{"id":10166,"date":"2012-09-12T06:07:57","date_gmt":"2012-09-12T05:07:57","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10166"},"modified":"2012-09-13T14:04:40","modified_gmt":"2012-09-13T13:04:40","slug":"e10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10166","title":{"rendered":"E10"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Jahr verursachte eine extreme D\u00fcrre erhebliche Ernteausf\u00e4lle in den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine. Die damit verbundene Verringerung des Angebots an Getreide hat zu deutlichen Preissteigerungen gef\u00fchrt. Betrug etwa der Maispreis (Typ: U.S. No.2 Yellow, FOB Gulf of Mexico) im Mai noch 269 $\/mt, so stieg er im Juli auf 333 $\/mt. Dies entspricht einer Preissteigerung von knapp 24 Prozent innerhalb von zwei Monaten. \u00c4hnliches l\u00e4sst sich f\u00fcr die Preise von Weizen und Soja zeigen. Seitdem sind die Preise geringf\u00fcgig zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Ma\u00df an Preisschwankungen wird ganz allgemein schon als unerw\u00fcnscht angesehen. Im Fall von Getreide k\u00f6nnen die Auswirkungen jedoch besonders negativ sein, da gerade die \u00e4rmsten Menschen auf der Welt hiervon betroffen sind. Jim Yong Kim, Pr\u00e4sident der Weltbank, unterstreicht dies wie folgt: \u201eH\u00f6here Lebensmittelpreise bedeuten f\u00fcr manche Familien, sie k\u00f6nnen ihre Kinder nicht mehr in Schulen schicken, und sie essen weniger gesunde Nahrung. Dies hat einen lebenslangen Einfluss auf die soziale und k\u00f6rperliche Situation von Millionen Jugendlichen.\u201c<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Was hat diese dramatische Entwicklung mit dem Biokraftstoff E10 zu tun? Zur Gewinnung von Biokraftstoffen werden diverse Getreidesorten genutzt. Diese Form der Kraftstoffgewinnung ist teurer als der direkte Bezug von Benzin oder Diesel. Eine umfassende staatliche F\u00f6rderpolitik hat jedoch zu einer erheblichen Zunahme des Einsatzes von Biokraftstoffen gef\u00fchrt. In Deutschland wurde das Biokraftstoffquotengesetz eingef\u00fchrt, das die Anbieter von Benzin und Diesel bis 2014 verpflichtet, 6,25 Prozent der Treibstoffe in Form von Biokraftstoffen zu verkaufen. Im Wesentlichen erfolgt dies durch eine Mischung der Biokraftstoffe (Bioethanol) mit herk\u00f6mmlichem Super-Benzin, im Allgemeinen bekannt als Treibstoff E10. Ab 2015 soll der Einsatz von Biokraftstoffen weiter ausgebaut werden, sodass ab 2020 der Einsatz von Biokraftstoffen eine Senkung der CO2-Emissionen von 7 Prozent bewirkt. Es wird gesch\u00e4tzt, dass dies durch einen Anteil des Biokraftstoffs von etwa 12 Prozent am gesamten Kraftstoffverkauf erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Die Produktion von Biokraftstoffen f\u00fchrt zu einer erh\u00f6hten Nachfrage nach den entsprechenden Getreidesorten und wirkt damit preiserh\u00f6hend. In Zeiten von Missernten kommt die dunkle Seite der Biokraftstoffe \u2013 Getreidepreiserh\u00f6hungen und deren Folgewirkungen Armut, Hunger in Entwicklungsl\u00e4ndern \u2013 \u00fcberdeutlich zum Ausdruck. Dies ruft diverse Politiker auf die B\u00fchne. Neben Entwicklungsminister Dirk Niebel stellen auch Renate K\u00fcnast und der Greenpeace-Experte Martin Hofstetter die Biokraftstoffquotenregelung in Frage.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, dass es nicht sinnvoll erscheint, die langfristige Konzeption einer Biokraftstoffpolitik am singul\u00e4ren Ereignis einer extremen D\u00fcrre auszurichten, kann man sich dennoch berechtigt der Frage widmen, ob eine staatlich festgeschriebene Biokraftstoffquote der Umwelt, der Energieversorgung oder der Gesellschaft insgesamt dienlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>1. Das \u00f6konomische Problem<\/strong><\/p>\n<p>Menschen sind im Allgemeinen nicht dazu in der Lage, Dinge v\u00f6llig neu zu erzeugen, sondern sie beschr\u00e4nken sich darauf, die vorhandenen Ressourcen zu transformieren. So werden Baumst\u00e4mme in Tische und St\u00fchle, und Steinkohle in elektrische Energie gewandelt. Die \u00d6konomik besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, welche Formen der Verwendung und Verwandlung der knappen Ressourcen den \u00fcbrigen Formen vorzuziehen sind. Grunds\u00e4tzlich sollten diejenigen G\u00fcter oder Dienstleistungen bereitgestellt werden, die den gr\u00f6\u00dften Wert (Nutzen) aufweisen. Dieser Wert wird u.a. von der Knappheit eines Gutes bestimmt. Nehmen wir etwa einen durchschnittlichen Erwachsenen in einer deutschen Gro\u00dfstadt und fragen ihn, was er f\u00fcr wertvoller h\u00e4lt, ein Notebook oder einen Liter Wasser, so wird er sich zumeist f\u00fcr das Notebook entscheiden. Um einen Liter des reichlich vorhandenen Wassers weniger zu konsumieren, muss er nur einige wenige Sekunden an einem bestimmten Tag k\u00fcrzer duschen. Das Opfer ist nicht sehr gro\u00df. Der Verzicht auf ein Notebook, von denen die typische Einzelperson nur ein einziges besitzt, ginge jedoch mit einer sehr gro\u00dfen Nutzeneinbu\u00dfe einher. Wie anders w\u00fcrde seine Entscheidung allerdings ausfallen, wenn er in der W\u00fcste gestrandet w\u00e4re und Wasser pl\u00f6tzlich eine lebensbedrohliche Knappheit aufwiese. Doch auch ein Einsiedler, der in einer Holzh\u00fctte ohne Stromanschluss lebt, mag den Liter Wasser f\u00fcr wertvoller halten als das Notebook.<\/p>\n<p>Was soll damit gesagt werden? Nun, der Wert bestimmter Konsumg\u00fcter h\u00e4ngt eben nicht nur von der Knappheit, sondern auch von den Vorlieben und den spezifischen Umweltbedingungen eines jeden Einzelnen ab. Werte (und auch Kosten) basieren auf subjektiven Bewertungen und sind einem Einsatz in der staatlichen Planung nicht zug\u00e4nglich. Im Gegensatz dazu liefern M\u00e4rkte, an denen frei gehandelt werden kann, verl\u00e4ssliche Anhaltspunkte f\u00fcr die relativen Wertsch\u00e4tzungen von G\u00fctern. Solange Individuen bereit sind, den Preis f\u00fcr eine weitere Menge eines Gutes zu zahlen, verzichten sie gleichzeitig auf eine anderweitige Verwendung ihres Geldes. Sie dokumentieren damit ihre Wertsch\u00e4tzungen. Entscheidet sich etwa ein Student, viermal im Monat zum Preis von 5 EUR ins Kino und viermal im Monat zum Preis von 10 EUR Squashspielen zu gehen (und den Rest des Geldes f\u00fcr andere Zwecke auszugeben), so ist klar, dass ihm die letzten beiden Kinobesuche mehr wert sind als ein f\u00fcnfter Termin zum Squashspielen. Gleichzeitig ist ihm der vierte Squashtermin mehr wert als zwei zus\u00e4tzliche Kinobesuche, die er daf\u00fcr austauschen k\u00f6nnte. Der am Markt entstandene relative Preis pKino\/pSquash = 0,5 verdeutlicht somit n\u00e4herungsweise seine relativen Wertsch\u00e4tzungen.<\/p>\n<p>\u00dcbertragen auf das Problem des Biokraftstoffs bedeutet dies, dass es abzuw\u00e4gen gilt, welche relativen Wertsch\u00e4tzungen f\u00fcr die Nutzung von Landschaftsfl\u00e4chen vorliegen. Diese k\u00f6nnen auf vielf\u00e4ltigste Weise genutzt werden: Anbau von Mais, Gerste, Weizen, oder Raps, die Einrichtung von Naturparkanlagen, Wohn- oder Gewerbefl\u00e4che und vieles mehr. Der deutsche Gesetzgeber gibt vor zu wissen, es sei optimal, bis 2014 zumindest 6,25 Prozent des Kraftstoffverbrauchs durch Biokraftstoffe zu decken. Eine diesem Ziel entsprechende Landschaftsfl\u00e4che w\u00e4re demnach f\u00fcr den Anbau von Energiepflanzen einzusetzen.<\/p>\n<p>Ist diese Einsch\u00e4tzung richtig oder falsch? Die Antwort lautet: Niemand wei\u00df es! Aus dem vorher Gesagten sollte klar sein, dass solche Fragen allenfalls durch einen weitgehend freien Marktprozess beantwortet werden k\u00f6nnen. Da es diesen weder im Bereich der Energie- noch der Agrarwirtschaft gibt \u2013 der Staat nimmt in beiden massiven Einfluss \u2013 helfen uns hier auch die aktuellen Handelspreise kaum weiter. Sowohl die \u201etraditionelle\u201c deutsche Landwirtschaft als auch der Anbau von Energiepflanzen k\u00f6nnten ohne die jeweiligen Privilegien (Subventionen, Handelshemmnisse, \u2026) in der heutigen Form nicht \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel gibt es in der EU derzeit kein Nahrungsmittelproblem, und auf dem Weltmarkt sind die europ\u00e4ischen Landwirte ohne Exporthilfen kaum wettbewerbsf\u00e4hig. Dies spricht f\u00fcr die Nutzung von Agrarfl\u00e4chen zum Anbau f\u00fcr Energiepflanzen. Andererseits kommt auch der Energiepflanzenanbau nicht ohne Subventionen aus, und auch das Wachstum der Weltbev\u00f6lkerung sowie die sich daraus ergebenden Ern\u00e4hrungsprobleme legt die Nutzung zur Nahrungsmittelproduktion nahe. Dabei bleibt allerdings unklar, ob die in der EU zus\u00e4tzlich produzierten Lebensmittel den Weg zu den Hungernden in Afrika oder Asien finden werden. Schlie\u00dflich d\u00fcrfen wir auch die weiteren Verwendungsm\u00f6glichkeiten (Naturparks, \u2026) f\u00fcr die Landschaftsfl\u00e4chen nicht au\u00dfer Acht lassen. M\u00fcsste ich mich f\u00fcr eine Form der Fl\u00e4chenverwendung entscheiden, w\u00fcrde die Wahl vermutlich nicht auf den Energiepflanzenanbau fallen. Doch diese Entscheidung w\u00e4re\u2013 wie oben erl\u00e4utert \u2013 spekulativ-willk\u00fcrlicher Natur.<\/p>\n<p>Als politischer L\u00f6sungsvorschlag dieses Bewertungsproblems bietet sich allenfalls die Empfehlung an, die M\u00e4rkte f\u00fcr Agrarprodukte weiter zu \u00f6ffnen und die Biokraftstoffquote abzuschaffen. Ein dann deutlich freierer Marktprozess w\u00fcrde vermutlich sp\u00e4ter die Antwort liefern. Doch dazu wird es sicher nicht kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2. Erh\u00f6ht E10 die Preisschwankungen auf den Getreidem\u00e4rkten?<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Vorwurf, der der Biokraftstoffquote gemacht wird, ist ihr vermeintlicher Einfluss auf die Preisausschl\u00e4ge. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklung der Handelspreise von Mais und Weizen in den letzten zehn Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/weizen.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Mais- und Weizenpreis\" src=\"\/wordpress\/bilder\/weizen\" alt=\"Mais- und Weizenpreis\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>In den Jahren 2008, 2011 und 2012 finden sich deutliche Preisausschl\u00e4ge. Da der Biokraftstoffeinsatz in 2008 noch keine so gro\u00dfe Rolle gespielt hat, wird deutlich, dass es noch andere Gr\u00fcnde f\u00fcr die gro\u00dfen Preisschwankungen geben muss.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Grund besteht in der geringen Preiselastizit\u00e4t der Nachfrage. Damit ist gemeint, dass die nachgefragten Mengen nach den diversen Getreidearten nur relativ schwach auf Preis\u00e4nderungen reagieren. Lebensmittel gelten als Paradebeispiel f\u00fcr G\u00fcter mit geringer Preiselastizit\u00e4t. Auf solchen M\u00e4rkten haben Angebotsschwankungen starke Auswirkung auf den Marktpreis, wie nachfolgende Abbildung zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/unpreis.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Preisbindung bei unelastischer Nachfrage\" src=\"\/wordpress\/bilder\/unpreis.png\" alt=\"Preisbindung bei unelastischer Nachfrage\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Im \u00fcblichen Preis-Mengen-Diagramm mit dem Preis p auf der vertikalen Achse verl\u00e4uft eine preisunelastische Nachfrage N vergleichsweise steil. Ausgehend von einem Anfangsgleichgewicht \u2013 hier dem Schnittpunkt der Angebotskurve A mit der Nachfragekurve N \u2013 sei nun der Fall betrachtet, dass die angebotene Menge auf Grund einer Missernte zur\u00fcckgehe. Dies wird durch die Verschiebung der Angebotskurve nach links (zu Aneu) zum Ausdruck gebracht. Das neue Marktgleichgewicht liegt nun bei einem viel h\u00f6heren Preis. W\u00fcrde die Nachfrage flacher (\u201eelastischer\u201c) verlaufen, w\u00e4re hingegen nur eine geringere Preiserh\u00f6hung erforderlich, um den Markt zum Gleichgewicht zu bringen.<\/p>\n<p>Damit erkl\u00e4rt der Umstand der geringen Preiselastizit\u00e4t der Nachfrage, dass Fehlernten zu gro\u00dfen Preisausschl\u00e4gen f\u00fchren k\u00f6nnen. Genau dies d\u00fcrfte gegenw\u00e4rtig die Entwicklung auf den Getreidem\u00e4rkten wiedergeben. Insofern sind Preisausschl\u00e4ge an M\u00e4rkten f\u00fcr Getreide nichts Unbekanntes.<\/p>\n<p>Die Biokraftstoffquote tr\u00e4gt jedoch dazu bei, die geringe Preiselastizit\u00e4t der Nachfrage noch weiter zu senken, da die Anbieter von Benzin und Diesel unter Androhung empfindlicher Strafen verpflichtet sind, ihre Quote einzuhalten. Aus diesem Grund verringern sie ihre Nachfrage nach Biokraftstoff auch bei sp\u00fcrbar steigenden Preisen nicht, sodass die Preisreagibilit\u00e4t sinkt und damit potentiell das Ausma\u00df der Ausschl\u00e4ge erh\u00f6ht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>3. Vermindert E10 den globalen Aussto\u00df von Treibhausgasen?<\/strong><\/p>\n<p>Ein zentrales Argument f\u00fcr die F\u00f6rderung der Biokraftstoffe besteht in ihrer CO2-Neutralit\u00e4t. Zun\u00e4chst einmal ist es richtig, dass Biokraftstoffe nur genau die Menge an CO2 freisetzen, die sie w\u00e4hrend ihres Wachstums zuvor aufgenommen haben. Damit weisen sie einen deutlichen Vorteil gegen\u00fcber fossilen Energietr\u00e4gern (Erd\u00f6l, Erdgas) auf. Zwar kann sich dieser Vorzug durch den Einsatz von Stickstoffd\u00fcngern oder die Rodung von W\u00e4ldern vermindern, doch bleibt er als solcher erhalten. Da der Einsatz von Biokraftstoffen die Nachfrage nach fossilen Energietr\u00e4gern senkt, w\u00e4re somit grunds\u00e4tzlich ein geringerer globaler CO2-Aussto\u00df denkbar.<\/p>\n<p>Der globale Verbrauch von \u00d6l und Gas h\u00e4ngt jedoch von Nachfrage und Angebot ab. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass die Erd\u00f6lanbieter (auf globaler Ebene) ihr Angebot vom Einsatz der Biokraftstoffe abh\u00e4ngig machen. Geht man davon aus, dass ihr Angebot unver\u00e4ndert bleibt, dann f\u00fchrt die verringerte Nachfrage nach \u00d6l und Gas nur zu Preis- nicht aber zu Mengensenkungen. Der globale CO2-Aussto\u00df bliebe damit v\u00f6llig unver\u00e4ndert, er w\u00fcrde nur in anderen Regionen oder anderen Sektoren anfallen. Dies zeigt sich auch sehr deutlich an den Zahlen des globalen Erd\u00f6lverbrauchs. Nur in zwei Jahren seit 1996 ist der Konsum des \u00d6ls gesunken: in 2008 und 2009. Dieser Einbruch ist jedoch durch die Wirtschaftskrise zu erkl\u00e4ren, denn schon in 2010 \u00fcberstieg der Welt\u00f6lkonsum wieder den Wert von 2007, dem letzten Jahr vor der Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p>Doch selbst wenn die CO2-Emissionsreduzierung von allen L\u00e4ndern der Welt mit Nachdruck verfolgt w\u00fcrde, stellt sich die Frage, ob der Einsatz von Biokraftstoffen ein effizientes Instrument der Klimapolitik ist. Dazu m\u00fcssten die bei den Konsumenten anfallenden Konsumverzichte durch Biokraftstoffe geringer ausfallen als bei anderen Instrumenten. Ein globaler und alle Sektoren umfassender Emissionszertifikatemarkt oder eine einheitliche CO2-Steuer h\u00e4tten die Eigenschaft einer positiven Selbstselektion. Damit ist gemeint, dass Unternehmen und Konsumenten die Emissionssenkung von sich aus durch Nichtbereitstellung derjenigen G\u00fcter und Dienstleistungen realisieren w\u00fcrden, die mit der geringsten Nutzeneinbu\u00dfe verbunden w\u00e4ren. Es w\u00e4re schon ein ganz au\u00dfergew\u00f6hnlicher Zufall, wenn die staatlich verordneten Biokraftstoffquoten diesem Kriterium entspr\u00e4chen. Dementsprechend muss davon ausgegangen werden, dass die derzeitige Regelung mit einem erheblichen Ausma\u00df an unn\u00f6tigen Kosten verbunden ist.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Fazit: Auch wenn es wenig sinnvoll erscheint, die langfristige Konzeptionierung der Energiepolitik an den kurzfristigen Symptomen einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen D\u00fcrre auszurichten, wirft die aktuell praktizierte Biokraftstoffpolitik doch einige Fragen auf: (1) Es ist unklar, ob die Nutzung von Agrarfl\u00e4chen zur Gewinnung von Biokraftstoffen einer anderen Verwendung, insbesondere der Nahrungsmittelproduktion, vorzuziehen ist. Auch wenn manche Argumente gegen die Produktion von Biokraftstoffen sprechen, kann diese Frage letzten Endes nur \u00fcber den Marktprozess beantwortet werden. (2) Selbst wenn der Anbau von Energiepflanzen zu Gunsten anderer Verwendungen beendet wird, bleibt offen, ob die hungernden Menschen in den \u00e4rmsten Nationen dieser Welt hiervon profitieren w\u00fcrden. (3) Der staatlich verordnete Bedarf an Biokraftstoffen d\u00fcrfte einen Einfluss auf das Ausma\u00df der Schwankungen der Getreidepreise haben. Es ist jedoch anzunehmen, dass dieser eher gering ausf\u00e4llt. (4) Biokraftstoffe als Instrument der Klimapolitik d\u00fcrften im Allgemeinen wenig wirksam und unn\u00f6tig teuer sein.<\/p>\n<p>Das Biokraftstoffquotengesetz ist folglich eines von vielen unverbundenen Elementen einer wenig konsistenten und ineffizienten Umwelt- und Energiepolitik, auf das die Gesellschaft wohl eher verzichten kann.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Jahr verursachte eine extreme D\u00fcrre erhebliche Ernteausf\u00e4lle in den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine. 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