4. Würzburger Ordnungstag (1)
Migration, Ungleichheit und Umverteilung
Erodieren Flüchtlinge den Sozialstaat?

„We shall see whether the generous (Nordic) welfare state can really survive in a heterogneous society.” (A. Alesina und E. Glaeser, 2004)

Die Globalisierung bedroht den europäischen Sozialstaat. Massive Flüchtlingsströme können ihm den Rest geben. Diese Meinung ist weit verbreitet. Weltweit offene Märkte setzen Sozialstaaten mächtig zu. Volatilere wirtschaftliche Entwicklungen erhöhen die sozialen Risiken. Sie stellen die umlagefinanzierten Systeme der sozialen Sicherung auf den Prüfstand ökonomischer Effizienz. Private Versicherungslösungen werden wichtiger. Offene Märkte sind aber vor allem unfreundlich zur staatlichen Umverteilung. Die zwangsweise, staatlich verordnete Solidarität gerät in die Defensive. Es droht ein „race to the bottom“, so die Befürchtung. Die Globalisierung erzwingt Hand in Hand mit dem demographischen Wandel strukturelle Reformen des Sozialstaates. Weltweit wachsende Ströme von Flüchtlingen verschärfen die prekäre finanzielle Lage demographisch instabiler Sozialstaaten. Überall wirken sie wie Magnete auf Migranten aus aller Welt (George Borjas). Diese Kräfte sind besonders stark, wenn Sozialstaaten sehr großzügig sind. Die Gefahr wachsender finanzieller Defizite ist groß. Vor allem die Umverteilungsabteilung der Sozialstaaten gerät unter Druck.

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Migration, Ungleichheit und Umverteilung
Erodieren Flüchtlinge den Sozialstaat?
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Brexit: Englands und Europas Verteilungskonflikte bleiben ungelöst

Noch vor zehn Jahren galt die Mitgliedschaft in der Europäischen Union für die meisten Länder Europas als ein erstrebenswertes Ziel. Nun verlässt mit Großbritannien erstmals ein Land die EU und den Regierungen mancher anderer Mitgliedsstaaten, vor allem aber den rechtspopulistischen Parteien in zahlreichen Ländern kann es nicht schnell genug gehen, sich diesem Beispiel anzuschließen. Wie konnte es soweit kommen? Auffällig ist, dass zwischen den Aufbruchszeiten der EU-Osterweiterung und der folgenreichen Brexit-Entscheidung der Beginn der Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa lag. Die mit ihr einhergehenden, immer noch ungelösten Verteilungskonflikte innerhalb vieler Mitgliedsstaaten und auch zwischen ihnen sind die tiefere Ursache für die Abkehr von der EU. Sie lassen sich mehr oder weniger stark ausgeprägt in weiten Teilen der Union, darunter auch in Deutschland, beobachten.

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Ungleichheit heute (32):
Geld ist nicht alles
Transmissionskanäle der intergenerationalen Einkommenspersistenz

„In der Wahl seiner Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein.“ (Paul Watzlawick)

Die steigende Ungleichheit der Markteinkommen ist aktuell eines der wichtigsten sozialpolitischen Themen in Deutschland. Eng damit verbunden, in der Öffentlichkeit allerdings weniger stark diskutiert, ist das Thema der Einkommensmobilität. Allgemein unterscheidet man zwischen der intra- und der intergenerationaler Einkommensmobilität. Während sich die intragenerationale Einkommensmobilität mit der Frage beschäftigt, inwiefern eine einzelne Person innerhalb ihres Erwerbslebens auf der Einkommensleiter auf- oder absteigen kann, beschreibt die intergenerationale Einkommensmobilität den Auf- oder Abstieg eines Kindes relativ zur Position seiner Eltern. Die intergenerationale Einkommensmobilität untersucht also, inwiefern das spätere Einkommen eines Kindes von seiner Herkunft determiniert wird.

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Geld ist nicht alles
Transmissionskanäle der intergenerationalen Einkommenspersistenz
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Mythen der Ungleichheit (1)
Ungleichheit der Markteinkommen
Schweden und die USA sind gar nicht so verschieden

„Vor lauter Gleichmacherei haben wir vergessen, dass es die Ungleichheit ist, die den Wettbewerb befördert und auch den Wohlstand.“ (Michael Rogowski)

Die Diskussion um die wachsende Ungleichheit ist voller Mythen. Ein weitverbreiteter Mythos ist, die Markteinkommen seien in reichen Ländern ganz unterschiedlich ungleich verteilt. Es gäbe Länder, wie etwa die USA als Prototyp der angelsächsischen Welt, in denen die Ungleichheit seit Mitte der 70er Jahre stärker als anderswo angestiegen sei. In anderen Ländern dagegen, wie etwa Schweden einem Vorzeigeland der nordischen Welt, sei die Ungleichheit der Markteinkommen viel weniger stark angestiegen. Und es gäbe auch Länder, wie etwa Deutschland dem Muster der kontinentalen Welt, die bei der Entwicklung der Ungleichheit der Markteinkommen eine mittlere Position einnehmen würden. Würden diese Aussagen für die länderspezifischen Verteilungen der verfügbaren Einkommen getroffen, wären sie weitgehend richtig. Sie sind aber falsch, wenn es um die internationale Entwicklung ungleich verteilter Markteinkommen geht.

Mythen der Ungleichheit (1)
Ungleichheit der Markteinkommen
Schweden und die USA sind gar nicht so verschieden
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Gastbeitrag
Mit dem Bade ausgeschüttet
Warum die Thesen der OECD zur Ungleichheit nur zum Teil weiter führen

Die OECD hat mit ihrer jüngsten Studie „In it together: why less inequality benefits all“ Aufsehen erregt. Im Kern vertritt sie darin folgende Thesen: In den letzten 20-30 Jahren, insbesondere aber seit der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise (2008/2009) sei die Einkommens- und (besonders) die Vermögensverteilung in den OECD-Staaten deutlich ungleicher geworden. Dies koste wirtschaftliches Wachstum – allein zwischen 1990 und 2010 sei deshalb der reale Zuwachs im BIP dort kumuliert um 4,7 Prozentpunkte niedriger als möglich ausgefallen – und lasse die ärmsten 40% mit einem großen Abstand zum Rest der Gesellschaft zurück. Der Schlüsselfaktor für die Wachstumseinbußen wird in der starken Ausbreitung von flexiblen („non-standard“) Arbeitsverträgen und den zu geringen Investitionen in Humankapital (bei geringem Vermögen/hohen Schulden der unteren Mittelschicht) gesehen. Als Remedur schlägt die OECD daher vor, dass die Arbeitsmarktpolitik weniger die Quantität als die Qualität von Jobs fördern solle, die Bildungspolitik den Zugang zu Bildungseinrichtungen verbessern und die Attraktivität der Weiterbildung steigern müsse und schließlich die Finanzpolitik mit Hilfe von Steuern und Transfers (wo noch nicht geschehen) ein effizientes staatliches Umverteilungssystem einzurichten habe.

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Mit dem Bade ausgeschüttet
Warum die Thesen der OECD zur Ungleichheit nur zum Teil weiter führen
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Inequality, Redistribution and Mobility
Is there a need for economic policy action?

In general, the art of government consists in taking as much money as possible from one party of the citizens to give to the other.“ (Voltaire)

There are not many things which have the capacity to excite the world time after time, but the unequal distribution of income is one of them. In this case inequality has developed rather ambivalently. The gap between rich and poor countries is becoming smaller worldwide. However, countries are distributing income less equally. External convergence and internal divergence go hand in hand. The debate about inequality is a perennial political issue. Particularly in Europe, the call for more governmental redistribution is becoming louder. It is driven by the moralizing force of “justice“, with allocative and political risks as well as side effects of inequality playing more of a supporting role. In the United States, the debate is progressing differently in spite of relatively high inequality internationally. There it is not so much equal outcomes but rather equal opportunity which is at the forefront of the distribution policy agenda. The issue which matters most to the middleclass is that of social mobility, rather than rising income inequality.

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Ungleichheit heute (30)
Ungleichheit, Umverteilung und Mobilität
Besteht wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf?

„Im Allgemeinen besteht die Kunst des Regierens darin, einem Teil der Bevölkerung so viel Geld wie möglich wegzunehmen, um es dem anderen Teil nachzuwerfen.“ (Voltaire)

Es gibt nicht viel, was die Welt immer wieder aufs Neue erregt. Die ungleiche Verteilung der Einkommen zählt dazu. Dabei entwickelt sich die Ungleichheit eher ambivalent. Die Kluft zwischen armen und reichen Ländern wird weltweit kleiner. Allerdings verteilen sich die Einkommen in den Ländern ungleicher. Externe Konvergenz und interne Divergenz gehen Hand in Hand. Die Diskussion um Ungleichheit ist ein politischer Dauerbrenner. Vor allem in Europa wird der Ruf nach mehr staatlicher Umverteilung lauter. Er wird von der moralisierenden Kraft der „Gerechtigkeit“ getrieben. Allokative und politische Risiken und Nebenwirkungen der Ungleichheit spielen eher eine Nebenrolle. In den USA läuft die Diskussion trotz international relativ hoher Ungleichheit anders. Dort steht nicht so sehr die Ergebnis-, sondern die Chancengleichheit vorne auf der verteilungspolitischen Agenda. Nicht die steigende Ungleichheit der Einkommen, sondern die soziale Mobilität ist das Thema, das vor allem die Mittelschicht beschäftigt.

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Ungleichheit, Umverteilung und Mobilität
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Wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt irgendwann der Bund daher
Neues vom Länderfinanzausgleich

Nachdem die Verhandlungen um die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen ins Stocken geraten sind, sorgt nun die Nachricht für Aufmerksamkeit, daß Wolfgang Schäuble und Olaf Scholz einen neuen gemeinsamen Vorschlag lanciert haben. Es ist ein weiterer Versuch, zwischen den stark divergierenden Interessen der einzelnen Bundesländer einen Weg zu einer konsensfähigen Lösung zu finden.

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Kurz kommentiert
Notenbanker entdecken die Ungleichheit

“Non-conventional monetary policy however, in particular large scale asset purchases, seem to widen income inequality, although this is challenging to quantify.” (Yves Mersch)

Die seit über einem Vierteljahrhundert weltweit wachsende personelle Ungleichheit von Einkommen und Vermögen in den Ländern zieht Kreise. In jüngster Zeit entdecken nun auch Notenbanker dieses Thema. Janet Yellen (Fed), Mark Carney (BoE) und Mario Draghi (EZB) sind die bekanntesten Beispiele. Der Grund liegt auf der Hand. Die „neue“ unkonventionelle Geldpolitik stößt auf Widerstände, immer öfter auch auf distributive. Kritiker monieren, sie sei nicht nur wenig effizient, gemessen an Preisniveaustabilität und Beschäftigung, sie sei auch ungerecht, gemessen an der Verteilung von Einkommen und Vermögen. Eine hyper-expansive Politik der „quantitativen Lockerung“ mache die Reichen reicher und die Armen ärmer.

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Ungleichheit heute (29)
Vermögensmobilität
Sind wir noch selbst unser Glückes Schmied?

Dass die Vermögen insbesondere in entwickelten Volkswirtschaften wie Deutschland, Schweden oder den USA sehr ungleich verteilt sind, ist unbestritten. Ein bloßer Vergleich der Vermögensungleichheit über die Jahre hinweg sagt jedoch nichts darüber aus, ob dauerhaft ein und dieselben Personen zu den Vermögenden zählen oder nicht. Die Möglichkeit, im Laufe des Lebens in der Vermögenshierarchie aufsteigen zu können, bewirkt, dass ein gewisser Grad an Ungleichheit akzeptiert wird und dass die Ungleichheit über den Lebenszyklus hinweg in Realität geringer ausfällt als dies ein Ungleichheitsmaß zu einem gegebenen Zeitpunkt auszuweisen vermag.

Während sich die Forschung im Bereich der sozialen Mobilität aufgrund der besseren Datenlage meist Indikatoren wie Bildung und Einkommen widmet, soll dieser Beitrag einen Überblick über den aktuellen Wissensstand hinsichtlich der Vermögensmobilität bieten.

Ungleichheit heute (29)
Vermögensmobilität
Sind wir noch selbst unser Glückes Schmied?
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