Wem gehören die Organe? – Verfügungsrechte in der Transplantationsmedizin
“Mehr Ethik“ weniger Transplantationen

Vorbemerkung

Die Transplantationsmedizin hat medizinisch betrachtet große Erfolge im Einzelfall vorzuweisen. Als gesellschaftlicher Prozess ist der Zustand vor allem in Deutschland mangelhaft. Verbesserungen der Rechtslage erscheinen dringend nötig. Dazu gehören insbesondere auch konkrete Maßnahmen wie etwa die Sicherung auskömmlicher Honorare für die potentielle Spender identifizierenden und Organe entnehmenden Krankenhäuser. Die konkreten Schritte, die der gegenwärtige Gesundheitsminister tatkräftig auf den Weg gebracht hat, sind nach langer Zeit erstmalig wieder geeignet, die Transplantationszahlen im Interesse der schwerkranken Wartenden zu erhöhen. Das ist nachdrücklich zu begrüßen. Unter dem kalten Stern der Knappheit helfen Prozessverbesserungen mehr als jede Diskussion darüber, wie über Organe verfügt werden soll. Die nachfolgenden Bemerkungen sind daher eher als Aufruf zu verstehen, die mannigfachen inneren Inkohärenzen der Grundsatzdebatte anzuerkennen und sich lieber auf das Konkrete zu konzentrieren.

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Geld und Gewerbe
Hier darf jeder tun, was wir wollen!

Die Entwicklung moderner medizinischer Technologien geht uns alle an. Wir tun allerdings so, als sei das nicht so. Wir verdrängen und überlassen die Diskussion weltanschaulich gefestigten Kreisen. In der bioethischen Debatte hat die Freiheit organisierte Feinde, aber keine organisierten Freunde. Eine akademische Diskussion kann solche Organisationsfähigkeit weder ersetzen noch herbeiführen, sie kann aber womöglich die Gruppe derer vergrößern, die jenseits der ethischen Fachdebatten für Selbstbestimmung eintreten. Unter allen akademischen Disziplinen bietet sich insoweit vor allem die Ökonomik an. Sie hat ohnehin Grund, die Diskreditierung der Disziplin als moralische Irrlehre, die menschliche „Gier“ fördert, zu bekämpfen. Die Ökonomik ist der natürliche „disziplinäre Alliierte“ von Werten individueller Autonomie und Selbstbestimmung.

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Der Rechtsstaat und die Organtransplantation

An der Universitätsklinik Göttingen sind Organe an den offiziellen Regeln für die Organallokation vorbei transplantiert worden. Die Zuteilungskriterien wurden manipuliert und bestimmten Patienten wurde früher als nach den Regeln vorgesehen Zugang zu einem Organ verschafft. Die Regelverletzung ist schlimm. Die moralische und juristische Bewertung der Sachverhalte ist jedoch weniger klar als im öffentlichen Empörungsgetöse unterstellt. Angesichts der Art der öffentlichen Debatte besteht Anlass, an Grundprinzipien der Rechtsstaatlichkeit zu erinnern. Nicht nur der Göttinger Arzt, sondern der Rechtsstaat selbst steht auf dem Prüfstand.

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