Plurale Ökonomik (5)
Kein Ende der Wirtschaftsgeschichte

Die Volkswirtschaftslehre befindet sich in einem merkwürdigen Stadium. Sie ist mächtig und unbeliebt. Noch vor kurzem war sie auf dem Höhepunkt ihrer Macht – genauer gesagt: sie war es bis zum Ausbruch der Finanzkrise vor fast neun Jahren. Danach hat es erbitterte Debatten über die Frage gegeben, ob die ökonomische Wissenschaft eine Mitschuld an dem Desaster treffe.

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BücherMarkt
Der Wert des Marktes:
Ein ökonomisch-philosophischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Besprechung des gleichnamigen Buches von Lisa Herzog und Axel Honneth

„Die Idee des Glücks ist neu in Europa“ – dieser Ausspruch des französischen Revolutionärs Saint-Just beschreibt treffend jene Tendenz des 18. Jahrhunderts, die herrschende Gesellschaftsordnung erstmals grundsätzlich in Frage zu stellen und fortan bewusst gestalten zu wollen. Parallel zur Entstehung marktwirtschaftlicher Strukturen entsprang also auch ein Diskurs über die normative Bewertung dieser Strukturen, der bis heute anhält. Lisa Herzog und Axel Honneth haben es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Diskurs nachzuzeichnen. Das von ihnen herausgegebene Buch „Der Wert des Marktes“ spannt einen Bogen von Bernard Mandevilles „Bienenfabel“ zum marxistischen Utopismus des US-Soziologen Erik Olin Wright – und überbrückt damit natürlich nicht nur zeitliche, sondern vor allem ideologische Differenzen. Dabei hätte das Spannungsverhältnis zwischen den Texten aber durchaus noch größer ausfallen dürfen: Der Sammelband krankt letztlich an der Homogenität der ausgewählten Beiträge.

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Über den Umgang mit Unsicherheit und Offenheit
Erfahrungen eines Wirtschaftsjournalisten nach fünf Jahren Finanz- und Wirtschaftskrise

I. Einleitung[1]

Leert jemand  ein vollständig mit Wasser gefülltes Viertelliterglas vor den Augen einer Beobachtergruppe bis auf die Hälfte, sagt der überwiegende Teil derer, die das beobachten, nun sei das Glas „halb leer“. Wenn aber dasselbe Glas zunächst leer ist, dann aber mit einem Achtelliter Wasser gefüllt wird, sagt dieselbe Gruppe wie aus einem Munde, nun sei das Glas „halb voll“.

Dass man ein Glas mit gleichem Recht als „halb voll“ oder „halb leer“ bezeichnen kann, ist trivial. Wovon es aber abhängt, welche Beschreibung wir mehrheitlich benutzen, ist schon weniger trivial. „Framing-Effekt“ nennen Psychologen die Tatsache, dass es der Kontext – oder besser: der Rahmen – ist, welcher die unterschiedliche Wahrnehmung und Interpretation eines Sachverhaltes bestimmt.

Was wir in den vergangenen fünf Jahren seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank erlebt haben, meine Damen und Herren, ist tatsächlich ein Re-Framing, eine Neuvermessung unserer Welt. Damit hatte niemand gerechnet, nicht die Ökonomen, nicht die Politiker, auch die Neunmalklugen nicht, die seither mit dem Geschäftsmodell „Krisenpropheten“ hausieren gehen, und schon gar nicht wir Journalisten.

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Erfahrungen eines Wirtschaftsjournalisten nach fünf Jahren Finanz- und Wirtschaftskrise
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