{"id":10178,"date":"2012-09-14T00:01:22","date_gmt":"2012-09-13T23:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10178"},"modified":"2024-04-04T17:54:45","modified_gmt":"2024-04-04T16:54:45","slug":"gastbeitragskat-oder-cego-zentrale-koordination-oder-spontane-ordnung-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10178","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Skat oder Cego <br><b>ZentraleKoordination oder Spontane Ordnung. [1]<\/b>"},"content":{"rendered":"<p>Vom \u00fcber Deutschland verbreiteten Skat berichtet eine erste Quelle aus dem Jahr 1813 und pr\u00e4gt den Begriff \u201eScat\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Es wird angenommen, dass sich das Spiel zwischen 1810 und 1817 im th\u00fcringischen Altenburg aus \u00e4lteren Kartenspielen entwickelt hat. Ein erstes Regelbuch erschien 1848 und 1927 wurde in Altenburg, dem Ort seiner Entstehung, sogar ein Skatgericht eingerichtet. 1986 brachte die Deutsche Bundespost ein Briefmarke (Wert 0,80 DM) in Umlauf die dem Thema 100 Jahre Deutsche Skatkongresse gewidmet war. Seitdem wird dieses Spiel in seinem Verbreitungsgebiet nach den gleichen, strengen Regeln gespielt, die in Tournieren und Meisterschaften genau praktiziert werden. In seltenen Zweifelsf\u00e4llen kann das erw\u00e4hnte Skatgericht in Altenburg angerufen werden, welches als zentrale Instanz die erforderliche Regelsetzung vornimmt. Der Skat, dessen Name sich von lateinischen scartere f\u00fcr ablegen herleitet, weshalb die abgelegten Karten &#8211; meist als Blinder bezeichnet &#8211; auch Skat genannt werden, hat wohl insbesondere durch den 2. Weltkrieg seine weite Verbreitung in Deutschland gefunden. Beim Skat handelt es sich also um ein Spiel, welches zentral geplant und sich mit gleichen strengen Regeln in seinem Verbreitungsgebiet durchgesetzt hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Cegospiel<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> k\u00f6nnte fr\u00fcher als der Skat entstanden sein, als solche bezeichnete Cegokarten treten allerdings erst nach der Zeit des Napoleonischen Spanienfeldzugs auf. Spielkarten, mit denen auch Cego gespielt werden kann, und die auch in zahlreichen Freiburger Druckereien hergestellt wurden, werden in der Zeit vor diesen Feldz\u00fcgen immer als Tarockkaten bezeichnet. Da man Cego auch mit den Karten des \u00f6sterreichischen Tarock<a title=\"\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> spielen kann und da es im Badischen mit vergleichbaren Karten ein Spiel namens Dreierles oder Dreier gibt, welches in den Regeln stark dem \u00f6sterreichischen Tarockspiel gleicht, ist anzunehmen, dass derartige Spiele \u00fcber die vorder\u00f6sterreichischen Besitzungen in Baden in dieses Gebiet gekommen sind. Die auf den ersten Blick komplizierte Z\u00e4hlweise und einige Sonderspiele des \u00f6sterreichischen Tarock sind wohl \u00fcber das Dreierlesspiel auch in die Cegoregeln gekommen.<\/p>\n<p>Es ist zu vermuten, dass badische Soldaten das Spiel Cego aus dem Spanienfeldzug mit Napoleons Truppen 1808 -1813 mitgebracht haben. Zum Teil aus vorder\u00f6sterreichischen Gebieten stammend, nahmen sie wohl die typi\u00c2\u00adschen Karten des \u00f6sterreichischen Tarock mit, \u00e4nderten aber bei der Begegnung mit dem spanischen Spiel Tresillo, einer Variante des Ombrespiels, die Spielregeln. Beim Gro\u00dftarock kommen zu den 22 speziellen Trumpfkarten f\u00fcr jede der vier Farben Kreuz, Pik, Herz und Karo jeweils 14 Karten \u2013 die Bildkarten K\u00f6nig, Dame, Reiter und Bube und die Leeren von 1-10 hinzu, womit sich insgesamt ein Blatt von 78 Karten ergibt. Die Zahl der Leeren wurde beim einfachen \u00f6sterreichischen Tarock auf jeweils vier verringert. Jede Farbe hat also noch acht Karten, womit sich mit den 22 Tr\u00fcmpfen das f\u00fcr das Cego typische Blatt mit 54 Karten ergibt. In etlichen L\u00e4ndern war bei den Leeren die Stichfolge bei den schwarzen Karten (Pik und Kreuz) so, dass die h\u00f6here Karte immer die niedrigere stach, w\u00e4hrend es bei den roten (Herz und Karo) umgekehrt war. Beim Tarock und so auch beim Cego hat man diese Stichfolge beibehalten und jeweils die niedrigsten sechs Karten entsprechend der spanischen Stichfolge entfernt. Bei den schwarzen blieben also die vier Karten sieben bis zehn und bei den roten die Karten vier bis eins \u00fcbrig, die Stichfolge wurde aber beibehalten, bei den schwarzen Farbe stechen also die h\u00f6heren die niedrigeren w\u00e4hrend es bei den roten die Stichfolge gegenl\u00e4ufig ist. F\u00fcr die Herkunft des Spiels aus Spanien spricht auch, dass ciego im Spanischen (im lateinischen caecus) blind bedeutet (portu\u00adgiesisch cego!) und in manchen Quellen auch von Zigo<a title=\"\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> statt Zego oder Cego gesprochen wird. F\u00fcr die Beziehung zu \u00d6sterreich spricht allerdings auch, dass eine Zigohymmne sich an eine Ode an das Tarockspiel anlehnt.<a title=\"\" href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> Als es dann im 2. Weltkrieg keine badischen Regimenter mehr gab, hat sich der Skat als deutsches Nationalspiel durchgesetzt.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferlich al\u00adlerdings unterscheidet sich das Cegoblatt vom \u00f6ster\u00adreichischen Tarockblatt lediglich dadurch, dass die Tr\u00fcmpfe wie beim franz\u00f6sischen Tarot in arabischen Zahlzeichen nummeriert sind, w\u00e4h\u00adrend das \u00f6sterreichische Blatt r\u00f6misch nummerierte Tr\u00fcmpfe aufweist, was Cegospielern meist ernstliche Probleme bereitet. Es liegt nahe, dass die Badener bei ihrem Feldzug mit Napoleon auch mit den franz\u00f6sischen Tarotkarten gespielt haben und sich so an die arabischen Zahlzeichen gew\u00f6hnt haben. Alle Karten diesen Typs die vor Napoleon z.B. in Freiburg gedruckt wurden hei\u00dfen Tarockkarten und haben r\u00f6mische Zahlzeichen.<a title=\"\" href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Zur Bezeichnung der Karten als Cegokarten kommt es erst nach Napoleon und diese weisen arabische Zahlzeichen auf, was allerdings auch f\u00fcr sp\u00e4tere als Tarockkarten bezeichnete Bl\u00e4tter gilt, die allerdings in Einzelf\u00e4llen bei r\u00f6mischen Zahlzeichen bleiben.<a title=\"\" href=\"#_ftn8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Die Verbreitung des Cego beschr\u00e4nkte sich urspr\u00fcnglich auf die fr\u00fcheren L\u00e4nder Baden und Hohenzollern, die auch heute noch die Grenzen des 1821 entstandenen Erzbistums Freiburg ausmachen. Da der Geistliche und Dichter Hein\u00c2\u00adrich Hansjakob dem Cego auch ein literarisches Denkmal gesetzt hat, kann man davon ausgehen, dass das Spiel durch die Geistlichen der Erzdi\u00f6zese, aber wohl auch die badischen Beamten verbreitet worden ist. Im Unterschied zum Skat, der streng geregelt \u00fcberall gleich gespielt wird, stellt das Cego ein gewachsenes Spiel dar, das regional unterschiedlich gespielt wird. Wobei es f\u00fcr die gleichen Karten auch ein sehr verbreitetes Spiel, als Dreierles oder Stra\u00dfenwartscego bezeichnet, gibt, dessen vergleichsweise einfachere Regeln hier unber\u00fccksichtigt bleiben.<\/p>\n<p>Es ist seltsam f\u00fcr Skatspieler, dass sich Cegospieler vor dem Spielen an anderen Orten zun\u00e4chst \u00fcber die Regeln einigen m\u00fcssen. Die seltsame Frage \u201eSpielen wir mit oder ohne Regel?\u201c, bezieht sich darauf ob ein Spieler unter bestimmten Bedingungen bez\u00fcglich seines Blattes mit seinem Handblatt ein Solo spielen muss, oder dieses straflos \u201eschinden\u201c kann, also nicht spielen muss. Ferner gibt es ein Spiel namens Piccolo, bei dem der Spieler gewinnt, der genau einen Stich macht. Dar\u00fcberhinaus wird an manchen Orten ein \u201ePiccolo mit zwei Stich\u201e (Duccolo oder Zwiccolo genannt) an anderen Orten wird dar\u00fcberhinaus ein \u201eTriccolo\u201c gespielt, bei welchem sich der Ansager verpflichtet genau drei Stiche zu machen. Neben dem R\u00e4uber, bei welchem der verliert, der die meisten Punkte macht (Entspricht dem Ramsch beim Skat), gibt es an manchen Orten einen Drescher, welchen lediglich der verliert, der den letzten Stich macht. Sogar beim Reizen gibt es Unterschiede, so dass in manchen Gegenden auf die Reizstufe \u201eCego\u201c nicht, wie normalerweise die Stufe \u201eEine\u201c folgt, sondern davor noch \u201eEine Halbe\u201c gereizt werden kann. Dieses sind nur einige der wichtigsten regionalen Unterschiede in den Spielweisen und man muss davon ausgehen, dass sich eben durchgesetzt hat, was den jeweiligen Spieler gefallen hat, also um mit Hayek zu sprechen, sich als Regel aus einer spontanen Ordnung entwickelt hat. Das Spiel scheint daher etwas der badischen Liebe zur Individualit\u00e4t zu entsprechen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend beim Skat nach einem Spiel oft lange Diskussionen dar\u00fcber folgen, ob einer einen Fehler gemacht hat<a title=\"\" href=\"#_ftn9\">[9]<\/a>, tritt dies beim Cego fast nicht auf. Man sagt den Badenern eine gewisse Gem\u00fctlichkeit und geringe Neigung zur Strenge nach. Dem kommt das Cego entgegen. Zum einen f\u00fchrt die h\u00f6here Zahl der Karten und die gro\u00dfe Rolle des Blinden dazu, dass der Zufall mehr Einfluss hat, zum anderen sind auch die eigentlichen Spielregeln andere. Wer nicht Farbe bekennen kann, muss Trumpfen (d.h. Trumpf spielen), wenn er Tr\u00fcmpfe besitzt, und nat\u00fcrlich muss auch Trumpf bekannt werden. Erst wenn ein Spieler ohne Trumpf ist, stellen sich die Fragen des Schmierens oder Abwerfens, die beim Skatspiel so wichtig und oft Gegenstand der Nacharbeitung sind, und zudem wegen des fehlenden Trumpfzwangs schon von Beginn an besondere Konzentration ver\u00c2\u00adlangen. Das Spiel Cego selbst erlaubt also mehr Unterhaltung und ist nicht so streng, was allerdings nicht hei\u00dft, dass in den zahlreichen neu aufkommenden Cegotournieren die Sieger ein Ergebnis reinen Zufalls und nicht des K\u00f6nnens sind. Auch ist das Cegospiel im Vergleich zum Skat deshalb fairer, weil ein Spieler, wenn er wegen eines guten Blatts unbedingt spielen will, mit dem Reizen seine Spielbedingungen erschweren muss, w\u00e4hrend beim Skat ein gutes Blatt meist ohne zunehmende Erschwerung der Spielbe\u00addingungen ein hohes Steigern erm\u00f6glicht.<a title=\"\" href=\"#_ftn10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Es scheint, dass dem Cego, nachdem es fast verschwand, eine wieder zunehmende Verbreitung Anh\u00e4ngerschaft zukommt. Die in Anbetracht der Globalisierung erfolgende Gegenbewegung einer verst\u00e4rkten Zuwendung<a title=\"\" href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> zum heimatlichen Umfeld mit seinen Besonderheiten, er\u00f6ffnet diesem sch\u00f6nen<a title=\"\" href=\"#_ftn12\">[12]<\/a> Spiel Wieder eine Zukunft.<\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Norbert Berthold zum 60sten Geburtstag am 11.9.2012 gewidmet<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. Wikipedia \u201eGeschichte des Skatspiels\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Ein Beitrag zu diesem Tema erschien als: Bl\u00fcmle, Gerold: Jeder will den Gigemaa; Das badische Nationalspiel Zego, in: Der badische Kalender, Lahrer Hinkender Bote 2013, Silberburg Verlag, 2012, S. 183 &#8211; 187<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Das bayrische Tarockspiel ist im strengen Sinne kein Tarockspiel, weil es nicht mit Tarockkarten gespielt wird.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Mayr, Wolfgang und Sedlaczek, Robert: Das gro\u00dfe Tarockbuch, Perlen-Reihe, ohne Jahres- und Verlagsan\u00adgabe (ISBN 3-85223-462-x), S. 24.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> B\u00fcchler, Frieder und Schultz, Klaus-J\u00fcrgen: Mit offenen Karten, Alte Spielkarten aus dem Augustinermuseum in Freiburg und aus Privatsammlungen, Katalog zur Ausstellung des Augustinermuseum in der Universit\u00e4tsbib\u00adliothek Freiburg vom 21.5.-4.7.2004, S. 190 \u2013 198.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> B\u00fcchler, Frieder und Schultz, Klaus-J\u00fcrgen: Mit offenen Karten, Alte Spielkarten aus dem Augustinermuseum in Freiburg und aus Privatsammlungen, Katalog zur Ausstellung des Augustinermuseum in der Universit\u00e4tsbib\u00adliothek Freiburg vom 21.5.-4.7.2004, S. 202 -240.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Was u.a. dem Verfasser die Freude am Skat verdorben hat.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Eine Ausnahme ist das \u201eHandspiel\u201c, bei welchen der Spieler den Blinden nicht aufnimmt, welches durch zus\u00e4tzli\u00adches Risiko h\u00f6here Steigerung erlaubt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Mit der Adresse <a href=\"http:\/\/www.cego.de\">www.cego.de<\/a> kann man im Internet entsprechende weitere Informationen erhalten.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Werturteil!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom \u00fcber Deutschland verbreiteten Skat berichtet eine erste Quelle aus dem Jahr 1813 und pr\u00e4gt den Begriff \u201eScat\u201c.[2] Es wird angenommen, dass sich das Spiel &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10178\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<b>Gastbeitrag <\/b><br \/>Skat oder Cego <br \/><b>ZentraleKoordination oder Spontane Ordnung. 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