Are we all Keynesians now?

Es gehört wohl zu den Merkwürdigkeiten der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, dass der Jurist Wolfgang Schäuble in einem Handelsblatt-Interview seiner CDU empfiehlt, keynesianisch zu denken. Weniger überraschend muss es wohl sein, dass immer mehr Politiker nach den unvermeidlich gewordenen Finanzmarktstabilisierungsprogrammen offenbar Gefallen an dem Aufspannen von Schutzschirmen auch außerhalb des Finanzsektors finden und folglich fast täglich neue Milliardenprogramme in die Diskussion einspeisen – gerade so, als ob sie uns vor allem Unbill dieser Welt beschützen könnten.

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Wachstumsbremse: Dienstleistungen in Europa

Finanzmarktkrise verstärkt Wachstumsbremse im Dienstleistungshandel

Zu befürchten ist, daß die gegenwärtige Finanzmarktkrise mindestens zweierlei hervorbringt: Erstens eine mittelfristig fühlbare Abschwächung des Wachstumspotentials in Europa und weltweit sowie zweitens neue Rufe nach Kapitalverkehrsbeschränkungen. Staatsregulierung und Protektion gewinnen allenthalben an unreflektierter Sympathie. Diese Wirkungen der Finanzmarktkrise paaren sich mit der Protektionsentwicklung, wie sie sich auf den europäischen Dienstleistungsmärkten in signifikantem Ausmaß bereits seit Jahren mit höchstrichterlichem EU-Segen wachstumshemmend herausgebildet hat. So verstärkt die Finanzmarktkrise die schon bestehende Wachstumsbremse, wie sie von den Protektionswirkungen im europäischen Dienstleistungshandel ausgehen, die hier im Fokus stehen sollen.

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Die deutsche Wirtschaft im Sog der internationalen Finanzkrise

1. Von der US-Immobilien- zur globalen Finanzmarktkrise

Auslöser der mittlerweile in vielen Ländern akuten Finanzmarktprobleme waren im Sommer 2007 schlechte Nachrichten über zweitrangige Immobilienkredite (subprime credits) in den USA. Im Gefolge entstanden zunächst am Interbankenmarkt – an dem sich Banken untereinander mit Liquidität versorgen – große Engpässe. Es kam zu einer nennenswerten Vertrauenskrise im Bankensektor. Die Vertrauenskrise entstand, weil lange Zeit nicht sicher war, welche Banken mit welchem Engagement und Risiko und über welchen Weg in die Krise am Subprime-Markt verwickelt sind. Die kurzfristigen Zinsen am Interbankenmarkt stiegen – im Gegensatz zu den Zinsen für Staatliche Anleihen – deutlich an. Die Notenbanken haben mit Rekordsummen versucht, den Banken genügend Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Krise am Subprime-Markt in den USA hat Kreise gezogen und eine Reihe von Banken kamen unter Druck – auch in Deutschland. Das Vertrauens- oder Misstrauensproblem ist noch nicht gelöst. In den letzten Wochen kamen erneut Banken und Versicherungsgesellschaften auf den Prüfstand, den einige Institute nicht überlebten. Der amerikanische Staat hat massiv eingegriffen, um den Finanzmarkt zu stabilisieren.

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Konjunkturprogramme – oft nur politischer Aktionismus

Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2008 deutlich an Schwung verloren. Im Vergleich zum vorhergehenden Quartal sank die preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigte Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent. Grund genug für manche, auf eine unausweichliche Rezession hinzuweisen. Dabei muss aber Folgendes berücksichtigt werden:

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Die Erholung in Deutschland –
Hintergründe, Gewinner und Verlierer

Deutschland ist im Aufschwung. Trotz einer Reihe von konjunkturellen Querschlägern – hohe Öl- und Rohstoffpreise, Euroaufwertung und die Bremseffekte infolge der US-Immobilien- und Finanzmarktkrise – wird das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2,5 Prozent zulegen. Damit ist die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung in preisbereinigter Rechnung seit dem Erholungsbeginn im Jahr 2004 um insgesamt fast 9 Prozent gestiegen. In nominalen Größen steigt das Bruttoinlandsprodukt von 2004 bis einschließlich 2008 voraussichtlich um 320 Milliarden Euro auf über 2.530 Milliarden Euro an. Auch der Arbeitsmarkt wurde im Gefolge dieses wirtschaftlichen Aufschwungs deutlich belebt. Im Jahresdurchschnitt 2007 waren mit fast 39,8 Millionen insgesamt fast 1 Millionen Menschen mehr erwerbstätig als zwei Jahre zuvor. Dabei entstanden vorwiegend sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Zum Jahresende 2007 waren sogar erstmals in Deutschland mehr als 40 Millionen Menschen erwerbstätig. Die Arbeitslosigkeit, die sich im Jahresverlauf 2005 zum Teil auf über 5 Millionen Menschen belief, konnte bis zum Frühsommer 2008 auf unter 3,3 Millionen zurückgeführt werden. Als Folge wachstumsbedingter Mehreinnahmen sowie nur noch moderaten Ausgabenzuwächse konnte auch das in Deutschland über weite Zeit chronische Staatsdefizit abgebaut werden. Nach Finanzierungslücken von mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts konnten im Jahr 2007 erstmals seit dem Jahr 1989 – ohne Berücksichtigung der UMTS-Einnahmen im Jahr 2000 – ein ausgeglichener Staatshaushalt realisiert werden.

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Hintergründe, Gewinner und Verlierer
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