{"id":10152,"date":"2012-09-18T06:15:48","date_gmt":"2012-09-18T05:15:48","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10152"},"modified":"2012-09-18T06:15:48","modified_gmt":"2012-09-18T05:15:48","slug":"eine-pramie-fur-olympiasieger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10152","title":{"rendered":"Eine Pr\u00e4mie f\u00fcr Olympiasieger!"},"content":{"rendered":"<p>Kaum sind die Olympischen Spiele beendet, diskutiert man in Deutschland \u00fcber das Abschneiden der eigenen Sportler: Im Medaillenranking wurde, hinter S\u00fcdkorea,<em> nur<\/em> Platz sechs erzielt. Auf den vorderen Pl\u00e4tzen hingegen sind die USA (1), China (2) sowie das Vereinigte K\u00f6nigreich (3) zu finden. Sind 11 Goldmedaillen (insgesamt waren es 44 Medaillen f\u00fcr Deutschland), die bei den diesj\u00e4hrigen Spielen auf 392 angetretene Athleten kamen, also zu wenig als Gegenleistung f\u00fcr die staatliche Sportf\u00f6rderung?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4\u00dft sich diese Frage nicht einfach beantworten, zumal hier ein starker normativer Aspekt mitschwingt. Tatsache ist jedoch, da\u00df die Sportf\u00f6rderung einen Einflu\u00df auf die Leistung der Athleten hat. Obwohl gute Gr\u00fcnde gegen eine staatliche F\u00f6rderung des Spitzensports sprechen, soll in diesem Beitrag nicht noch einmal diese Problematik diskutiert werden (mehr dazu siehe Post <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=902&amp;preview=true&amp;preview_id=902&amp;preview_nonce=0c1bd5ca5c\">\u201e<em>Geld f\u00fcr Goldmedaillen<\/em>\u201c<\/a>).<\/p>\n<p>In der deutschen Sportf\u00f6rderung agieren unterschiedliche Tr\u00e4ger, die eine Vielzahl von Instrumenten einsetzen, ohne da\u00df eine zentrale Koordination stattfindet (Langer 2006; Eckl &amp; Wetterich 2006). So gibt der Bund teilweise Ressourcen \u00fcber die Bundeswehr oder die Bundespolizei direkt an die Athleten weiter, w\u00e4hrend die Mittel des Bundesinnenministeriums (ca. 220 Millionen EUR im Haushaltsjahr 2009) in Form einer indirekten Sportf\u00f6rderung an die Sportverb\u00e4nde ausgereicht werden. Die Bundesl\u00e4nder und die Kommunen f\u00f6rdern meist den Bau von Sportanlagen oder regionale Vereine; ihre Sportf\u00f6rderung ist demzufolge weitgehend indirekt ausgestaltet. Insgesamt zeichnet sich das bundesdeutsche F\u00f6rderungssystem durch eine Dominanz der indirekten F\u00f6rderung aus.<\/p>\n<p>Flankiert wird die staatliche Sportf\u00f6rderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die sich mit Unternehmensspenden und Einnahmen der Gl\u00fccksspirale finanziert. Sie unterst\u00fctzt etwa 3.800 Athleten mit monatlichen Zahlungen direkt. In den Genu\u00df der Unterst\u00fctzung kommen dabei Sportler, die einem Bundeskader eines Spitzenverbandes angeh\u00f6ren und entsprechende Leistungen bei internationalen Wettbewerben vorweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Damit kann folgendes festgestellt werden: Die Sportf\u00f6rderung der Bundesrepublik ist weitgehend institutionell ausgerichtet, d. h., es werden in erster Linie die Rahmenbedingungen finanziert. Das Ziel, m\u00f6glichst viele Erfolge deutscher Sportler in internationalen Wettbewerben zu generieren, wird also indirekt angesteuert; es entstehen also erhebliche Streuverluste bei den eingesetzten Mitteln. Etwas kompensiert werden diese Streuverluste zum einen durch die leistungsorientierte Ausrichtung der Deutschen Sporthilfe und zum anderen durch eine Art monitored competition zwischen den Sportverb\u00e4nden, der dadurch geschaffen wird, da\u00df die vorhandenen Mittel bevorzugt den Sportverb\u00e4nden zugute kommen, die bei internationalen Wettbewerben erfolgreich abschneiden, und F\u00f6rderungen bei Verb\u00e4nden gek\u00fcrzt werden, die weniger erfolgreich sind. Gleichwohl hat ein derartiger Zuweisungsmechanismus den Nachteil, darauf zu basieren, da\u00df sich Erfolge der Vergangenheit in der Zukunft fortsetzen, was ja bekanntlich nicht zwangsl\u00e4ufig zutrifft.<\/p>\n<p>Eine optimale Allokation der staatlichen Mittel (also ein Maximum sportlichen Erfolgs bei gegebenem staatlichen F\u00f6rderungsbudget) w\u00fcrde im neoklassischen Verst\u00e4ndnis vielmehr dann erreicht, wenn die Mittel nach dem Grenznutzenprinzip verteilt w\u00fcrden. Es m\u00fc\u00dften also die verschiedenen Sportverb\u00e4nde jeweils soviel Mittel erhalten, bis der Grenznutzen (also die durch eine marginale Erh\u00f6hung der finanziellen Mittel zus\u00e4tzlich gewonnenen Medaillen) bei allen empfangenden Verb\u00e4nden gleich ist.<\/p>\n<p>Dies offenbart aber sofort das staatliche Planungsdilemma: So sind weder die \u201eProduktionsfunktionen\u201c der einzelnen Verb\u00e4nde, also im Prinzip der Zusammenhang zwischen eingesetzten Ressourcen und erreichter sportlicher Leistung, bekannt, noch ist offenkundig, ob die entsprechenden Verb\u00e4nde auch die optimale Produktionsfunktion verwenden \u2013 eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein (siehe Emrich 2006). Dar\u00fcber hinaus verf\u00fcgt man nicht \u00fcber die entsprechenden Informationen hinsichtlich der Ressourcenallokation und der Produktionsfunktionen der konkurrierenden ausl\u00e4ndischen Verb\u00e4nde.<\/p>\n<p>Das aufgezeigte Optimierungsproblem ist ein Problem, f\u00fcr dessen L\u00f6sung sich Wettbewerb im Sinne eines Such- und Entdeckungsverfahrens (Hayek, 1969) bestens eignet. Durch Wettbewerb wird das verstreut liegende Wissen \u2013 hier etwa in Form von neuartigen Trainingsmethoden etc. \u2013 genutzt und weiter entwickelt (Hayek, 1976a; 1976b). So bilden die Akteure Hypothesen \u00fcber die von der Gegenseite erwarteten Leistungen sowie \u00fcber die vermeintlichen Reaktionen der Konkurrenten. Diese Hypothesen sind wiederum Grundlage der Handlungen, die nun \u00fcber Erfolg oder Mi\u00dferfolg r\u00fcckgekoppelt werden. So l\u00f6sen Mi\u00dferfolge Suchprozesse aus, um bessere Leistungen zu erzielen usw.<\/p>\n<p>Was bedeutet diese abstrakte Vorstellung des Wettbewerbs f\u00fcr die Sportf\u00f6rderung?<\/p>\n<p>Nimmt man das Ziel, durch die Sportf\u00f6rderung sollte der Erfolg deutscher Athleten bei internationalen Wettbewerben verbessert werden, als gegeben und als nicht zu diskutieren an, dann mu\u00df der Wettbewerb durch ein Anreizsystem entsprechend kanalisiert werden. Ein derartiges Anreizsystem sollte ausschlie\u00dflich den Erfolg entlohnen und nicht die Institutionen f\u00f6rdern. Mit anderen Worten: Ein derartiges Anreizsystem w\u00fcrde darin bestehen, eine Pr\u00e4mie f\u00fcr jede erzielte Medaille auszuloben (vgl. Emrich 2012; Post \u201e<em>Geld f\u00fcr Goldmedaillen<\/em>\u201c).<\/p>\n<p>Was w\u00e4ren die Folgen einer derartigen Umgestaltung der Sportf\u00f6rderung f\u00fcr den Spitzensport?<\/p>\n<p>Wir wollen uns bei unseren Betrachtungen knapp auf die Ausbildung von potentiellen Talenten beschr\u00e4nken: Auf der einen Seite d\u00fcrfte die Ausbildung von sportlichen Talenten st\u00e4rker als bisher als Investition begriffen werden. Da sich die wenigsten Nachwuchstalente selbst finanzieren k\u00f6nnen und auch oftmals die Eltern f\u00fcr diese Rolle ausfallen, w\u00fcrden Sponsorenpools auftreten, die der vereinsbasierten Nachwuchsf\u00f6rderung verst\u00e4rkt Konkurrenz machen d\u00fcrften. Diese Sponsorenpools w\u00fcrden erfolgversprechenden Sportlern die Ausbildung finanzieren und daf\u00fcr einen Anteil an sp\u00e4teren Preisgeldern erwarten. Das Modell der TOSA Tennistalentf\u00f6rderung GmbH, die die Ausbildung von Tommy Haas in Nick Bollettieris Tennis Akademie finanzierte und daf\u00fcr an der sp\u00e4teren Vereinnahmung der Preisgelder beteiligt wurde, k\u00f6nnte ein Beispiel daf\u00fcr sein.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite d\u00fcrfte sich die Rolle der Ausbildungsst\u00e4tten ebenfalls ver\u00e4ndern. Neben der Ausbildung durch den Verein d\u00fcrften verst\u00e4rkt Ausbildungsst\u00e4tten Platz greifen, die f\u00fcr die Ausbildung finanzielle Mittel erwarten w\u00fcrden. Der dadurch initiierte Wettbewerb w\u00fcrde zudem einen Anreiz setzen, stets neueste Trainingsmethoden einzusetzen, um sich von der Konkurrenz erfolgreich abzuheben.<\/p>\n<p>Ein derartiges staatliches F\u00f6rderungssystem w\u00fcrde also zu einer besseren Nutzung der eingesetzten \u00f6ffentlichen Mittel f\u00fchren, da eben auch nur dann Steuergelder fl\u00f6ssen, wenn die entsprechende Leistung erbracht w\u00fcrde. Das Risiko w\u00fcrde somit vom staatlichen Finanzier, bei dem es in gro\u00dfen Teilen jetzt liegt, auf die Produzenten der sportlichen Leistung \u00fcberw\u00e4lzt. Freilich w\u00fcrde ein derartiger Anreizmechanismus erhebliche Ver\u00e4nderungen des gegenw\u00e4rtigen Sportsystems bewirken, die nicht bei allen Seiten auf Zustimmung treffen d\u00fcrften, und bestimmte, mitunter lieb gewonnene Traditionen beiseite fegen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Eckl, Stefan &amp; Wetterich, J\u00f6rg (2006): Kommunale Sportf\u00f6rderung in Deutschland, in: Eckl, Stefan; Wetterich, J\u00f6rg (Hrsg.): Sportf\u00f6rderung und Sportpolitik in der Kommune, M\u00fcnster et al., S. 15 \u2013 112.<\/p>\n<p>Emrich, E. (2006), Zur Effektivit\u00e4t bundesdeutscher Nachwuchsleistungssportf\u00f6rderung, in: Th\u00f6ni, E. et al., Effektivit\u00e4t und Effizienz \u00f6ffentlicher Sportf\u00f6rderung, Schorndorf, S. 155 \u2013 170.<\/p>\n<p>Emrich, E. (2012), Warum nicht 200.000 Euro f\u00fcr einen Olympiasieg?, FAZ vom 09.08.2012.<\/p>\n<p>Hayek, F. A. v. (1969). Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren, in: Hayek, F. A. v. (Hrsg.), Freiburger Studien, T\u00fcbingen, S. 249 \u2013 265.<\/p>\n<p>Hayek, F. A. v. (1976a). Wirtschaftstheorie und Wissen, in: Hayek, F. A. v. (Hrsg.), Individualismus und wirtschaftliche Ordnung, 2. Aufl., Salzburg, S. 49 \u2013 77.<\/p>\n<p>Hayek, F. A. v. (1976b). Die Verwertung von Wissen in der Gesellschaft, in: Hayek, F. A. v. (Hrsg.), Individualismus und wirtschaftliche Ordnung, 2. Aufl., Salzburg, S. 103 \u2013 121.<\/p>\n<p>Langer, Mathias (2006): \u00d6ffentliche F\u00f6rderung des Sports. Eine ordnungspolitische Analyse, T\u00fcbingen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum sind die Olympischen Spiele beendet, diskutiert man in Deutschland \u00fcber das Abschneiden der eigenen Sportler: Im Medaillenranking wurde, hinter S\u00fcdkorea, nur Platz sechs erzielt. &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10152\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEine Pr\u00e4mie f\u00fcr Olympiasieger!\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[900,899,392],"class_list":["post-10152","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sportliches","tag-medaillen","tag-olympia","tag-sportfoerderung"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Eine Pr\u00e4mie f\u00fcr Olympiasieger! 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