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„Im Stich gelassen“, „allein gelassen“ und der Nanny-Staat

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 22. Juli 2020 (S. N4) findet sich ein Interview mit einer Doktorandin in Biochemie, die ein auf drei Jahre begrenztes Marie-Curie-Stipendium der Europäischen Union erhielt. Sie beklagt, daß sie durch den pandemiebedingten Lockdown ihre Untersuchungen nicht bis zum geplanten Zeitpunkt zu Ende führen könne und die EU es nicht vorsehe, „eine bezahlte Verlängerung des Stipendiums zu erhalten“. Daraufhin habe sie „eine formelle Beschwerde beim Ombudsmann der EU eingereicht und einen offenen Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geschrieben.“ Eine Veröffentlichung des Briefes auf sozialen Medien habe gezeigt, daß viele andere Doktoranden in anderen Ländern ebenfalls von diesem Problem betroffen seien. Unabhängig davon, wie die Geschichte weitergeht (vermutlich wird die Behörde dem Ansinnen der Stipendiat nachgeben, da ja der eigentliche Financier – der Steuerzahler – nicht an der Entscheidung beteiligt wird, und nach Abschluß der Promotion wird sich vermutlich die Stipendiatin zum Forschen in die USA begeben, da dort die Rahmenbedingungen den europäischen überlegen seien), ist doch folgendes festzuhalten: Hier bekommt jemand nahezu ohne Gegenleistung finanzielle Mittel, beklagt sich, daß diese Geldleistungen zum vorher vereinbarten Zeitpunkt enden und setzt dann alle Mittel ein (Beschwerde, offener Brief, Interview in der FAZ, Posts in sozialen Medien), um die eigenen Interessen durchzusetzen. Freilich läßt sich das aus rein individueller Perspektive kaum kritisieren, versuchen doch die meisten Menschen, den eigenen Nutzen (ob finanziell oder nichtfinanziell ist dabei nicht von Belang, auch altruistisches Handeln kann Präferenzen befriedigen und dadurch Nutzen stiften) zu mehren.

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Sneakers, Games, Legos & Trash
Reselling und der Kirzner’sche Unternehmer

Das Internet als vermeintliche Möglichkeit, weitgehend kostengünstig Informationen zu beschaffen, müßte eigentlich zu einem friction-less commerce führen. Das bedeutet, daß durch die Abnahme der Transaktionskosten Preise sinken, eine geringe Streuung der Preise und eine Abnahme der Produktdifferenzierung aufgrund der Skaleneffekte zu beobachten sein müßte. Tatsächlich kann nicht uneingeschränkt davon ausgegangen werden, daß die Transaktionskosten abnehmen und sich ein friction-less commerce einstellt (Daumann 2018); vielmehr zeigt sich, daß

  1. die Preise im Online-Handel oftmals höher ausfallen als im stationären Handel (Lal & Sarvary 1999; Ofek et al. 2011),
  2. selbst in hoch-kompetitiven Märkten erhebliche Preisunterschiede für das gleiche Gut auftreten (Ellison & Ellison, 2005) und
  3. das Internet nicht zu einer Abnahme der Produktdifferenzierung, sondern eher zum Gegenteil führt (Brynjolfsson, Hu, & Smith, 2006).

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COVID-19
Die Diskussion um sog. „Krisengewinner“ aus marktwirtschaftlicher Sicht

In einem Interview fordert Bundesentwicklungsminister, Gerd Müller (CSU) eine stärkere Beteiligung der sog. „Krisengewinner“ an den Kosten der Krise (FAZ.net vom 27. Juni 2020: https://www.faz.net/2.1690/amazon-co-entwicklungsminister-will-krisengewinner-staerker-besteuern-16834895.html). Gegenüber einem bayerischen Radiosender stellte Müller fest (zitiert nach FAZ.net): „Es gibt Krisengewinner unglaublichen Ausmaßes“. Er nennt insbesondere das Handelsunternehmen Amazon. Amazon, dessen online-basiertes Geschäftsmodell in der lock-down Phase durch die zwangsweise Schließung vieler Geschäfte des stationären Handels und durch Ausgangsbeschränkungen begünstigt wurde, konnte eine erhöhte Nachfrage bedienen und erhebliche Umsatzsteigerungen verzeichnen. Abgesehen von einer – in Teilen möglicherweise berechtigen – Kritik am Unternehmen Amazon, offenbaren die Forderungen des CSU-Politikers doch ein erschreckendes Verständnis einer marktwirtschaftlichen Ordnung. Zunächst kann festgehalten werden, dass man grundsätzlich dankbar sein kann, dass nicht sämtliche Branchen im gleichen Maße von den ökonomischen Folgen der COVID-19-Pandemie betroffen sind. Ferner missachtet die Forderung Müllers auch grundlegende ökonomische und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge, was im Folgenden an zwei Aspekten verdeutlicht werden soll.

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Der organisierte Sport in der „Corona“-Krise
Der Staat als Helfer in der Not?

Ausgangslage

Die Maßnahmen der öffentlichen Stellen zur Reduzierung der Covid-19-Problematik beeinträchtigen das Berufs- und Alltagsleben der Bevölkerung und werden teils heftig diskutiert. Auch der Sport bleibt von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Vielmehr schlagen sich die Maßnahmen auf der gesamten Bandbreite der Sportorganisationen nieder – sowohl der in Vereinen und Verbänden organisierte Sport als auch der ungebundene Sport, wie er etwa in Fitnessstudios ausgeübt wird. Es ist offensichtlich, dass der von der Exekutive beabsichtigte Gesundheitsschutz durchaus teuer erkauft wird. Wenngleich die erwarteten materiellen und immateriellen Kosten für Bürger und Organisationen bislang noch kaum beziffert werden können, dürften sich die sozialen, ökonomischen und psychischen Folgen der abrupten Stilllegung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens doch mittelfristig ihren Weg bahnen.

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„The show must go on“!?
Sportökonomische Hintergründe zum Bundesliga Neustart in Zeiten von Covid-19

Bild: Capri23auto auf Pixabay

Status Quo

Am 11. März 2020 fand im Borussia-Park in Mönchengladbach das vorerst letzte Spiel der 1. Bundesliga statt, zu diesem Zeitpunkt bereits als sog. „Geisterspiel“, d.h. ohne Zuschauer. In den darauffolgenden Wochen versuchte der Bezahlfernsehsender Sky, die mit enormen Einschränkungen des Alltagslebens verbundene Zeit für Fußballanhänger so erträglich wie möglich zu gestalten, und rief zu diesem Zweck eine „historische Konferenz“ ins Leben. Der fußballinteressierte Betrachter konnte dabei sicherlich das ein oder andere „Aha-Erlebnis“ längst vergessener Ereignisse feststellen, allerdings fehlte die entscheidende Komponente, die die Faszination Wettkampsport im Allgemeinen und den Profifußball im Besonderen auszeichnet. In der sportökonomischen Literatur wird oftmals davon ausgegangen, dass die Nachfrage nach dem Produkt Fußball insbesondere durch die sog. „Uncertainty of Outcome“ (als Überblick Daumann 2019) determiniert wird. Fußball ist ein live-Sport, der Konsumnutzen entsteht beim Zuschauer regelmäßig erst durch die mit dem Spiel verbundene Unsicherheit hinsichtlich des Ausgangs. Während künstlerische Unterhaltungsprodukte – etwa Konzerte, Opern oder Theaterstücke dem Konsumenten auch beim wiederholtem Hören oder Sehen einen Nutzen stiften können und dieser möglicherweise durch das aufgebaute Konsumkapital (zur Konsumkapitaltheorie siehe Becker und Stigler 1977; Becker und Murphy 1988; Flatau und Emrich 2016) sogar zunimmt, verliert ein einzelnes Fußballspiel seinen Reiz, wenn das Ergebnis a priori feststeht.

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Gastbeitrag
Wissenschaft, Medien und Politik aus ökonomischer Perspektive

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Wissenschaft und Medien

In der medialen Berichterstattung bezüglich aktueller gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen wird sich oftmals auf Forschungsergebnisse berufen, dies zeigt sich vor allem in besonders komplexen Fragen wie dem Klimawandel oder der derzeitigen Pandemie. Auch in der deutschen Talkshow-Landschaft sind Wissenschaftler regelmäßig als Experten präsent, deren Autorität und Unabhängigkeit zur Versachlichung der oftmals durch parteipolitische Interessen dominierten Debatte beitragen soll. Dabei wird seitens der medialen Akteure häufig simplifizierend von der Wissenschaft als Institution gesprochen. Dies mag im allgemeinen Sprachgebrauch gerechtfertigt sein, sobald wissenschaftliche Positionen in ihrer Allgemeinheit jedoch der Untermauerung von Argumenten dienen und ein Absolutheitsanspruch verbreitet wird, sollte der aufmerksame Zuschauer respektive Leser hellhörig werden.

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Gefahrenwahrnehmung und politische Entscheidungen

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“But the worst disease here is not radiation sickness […]. The truth is that the fear of Chernobyl has done much more damage than Chernobyl itself.” (Richard Wilson, zitiert in Specter 1996)

Energiepolitik: Der Ausstieg vom Ausstieg?

Am 31. Januar 2020 titelte das Nachrichtenmagazin Spiegel „CDU prüft Rückkehr zur Atomkraft“ (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-offen-fuer-atomkraft-und-gentechnik-a-00000000-0002-0001-0000-000169240272). Wenngleich es als fraglich erscheint, ob die Partei diese Entscheidung tatsächlich vollzieht, so öffnet zumindest das wirtschaftspolitische Lager innerhalb der Partei die Debatte. Es wäre also der „Ausstieg vom Ausstieg“, sodass die energiepolitischen Entscheidungen der vergangenen Jahre immer mehr einer Lotterie gleichen. Der politisch interessierte Betrachter fragt sich zunehmend, ob hier ein planvolles Kalkül oder ein zunehmend chaotisches Entscheiden die für eine Industrienation existenzielle Energiepolitik bestimmt. Der plötzliche Richtungswechsel nach der tragischen Katastrophe im japanischen Fukushima im Jahre 2011 ist ein interessantes Beispiel für eine politisch-ökonomische Betrachtung anhand der Erkenntnisse der Risikoforschung.

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Pyrotechnik: Welchen Beitrag kann die Ökonomik leisten?

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Das jüngste Hauptstadtderby zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC Berlin rückte die Problematik um das unerlaubte Abbrennen von Feuerwerkskörpern (Pyrotechnik) wieder in das Bewusstsein der deutschen Medienlandschaft. Fußballfunktionäre zeigen sich zunehmend ratlos, die Suche nach geeigneten Gegenmaßnahmen gestaltet sich schwierig. Das Zünden derartiger Feuerwerkskörper in Fußballstadien zieht erhebliche Kosten nach sich: Einerseits entstehen durch die Aktionen seitens der „Ultras“ Gefahren für die Gesundheit der Zuschauer, andererseits wird der entsprechende Klub durch nicht unerhebliche Strafzahlungen belastet (Follert 2019). Zudem können einem Fußballklub durch sog. „Geisterspiele“ monetäre Nachteile in Form entgangener Zuschauereinnahmen entstehen. Die negativen wirtschaftlichen Folgen gelten insbesondere für Vereine, die nicht die Finanzstärke der Bundesligaklubs aufweisen und beispielsweise in der Regionalliga spielen. Hier fallen Verursachung und Haftung auseinander, das augenblickliche Instrumentarium reicht offensichtlich nicht aus, die Problematik zu reduzieren.

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