Der Euro ist (mit)verantwortlich für die Staatsschuldenkrise

Wenn es um die Ursachen der Staatsschuldenkrise in Europa geht, dann werden häufig die Finanzkrise und die daran beteiligten Banken als auslösende Faktoren genannt. Dies übersieht allerdings, dass die Grundprobleme bereits mit der Gründung der Eurozone im Jahre 1999 gelegt wurden. Durch die Schaffung eines einheitlichen Finanzraums und dem Übergang der Geldpolitik auf die Europäische Zentralbank (EZB) musste es – bei gleicher Laufzeit und Bonität – auch zu einem einheitlichen Nominalzins in der Eurozone kommen. Gleichzeitig entwickelten sich aber – entgegen den Erwartungen – die Inflationsraten in den Mitgliedsländern deutlich auseinander, so dass die (ex-post) Realzinsen ebenfalls unterschiedlich hoch ausfielen. Abbildung 1 veranschaulicht diese Entwicklung. Deutschland weist dabei bis Ende 2007 – also bis zum Beginn der Finanzkrise – den höchsten Realzins auf, während die heutigen Krisenländer durch sehr niedrige, zum Teil sogar negative Realzinsen gekennzeichnet waren. Besonders deutlich lässt sich diese Entwicklung am Beispiel Griechenlands nachvollziehen. In den Jahren 1999 und 2000, als Griechenland noch kein Mitglied der Eurozone war, lag der Realzins dort oberhalb des deutschen Zinses, um dann nach dem Beitritt zum 1. Januar 2001 auf das niedrige Niveau der anderen (späteren) Krisenländer zu fallen.

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Austerität und Strukturreformen
Wirtschaftspolitisches Teufelszeug oder bittere Medizin?

„Wer jetzt für das Ende der Austerität eintritt, versucht entweder, es sich auf Kosten künftiger Generationen weiter gutgehen zu lassen. Oder aber er will das geliehene Geld sowieso nie ganz zurückzahlen. Doch beides ist letztlich Diebstahl – im ersten Fall an künftigen Generationen, im zweiten an Sparern.“ (Peter A. Fischer)

Die Worte „Austerität“ und „Strukturreform“ haben beste Chancen von einer feuilletonistisch dominierten Jury zu Unwörtern des Jahres 2013 in Europa gewählt zu werden. Eine Politik des aggressiven „Kaputtsparens“ und überzogener Strukturreformen seien schuld an der wachsenden Misere auf den europäischen Arbeitsmärkten. Tatsächlich steigt die Arbeitslosigkeit weiter unvermindert an. Eurostat schätzt, dass im März 2013 im Euroraum über 19,2 Mio. Menschen ohne Arbeit waren. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenreihe im Jahre 1995. Prekär ist die Lage vor allem in Griechenland (27,2 %), Spanien (26,7 %) und Portugal (17,5 %), besser ist sie in Österreich (4,7 %), Deutschland (5,4 %) und Luxemburg (5,7 %). Die FAZ plappert zwar von unvermeidbarer künftiger Vollbeschäftigung in Deutschland. Tatsächlich sind aber auch hierzulande noch über 3 Mio. Menschen arbeitslos. Von ökonomischer und gesellschaftlicher Brisanz in der EWU ist die hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen. Hier reichen die Werte in Griechenland schon knapp an die 60 %. In Spanien ist es kaum besser, Italien und Portugal folgen mit einem Abstand von 20 %-Punkten. Diese Entwicklung ist politischer Sprengstoff.

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Es fehlt das Vertrauen

Die Staatschuldenkrisen in vielen Ländern haben das Tempo der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr heftig abgebremst. Vor allem der Euroraum leidet unter den Anpassungslasten, die mit den hohen Schuldenbergen und den einsetzenden Korrekturen einhergehen. Die reale Wirtschaftsleistung ging – nach einem bereits vergleichsweisen schwachen Wachstumsjahr 2011 – im Jahr 2012 um 0,6 Prozent zurück. Dabei gaben alle verwendungsseitigen Aggregate im Euroraum nach: Der private Konsum sank um 1,3 Prozent, der Staatskonsum um 0,3 Prozent und die Anlageinvestitionen brachen sogar um fast 4 Prozent ein. Vor allem Letzteres markiert die hohe unternehmerische Unsicherheit, die sich im Gefolge der Staatsschulden- und Strukturkrisen im Euroraum aufgebaut hat.

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Notenbankunabhängigkeit – ein Auslaufmodell?

Bis zum Ausbruch der Finanzkrise galt Notenbankunabhängigkeit – zumindest auf dieser Seite des Atlantiks – als wichtiger Eckpfeiler einer stabilitätsorientierten Geldpolitik und als zentraler institutioneller Garant von Preisstabilität. Deshalb wurde, dem Vorbild der Deutschen Bundesbank folgend, im Maastrichter Vertrag die politische Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank verankert. Deren vorrangiges Ziel ist, Preisstabilität zu garantieren und die Inflationsrate mittelfristig auf einem Wert unter, aber nahe bei 2 Prozent p.a. zu halten. Zentralbankunabhängigkeit geht häufig mit einer Politik der Inflationssteuerung einher, weil sich die Notenbank auf das Primat der Preisstabilität verpflichten und darauf verzichten, andere makroökonomische Ziele zu verfolgen, um Zielkonflikte zu vermeiden.

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Liquiditäts- oder Nullzinsfalle?

Als mit dem Schwarzen Freitag im September 1929 der von billiger Liquidität beflügelte Boom auf den US-Aktienmärken ein jähes Ende fand, reagierte die Federal Reserve Bank mit Zinssenkungen, die im Verlauf der ersten Hälfte der 1930er Jahre noch zögerlich verliefen. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre wurde aber ein historisches Leitzinstief von 1% erreicht, das bis zum Kriegsende bestehen blieb. Die Leitzinssenkungen der großen Zentralbanken allein konnten aber nicht die Wende zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung bringen. Dies beflügelte die wissenschaftlichen Arbeiten von John Maynard Keynes. Hatte bisher die klassische Maxime der Selbstheilungskräfte des Marktes gegolten, wies Keynes der kreditfinanzierten staatlichen Ausgabenexpansion eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Belebung in der „Liquiditätsfalle“ zu.

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Was sollen und können Konjunkturprognosen?

Sind Prognosefehler ein Problem?

Ökonomen, die in den verschiedenen Institutionen mit Prognosen zu tun haben – vor allem wenn sie Prognosen erstellen und rechtfertigen müssen – hatten in den letzten Jahren keinen leichten Stand. Weder das Ausmaß der Finanzmarktkrise noch die kräftige Erholung wurden zufriedenstellend erkannt. Prognosefehler werfen Probleme auf, wenn auf ihrer Basis Entscheidungen getroffen werden, die im Nachhinein negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft haben können. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn eine falsche Wachstumsprognose zu falschen Erwartungen hinsichtlich der Produktivitätsentwicklung führt. Die Produktivität, also das Produktionsergebnis je eingesetzter Arbeitskraft oder eingesetzter Arbeitsstunde, ist eine wichtige Bestimmungsgröße für den Verteilungsspielraum. Denn Lohnerhöhungen sollen sich am Leistungszuwachs der Arbeitskräfte und damit am Anstieg ihrer Produktivität orientieren.

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Achtung Statistik
Wie gut sind Konjunkturprognosen?

Viele Prognosen sind in der Vergangenheit beständig zuverlässiger geworden. Während etwa Mitte der achtziger Jahre bei Wetterprognosen der Prognosefehler der ein- bis zweitägigen Vorhersage der Tageshöchsttemperatur bei ca. 2,5 Grad lag, liegt er heute bei etwa 1,6 Grad – eine gewaltige Prognoseverbesserung, die vor allem auf bessere Messdaten, ausgefeiltere Modelle und größere Rechnerleistungen zurückzuführen ist. Es stellt sich somit die Frage, ob Konjunkturprognosen ähnlich zuverlässiger geworden sind. Die Fakten sprechen dagegen: So ist der Prognosefehler der Wachstumsprognosen für Deutschland durch den Sachverständigenrat seit den sechziger Jahren nicht substanziell gesunken. Gleiches gilt auch für andere Konjunkturprognosen. Gerade am aktuellen Rand konnten die Konjunkturprognosen zum Beispiel die Konjunktureinbrüche im Zuge der Finanzmarktkrise 2009 nicht vorhersagen und wiesen Prognosefehler bis 5 Prozentpunkte auf.

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Ungleichheit heute (7)
Einkommensverteilung: Vorsicht vor der Konjunktur!

„Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, sagt ein Sprichwort. Dabei hat jeder oftmals ein anderes Vergleichsmaß vor Augen. Das gilt zuweilen auch bei wirtschaftlichen Vergleichen. Je nach Maßstab eröffnen sich eine andere Betrachtungsperspektive und letztlich eine andere ökonomische Bewertung der Fakten.

Dieses Problem durchzieht zum Beispiel Wachstums- und Einkommensvergleiche. Je nach Referenzjahr kann ein Vergleich zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen. Zum Beispiel: Wird die jahresdurchschnittliche Veränderung bei den Arbeitnehmerentgelten und bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen berechnet, dann kann das Bezugsjahr eine erhebliche Bedeutung haben:

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Asien treibt die globalen Investitionen – ein Selbstläufer?

Das globale Investitionsvolumen ist in den vergangenen zehn Jahren gewaltig angestiegen. Die weltweiten Bruttoinvestitionen – dabei handelt es sich um private und staatliche Investitionen in Ausrüstungen, Bauten und Läger und nicht um Finanzmarktinvestitionen – stiegen auf Basis von eigenen Berechnungen von gut 7.000 Milliarden US-Dollar im Jahr 2002 um knapp 10.000 Milliarden US-Dollar auf nunmehr gut 17.000 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 an (Abbildung 1). Dagegen war in der vorhergehenden Dekade 1992 bis 2002 nur ein Plus in Höhe von insgesamt gut 1.500 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen. Im Teilzeitraum 1995 bis 2002 stagnierten die weltweiten Anlageinvestitionen sogar auf einem mehr oder weniger konstanten Niveau von knapp 7.000 Milliarden US-Dollar.

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Junge Ordnungsökonomik
Europäische Geldpolitik in der Liquiditätsfalle

1 Einleitung

Die Ökonomien der Eurozone, die USA und Japan befinden sich seit Jahren in einer Liquiditätsfalle. Fiskalpolitische Konjunkturprogramme und insbesondere Maßnahmen unkonventioneller Geldpolitik haben bisher nicht zu einem selbsttragenden Aufschwung der Realwirtschaft geführt. Die Europäische Zentralbank (EZB) will an ihrer entsprechenden Geldpolitik der Vollzuteilung bis mindestens Sommer 2013 festhalten und behält sich weitere geldpolitische Stimuli vor. Die US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve Board (Fed) will es ebenfalls bei einer unkonventionellen Geldpolitik belassen, bis Beschäftigung und Produktion auf ein gewünschtes Niveau steigen. Die Niedrigzinspolitik der Bank of Japan (BoJ) ging in den letzten sechs Monaten mit Kursgewinnen in Höhe von etwa 30% am japanischen Aktienmarkt einher. Auch die jüngste Ankündigung weiterer geldpolitischer Lockerungen hat dort eine kurzfristige Rally ausgelöst.

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