Eine kleine Pathologie der Eurokrise

Griechenland stieg 2007 mit einer Verschuldungsquote von gut 107 Prozent in die Finanzmarktkrise ein, Italien mit über 103 Prozent. Portugal lag bei etwas mehr als 68 und Zypern bei knapp 59. Dagegen wies Spanien nur einen Schuldenstand von 36 Prozent auf und Irland kam gerade einmal auf 25 Prozent. Gleichwohl ist allen diesen Ländern gemein, dass sie wenig später zu den so genannten Problemländern der Eurozone gehörten, die entweder unter die Rettungsschirme von EFSF oder ESM schlüpften oder doch durch Wertpapierkäufe der EZB einstweilen vor den Folgen krisenhafter Wertpapierkursverluste bewahrt wurden – und das bei Schuldenständen von zwischen 25 und 107 Prozent! In der Tat ist der Verweis auf eine intrinsische Schuldenneigung der zuständigen Finanzminister vor der Krise bei weitem nicht ausreichend, um die Ursachen der Eurokrise zu ergründen. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass sich – wenn man so will – auf einer mittleren Ebene der Ergründung jeder seine Lieblingshypothese darüber heraussucht, was die wirklichen Hintergründe der Krise seien. Da finden die einen die Finanzmärkte und überhaupt das Versagen der Märkte mitsamt ihren bisweilen zügellosen Akteuren, während andere den öffentlichen Sektor und seine Unfähigkeit zu nachhaltigem Finanzgebaren anprangern, und jeder mag am Ende in der einen oder anderen Hinsicht Recht haben.

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Nicht von ungefähr – zum Zusammenhang von Wirtschaftsstruktur und Leistungsbilanz

Vor dem Hintergrund der Diskussion um Leistungsbilanzungleichgewichte innerhalb Europas und auch im globalen Kontext wird immer wieder auch das sogenannte „Geschäftsmodell“ Deutschland auf den Prüfstand gestellt. Sofern diese Bezeichnung überhaupt sinnvoll ist, kann darunter verstanden werden, dass sich deutsche Unternehmen im Vergleich mit anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften stärker auf die Produktion von Industriewaren und auf den Export dieser Güter konzentrieren.

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Eine historische Perspektive europäischer Kreditmechanismen

Der jüngste Euro-Rettungsgipfel hat kaum neue Dimensionen in der europäischen Schuldenkrise eröffnet: Ein wenig Umstrukturierung, ein wenig Bailout, ein wenig Vergemeinschaftung und ein wenig Beteiligung privater Banken an gigantischen Rettungspaketen. Zwar wurde auf den Kapitalmärkten zunächst Ruhe geschaffen, doch ist die Transparenz für den Steuerzahler nicht größer geworden. Kein Politiker kann sagen, welcher Akteur welche Risiken übernimmt. Im Folgenden soll die Diskussion um das europäische Krisenmanagement mit der historischen Entwicklung der Kreditmechanismen bei Leistungsbilanzungleichgewichten in Europa unterlegt werden. Wie Abbildung 1 zeigt, sind die Leistungsbilanzungleichgewichte in Europa seit 1950 unabhängig vom Währungssystem persistent. Doch die Entwicklung institutioneller Kreditmechanismen, die heute als Grundlage des Krisenmanagements dienen, hat seit der Einführung des Euro nicht schritt gehalten.

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Der Euro in Not
Warum diese Währungsunion inhärent instabil ist

„Einheitliches Geld erzeugt einen Transferbedarf“ (Otmar Issing)

In der Europäischen Währungsunion geht es seit einiger Zeit drunter und drüber. Der Euro verliert gegenüber dem Dollar seit Wochen an Boden. Die währungspolitische Party ist vorbei, nach 10 Jahren ist der Lack ab. Griechenland ist nur die Spitze des Eisberges. Es steht unter dem Druck der internationalen Finanzmärkte, die Staatspleite droht. Grund sind hohe Defizite und ein wachsender Schuldenberg. Aber nicht nur Griechenland ist in Schwierigkeiten. Es gibt noch mehr schwarze Schafe. Auch Portugal, Irland, Spanien und wieder einmal Italien wackeln. Die fiskalischen Ferkeleien der PIIGS sind allerdings nur die unansehnliche Fassade. Wirklich baufällig wird es erst dahinter. Strukturelle Ungleichgewichte im Handel mit Gütern und Diensten sind das eigentliche Problem. Wird es nicht gelöst, hat die Europäische Währungsunion in der gegenwärtigen Form ihre Zukunft schon hinter sich.

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