Blick ins Buch (2)
Soziale Mobilität in der ganz langen Frist
Der Einfluss von Dynastien

Im vorherigen Kapitel haben wir uns die Frage gestellt, wie stark die Einkommen der Individuen von den Einkommen der Eltern abhängen. Die Schlussfolgerung war, dass der Grad der Abhängigkeit zwar von Land zu Land verschieden ist, im Schnitt aber ein starker Einfluss des familiären Hintergrundes zu beobachten ist. In diesem Kapitel dehnen wir den Zeithorizont deutlich aus und fragen uns, wie hoch die soziale Mobilität in der ganz langen Frist ist. Wir betrachten also den Einfluss der Einkommen der Großeltern, der Urgroßeltern und der Ur-Urgroßeltern auf die Erfolgschancen der Kinder.

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Soziale Mobilität in der ganz langen Frist
Der Einfluss von Dynastien
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Pro & Contra
Geht die Schere zwischen Arm und Reich bei uns auseinander?

Eine mehr oder weniger stark empfundene soziale Ungerechtigkeit treibt weite Teile der Bevölkerung in Deutschland um, aber auch viele Politiker und Ökonomen. Die erste strittige Frage ist, woran man sie festmacht: An ungleichen Einkommen? Am ungleich verteilten Vermögen? Oder an ungleichen Chancen? Konsens besteht darüber, dass in einer sozialen Marktwirtschaft eine Ergebnisungleichheit nicht zu vermeiden, wahrscheinlich sogar unabdingbar ist, um die richtigen Anreize zu setzen. Doch wenn die Schere zu weit auseinandergeht, sorgt dies für sozialen Unfrieden. DIW-Direktor Marcel Fratzscher und RWI-Präsident Christoph M. Schmidt sind unterschiedlicher Meinung darüber, ob die Ungleichheit in den letzten Jahren zugenommen hat und folglich natürlich auch darüber, worauf diese Feststellung fußt.

Pro & Contra
Geht die Schere zwischen Arm und Reich bei uns auseinander?”
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Dem Mittelstand geht es gut
Auch in der Schweiz

«Der Mittelstand gerät zunehmend unter die Räder». Wer könnte nicht in dieses Lamento einstimmen? Steigende Gebühren, übermässige Prämienlast oder drückende Steuerprogression sind schnell als Beleg für den gesellschaftlichen Missstand zur Hand. Allein die Frage stellt sich: entspricht diese vermeintlich ausgemachte Diagnose den Fakten? Die Antwort darauf ist klar: nein – dem Mittelstand geht es gut. Eine vom Bund initiierte Mittelstandsstrategie ist unnötig.

“Dem Mittelstand geht es gut
Auch in der Schweiz
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Ungleichheit heute (30)
Ungleichheit, Umverteilung und Mobilität
Besteht wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf?

„Im Allgemeinen besteht die Kunst des Regierens darin, einem Teil der Bevölkerung so viel Geld wie möglich wegzunehmen, um es dem anderen Teil nachzuwerfen.“ (Voltaire)

Es gibt nicht viel, was die Welt immer wieder aufs Neue erregt. Die ungleiche Verteilung der Einkommen zählt dazu. Dabei entwickelt sich die Ungleichheit eher ambivalent. Die Kluft zwischen armen und reichen Ländern wird weltweit kleiner. Allerdings verteilen sich die Einkommen in den Ländern ungleicher. Externe Konvergenz und interne Divergenz gehen Hand in Hand. Die Diskussion um Ungleichheit ist ein politischer Dauerbrenner. Vor allem in Europa wird der Ruf nach mehr staatlicher Umverteilung lauter. Er wird von der moralisierenden Kraft der „Gerechtigkeit“ getrieben. Allokative und politische Risiken und Nebenwirkungen der Ungleichheit spielen eher eine Nebenrolle. In den USA läuft die Diskussion trotz international relativ hoher Ungleichheit anders. Dort steht nicht so sehr die Ergebnis-, sondern die Chancengleichheit vorne auf der verteilungspolitischen Agenda. Nicht die steigende Ungleichheit der Einkommen, sondern die soziale Mobilität ist das Thema, das vor allem die Mittelschicht beschäftigt.

Ungleichheit heute (30)
Ungleichheit, Umverteilung und Mobilität
Besteht wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf?
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“2. Würzburger Ordnungstag”
Werden aus armen Kindern arme Erwachsene?
Über Höhe und Ursachen sozialer Mobilität

„The order is rapidly fadin.  ‘And the first one now will later be last. For the times, they are a-changin’.” (Bob Dylan)

Die Einkommensungleichheit hat in den entwickelten Volkswirtschaften innerhalb der letzten Jahrzehnte stark zugenommen. Während der Gini-Koeffizient der Markteinkommen in den USA von 37,4% im Jahr 1970 auf 47,0% am aktuellen Rand angestiegen ist, können ähnliche Entwicklungen in nahezu allen Industrienationen beobachtet werden. Deutschland bildet hier keine Ausnahme, auch hierzulande hat die Einkommenskonzentration mit einem Anstieg von über 10 %-Punkten im selben Zeitraum deutlich zugenommen. Welche Konsequenzen diese Entwicklung auf die wirtschaftliche Effizienz nimmt, wird kontrovers diskutiert. In einem Punkt sind sich die Ökonomen jedoch einig: Wenn die soziale Mobilität – die Möglichkeit, in der Einkommensverteilung nach oben zu gelangen – hoch ist, so ist der Anstieg der Einkommensungleichheit weniger problematisch. Wenn jedem Individuum dieselbe Möglichkeit zum Aufstieg bereit stünde und der monetäre Erfolg im Wesentlichen von den eignen Anstrengungen abhinge, so würden Einkommensunterschiede gar eine positive Anreizwirkung auf Humankapitalakkumulation und Innovationstätigkeit ausstrahlen. Doch wie hoch ist die soziale Mobilität in den einzelnen Ländern? Und durch welche Faktoren können die Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften erklärt werden?

“2. Würzburger Ordnungstag”
Werden aus armen Kindern arme Erwachsene?
Über Höhe und Ursachen sozialer Mobilität
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Ungleichheit heute (27)
Warum wird nicht noch viel mehr umverteilt?
Gefühlte Ungleichheit und amerikanische Träume

„…Niemand leidet [deshalb] Not in der Marktwirtschaft, weil es einige reiche Leute gibt. Die Reichtümer der Reichen sind nicht die Ursache der Armut irgendeines Menschen. Der Vorgang, der einige Leute reich macht, ist im Gegenteil die Folge des Vorganges, durch den die Bedürfnisbefriedigung vieler Leute verbessert wird. Den Unternehmern, Kapitalisten und Technikern geht es nur dann gut, wenn es ihnen gelingt, die Konsumenten in der bestmöglichen Weise zufriedenzustellen…“ (Ludwig von Mises)

Wirtschaftliche Ungleichheit ist wieder in aller Munde. Medien, Politik und Wissenschaft befeuern die Diskussion. Der Grund liegt auf der Hand: In den meisten Ländern verteilen sich die Einkommen seit über einem Vierteljahrhundert spürbar ungleicher. Die Kluft zwischen Reich und Arm hat sich vergrößert. Für Diskussionen sorgt aber vor allem, dass die Mittelschicht auf die Verliererstraße gerät. Es war schon immer nicht ganz einfach, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen. Tatsächlich ist es für viele schier hoffnungslos. Die soziale Mobilität schwindet. Wirtschaftliche und politische Macht ballt sich. Das tut der wirtschaftlichen Dynamik nicht gut. Der alte Erhard’sche Traum vom „Wohlstand für Alle“ scheint zu platzen.

Ungleichheit heute (27)
Warum wird nicht noch viel mehr umverteilt?
Gefühlte Ungleichheit und amerikanische Träume
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Ungleichheit heute (21)
Staatliche Umverteilung und soziale Mobilität
Eine verteilungspolitische Fata Morgana?

“Socialism is the arithmetic of envy, masquerading as the mathematics of justice” (Winston Churchill)

Der Hype um das Buch „Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty zeigt, die Verteilungsfrage hat Hochkonjunktur. Das gilt vor allem für die USA, weniger für Europa. Es ist aber nicht so sehr die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen, die Amerika beunruhigt. In den USA akzeptieren alle sozialen Schichten schon immer mehr Ungleichheit als anderswo. Auch liegen die distributiven tektonischen Verschiebungen schon über ein Vierteljahrhundert zurück. Es ist eher die Angst, unsanft aus dem „amerikanischen Traum“ aufzuwachen. Auch sehr ungleich verteilte Einkommen – und Vermögen – werden akzeptiert, wenn alle eine realistische Chance haben, vom „Tellerwäscher zum Millionär“ aufsteigen zu können. Deshalb war die „Great Gatsby“-Kurve ein Schock für die USA. Eine geringe soziale Mobilität ließ die hohe Ungleichheit in einem anderen Licht erscheinen. Die Politik nutzte die Chance und zimmerte aus der Korrelation von wirtschaftlicher Ungleichheit und sozialer Mobilität ohne viel Federlesens eine Kausalität. Doch ist es wirklich sinnvoll, soziale Immobilität mit mehr Umverteilung zu bekämpfen?

Ungleichheit heute (21)
Staatliche Umverteilung und soziale Mobilität
Eine verteilungspolitische Fata Morgana?
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Ungleichheit heute (20)
Die “Great Gatsby”-Kurve
Mehr als politische Propaganda?

„It is not enough to succeed; others must fail.“(Iris Murdoch)

Die Zeit der (um-)verteilungspolitischen Ruhe scheint vorbei. Der Kampf gegen ungleich verteilte Einkommen hat politisch wieder Konjunktur. In den USA rangiert das Thema ganz oben auf der politischen Agenda. Für Barack Obama ist es das wichtigste Problem. Die politische Renaissance des Kampfes gegen die Ungleichheit erstaunt. Vor 50 Jahren hat Lyndon B. Johnson der Armut den Kampf angesagt. Passiert ist in den USA nicht viel. Politisch bewegt hat sich auch in den 80er und 90er Jahre nur wenig als die Ungleichheit spürbar anstieg. Erst mit der Finanzkrise trat die Verteilungsfrage politisch aus dem Schatten. Auslöser waren die explodierenden Einkommen am oberen Ende der Verteilung. In den USA ist die Angst groß, dass die Ungleichheit den Mythos des „amerikanischen Traums“ zerstört. Die Angst nimmt zu, dass ungleicher verteilte Einkommen die soziale Mobilität verringern. Kein Wunder, dass in den USA der Kampf gegen die soziale Immobilität nun politische Priorität hat. Eine gleichmäßigere (Um-)Verteilung der Einkommen ist für viele der wichtigste politische Hebel.

Ungleichheit heute (20)
Die “Great Gatsby”-Kurve
Mehr als politische Propaganda?
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Ungleichheit heute (10)
Der Staat pflügt die Verteilung um
Das ist nicht ohne Risiken

„Das Spielfeld der Starken, auf dem sie die Schwachen an die Wand spielen, ist die Politik – nicht der Markt!“ (Gerhart Raichle)

Für viele Bürger ist es ein Ärgernis. Die Einkommen verteilen sich immer ungleicher. Ein Ende der Ungleichheit ist nicht in Sicht. Der Widerstand gegen diese Entwicklung wächst. Die Ansicht verbreitet sich, es gehe nicht mehr „gerecht“ zu. Dieser Vorwurf lässt die Politik nicht kalt. Sie hält verteilungspolitisch dagegen. Das tut sie aber nicht nur, weil es sozial „gerecht“ ist. Oft ist Umverteilung auch interessenpolitisch „opportun“. Staatliche Umverteilung und “soziale Gerechtigkeit” sind immer öfter zwei Paar Schuhe. Eine Korrektur ungleich verteilter Markteinkommen steht auf der Agenda aller politischen Parteien. Steuern und finanzielle Transfers sind die wichtigsten umverteilungspolitischen Werkzeuge. Aber auch Sachleistungen mit distributiv nebulösem Charakter spielen eine oft unterschätzte Rolle. Mit beiden Instrumenten pflügt der Staat die Verteilung um.

Ungleichheit heute (10)
Der Staat pflügt die Verteilung um
Das ist nicht ohne Risiken
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Ungleichheit heute (11)
Der amerikanische Traum
Bremst Ungleichheit die soziale Mobilität?

„Es ist die grundlegende Illusion des Sozialismus zu glauben, dass sich Armut durch Umverteilung des vorhandenen Wohlstandes beseitigen lasse.“ (Friedrich August von Hayek)

Die Empirie in den reichen Ländern ist eindeutig: In den zwei Jahrzehnten um die Jahrtausendwende wechselten weltweit die distributiven Gezeiten. Der Wandel begann Mitte der 80er Jahre in den USA, andere reiche Länder folgten meist eine Dekade später. Heute sind die Markteinkommen in der OECD fast überall ungleicher verteilt als in der „guten“ alten Zeit. Das gilt für Löhne, Arbeits– und Haushalteinkommen. Technologie, Globalisierung, Präferenzen und Institutionen sind wichtige Treiber. Für eine Mehrheit der Wähler ist materiell ungleich auch „sozial ungerecht“. Eine sehr ungleiche Verteilung kann die Akzeptanz der marktwirtschaftlichen Ordnung gefährden. Diese Gefahr ist geringer, wenn für die breite Masse der Bevölkerung eine realistische Chance besteht, sozial aufzusteigen. Die spannenden Fragen sind: Behindert Einkommensungleichheit die soziale Mobilität? Wenn ja: Was ist zu tun, um die „Chancengleichheit“ zu erhöhen?

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Der amerikanische Traum
Bremst Ungleichheit die soziale Mobilität?
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