Die Eurokrise aus zukünftiger Retrospektive

Seit einer Reihe von Jahren haben Chronisten von Wirtschafts- und Finanzkrisen eine eigentlich beklagenswerte Hochkonjunktur. So wird der interessierte Leser immer wieder auf vergleichbare Muster hingewiesen, die beinahe an Bachs „Variationen über ein Thema“ erinnern, und sieht sich am Ende ein wenig erleichtert, denn ökonomisch schlechte Zeiten erweisen sich zwanglos als keine Exklusivlast des frühen 21. Jahrhunderts.

Andererseits zeigt jede Krise auch ihre idiosynkratischen Merkmale und so fragt man sich unwillkürlich, was zukünftige Chronisten der heutigen Eurokrise als wichtigste Eigenheit dieser wirtschaftlich wie politisch verheerenden Entwicklung erfassen werden. Kandidaten dafür gibt es wahrlich genug: Das trotz heftiger Kritik unverdrossene Durchziehen der Euro-Einführung, das alle Bedenken hintanstellende schnelle Wachstum der Eurozone bei gleichzeitig sehr großzügiger Auslegung des Maastricht-Vertrags sowohl für bestehende als auch für neu in den erlauchten Währungsclub eintretende Mitglieder, die Beziehung zur Finanzkrise 2008/09 … All dies erscheint durchaus nicht vernachlässigbar, dürfte aber von einem weiteren Punkt aus der Sicht zukünftiger Retrospektive noch in den Schatten gestellt werden: Die völlige Erosion der Sitten im Bereich wirtschaftlichen Handelns.

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Ein „Fiat-Geld-Boom“ endet in einer Depression. Deren Kosten können jedoch verringert werden, wenn die Zentralbanken sofort aufhören, die Zinsen zu manipulieren und die Geldmenge auszuweiten.

„The reason why I think that too deliberate striving for immediate usefulness is so likely to corrupt the intellectual integrity of the economist is that immediate usefulness depends almost entirely on influence, and influence is gained most easily by concessions to popular prejudice and adherence to existing political groups.“

Friedrich August von Hayek, (1991 [1944]), On Being An Economist.

I.

Viele Ökonomen, nicht selten mit besten Absichten, wollen mit ihren Ratschlägen, die sie an Zentralbank- und Regierungspolitiker, Regulierungsbürokraten und vor allem auch die breite Öffentlichkeit richten, zu einer „Lösung“ der Finanz- und Wirtschaftskrise beitragen. So empfehlen einige von ihnen, die Zentralbankpolitiker sollten das Gelddrucken nicht zu weit treiben, wenn es gilt, unrentable Banken und Staaten über Wasser zu halten; Regierungspolitiker sollten sich der Zustimmung zu immer größeren Staatsdefiziten und „Rettungsschirmen“ versagen; Finanzaufsichtsbehörden sollten die „Regulierungszügel“ mutig anziehen, ungeachtet des Widerstandes aus der Bank- und Finanzwirtschaft; und nicht zuletzt sollten die Wahlbürger nicht mehr chronisch auf Kosten künftiger Steuerzahler leben und Staatsausgabekürzungen zustimmen.

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Junge Ordnungsökonomik
Müssen wir in Zukunft wieder mit Stagflation rechnen?

In den Jahren 1973 und 1979/80 wurden die Ökonomien weltweit heftig von den stark ansteigenden Ölpreisen gebeutelt. Die Folge war ein starker Anstieg des allgemeinen Preisniveaus bei gleichzeitig stagnierender wirtschaftlicher Entwicklung. In einem Wort: Stagflation. Nachdem sich die Weltwirtschaft Mitte der 1980er Jahre nach und nach von der zweiten Ölpreiskrise erholt hatte, sah es lange Zeit so aus, als gehörten diese Zeiten endgültig der Vergangenheit an. Im Zuge der Finanzkrise, der darauffolgenden Großen Rezession und der andauernden europäischen Schuldenkrise wurden die warnenden Stimmen seitens der Ökonomen jedoch wieder lauter (siehe unter anderem Stiglitz, Hamilton und Gurdgiev). Doch wie wahrscheinlich ist es, dass es auch in Zukunft wieder zu stagflationären Perioden kommt?

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Die japanischen Lehren für die Europäische Krise

Japan ist nicht nur bei vielen Technologien Vorreiter, auch hinsichtlich der Erfahrung mit Krisen und Krisentherapien. Das Land der aufgehenden Sonne hat nicht nur 15 Jahre vor Europa einen großen Boom-und-Krisen-Zyklus erlebt, sondern auch wichtige Erfahrungen mit monetärer Lockerung, expansiver Finanzpolitik und der Rekapitalisierung von Finanzinstituten als Krisentherapien gemacht. Obwohl die (Nahe-)Nullzinsgrenze schon eine Dekade früher als in Europa erreicht wurde und die Staatsverschuldung auf Weltrekordniveau geklettert ist, stagniert das Wachstum. Können Japans Erfahrungen Europa helfen, ein ähnliches Schicksal zu umschiffen? Zur Beantwortung dieser Frage werden Krisenursachen, Krisenverlauf, Krisentherapien und (mögliche) Folgen der Krisentherapien verglichen.

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Die EZB wird immer mehr Geld drucken und den EURO entwerten

I.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) subventioniert den Euro-Bankensektor mit einer unlimitierten Basisgeldmenge, offeriert zu Tiefstzinsen. Das löst nicht die Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise, die die Zentralbanken durch zuviel Kredit und Geld, bereitgestellt zu künstlich gedrückten Zinsen, verursacht haben. Vielmehr treibt sie den angerichteten Schaden – der zusehends sichtbarer wird in Form von überschuldeten Staaten und Banken – weiter in die Höhe.

Seit September 2009 beschwichtigt der EZB-Rat mehr oder weniger regelmäßig die Öffentlichkeit, den baldigen Ausstieg aus den „ungewöhnlichen Politikmaßnahmen“ – im Klartext: aus der Politik der unbegrenzten Basis-Geldmengenvermehrung – zu vollziehen. Doch genau das Gegenteil hat er gemacht. Mittlerweile hat der EZB-Rat die Überschussreserve im Bankensektor auf etwa 1000 Mrd. Euro erhöht, weil er die Zahlungsfähigkeit von Staaten und Banken sicherstellen will, koste es, was es wolle.

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Quellen des Elends

Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts in unruhigen Zeiten. Das gilt sowohl im Guten wie auch im Schlechten: Zunächst lief der deutsche Konjunkturmotor von 2005 bis hinein in das Jahr 2008 auf vollen Touren. Infolge der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise – ausgelöst durch die Verwerfungen am US-Immobilienfinanzierungsmarkt – wurde der Rückwärtsgang eingelegt. Das reale Bruttoinlandsprodukt sank im Jahr 2009 um 5 Prozent. Das entspricht dem stärksten Rückgang in den letzten sechs Dekaden und stellt alle bisherigen Rezessionen weit in den Schatten. Die Jahre 2010 und 2011 waren dann wieder von einem sehr hohen Wachstumstempo geprägt. Und jetzt wird für 2012 ein erneutes Stottern des Konjunkturmotors erwartet.

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Der Chefvolkswirt
“I’m an Austrian in economics“
What we can learn from the Austrian school of economics for today’s crisis

Failure of the “liquidationists” to overcome the Great Depression of the early 1930s prepared the ground for an era of interventionist economic policies. Modern macroeconomics and finance nourished the belief that we can successfully plan for the future. But the present crisis teaches us that we live in world of Knightian uncertainty, where the “unknown unknowns” dominate and our plans for the future are regularly thwarted by unforeseen and unforeseeable events.

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What we can learn from the Austrian school of economics for today’s crisis
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Die große Krise, unter der die Weltwirtschaft leidet, wird von Etatisten und Sozialisten als Krise des Kapitalismus bezeichnet. In Wahrheit aber ist es die Krise des Staatsinterventionismus.

I.

Die Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie – allen voran Ludwig von Mises (1881 – 1973), Friedrich August von Hayek (1899 – 1992) und Murray N. Rothbard (1926 – 1995) – erkannten die störenden und zerstörenden Kräfte des staatlich beherrschten Papier- oder auch Fiat-Geldes: Es ist nicht nur inflationär und sorgt für eine nicht-marktgerechte Einkommensverteilung, sondern es provoziert unweigerlich auch „Boom-and-Bust“-Zyklen, die das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit in das System der freien Märkte – den Kapitalismus – schwinden lassen. Denn bei „Krisen“ gelingt es marktfeindlichen Kräften nur zu häufig, die Gründe der Missstände – wie Spekulationsblasen, Geldwertschwund sowie Produktions- und Beschäftigungseinbußen – dem freien Marktsystem anzulasten und die eigentliche Krisenursache – die staatliche monopolisierte Geldproduktion – im Dunkeln zu belassen beziehungsweise zu verschweigen.

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Über Zinsen, Zinssätze und Zinspolitik

1.     Zinsen – je niedriger, desto besser?

„Das Gold ist für den Tausch entstanden, der Zins weist ihm die Bestimmung an, sich durch sich selbst zu vermehren. Daher widerstreitet auch diese Erwerbsweise unter allen am weitesten dem Naturrecht“ (Aristoteles). Moralische Vorbehalte gegenüber Zinsen sind offenkundig seit mehr als zweitausend Jahren weit verbreitet. Zinsen werden oft als unverdientes Einkommen wahrgenommen, ihnen haftet die Aura des Anrüchigen an. So kann es kaum überraschen, wenn Zinssenkungen als etwas Gutes wahrgenommen werden, als etwas, das die Menschen entlastet.

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Gastbeitrag:
Erklärung der Weltfinanzkrise durch die österreichische Kapital- und Konjunkturtheorie

Die von Ludwig von Mises und Friedrich A. von Hayek entwickelte österreichische Konjunkturtheorie (ÖKT) eignet sich ausgezeichnet zur Erklärung der Finanzkrise. Die ÖKT stützt sich auf die von Carl Menger und Eugen von Böhm-Bawerk entwickelte Kapitaltheorie. Deren Haupterkenntnis ist, dass menschliche Handlungen und Investitionen Zeit brauchen. Um Investitionsprojekte erfolgreich zu Ende zu führen, sind reale Ersparnisse nötig, um die in den Projekten beschäftigten Produktionsfaktoren zu unterhalten. Sind die Ersparnisse unzureichend, müssen die Projekte vor Beendigung eingestellt, oder liquidiert werden.

Gastbeitrag:
Erklärung der Weltfinanzkrise durch die österreichische Kapital- und Konjunkturtheorie”
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