Ungleichheit heute (5)
Die Mittelschicht schrumpft – Wo liegt der Handlungsbedarf?

In den letzten Jahren hat die verteilungspolitische Debatte in Deutschland an Fahrt gewonnen. Sie vollzieht sich zumeist antizyklisch zur konjunkturellen Entwicklung. Da die deutsche Wirtschaft trotz des scharfen Einbruchs 2009 relativ unbeschadet durch die Krise gekommen ist und in den letzten drei Jahren beachtliche Wachstumsraten zu verzeichnen waren, verwundert dies zunächst nicht. Doch auch die strukturellen Veränderungen des letzten Jahrzehnts im Sozialen und auf dem Arbeitsmarkt haben in den Augen mancher die Balance zwischen Effizienz und Gerechtigkeit gestört.

Gerade in Deutschland spielt dabei die Lage der Mittelschicht eine wesentliche Rolle. Als Ludwig Erhard in der noch jungen Bundesrepublik „Wohlstand für alle“ zum Paradigma der Wirtschafts- und Sozialpolitik ausrief, schuf er zugleich den Mythos der breiten Mittelschicht, die maßvoll und möglichst im Gleichschritt von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren sollte. Die Mittelschicht ist seither die Arena zentraler gesellschaftlicher Prozesse. Wahlen werden in der Mitte gewonnen. Die Mittelschicht trägt mit ihren Steuern die Finanzierung des Staates. Die Mittelschicht ist die Basis des deutschen Wirtschaftsmodells.

Ungleichheit heute (5)
Die Mittelschicht schrumpft – Wo liegt der Handlungsbedarf?“
weiterlesen

Ungleichheit heute (2)
Der Staat strapaziert die Schweizer Mittelschicht

In kaum einem anderen Land wird die Mittelschicht derart stark als Garant für wirtschaftliche Dynamik und politische Stabilität wahrgenommen wie in der Schweiz. So wichtig die Mittelschicht für das Schweizer Selbstverständnis ist, so verbreitet sind die Diskussionen über ihre Sorgen: Stagnierende Löhne, eine sich öffnende Einkommensschere, erodierende Kaufkraft oder die Konkurrenz durch qualifizierte Zuwanderer im Arbeits- und Wohnungsmarkt sind seit Jahren fester Bestandteil der öffentlichen Debatte. Diese rollt das jüngste Buch des liberalen Think-Tank Avenir Suisse neu auf und kommt zu einem ambivalenten Fazit: Zwar geht es der Schweizer Mittelschicht heute besser als vor 20 Jahren. Von einer Erosion kann also nicht gesprochen werden. Doch wird sie durch die staatliche Umverteilung zugunsten von unteren Einkommensschichten zurückgeworfen. Zugleich wird ihr der soziale Aufstieg erschwert. Dies schwächt die relative Position der Schweizer Mittelschicht.

Ungleichheit heute (2)
Der Staat strapaziert die Schweizer Mittelschicht“
weiterlesen

Ungleichheit heute (1)
Einkommensungleichheit in OECD-Ländern
Wo stehen wir?

„The great mystery of the modern theory of distribution is why anyone regards the share of wages and profits as an interesting problem.“ (Mark Blaug, 1996)

Verteilungsfragen haben wieder Hochkonjunktur. In der Öffentlichkeit dominiert der Eindruck, Einkommen und Vermögen werden immer ungleicher verteilt. Heftige Kritik, normative und positive, ist die Folge. Das allgemeine Empörungsniveau steigt. Wachsende Ungleichheit wird als ungerecht empfunden. Tatsächlich sind Ungleichheit und Ungerechtigkeit aber zwei Paar Schuhe. Was ungerecht ist, ist eine philosophische Frage, keine ökonomische. Die Kritik hat aber auch eine positive Komponente. Ungleich verteilte Einkommen und Vermögen wirken nach dem Eindruck vieler systemisch. Die wachsende Ungleichheit wird für die Finanzkrise verantwortlich gemacht. Darunter leidet die Akzeptanz der aktuellen marktwirtschaftlichen Ordnung. Dieser Beitrag ist der Auftakt der neuen Serie “Ungleichheit heute”.

Ungleichheit heute (1)
Einkommensungleichheit in OECD-Ländern
Wo stehen wir?
weiterlesen

Armut, Reichtum und Vermögensverteilungen

Was in der Folge des 18. September 2012 durch die Medien geisterte, war vorauszusehen wie die heilige Wandlung im sonntäglichen Hochamt. Denn der an diesem Tag vorgelegte Entwurf des vierten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung benennt im Prinzip altbekannte Fakten, zumindest was jene Aspekte angeht, die es von dem Bericht in die Medien geschafft hatten. Insbesondere der Umstand, dass die zehn Prozent Vermögensreichsten in Deutschland um die 50 Prozent des Vermögens auf sich vereinen, war ebenso bekannt wie der Umstand, dass sich eine solche Zahl gleichwohl für ein paar nette Talkrunden eignet. Also nahmen die vorherzusehenden medialen Rituale ihren Lauf, mit der üblichen Regie und mit den üblichen Protagonisten.

„Armut, Reichtum und Vermögensverteilungen“ weiterlesen