Die Immigrations-GKV oder die Gesetzliche „Kommt zu uns!“-Versicherung?

Wieder geht ein Gespenst um in Europa. Diesmal ist es nicht das des Sozialismus, sondern das seines verarmten Vetters, es ist das Gespenst des Populismus. Wieder spielt internationale Solidarität eine Rolle, wenn auch nun im Gewande der Zuwanderungsdebatte. Wieder werden die Auffassungen der sogenannten „bildungsfernen Schichten“ hochnäsig abgetan. Aber vielleicht liegt die Wahrheit ja eher in der Bild Zeitung als in der Spiegelbild-Zeitung? Vielleicht sind die Meinungen, die die Populisten auszubeuten suchen, häufig vernünftiger als die der Populisten?

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Ordnungspolitischer Kommentar
Braucht es noch öffentlich finanzierte Rundfunkangebote?

In einer Volksabstimmung haben sich die Schweizer gegen eine Abschaffung der Rundfunkgebühren ausgesprochen. Dennoch ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern unter Rechtfertigungsdruck. Insbesondere die Finanzierung sorgt regelmäßig für hitzige Debatten. Inhaltlich sehen sich Öffentlich-Rechtliche dem oftmals laut vorgebrachtem Vorwurf gegenüber, dass sie nicht objektiv über die politische Lage berichteten. Vielmehr würden sie nur das System stützen („Systempresse“) und falsche Tatsachen verbreiten („Lügenpresse“).

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Vertrauen
Unverzichtbare, aber zerbrechliche Grundlage des sozialen Konsenses

1. Das Problem

Am 21. Juli 1969 um 3:56 MEZ haben erstmalig Menschen, Neil Armstrong und Edwin Aldrin, den Mond betreten! –– Haben sie wirklich? Tatsächlich gibt es eine Reihe von Verschwörungstheorien, die das Gegenteil behaupten. So fragte sich der Verfasser dieser Zeilen einst: Warum glaube ich, dass die Meldung von der Mondlandung stimmt? Definitiv war es nicht der Umstand, dass ich mich mit den Argumenten der beiden Seiten intensiv auseinandersetzt hätte. Es reichte schon völlig aus, dass ich denjenigen, die diese Nachricht an mich weitergaben, vertraute: meinen Eltern, meinen Lehrern, meinen Freunden …

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Die Entdeckung der Ökonomie
Warum die Feuilletons sich für Wirtschaft interessieren

Vorbemerkung:  Die Feuilletons haben die Ökonomie nicht erst in der Finanz- und Staatsschuldenkrise entdeckt. Die Feuilletons waren immer schon (einerlei in welcher Zeitung, auch in der FAZ) tendenziell links, nahmen Kapitalismuskritik (aber nicht: Kapitalismusaffirmation) als Teil ihres Geschäftsmodell, waren im Zweifel eher staatsnah, aber weniger marktfreundlich und fühlten sich als Anwälte des guten, wahren und schönen Lebens gegen die Kälte und Ungerechtigkeit der Wirtschaftswelt. Das Feuilleton hat zwar einerseits Respekt vor der Welt der Wirtschaft (weil es meint, diese sei schwer verständlich, es sich aber auch relativ wenig um das Verständnis bemüht), fühlt sich ihr aber zugleich stilistisch, ästhetisch und philosophisch überlegen. Einzige Ausnahm war m.W. die Zeit der New Economy in den Neunzigerjahren. Damals kauften auch Kulturredakteure Aktien von Pixelpark und Lion Bioscience und waren ein wenig versöhnt mit dem Kapitalismus, weil er die Chance, reich zu werden nun auf einmal verband mit dem Gefühl, Avantgarde zu sein. Anyway: Das Verhältnis zwischen Wirtschaftsteil und Feuilleton befand sich immer in einer produktiven Spannung (auch und gerade in der FAZ) und befriedigt damit nicht nur die Streitlust der Redaktion, sondern zudem unterschiedliche Lesergruppen und –bedürfnisse.

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Lehrer Wulff

Was wäre eigentlich passiert, wenn der Anruf von Herrn Wulff bei der Springerpresse Erfolg gehabt hätte? Diese Frage liegt auf der Hand, doch wird sie kaum diskutiert. Wie konnte es kommen, dass Herr Wulff einen solchen Anruf überhaupt für erfolgsversprechend halten konnte? Auch diese Frage wird nicht diskutiert, obwohl sie sehr beunruhigend ist.

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Gastbeitrag
Apropos Eurogipfel – Anmerkungen zum Ausklingen einer medialen Krise

I

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone haben von allem etwas genommen, und die daraus gewonnene Medizin, durchaus nicht bloß  ein Placebo, ist anscheinend in der Tat ein wertvolles Beruhigungsmittel geworden. Als solches entspräche sie auch dem Dringlichsten. Denn die sogenannte Eurokrise war ja von Anfang an keine Krise des Euro, dessen Existenz war zu keiner Zeit gefährdet. Sie war in den letzten Wochen und Monaten schon nicht mehr allein eine Schuldenkrise, die sie zweifellos in ihrem Kern ist. Jemand hat von einer medialen Krise gesprochen und damit etwas Wesentliches nicht übertrieben polemisch in den Vordergrund gerückt: Die Bevölkerung dieses prosperierenden Landes hat von dem, was diese Krise angeblich an Schlimmem zum Ausdruck bringt, nichts, buchstäblich  gar nichts selbst wahrgenommen oder selbst erlebt; aber in einer Telefonumfrage haben sich 72 Prozent, man kann es kaum glauben: 72 Prozent, zu der Auffassung bekannt, dass ihre Währung, der Euro, keine Zukunft mehr habe. Das war in der Tat zugleich niederschmetternd – und skurril.

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Schreit sie nieder: Trier, Singer, Kevorkian!

Natürlich muss man davon ausgehen, dass Medien jede Chance ergreifen, Skandale zu erzeugen und auszunutzen, um Aufmerksamkeit für sich selbst zu erzeugen. Trotzdem überraschen im „Fall von Lars von Trier“ Art und Ausmaß, in dem auch von Seiten öffentlich geförderter Medien gefälscht wird. Der eigentliche Skandal liegt hier und nicht bei Trier. Als Herr von Trier Opfer einer massiven Verfälschung von Nachrichten durch Auslassung wurde, waren die öffentlichen Medien ebenso unzuverlässig wie die anderen. Wenn die Herde rennt, sollten aber die öffentlich besoldeten Redakteure nicht einfach mit laufen. Wir bezahlen sie dafür, auch abweichende Meinungen zu Wort kommen zu lassen. Wir hoffen, dass sie aufgrund ihrer größeren finanziellen Unabhängigkeit plural und fundiert zu berichten vermögen. Wenn sie das nicht tun, verliert ihre Förderung ihre Berechtigung.

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