Konservative Revolution: Die CDU und der Markt

Die Union sucht das Konservative. Und verabschiedet sich von der Marktwirtschaft. Roland Koch, einer der Klügsten der Neuchauvinisten, hat angefangen. In einem großen Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (28. Juni) spricht er clever von den „Neuen Herausforderungen der Marktwirtschaft“ und verschweigt doch zugleich, dass er das Gegenteil von Marktwirtschaft will: Protektionismus, Bilateralismus und die Schaffung einer neuen Wagenburg, wahlweise mit den Europäern oder den Amerikanern.

Willkommenen Anlass für die Trendwende bieten Chinesen und Russen, denen Koch und Konsorten nur finstere Absichten unterstellen. Niemand malt den Teufel so schön an die Wand wie der hessische Ministerpräsident: Chinesen nutzen ihre unfassbar großen Devisenreserven von 1,3 Billionen Dollar, um mithilfe staatlicher Fonds die für sie strategisch wichtigsten Unternehmen der Welt zusammen zu kaufen. Eisenbahnen, Energieunternehmen oder Banken – und ehe wir uns versehen, steht auf Ackermanns Frankfurter Twin Towers „Bank of China“ und Mehdorns Deutsche Bahn AG heißt künftig Shanghai Railway Co. Zuvor schon haben sich im Kochschen Szenario die Russen bereits Eon und RWE geschnappt, um Gazprom einen monopolistischen Absatzmarkt zu garantieren und die Strompreise der deutschen Verbraucher nach Belieben zu manipulieren.

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Die säkulare Täuschung: Anmerkungen zur Theorie religiöser Märkte.

Die Religion lebt. Und Säkularisierung ist eine Illusion. Es ist genau umgekehrt gekommen, wie es Marx, Nietzsche, Freud und die Religionskritik der europäischen Aufklärung erwartet haben: Die Annahme, wonach Modernisierungsprozesse mit Notwendigkeit zu einer Schwächung der Religion und früher oder später zu ihrem Verschwinden führen müssen, hat sich als falsch erwiesen. Der Prozess beschleunigter Globalisierung in vielen Ländern Asiens liefert dafür den Beweis. Satte Wohlstandsgewinne und robustes Wachstum seit Jahren haben mitnichten zu einem Rückgang religiöser Überzeugungen und Praktiken geführt. Im Gegenteil. Heute bekennen sich über 80 Prozent der Inder zum hinduistischen Glauben. In Russland hat das Ende des Kommunismus nicht nur zu Wachstum, sondern auch zum Erstarken des orthodoxen Christentums geführt. Und in China wird der Konfuzianismus sogar von der „aufgeklärten“ KP-Führung selbst gestärkt: Denn er steht für die Tugenden der Rechtschaffenheit, Sparsamkeit und Arbeitsmoral und verspricht eine Belohnung hierarchischer Unterordnung. In Südamerika ist zwar das katholische Christentum im Niedergang begriffen. Dagegen finden Methodisten und Evangelikale (das so genannte „Health- und Wealth Gospel“) immer mehr Anhänger. Überflüssig zu erwähnen, dass zugleich weltweit der Islam einen nicht geahnten Aufschwung erlebt hat. Religion, so scheint es, ist ein Bedürfnis der Armen und der Reichen, der Globalisierungsgegner und der Globalisierungsgewinner. Religion, die Bindung der Menschen an „das Heilige“, galt immer schon als ein anthropologisches Grundbedürfnis. Das hat sich bis heute nicht geändert.

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Der Spuk von Heiligendamm

Letzte Woche war in Deutschland Party, rund um den großen Zaun von Heiligendamm. Gäbe es die Treffen der G8 nicht, man müsste sie erfinden. Nicht etwa, um der Globalisierung ein „menschliches Gesicht“ zu geben; das hat sie längst. Aber um den Mächtigen der Welt und ihren nicht minder mächtigen Gegnern, bei sekundentreuer Aufmerksamkeit in allen wichtigen Medien der Welt, eine Bühne zum großen Auftritt zu bieten. Es ist kein Zufall, dass exakt zu jener Zeit, in welcher die Weltwirtschaft den Bedeutungsverlust ihrer konsortialen Führung erlebt, das Bedürfnis nach symbolischer Repräsentation wächst. Heiligendamm dient der Reduktion von Komplexität.

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Sozialstaatsillusion – Die heimlichen Geschäfte von Caritas, Diakonie & Co.

I.

Diakonie, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz & Co. sind eine riesengroße Branche: Von rund 1,5 Millionen hauptamtlich Beschäftigten und einem geschätzten Jahresumsatz von 55 Milliarden Euro ist die Rede. Allein die Zahl der Arbeitsplätze bei den großen Fünf der Mildtätigkeit hat sich seit 1970 mehr als verdreifacht. Ganz genau weiß das niemand, denn die Branche weigert sich beharrlich, ihre Zahlen offen zu legen. Konzernbilanzen sucht man vergebens.

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Die Rückkehr der Klassengesellschaft – Steht die Mittelschicht vor dem Absturz?

Nicht erst seit Jean-Jacques Rousseaus „Diskurs über die Ungleichheit“ (1755) träumt die Menschheit von einer Aufhebung der Klassen und Schichten. Egalité, Gleichheit, gehört zum Grundbestand jener Ziele, die gleichermaßen von der französischen Revolution und von der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ins Zentrum gestellt wurden. Kein Wunder, dass wachsende Ungleichheit die Menschen beunruhigt, bedeutet es doch eine große Kränkung, sollte sich herausstellen, dass allein die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht den Hebel der Einkommensmaximierung definiert und dass alle wohlfahrtsstaatlichen Anstrengungen der letzten eineinhalb Jahrhunderte die Menschen die Gesellschaften nicht mobiler gemacht haben. „Die Rückkehr der Klassengesellschaft – Steht die Mittelschicht vor dem Absturz?“ weiterlesen