Gastbeitrag
Die Wahrnehmung wissenschaftlicher Politikberater erfolgt in Lagern

Linke Politiker, so wird behauptet, berufen sich gerne auf Wirtschafts- und Sozial-Wissenschaftler, die Verteilungsfragen bearbeiten, und liberal-konservative Politiker beriefen sich gerne auf marktliberal oder ordnungspolitisch orientierte Ökonomen und Juristen. Freilich sollte wissenschaftliche Politikberatung nicht mit Meinungen und Werturteilen operieren, sondern unvoreingenommen evidenzbasierte Erkenntnisse der Politik und der Öffentlichkeit vermitteln. Das ist aber nicht leicht, da zum einen Politiker und Medien Interesse daran haben können, dass bestimmte Erkenntnisse von den Wissenschaftlern selbst positiv oder negativ bewertet werden. Und auch Wissenschaftler versuchen immer wieder, ihre eigene Meinung zu transportieren: an die Politik und an die Öffentlichkeit. Selbst wenn Wissenschaftler mit reinen Meinungsäußerungen zurückhaltend sind, beruhen ihre Aussagen schlussendlich auf Werturteilen. Sie müssen in ihren Modellen theoretische Annahmen treffen und auch die Auswahl von Forschungsfragen beruht notwendigerweise auf vor-wissenschaftlichen Werturteilen. Deswegen ist es nicht erstaunlich, dass von der Politik Wissenschaftler unterschiedlich gerne gesehen und gehört werden.

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