Amerika hast Du’s besser?
Spionage-Affäre und bürgerliche Freiheiten

Von Hartmut Kliemt am 11. Juli 2014

Wie im Falle des real verblichenen sowjetischen imperialen Systems ist auch im heutigen Westen eine gewisse Vorsicht angebracht, wenn von „befreundeten Nationen“ gesprochen wird. Typischerweise verbirgt sich dahinter eine Interessengemeinschaft grundsätzlich unabhängiger Staaten, die einen großen Teil ihrer realen politischen Manövrierfähigkeit an eine starke Führungsnation verloren haben. Das muss keineswegs wie im Falle des früheren östlichen Hegemonialsystems vorwiegend negative Seiten haben. Wir sollten insbesondere die positiven Seiten der amerikanischen Dominanz im Westen nicht unter- sondern wertschätzen.

Den ganzen Beitrag lesen »

Die Werte der Wirtschaft (3)
Ordnung und Sicherheit – notwendige Spielregeln für die Freiheit

Von Michael Neumann am 9. Juli 2014

Wie weit darf eine staatliche Sicherheitsbehörde oder ein Nachrichtendienst gehen, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten? Als Sicherheitsorgan muss die Behörde die Möglichkeit haben, in die Privatsphäre, also in die Freiheitsspielräume des Einzelnen, einzudringen. Denn Sicherheit vor Anschlägen, vor Terrorakten oder vor verfassungsfeindlichen Umtrieben kann nur dann hergestellt werden, wenn die Sicherheitsbehörde die Erlaubnis hat, auch im privaten Umfeld Informationen zu sammeln und im Fall einer Sicherheitsbedrohung auch einzuschreiten. Gleichzeitig greift dieses Streben nach Sicherheit massiv in die Privatsphäre und damit in die Freiheitsspielräume ein. Ein Leben in Freiheit benötigt jedoch Sicherheit. Es benötigt den Schutz vor der Gewaltbereitschaft anderer. Die Notwendigkeit der Sicherheit wiederum schränkt aber wiederum die Freiheitsspielräume des Einzelnen ein. Es ist nicht einfach, die Werte Freiheit und Ordnung/Sicherheit so auszutarieren, wie es der Wunsch der Bürger ist.

Den ganzen Beitrag lesen »

Junge Ordnungsökonomik
Zu viele Banken, zu viele Kredite?
Eine kritische Würdigung des Finanzsektors

Von Jan Weitzel am 7. Juli 2014

“It is not by augmenting the capital of the country, but by rendering a greater part of that capital active and productive than would otherwise be so, that the most judicious operations of banking can increase the industry of the country.”(Adam Smith)

Nationale Regierungen über den gesamten Globus hinweg formulieren eine klare Erwartungshaltung an den Finanzsektor: Durch eine Ausweitung der Kreditvergabe soll die Wirtschaftsleistung angekurbelt werden. Die Zentralbanken unterstützen diesen Kurs, wollen sie doch durch eine historisch lockere Geldpolitik der sich vielerorts abzeichnenden zarten wirtschaftlichen Erholung weiter an Kraft verleihen. Und um sicherzustellen, dass die Banken der ihnen zugeordneten Rolle auch mit großem Eifer nachkommen, suggerieren Staaten und Regulatoren dies- und jenseits des Atlantiks durch einen Flickenteppich unterschiedlichster regulatorischer Maßnahmen, die „besseren Banker“ zu sein. Dabei existieren alleine in Deutschland und den USA genügend prominente Beispiele für Kreditinstitute, die in der zurückliegenden Finanzkrise trotz staatlicher Steuerung nahezu ungebremst gegen den Eisberg, bestehend aus komplexen Finanzprodukten sowie zu hohen Risiken bei zu geringer Kapitalausstattung, prallten.

Den ganzen Beitrag lesen »

Kommt nach dem Fest die Katerstimmung?

Von Frank Daumann am 5. Juli 2014

Die Weltmeisterschaft in Brasilien ist fast vorbei und die anfänglich aufgeheizte Stimmung ist der Fußballbegeisterung der Brasilianer gewichen. Brasiliens „Coming-Out Party“ war so gesehen ein voller Erfolg, auch wenn die Bilder der teils gewalttätigen Aufmärsche im Vorfeld der WM im Kopf bleiben werden und unklar bleibt, ob und mit welchem Polizeieinsatz weitere Demonstrationen unterdrückt wurden.

Den ganzen Beitrag lesen »

Ordnungspolitischer Kommentar
Ein Wettbewerbsschwächungsgesetz für die GKV?

Von Leonard Münstermann am 3. Juli 2014

Im zwischen CDU, CSU und SPD vereinbarten Koalitionsvertrag sind tiefgreifende sozialpolitische Änderungen vorgesehen. Während über Mindestlohn und „Rente mit 63“ intensiv diskutiert wird, finden die Änderungen an der Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in der Öffentlichkeit kaum Beachtung. Dies aber zu Unrecht, wie sich bei einem kritischen Blick auf die Reform des Zusatzbeitrags zeigt.

Den ganzen Beitrag lesen »

Finanzielle Repression statt Weltwährungsstatus für den chinesischen Yuan

Von Gunther Schnabl am 1. Juli 2014

Die Unzufriedenheit mit dem Dollar als internationaler Leitwährung wächst. In den Bilanzen der Zentralbanken der aufstrebenden Welt haben sich immense Dollarreserven aufgetürmt, die mit wachsenden Risiken für die aufstrebenden Volkswirtschaften verbunden sind. Zuletzt wurden Risiken in Brasilien, der Türkei, Südafrika und Indonesien in Form von drohenden Zahlungsbilanzkrisen sichtbar. Auch in Ländern mit Leistungsbilanzüberschüssen und großen Nettoauslandsvermögen wie China wächst die Frustration. Denn jede Aufwertung des chinesischen Yuan gegenüber dem Dollar lässt die überwiegend in Dollar denominierten Auslandsvermögen in Inlandswährung schrumpfen. Die Lasten der Finanzmarktstabilisierung in den USA werden schleichend auf alle Länder überwälzt, die große Dollarvermögen halten.

Den ganzen Beitrag lesen »

Save Capitalism from the Capitalists!
Thomas Piketty in the footsteps of Karl Marx

Von Norbert Berthold am 28. Juni 2014

“There are no other choices. Either abstain from isolated interventions in the market or transfer the entire production and distribution management to the authorities.” (Ludwig von Mises)

The planned economies of Eastern Europe collapsed over 25 years ago. The liberal way of democracy and a market economy had won. Karl Marx seemed dead as a doornail; his idea of a planned economy had been defeated by the free market. Francis Fukuyama then prophesied about “the end of history’, a proclamation that in hindsight was obviously premature. Five years ago, the worldwide financial crisis revealed the Achilles’ heel of the market economy: an unstable financial sector and an unequal distribution of income and capital. Since then, the world has been waiting with baited breath for the financial sector to be repaired, but an end does not seem to be in sight. There is also growing unease regarding the unresolved question of distribution. However, unequal income distribution is not the only cause for concern. The power and influence of increasingly concentrated capital is fuel for many debates at the moment. Thomas Piketty recently hit a nerve with his rather hefty tome “Capital in the Twenty-First Century.” Apparently Karl Marx is only seemingly dead because, according to Piketty, if we continue on like this, the end of capitalism is only a matter of time.

Den ganzen Beitrag lesen »

Achtung: Statistik
Das Dilemma mit den Verkehrskontrollen

Von Björn Christensen und Sören Christensen am 26. Juni 2014

Stellen wir uns folgende fiktive Situation vor: Vor ein paar Tagen sind neue Zahlen zu Verkehrsdelikten veröffentlicht worden – ein emotional besetztes Thema, bei dem die politischen Wogen hoch schlagen. Und flugs hat die Opposition nachgerechnet und festgestellt, dass pro Polizist im eigenen Bundesland weniger Delikte geahndet werden konnten als im Nachbarbundesland. Eine niedrige Zahl von Verkehrssündern (pro eingesetztem Polizisten) kann nun ja bedeuten, dass die Autofahrer sich bewundernswert korrekt im Straßenverkehr verhalten. Aber mancher Zeitgenosse wird diese wohlmeinende Interpretation wohl rasch verwerfen und dann eher die Überlastung oder die veraltete Ausstattung der Polizei als Erklärung vermuten. Die Opposition könnte das Thema aufgreifen und eine sofortige Aufstockung der Polizeikräfte von der Regierung fordern. Diese wiederum würde vermutlich bedauernd auf die leeren Haushaltskassen verweisen.

Den ganzen Beitrag lesen »

Die Institutionen der Sozialen Marktwirtschaft erodieren mit steigender Geschwindigkeit

Von Mathias Erlei am 24. Juni 2014

In den vergangenen sechs Jahren haben sich sowohl Stil als auch Inhalt der wirtschaftspolitischen Diskussionen grundlegend verändert. Bestand zuvor ein Konsens, dass eine effiziente und wachsende Wirtschaft zum Vorteil aller Bürger ist, begann mit der Finanz- und Wirtschaftskrise ein nationales und internationales Schwarzer-Peter-Spiel, in dem versucht wird, die Lasten der Anpassung an die neuen Gegebenheiten an andere Bevölkerungsgruppen oder Nationen weiterzureichen.

Den ganzen Beitrag lesen »

Ich sehe was, was Du nicht siehst.
Oder: Wenn der Ökonom kontrafaktisch denkt.

Von Thorsten Polleit am 21. Juni 2014

„Die meisten bringen leichter das Opfer des Intellekts als das Opfer ihrer Tagträume.“ (Ludwig von Mises, 1933, Grundprobleme der Nationalökonomie, S. 187.)

„So wenig Logik und Mathematik aus der Erfahrung stammen, so wenig stammt das, was wir über das [menschliche] Handeln in seiner reinen Form wissen, aus der Erfahrung.“ (Ludwig von Mises, 1940, Nationalökonomie, S. 16.)

I.

Lässt man einen Stein fallen, so fällt er zu Boden. Kaum jemand wäre überrascht, wenn das Ergebnis ein anderes wäre. Der Grund: Die Gravitation ist eine der vier Grundkräfte der Physik, und also solche ist sie eine allgemein bekannte und anerkannte Naturgesetzmäßigkeit.

Es ist das Wissen um eine Gesetzmäßigkeit, die uns sagt, welche Folge eine bestimmte Ursache haben muss. Um im Beispiel zu bleiben: Fällt der Stein nicht zu Boden, würde man sofort schlussfolgern, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, dass getrickst oder geschummelt wird. Zu wissen, was passieren muss, wenn der Stein fällt, entspringt dem kontrafaktischen Denken: dem Denken über nicht eingetretene Ereignisse.

Den ganzen Beitrag lesen »