Gastbeitrag:
Weg mit der Zentralvermarktung – Fußball für Fans, nicht für Funktionäre!

„Fußball-Mafia DFB“ lautet ein wenig schmeichelhafter Fangesang, der in deutschen Stadien ertönt, wenn Fußballfans mit Entscheidungen des Deutschen Fußballbundes (DFB) (und auch der Deutschen Fußball-Liga, DFL) unzufrieden sind, die über die Köpfe der Fans hinweg getroffen werden (z.B. die Ansetzung von Spielen der Zweiten Bundesliga am Montagabend). Nun sind Fußballfans nicht gerade für ihre nüchterne und gemäßigte Ausdrucksweise bekannt, doch ein leichtes Unbehagen lässt sich dieser Tage auch bei weniger emotionalen Beobachtern nicht ganz vermeiden, wenn man das Gebaren von DFB und DFL gegenüber dem Bundeskartellamt betrachtet. Letzteres ermittelt gerade (einmal wieder) gegen DFB und DFL.

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Weg mit der Zentralvermarktung – Fußball für Fans, nicht für Funktionäre!”
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Die Wahlperiode verlängern?!

Die Politische Klasse in Deutschland diskutiert schon seit Jahren die Frage, ob die Wahlperiode des Bundestages verlängert werden soll: von vier auf zum Beispiel fünf Jahre. Zugleich wird mancherorts argumentiert, die Zustimmung zu einer solchen Verlängerung müsse geknüpft werden an die Einführung zusätzlicher plebiszitärer Elemente in das Grundgesetz. Was ist davon zu halten? Erkenntnisse aus der Verfassungsökonomie – also dem Spektrum der ökonomischen Wissenschaft, das sich mit den wirtschaftlichen Anreizen und Folgen institutioneller Arrangements beschäftigt – zeigen, daß hier prinzipiell in die richtige Richtung gedacht wird.

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Kirch, Bosman und Abramowitsch

Vielen Menschen in Europa würde etwas fehlen, gäbe es keine Fußball-Nationalmannschaften mehr. Sie sind stolz auf ihre Nationalkicker, wie sie es auf die Flagge ihrer Nation oder ihre Nationalhymne sind. Auch bei den Europameisterschaften 2008 in Österreich und der Schweiz wird der Dreiklang aus Team, Flagge und Hymne wieder zu sehen und hören sein. Diese heile Welt ist allerdings für viele in Gefahr. Schuld daran sei der Kommerz. Vereine würden zu reinen Unternehmen der Unterhaltungsindustrie, Nationalmannschaften seien vom Aussterben bedroht. Kurz und gut: Die europäische Fußball-Kultur stehe auf der Kippe.

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Manipulating the Interest Rate: a Recipe for Disaster

Symptoms of the Credit Crisis

The turmoil in the US subprime mortgage market has developed into an international credit crisis. It is eroding investor confidence in credit and credit-related products and, most important, raising concerns about the solidity of the banking sector, as evidenced by banks’ elevated funding terms and diminished stock prices.

As a direct response to the credit crisis, the US Federal Reserve Bank first pared the Federal Funds Target Rate twice ““ by 50bp on September 18, another 25bp on October 31, and another 25bp on December 11 ““ bringing the official rate to 4.25%. The lowering of borrowing costs came despite the fact that the FOMC had been stressing “inflation risks” since early 2006.

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Machtbewusste Unverbindlichkeit
Angela Merkel – oder der Mythos von der Reformkanzlerin

Es gab einmal Leute in Deutschland, die nannten Angela Merkel eine Neuauflage von Margaret Thatcher. Das war von den wenigsten sehr freundlich gemeint. Denn die meisten Deutschen haben die ehemalige britische Premierministerin nie gemocht. Kalt, kapitalistisch und  ohne jeglichen Humor: Der Inbegriff jener angelsächsischen Fremdheit, die hierzulande die Wärme des Wohlfahrtsstaates bedroht. Der Vergleich Merkels mit Thatcher war immer schon dazu angetan, die ehrgeizige deutsche Politikerin aus dem kommunistischen Osten zu beschädigen: Als neoliberal und dem rheinischen Kapitalismus zutiefst abhold. Kein Wunder, dass Merkel sich stets davor hütete, selbst vom Thatcher-Vergleich Gebrauch zu machen. Allenfalls im Stillen mag sie sich daran erfreut haben, als Eiserne Lady zu gelten, die die Polit-Männern das Fürchten lehrt. “Machtbewusste Unverbindlichkeit
Angela Merkel – oder der Mythos von der Reformkanzlerin
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Sirenen der Selbstlosigkeit

1. Völker höret die Signale der Gemeinwohlsirenen

Es gibt ein recht einheitliches Strickmuster, nach dem man immer dann vorzugehen scheint, wenn es um die Wirtschaft und die Ethik geht. Zunächst diskreditiert man das Eigeninteresse. Das trifft auf nahezu ungeteilten Beifall; denn sogar die Wirtschaftsführer selbst sehen sich gern höheren Werten als dem „bloßen“ Eigeninteresse verpflichtet. Sie sehen sich dem Dienst am gemeinen Wohl geweiht und geben sich nicht damit zufrieden, dass sie dieses nur von der unsichtbaren Hand des eigenen Interesses gleitet verfolgen. Deshalb widersprechen sie auch nicht nachdrücklich genug, wenn man das allgemeine Interesse an die Stelle Eigeninteresses setzt. Das wirkt ja unschuldig genug. Die Stelle füllt aber dann jede ethische Interessengruppe mit dem aus, was sie speziell gern realisiert wissen will. “Sirenen der Selbstlosigkeit” weiterlesen

Ungleichheit, Mitarbeiterbeteiligung und Politik

Das eher bescheidene Wachstum der letzten drei Jahrzehnte zeigt in vielen reichen Ländern distributive Schleifspuren. Einkommen und Vermögen verteilen sich ungleicher. Solange der Kuchen zügig weiter wächst, wird die größere Ungleichheit von den Bürgern kaum wahrgenommen. Den meisten geht es besser. Das gilt selbst dann, wenn einige größere Stücke des Kuchens erhalten als andere. Verringert sich allerdings das Wachstum oder kommt es gar zum Stillstand, verschlechtern sich zumeist auch die individuellen Aufstiegsmöglichkeiten. Die „gefühlte“ Ungleichverteilung nimmt zu, die Verteilungskämpfe werden schärfer, die Meinung verbreitet sich, in der Gesellschaft gehe es nicht mehr „gerecht“ zu. “Ungleichheit, Mitarbeiterbeteiligung und Politik” weiterlesen

Wieviel Industrie braucht das Land?

Vom jüngsten konjunkturellen Aufschwung in Deutschland hat vor allem der industrielle Sektor profitiert. Manche Beobachter frohlocken nun, dass damit der jahrzehntelange Strukturwandel zu Lasten der Industrie und zu Gunsten der Dienstleistungen endlich vorüber sei. Ihnen war dieser Strukturwandel schon lange suspekt, da er ihnen als Ausdruck einer Erosion der industriellen Basis der Wirtschaft und einer Schwächung ihres langfristigen Wachstumspotentials erschien. Dieses Frohlocken weckt zwei Fragen, und zwar eine vordergründige und eine hintergründige.

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Rentenpolitik nach Stimmungslage

Nachdem die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) unter den Experten als halbwegs konsolidiert galt, wird sie nun von der großen Koalition zur Verbesserung der Stimmungslage vorerst wieder aus dem Gleichgewicht gebracht. Wir erinnern uns: Norbert Blüm hatte bis über die Mitte der 1990er Jahre hinaus unter dem berühmt-berüchtigten Motto „Eines ist sicher: Die Rente“ jedes demographische Problem mehr oder weniger konsequent geleugnet. Am Ende der Kohl-Ära ließ er sich aber doch noch darauf ein, einen demographischen Faktor in die Rentenformel einzubauen. Schon vorher hatte er über Mehrwertsteuererhöhungen und weitere Tricks dafür gesorgt, dass der von den Ökonomen prognostizierte Beitragssatzanstieg auf über 30 Prozent gedämpft wird – rein formal freilich nur, denn der reduzierte Anstieg der Beitragssätze ging einher mit einem steilen Anstieg des Bundeszuschusses zur Rentenversicherung; allein zwischen 1991 und 2006 stieg der Anteil der Bundeszuschüsse an den Einnahmen des Rentensystems von knapp 15 auf über 24 Prozent an; und das bereits in einer Zeit, in der das demografische Problem noch gar nicht wirksam war. “Rentenpolitik nach Stimmungslage” weiterlesen

Zur offenen „Reformbaustelle“ der Gesundheitspolitik: die Grundfragen sind zu stellen!

Es scheint etwas ruhig geworden zu sein in der Gesundheitspolitik, auch wenn das „Aufflackern“ einer Verschiebung des Gesundheitsfonds in den letzten Wochen teilweise die Reformdiskussion wieder hat bewusst werden lassen; aber es muss doch konstatiert werden, dass sich gesundheitspolitisch bis Ende der Legislaturperiode und möglicherweise auch darüber hinaus wahrscheinlich nicht viel tun wird. Dies scheint insbesondere verwunderlich, da gerade das Gesundheitswesen noch vor kurzen als grundsätzlich reformbedürftig galt. Sollte nun mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) eine Abhilfe gefunden worden sein?

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