sich im Kochschen Szenario die Russen bereits Eon und RWE geschnappt, um Gazprom einen monopolistischen Absatzmarkt zu garantieren und die Strompreise der deutschen Verbraucher nach Belieben zu manipulieren.

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Umdenken bei der Inflationsmessung: das Geldmengenwachstum bestimmt die Geldentwertung

Die Zentralbanken werden nicht müde zu versichern, der Geldwert bleibe erhalten, wenn die Konsumentenpreise um nicht mehr als etwa 2 Prozent pro Jahr steigen. Doch Inflation anhand der Veränderung von Konsumentenpreisindices zu bemessen, ist trügerisch; und daher ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem zentralen Versprechen, dass die Notenbanken geben, geboten.

Die Inflation kommt im „neuen Gewand“ daher. Seit Mitte der 90er Jahre zeigt sie sich weniger in den Konsumgüterpreisen als vielmehr in den Preisen des Bestandsvermögens (z. B. Häuser, Grundstücke, Aktien und Rentenpapiere). Da aber „Vermögenspreisinflation“ die Kaufkraft des Geldes genau so zerstört wie „klassische“ Konsumgüterpreisinflation, ist die Frage: Kann das Beschränken der Geldpolitik auf das Stabilisieren der Konsumgüterpreise den Geldwert überhaupt (noch) erhalten?

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Gastbeitrag:
Ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden – ein schlimmer Irrweg

Die von Milton Friedman vorgeschlagene negative Einkommenssteuer ist theoretisch ein interessantes Konzept. Der Staat erhebt eine Einkommenssteuer, und wer kein hinreichendes Einkommen hat, dem zahlt der Staat zu seinem Lebensunterhalt eine negative Steuer. Der Transfer beginnt bei einem Einkommen von Null, geht mit steigendem Einkommen zurück, wird bei einem bestimmten Einkommen null – schneidet also die x-Achse – und nach diesem Schnittpunkt beginnt die Steuerpflicht. Sozialleistungen werden nicht mehr gebraucht, und Milton Friedman musste sich in seinem Gedankengebäude nicht mehr mit der Organisation des Sozialsystems befassen. Durch die negative Einkommensteuer war das Problem für ihn gelöst.

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Der Vorwurf an die „kalten“ Ökonomen: Warum trotzdem Knappheit das Thema der nächsten Gesundheitsreform sein muss

Sehr häufig werden ökonomische Ansätze mit dem Vorwurf konfrontiert, im Sinne eines ökonomischen Imperialismus ökonomische Theorien voreilig auf Besonderheiten des Gesundheitswesens zu übertragen und in diesem Sinne auch ideologisch orientierte Schlussfolgerungen für die gesundheitspolitische Gestaltung zu entwickeln. Dieser Vorwurf greift insbesondere bei kontroversen Themenstellungen in der Gesundheitspolitik Raum, in der unterschiedliche Wertvorstellungen über die Ausgestaltung von Sicherung und Solidarität diskutiert wird. Es muss an dieser Stelle bereits festgehalten werden, dass es zwingende Voraussetzung einer öffentlichen Debatte über gesundheitspolitische Vorschläge sein muss, unterschiedliche Positionen darzulegen, die  im politischen Wettbewerb stehen. Gleichwohl ist diese Feststellung für eine (wissenschaftliche) gesundheitsökonomische Betrachtung nur eine Seite der Medaille, gilt es doch, zunächst gemäß dem methodischen Konzept der Gesundheitsökonomie die Verhaltensoptionen von Musterbeteiligten zu identifizieren und anschließend gesundheitspolitische Schlussfolgerungen zu entwickeln.

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Die säkulare Täuschung: Anmerkungen zur Theorie religiöser Märkte.

Die Religion lebt. Und Säkularisierung ist eine Illusion. Es ist genau umgekehrt gekommen, wie es Marx, Nietzsche, Freud und die Religionskritik der europäischen Aufklärung erwartet haben: Die Annahme, wonach Modernisierungsprozesse mit Notwendigkeit zu einer Schwächung der Religion und früher oder später zu ihrem Verschwinden führen müssen, hat sich als falsch erwiesen. Der Prozess beschleunigter Globalisierung in vielen Ländern Asiens liefert dafür den Beweis. Satte Wohlstandsgewinne und robustes Wachstum seit Jahren haben mitnichten zu einem Rückgang religiöser Überzeugungen und Praktiken geführt. Im Gegenteil. Heute bekennen sich über 80 Prozent der Inder zum hinduistischen Glauben. In Russland hat das Ende des Kommunismus nicht nur zu Wachstum, sondern auch zum Erstarken des orthodoxen Christentums geführt. Und in China wird der Konfuzianismus sogar von der „aufgeklärten“ KP-Führung selbst gestärkt: Denn er steht für die Tugenden der Rechtschaffenheit, Sparsamkeit und Arbeitsmoral und verspricht eine Belohnung hierarchischer Unterordnung. In Südamerika ist zwar das katholische Christentum im Niedergang begriffen. Dagegen finden Methodisten und Evangelikale (das so genannte „Health- und Wealth Gospel“) immer mehr Anhänger. Überflüssig zu erwähnen, dass zugleich weltweit der Islam einen nicht geahnten Aufschwung erlebt hat. Religion, so scheint es, ist ein Bedürfnis der Armen und der Reichen, der Globalisierungsgegner und der Globalisierungsgewinner. Religion, die Bindung der Menschen an „das Heilige“, galt immer schon als ein anthropologisches Grundbedürfnis. Das hat sich bis heute nicht geändert.

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