Metapher statt Prophetie
Was Ökonomen von Geisteswissenschaftlern lernen können

Der Anforderungskatalog, den John Maynard Keynes für gute Ökonomen aufstellte, hat es in letzter Zeit (auch in diesem Blog) zu einiger Berühmtheit gebracht. Keynes schreibt über seinen Lehrer Alfred Marshall (und kennt in seiner eigenen Person gewiss zumindest noch einen Ökonomen, auf den all das zutrifft): „Er (i.e. ein Meisterökonom) muss einen hohen Standard in mehreren verschiedenen Richtungen erreichen und Talente miteinander kombinieren, die man nicht oft zusammen findet. Er muss Mathematiker, Historiker, Staatsmann, Philosoph sein – bis zu einem gewissen Grad. Er muss Symbole verstehen und in Worten sprechen. Er muss das besondere im Zusammenhang mit dem Allgemeinen begreifen, und Abstraktes wie Konkretes im selben Gedankengang ertasten. Er muss die Gegenwart im Lichte der Vergangenheit studieren für die Zwecke der Zukunft. Kein Teil der menschlichen Natur oder seiner Institutionen darf sich völlig außerhalb seines Blickes befinden.“

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Krise! Welche Krise?
Fußballboom in Europa!

„Geld schießt keine Tore” (Otto Rehhagel)

Die Welt ist seit dem Fall von Lehman Brothers wirtschaftlich aus den Fugen geraten. Eine Branche nach der anderen kommt in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten. Trotz vielfältiger staatlicher Hilfe gehen Unternehmen reihenweise Pleite. Die Angst vor massenhafter Arbeitslosigkeit geht um. Spätestens nach den Bundestagswahlen wird sich zeigen, die Party ist endgültig vorbei. Nach jahrelangen Exzessen in der Finanzbranche herrscht nun reale Katerstimmung. Überall ist Krise, nur nicht im europäischen Fußball. Die Fans strömen weiter in Scharen in die Stadien, Vereine geben das Geld wie bisher mit vollen Händen aus, Transfersummen erreichen immer neue Rekordhöhen. Viele europäische Spitzenclubs drehen weiter ein großes finanzielles Rad. Die Partystimmung ist ungebrochen.

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Berlin und Brüssel können Bürgerinteressen nicht genug vertreten:
Es lebe die Karlsruher Republik!

Gysi und Gauweiler sei Dank! Starbatty sowieso. Sie, die Dissidenten des politischen „mainstream“ – als Linke, Rechte und Liberale – haben in „Karlsruhe“ gegen „Lissabon“ geklagt und gegen „Berlin“ gewonnen. Die Sache ist kompliziert, aber auch aufschlussreich. Ebenso wie das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG). Ich bin nun kein Jurist, habe mich aber, wie es sich für einen Ordnungsökonomen gehört, durch die 75 Seiten Urteilsbegründung gekämpft und fand darin etliche ordnungspolitische, Argumente. Das Karlsruher Urteil, die Berliner Reaktion, die Brüsseler Realität: all das ist für die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der Zukunft überaus relevant. Das ist nur ein weiterer Anlass für einen sinnvollen Dreiklang in unserer Disziplin, der fordert, dass sich Ökonomen nicht nur für das interessieren sollten, was sich ökonometrisch oder modellhaft rechnen lässt, sondern auch für das, womit rechtlich-institutionell zu rechnen ist.

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Es lebe die Karlsruher Republik!“
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Gastbeitrag:
Die private Krankenversicherung darf nicht überfordert werden

Die vom Verfassungsgericht bestätigten Regeln passen nicht zum Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherung. Politische Bestrebungen, die gesetzlichen Krankenkassen zu Lasten der privaten zu stärken, gehen fehl. Sie führen zu weniger statt zu mehr Nachhaltigkeit.

Gastbeitrag:
Die private Krankenversicherung darf nicht überfordert werden“
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Der MBA-Eid
Modewelle oder ernsthafte Initiative?

Am  3. Juni diesen Jahres leisteten mehr als 400 Studenten der Harvard Business School einen so genannten MBA-Eid. Bei der Veranstaltung handelte sich um eine Initiative der Absolventen, der sich mehr als die Hälfte der Harvard Absolventen des Jahrgangs anschloss. Die Absolventen beeideten u.a. feierlich, dass sie sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen und mit größter Integrität handeln würden. Sie würden nicht ihre eigenen eng definierten Ambitionen auf Kosten des Unternehmens und der Gesellschaft, der dieses Unternehmen dient, verfolgen.

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Sollte die Tour de France durch öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland übertragen werden?

Aufgrund der Dopingskandale im Radsport in den letzten Jahren beabsichtigten die öffentlichen Sender, in diesem Jahr die Tour de France nicht live zu übertragen. Aufgrund ihrer vertraglichen Verpflichtungen müssen ARD und ZDF entgegen ihrer Absichten von der Tour berichten; der dafür vereinbarte Preis beträgt für den Zeitraum 2009 bis 2011 20 Millionen Euro.

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Ordnungsökonomik ist Institutionenökonomik
Der gegenwärtige Ökonomenstreit

Die medial ausgetragene Ökonomen-Kontroverse „Ordnungspolitik versus formal-theoretische Ökonomik“ ist so, wie sie in den letzten Wochen aufgebrochen ist, nicht sehr zielführend. Sie erscheint als eine künstlich erzeugte Blase und entspricht im Übrigen nicht dem wettbewerbsorientierten Postulat der Methodenvielfalt. Auch der Vorwurf gegen deutsche ordnungspolitisch orientierte Ökonomen, sie verträten den Standpunkt eines „deutschen Sonderwegs“ und wollten diesen durch akademische Protektion gegenüber der internationalen scientific community „schützen“, ist ebenso schlecht begründet wie die Gegenbehauptung, die Mathematik sei als analytisches Instrumentarium grundsätzlich ein Fremdkörper in einer sich als Sozialwissenschaft begreifenden Ökonomik.

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Der gegenwärtige Ökonomenstreit
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Jetzt aber schnell! Höchste Zeit für eine dritte Föderalismusreform!

Sie, liebe Leserinnen und Leser, fragen sich jetzt angesichts der Überschrift vielleicht gerade, ob man es mit dem Reformieren nicht auch übertreiben kann. Immerhin wurde ja gerade erst die zweite Föderalismusreform im Bundesrat beschlossen. Reicht es damit nicht erst einmal? Wurde nicht in den letzten Jahren am deutschen Föderalismus genug herumreformiert? Ich denke nein. Aber fangen wir von vorne an.

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Von der Finanzkrise in die Staatswirtschaft?

Gegenwärtig rätseln die Auguren, wann wir aus der globalen Wirtschaftskrise herauskommen werden. Langfristig wichtiger ist allerdings die Frage, wie wir aus der Krise herauskommen werden – mit einer gestärkten oder einer geschwächten Marktwirtschaft.

Sorgen um die Marktwirtschaft kommen auf, wenn man sich all die Deutschland- und Rettungsfonds, die Verstaatlichungsgesetze, die Rettungsschirme, die Staatsbürgerschaften und vieles anderes mehr vor Augen hält. Wird die Privatwirtschaft unaufhaltsam vom Mehltau staatlicher Einflussnahme überdeckt? Kann am Ende dieser Entwicklung gar nichts anderes herauskommen als eine Staatswirtschaft, die sich nur noch in Nuancen von der untergegangenen DDR-Wirtschaft unterscheidet?

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Es gibt ein Leben nach der Krise

Die Weltwirtschaft erlebt derzeit den größten Einbruch seit dem zweiten Weltkrieg. Die Finanzmarktkrise hat mehr und mehr auf die Realwirtschaft durchgeschlagen. Rund um den Globus rutschten bereits im vergangenen Jahr viele Volkswirtschaften in die Rezession. Dies wird sich im Jahr 2009 trotz vieler nationaler Konjunkturpakete fortsetzen. Ob es in diesem Jahr bereits zu einer sachten Erholung kommt ist gegenwärtig offen. Möglicherweise schleppt sich die Weltwirtschaft nach dem derzeitigen Absturz in eine längere Stagnationsphase

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