{"id":10320,"date":"2012-10-09T00:01:24","date_gmt":"2012-10-08T23:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10320"},"modified":"2020-09-24T08:43:57","modified_gmt":"2020-09-24T07:43:57","slug":"gastbeitragdas-geschaftsmodell-deutschland-in-der-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10320","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Ordnungsruf <\/font><br>Das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland&#8220; in der Kritik"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft ist auf der \u00dcberholspur: Der starke Einbruch des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2009 ist \u00fcberwunden. Seinerzeit f\u00fchrte die Finanzkrise dazu, dass das deutsche BIP um 5,1% schrumpfte. Besonders betroffen war die Industrieproduktion. Sie brach hierzulande um 13,7% ein. Die deutsche Wirtschaft erholte sich jedoch z\u00fcgig und erreichte schnell wieder das Vorkrisenniveau. Auch die Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt war w\u00e4hrend und nach der Krise positiv: W\u00e4hrend in den meisten anderen Industriel\u00e4ndern die Arbeitslosigkeit im Zuge der Finanzkrise stark anstieg, blieb sie in Deutschland mit einem Zuwachs von 0,3 Prozentpunkten nahezu konstant. In den beiden folgenden Jahren 2010 und 2011 sank die Arbeitslosenquote deutlich und ist mittelweile europaweit eine der niedrigsten.<\/p>\n<p>Trotz der guten Performance ist das <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8912\">Gesch\u00e4ftsmodell Deutschland<\/a> nationaler und internationaler Kritik ausgesetzt. Allem voran wird kritisiert, dass das deutsche Wirtschaftswachstum stark von der Entwicklung des deutschen Au\u00dfenbeitrags abh\u00e4ngt (vgl. nachfolgende Abbildung). Die damit einhergehenden Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse werden insbesondere im Zuge der Eurokrise stark kritisiert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kul1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wachstumsbeitr\u00e4ge\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kul1.png\" alt=\"Wachstumsbeitr\u00e4ge\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>In dem Zeitraum 1970 bis einschlie\u00dflich 2011 wies Deutschland ein durchschnittliches j\u00e4hrliches reales BIP-Wachstum von 2,1% auf. Hiervon sind 1,8 Prozentpunkte auf eine gestiegene Binnennachfrage zur\u00fcckzuf\u00fchren und 0,3 Prozentpunkte auf die Ver\u00e4nderung des Au\u00dfenbeitrags.<\/p>\n<p>Um eine Vergleichbarkeit mit anderen L\u00e4ndern zu erm\u00f6glichen, wird das durchschnittliche j\u00e4hrliche BIP-Wachstum der betrachteten L\u00e4nder in der folgenden Abbildung auf 100% normiert. Die Wachstumsbeitr\u00e4ge der Binnennachfrage und des Au\u00dfenbeitrags werden als Anteile dargestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kul2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wachstumsbeitr\u00e4ge\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kul2.png\" alt=\"Wachstumsbeitr\u00e4ge\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Es zeigt sich, dass der Au\u00dfenbeitrag in Deutschland rund 13% zum j\u00e4hrlichen BIP-Wachstum beisteuerte. Dies ist mehr als in den anderen dargestellten L\u00e4ndern. In Gro\u00dfbritannien und den USA war der Wachstumsbeitrag des Au\u00dfenbeitrags negativ. Allerdings gibt es auch L\u00e4nder, die \u00e4hnlich hohe oder noch h\u00f6here Werte als Deutschland aufweisen. So trug der niederl\u00e4ndische Au\u00dfenbeitrag durchschnittlich 15% zum niederl\u00e4ndischen BIP-Wachstum bei. In Schweden waren es 21% und in Irland gar 31%.<\/p>\n<p>Betrachtet man lediglich die Jahre nach der Euroeinf\u00fchrung (1999-2008), nimmt der Wachstumsbeitrag des deutschen Au\u00dfenbeitrags sowohl relativ als auch absolut zu. Durchschnittlich 0,76 Prozentpunkte trug die Ver\u00e4nderung des Au\u00dfenbeitrags in diesem Zeitraum zum deutschen Wirtschaftswachstum von 1,58% bei. Somit ist nahezu die H\u00e4lfte des BIP-Wachstums in diesem Zeitraum auf eine Ver\u00e4nderung des Au\u00dfenbeitrags zur\u00fcckzuf\u00fchren (vgl. folgende Abbildung). Auch in Japan erkl\u00e4rt die Ver\u00e4nderung des Au\u00dfenbeitrags einen gro\u00dfen Teil des BIP-Wachstums. In den restlichen vier L\u00e4ndern beruht das BIP-Wachstum allein auf einer Ver\u00e4nderung der Binnennachfrage, da der Wachstumsbeitrag des Au\u00dfenbeitrags negativ ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kul3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wachstumsbeitr\u00e4ge\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kul3.png\" alt=\"Wachstumsbeitr\u00e4ge\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Eine Ursache f\u00fcr den hohen Anteil des Au\u00dfenbeitrags am deutschen Wirtschaftswachstum ist der hohe Industrieanteil, denn <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7809\">L\u00e4nder mit einem hohen Industrieanteil weisen in der Regel auch Export\u00fcbersch\u00fcsse auf<\/a>. Aktuell steuert das Verarbeitende Gewerbe hierzulande 21% zur Bruttowertsch\u00f6pfung bei (vgl. nachfolgende Abbildung). Der Anteil liegt damit teils merklich \u00fcber dem in vergleichbaren L\u00e4ndern. Es ist klar erkennbar, dass das Ausgangsniveau hierbei eine wesentliche Rolle spielt. So entspricht der deutsche Anteil des Verarbeitenden Gewerbes im Jahr 2010 ungef\u00e4hr dem von Frankreich im Jahr 1970, obgleich der Anteil in den vergangenen 40 Jahren hierzulande merklich gesunken ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kul4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Verarbeitendes Gewerbe\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kul4.png\" alt=\"Verarbeitendes Gewerbe\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig \u00fcberbieten sich nationale und internationale Organisationen mit Vorschl\u00e4gen, die darauf abzielen, die deutschen Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse und mithin den Beitrag des Au\u00dfenbeitrags zum deutschen Wirtschaftswachstum zu reduzieren.<\/p>\n<p>Die vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Ein Teil der Ma\u00dfnahmen zielt darauf ab, die Marktkr\u00e4fte zu st\u00e4rken und Hemmnisse, die sich durch staatliche Eingriffe und Regulierung ergeben, abzubauen. Ziel dieser Ma\u00dfnahmen ist es, dass die Allokation der Produktionsfaktoren durch den Markt koordiniert und nicht durch staatliche Vorgaben verzerrt wird. Solche Ma\u00dfnahmen st\u00e4rken also die Koordinierungsfunktion des Marktes und werden daher im Folgenden in die Gruppe <strong>\u201eMarktgetriebene Anpassung\u201c<\/strong> eingeordnet.<\/p>\n<p>Der andere Teil der Ma\u00dfnahmen sieht vor, die deutschen Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse durch politische Eingriffe abzubauen. Die Allokation der Produktionsfaktoren wird dabei nicht durch den Markt koordiniert, sondern durch die Politik gesteuert. Diese Ma\u00dfnahmen fordern also ein aktives Eingreifen der Politik in den Markt. Sie werden im Folgenden in die Gruppe <strong>\u201ePolitikgetriebene Steuerung\u201c<\/strong> eingeordnet (vgl. Tabelle).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kul5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Handlungsvorschl\u00e4ge\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kul5.png\" alt=\"Handlungsvorschl\u00e4ge\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Zahlreiche der in Tabelle 1 dargestellten Vorschl\u00e4ge sind insbesondere vor dem Hintergrund der Eurokrise zu sehen, da die deutschen Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse eng mit der Eurokrise verbunden sind (Vgl. <a href=\"http:\/\/www.cep.eu\/analysen-zur-eu-politik\/wirtschafts-und-stabilitaetspolitik\/cep-default-index\/\">Gerken\/Kullas, 2011<\/a>). Hierbei ist zu beachten, dass ein Abbau der deutschen Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse nur dann zur L\u00f6sung der Eurokrise beitr\u00e4gt, wenn er gegen\u00fcber anderen Euro-Staaten stattfindet. Findet der Abbau der deutschen Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse in erster Linie gegen\u00fcber Nicht-Euro-Staaten statt, kann dies die Eurokrise vielmehr verst\u00e4rken. So profitieren die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Euro-Staaten von den deutschen Exporten in Staaten au\u00dferhalb der Eurozone, denn deutsche Exporte des Verarbeitenden Gewerbes bestehen zu 38,1% aus importierten Vorleistungen. Ein Gro\u00dfteil davon wird aus den anderen Euro-Staaten importiert.<\/p>\n<p>Vergleicht man die beiden Spalten, wird schnell deutlich, dass der Markt entscheiden sollte, ob und inwieweit die deutschen Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse reduziert werden m\u00fcssen. Zwar haben die Marktakteure in den ersten zehn Jahren nach der Euroeinf\u00fchrung die Risiken insbesondere in den s\u00fcdeurop\u00e4ischen Mitgliedstaaten untersch\u00e4tzt und somit die nicht-nachhaltigen Handelsbilanzsalden innerhalb der Eurozone erm\u00f6glicht. Daraus sollte jedoch nicht die Schlussfolgerung gezogen werden, dass nun die Politik den Abbau der Salden steuern soll.<\/p>\n<p>Ein politikgetriebener Abbau der nicht-nachhaltigen Handelsbilanzsalden w\u00e4re ordnungspolitisch nur dann sachgerecht, wenn die Kapitalm\u00e4rkte solche Risiken systematisch falsch und die Politik systematisch richtig einsch\u00e4tzten. Dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr wurden die Risiken von beiden Akteuren untersch\u00e4tzt. Die Marktakteure haben ihre Einsch\u00e4tzung jedoch schneller und fr\u00fcher korrigiert als die Politik. Viele Politiker gingen in der Anfangsphase der Eurokrise davon aus, dass es sich um Spekulationen handelt, denen keine realwirtschaftliche Ursache zu Grunde l\u00e4ge. Sie waren daher schnell bereit, Griechenland zu deutlich g\u00fcnstigeren Konditionen Kapital zu leihen als private Akteure. Die j\u00fcngsten Spekulationen \u00fcber einen zweiten griechischen Schuldenschnitt belegen jedoch, dass die staatlich bereitgestellten Kredite zu Konditionen vergeben wurden, die das griechische Ausfallrisiko nicht ad\u00e4quat widerspiegeln. Die F\u00e4higkeit des Marktes, Fehleinsch\u00e4tzungen schnell zu korrigieren und rasch auf ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen zu reagieren, ist ein erster Grund, weshalb der Markt \u2013 und nicht die Politik \u2013 einen Abbau der nicht-nachhaltigen Handelsbilanzsalden koordinieren sollte.<\/p>\n<p>Eine marktliche Koordinierung weist im Vergleich zu einem politikgesteuerten Abbau der nicht-nachhaltigen Handelsbilanzsalden einen zweiten Vorteil auf: Es ist sichergestellt, dass solche Salden tats\u00e4chlich abgebaut werden. Die Schwierigkeiten eines politikgesteuerten Abbaus werden bei einem Blick auf den Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt deutlich. Dieser war noch nicht einmal in der Lage, die \u00f6ffentlichen Haushaltsdefizite der Mitgliedstaaten abzubauen. Ernsthafte Sparbem\u00fchungen wurden erst dann eingeleitet, als die Zinsen f\u00fcr die staatliche Schuldenaufnahme in die H\u00f6he schnellten. \u00dcbertr\u00e4gt man dieses Beispiel auf den deutlich schwierigeren \u2013 da mit realwirtschaftlichen Reformen verbundenen \u2013 Abbau der nicht-nachhaltigen Handelsbilanzsalden, wird klar, dass der Markt besser geeignet ist, dieses Ziel zu erreichen.<\/p>\n<p>Um einen marktgetriebenen Abbau nicht-nachhaltiger Handelsbilanzsalden zu unterst\u00fctzen, m\u00fcssen hierzulande<\/p>\n<ul>\n<li>bestehende Investitionshemmnisse beseitigt werden,<\/li>\n<li>die \u00f6ffentliche Bildungs-, Forschungs- und Verkehrsinfrastruktur branchenneutral verbessert werden,<\/li>\n<li>die Erwerbst\u00e4tigkeit erh\u00f6ht werden und<\/li>\n<li>der Dienstleistungssektor dereguliert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Erfolg dieser Ma\u00dfnahmen h\u00e4ngt wesentlich vom unternehmerischen Engagement ab. Denn letztlich sind es Unternehmer, die investieren, neue Produkte oder Prozesse entwickeln, Arbeitnehmer einstellen und neue M\u00e4rkte erschlie\u00dfen. Der Wirkungsgrad der genannten Ma\u00dfnahmen kann somit vervielfacht werden, wenn Hemmnisse f\u00fcr unternehmerisches Engagement abgebaut werden. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere b\u00fcrokratische Hemmnisse und die geringe Flexibilit\u00e4t des deutschen Arbeitsmarktes.<\/p>\n<p>Nicht geeignet zum Abbau der nicht-nachhaltigen Handelsbilanzsalden sind<\/p>\n<ul>\n<li>eine expansive Fiskalpolitik,<\/li>\n<li>deutschlandweite oder gar gesamteurop\u00e4ische Eingriffe in den Lohnfindungsprozess und<\/li>\n<li>eine staatliche F\u00f6rderung einzelner Dienstleistungsbereiche.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine expansive Fiskalpolitik ist kein geeignetes Mittel, da die staatlichen Ausgaben schlicht zu klein sind, um wesentliche Effekte erreichen zu k\u00f6nnen. Denn von steigenden deutschen Staatsausgaben profitieren in erster Linie L\u00e4nder, aus denen Deutschland viele Importe bezieht. Die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Krisenstaaten geh\u00f6ren nicht dazu. Der Sachverst\u00e4ndigenrat kommt in einer Simulation zu dem Ergebnis, dass ein schuldenfinanzierter Anstieg der \u00f6ffentlichen Ausgaben in Deutschland um ein Prozent zu einer Verringerung des griechischen Leistungsbilanzdefizits im Umfang von 0,05 Prozentpunkten f\u00fchrt. Ein vernachl\u00e4ssigbarer Wert, wenn man bedenkt, dass das griechische Leistungsbilanzdefizit im vergangenen Jahr bei 9,8% des griechischen BIP lag. Hinzu kommt, dass eine solche expansive Fiskalpolitik langfristig nicht haltbar w\u00e4re, da dadurch der deutsche Schuldenstand weiter ansteigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Forderung, die L\u00f6hne in Deutschland zu erh\u00f6hen, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zwischen den Euro-Staaten anzugleichen, wird ebenfalls nicht zu einem Abbau der nicht-nachhaltigen Handelsbilanzsalden in der Eurozone beitragen. Grund hierf\u00fcr ist, dass die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Euro-Staaten zum gro\u00dfen Teil standardisierte G\u00fcter herstellen und mithin nicht in direkter Konkurrenz zu deutschen Unternehmen stehen. Vielmehr profitieren die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten aufgrund von deutschen Vorleistungsimporten von der hohen deutschen Wettbewerbsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Nicht-Euro-Staaten. Lohnsteigerungen in Deutschland haben daher keine positiven Auswirkungen auf die Handelsbilanzdefizite der s\u00fcdeurop\u00e4ischen Euro-Staaten.<\/p>\n<p>Auch eine politische Steuerung des Strukturwandels hierzulande durch die F\u00f6rderung einzelner Dienstleistungsbereiche ist nicht geeignet, die gegenw\u00e4rtigen Probleme zu l\u00f6sen. Denn dahinter steht die \u00dcberzeugung, im Voraus \u00fcber das Wissen zu verf\u00fcgen, welchem Sektor, welchem Bereich, welcher Technologie oder gar welchem Unternehmen zur Steigerung des Allgemeinwohls zum Wachstum verholfen werden muss. Aus ordnungspolitischer Sicht ist dies eine Anma\u00dfung von Wissen, da politische Entscheidungstr\u00e4ger vorgeben, \u00fcber Wissen zu verf\u00fcgen, dass sie tats\u00e4chlich nicht haben.<\/p>\n<p>Welche Bereiche zur F\u00f6rderung \u201eauserw\u00e4hlt\u201c werden, h\u00e4ngt zudem in gro\u00dfem Umfang von der F\u00e4higkeit der Branchenvertreter ab, politische Entscheidungen zu beeinflussen oder aber von der Klientel-Politik eines Politikers, der sich damit seine Wiederwahl sichern m\u00f6chte. Die Auswahl ist daher regelm\u00e4\u00dfig willk\u00fcrlich. Sie ist mit einer \u201eFehllenkung\u201c von knappen Ressourcen (wie Kapital oder menschliches Know-how) verbunden und f\u00fchrt somit in der Regel zu Wachstumsverzicht.<\/p>\n<p>Nicht nur theoretische \u00dcberlegungen, auch zahlreiche praktische Beispiele belegen, dass politische Entscheidungstr\u00e4ger hierbei in der Regel falsch liegen. Zu nennen sind hier die staatliche F\u00f6rderung des Cargolifters, des N\u00fcrburgrings oder des Transrapids. Die selektive F\u00f6rderung einzelner Absatzm\u00e4rkte oder Technologien unter Verwendung von Steuergeldern ist daher abzulehnen.<\/p>\n<p>Alles in allem zeigt sich, dass es auch in der gegenw\u00e4rtigen Situation sinnvoll ist, die Marktkr\u00e4fte hierzulande zu st\u00e4rken. Die Finanz- und auch die Eurokrise haben zwar deutlich gezeigt, dass sich Marktakteure irren k\u00f6nnen. Hieraus sollte jedoch nicht der Schluss gezogen werden, dass nun die Politik das Heft in die Hand nehmen sollte. Die Lernf\u00e4higkeit des Marktes, also die F\u00e4higkeit Fehleinsch\u00e4tzungen schnell zu korrigieren, f\u00fchrt dazu, dass der Markt der Politik noch immer \u00fcberlegen ist.<\/p>\n<p><strong>Hinweis: <\/strong>Der Beitrag ist die Kurzfassung einer Studie f\u00fcr das <strong>1. Ordnungspolitische Kolloquium<\/strong> (&#8222;Zukunftsf\u00e4higkeit des Gesch\u00e4ftsmodells Deutschland&#8220;) der <a href=\"http:\/\/www.impuls-stiftung.de\/\">Impuls-Stiftung des VDMA<\/a>, das am 18. und 19. September 2012 im Kloster Neresheim stattfand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft ist auf der \u00dcberholspur: Der starke Einbruch des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2009 ist \u00fcberwunden. 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