Deutschland im Hartz-IV-Wahn

Schätzungsweise 75 Prozent der Polit-Talkshows von Will, Plasberg & Co. handeln direkt oder indirekt von Hartz-IV. Die Protagonisten dieser Shows sind wieder und wieder dieselben, und die Empörung von Moderatoren, Talkgästen und Zuschauern über die von Hartz-IV ausgehende soziale Ungerechtigkeit kennt kaum Grenzen. Dort ist auch der Ort, an dem sich die Sozialdemokraten mehr oder minder offen von den Hartz-Reformen distanzieren, ebenso wie von der Riester-Rente und der Anhebung des Rentenalters. Dabei tun sie so, als ob die Wähler nicht wüssten, dass sie selbst es waren, die entgegen vollmundigen Wahlversprechen diese Reformen seinerzeit umgesetzt hatten – und zwar nicht durch Herrn Schröder allein, sondern mit aktiver Hilfe oder zumindest mit Billigung all derer, die auch heute noch zum sozialdemokratischen Spitzenpersonal gehören, allen voran die „Stones“ (Steinmeier und Steinbrück) sowie Müntefering und auch Klaus Wowereit, der als Talkshow-Löwe regelmäßig die „neoliberalen Umtriebe“ dieser Republik beweinte (und noch beweint), während er seinen Ex-Finanzminister Sarrazin ein ganzes Arsenal „neoliberaler“ Feuerwerkskörper abfackeln ließ, angefangen von der Berliner Haushaltssanierung über Kita-Schließungen bis hin zu weit reichenden Privatisierungen.

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Gastbeitrag:
Signale aus Rom

Päpste sind bekanntlich Spezialisten fürs Allgemeine und Generalisten fürs Konkrete. Von ihnen sollte man sich keine unfehlbaren politisch-ökonomischen Strategien, erst Recht keine „konkreten Anweisungen“ erwarten. Ihre weltkirchliche Autorität und Kompetenz beschränkt sich auf Fragen des Glaubens und der Moral. Diese Fragen spielen in der Globalisierung eine große Rolle, besonders seitdem die Weltwirtschaft von heftigen Erschütterungen heimgesucht wird. Seit längerem hatte man auf ein orientierendes Signal aus Rom gewartet. Zur großen Enttäuschung von Friedhelm Hengsbach SJ enthielt die erste Sozialenzyklika des „deutschen“ Papstes keine „konkreten Anweisungen“. Diese würden aber in Deutschland gerade von denen nicht befolgt werden, die dem Papst im Gehorsam besonders verpflichtet sind.

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Aufschwung ohne Arbeit?
Strukturelles X und konjunkturelles U

„Not a V, not a U. But an X. … The X marks a brand new track — a new economy.“ (Robert Reich)

Das Tal der weltweit größten Rezession der Nachkriegszeit ist wohl durchschritten. Der Abschwung scheint seinen Boden zu finden. Die Wirtschaft wächst wieder, in Europa und den USA. Schon träumen auch hierzulande die ersten von Vollbeschäftigung, spätestens 2020. Die Börsen verbreiten bereits seit längerem Optimismus. Allerdings erinnern Skeptiker an die letzten Rezessionen zu Beginn der 90er und Anfang dieses Jahrhunderts. Damals begann zwar die Weltwirtschaft wieder zu wachsen, Erfolge auf den Arbeitsmärkten wollten sich aber zunächst nicht einstellen. Die Arbeitslosigkeit verharrte noch geraume Zeit auf dem hohen Niveau der Rezession. Erst spät schlug die wirtschaftliche Erholung auf die Arbeitsmärkte durch. Erleben wir möglicherweise erneut eine Phase des Aufschwungs ohne Arbeit?

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Strukturelles X und konjunkturelles U
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Wider die absolute Wahrheit
Das Konzept der Wirtschaftsstile

Wie kommt es, dass die einen überall nur Marktversagen wittern (vor allem vor und in der Krise) und andere ihre Aufmerksamkeit vor allem auf Staatsversagen (vor allem in und nach der Krise) richten? Warum fuhren viele Ökonomen vor noch nicht  allzu langer Zeit auf die Allwissenheit der Märkte („efficient market hypothesis“, EMH) ab, während andere offenbar ein anderes Menschenbild haben und die irrationalen Regungen („animal spirits“) der handelnden Akteure betonen? Warum galten Kartelle in Deutschland lange Zeit als Ausdruck erwünschter Kooperation zwischen Unternehmen, während Amerika darin eine Verschwörung auf den Rücken der Verbraucher erblickte?

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Das Konzept der Wirtschaftsstile
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V und U Déjà Vu?

Erwartete bzw. erhoffte Konjunkturverläufe werden derzeit gerne mit Buchstaben beschrieben. Am wünschenswertesten ist das V; der tiefen Krise folgt die Erholung nach dem Bunjee-Prinzip. Das W beschreibt den überraschenden Einbruch nach der schnellen Erholung; beispielsweise wenn Konjunkturprogramme auslaufen und die monetäre Flutung endet, folgt die Katerstimmung. Eine zögerlichere Genesung nach einer lang anhaltenden Krise beschreibt das U. Das schlechteste Szeanrio ist das L: Die Krise ist das Eintrittstor in die Stagnation wie etwa nach der Weltwirtschaftskrise oder wie in Japan seit dem Platzen der Bubble Economy.

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Gastbeitrag:
Soziale Marktwirtschaft versus Demokratie?

Trotz der Erfolge der Sozialen Marktwirtschaft wird in der Politik immer wieder von ihren Prinzipien abgewichen: Freie Preisbildung und Wettbewerb, Eigenverantwortlichkeit und individuelle Haftung, Vertragsfreiheit und Privateigentum werden nicht selten zu wenig beachtet. Denn in demokratischen Systemen bestehen Anreize für Politiker, im Namen der sozialen Gerechtigkeit oder des Gemeinwohls von diesen Prinzipien abzuweichen. Wie lässt sich dieses Dilemma auflösen?

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Soziale Marktwirtschaft versus Demokratie?“
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Piraten-Ökonomik und -Ethik

Über viele Jahrhunderte gab es nicht nur lizensierte Piraten, die von Staaten dazu autorisiert waren, Jagd auf die Schiffe anderer, feindlicher Nationen, zu machen. Es gab echte Piraten, die keiner staatlichen Autorität unterstellt waren. Nach der großen Zeit des Piratentums zum Ausgang des 17. und frühen 18. Jahrhunderts verschwand die sozial-ökologische Nische für das echte Piratentum ebenso wie die ökologische Nische für andere im weiteren Sinne anarchische Lebensformen. Moderne Kommunikationsformen und internationale Kooperation taten danach ein Übriges. Nun hat sich aber durch staatlichen Zerfall in jüngster Zeit überraschend modernen Piraten eine neue Nische eröffnet. Das und das Erscheinen von Peter T. Leesons unterhaltsamem Buch zur Ökonomik des Piratentums, „The invisible hook“ (Princeton, 2009) gibt Anlass, sich mit dem Piratentum nicht nur in seinen heute gängigen Varianten des sogenannten Produktpiratentums, sondern auch als ursprünglicher anarchischer Organisationsform zu befassen.

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Wer hat Angst vor der Deflation?

Die Zentralbanken pumpen Geld in die Wirtschaftskreisläufe wie nie zuvor. Einer der Gründe, erklärt der in gesamtwirtschaftlichen Fragen exzellent bewanderte Marko seinem Freund Mirko, sei die Gefahr einer Deflation, die die betroffenen Volkswirtschaften vollends in eine tiefe Depression stürzen würden. Mit Schaudern zeigt Marko auf Japan, wo es seit mehr als zehn Jahren nicht gelingen will, trotz massiver Geldvermehrung und extremer Staatsverschuldung aus der deflationären Stagnation herauszufinden. Und mit noch mehr Schaudern erinnert er an die „Große Depression“ des vorigen Jahrhunderts. Zwischen 1929 und 1933 gingen in den USA die Preise um 24 % zurück, in Deutschland um 23 %. Die Arbeitslosigkeit stieg damals dort wie hier auf historische Rekordstände.

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Gastbeitrag:
Wider sinnlosen Umweltschutz: Der Papst lehnt einen „Eigenwert“ der Natur ab

Papst Benedikt XVI. hat sein drittes Rundschreiben – eine Enzyklika –  vorgelegt. Es ist die lange erwartete „Sozial-Enzyklika“, deren Erscheinen wegen der Finanzkrise immer wieder verzögert wurde. Herausgekommen ist ein schwer lesbares Werk, das aber einige bemerkenswerte Highlights enthält, die bislang öffentlich kaum diskutiert wurden.

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Wider sinnlosen Umweltschutz: Der Papst lehnt einen „Eigenwert“ der Natur ab“
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Mit Positivismus und Empirismus gegen die Freiheit

I.

In der Volkswirtschaftslehre hat der empirisch-quantitative Ansatz die Oberhand gewonnen. Warum das wissenschaftstheoretisch kein Fortschritt ist, und warum gerade diese – irreführend als „modern“ bezeichnete – Orientierung freiheitsfeindliche Politiken (schein)legitimieren und befördern kann, soll im Folgenden erörtert werden. – Dieser Beitrag verbreitet keine Neuigkeiten, sondern macht auf entscheidende Argumente aufmerksam, die derzeit im „Methodenstreit“ über den Kurs der Volkswirtschaftslehre kaum oder keine Beachtung finden.

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