{"id":10352,"date":"2012-10-11T00:01:00","date_gmt":"2012-10-10T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10352"},"modified":"2012-10-10T16:52:53","modified_gmt":"2012-10-10T15:52:53","slug":"deutscher-ausenhandel-spurt-die-staatsschuldenkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10352","title":{"rendered":"Deutscher Au\u00dfenhandel sp\u00fcrt die Staatsschuldenkrise"},"content":{"rendered":"<p>Die Staatsschuldenkrise in einer Reihe europ\u00e4ischer L\u00e4nder hat die deutsche Wirtschaft erreicht. Der Gedanke, das Wirtschaftsleben der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Volkswirtschaft k\u00f6nne sich gegen die Verwerfungen in den Staats- und Bankenbilanzen immunisieren, war von vornherein abwegig. W\u00e4hrend der Konsum nach wie vor die deutsche Wirtschaft antreibt, zeigen sich vor allem bei der Investitionst\u00e4tigkeit im Inland und teilweise auch beim deutschen Au\u00dfenhandel merkliche Schleifspuren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Insgesamt betrachtet ist zwar der deutschen Au\u00dfenhandel bislang vergleichsweise gut \u00fcber die Runden gekommen (siehe folgende Abbildung): Die Ausfuhren von Waren, auf die gut 85 Prozent der deutschen Exporte entfallen, legten in den ersten beiden Quartalen 2012 jeweils gegen\u00fcber dem Vorquartal deutlich zu. Seit dem zweiten Quartal 2009 zeigt sich ein fast ununterbrochener Aufw\u00e4rtstrend und bereits im vierten Quartal 2010 wurden die Einbr\u00fcche infolge der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise wieder ausgeglichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gro1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wareneinfauhren und Warenausfuhren\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gro1.png\" alt=\"Wareneinfauhren und Warenausfuhren\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Werden die Warenausfuhren (auf Basis der Zahlungsbilanzstatistik) vom Vorjahr als Bezugsgr\u00f6\u00dfe genommen, dann ergibt sich f\u00fcr die ersten sieben Monate dieses Jahres ein Plus in H\u00f6he von 5,4 Prozent. Sicherlich fallen die Zuw\u00e4chse nunmehr geringer aus als in den Jahren 2010 (18,5 Prozent) und 2011 (11,4 Prozent). Dabei muss allerdings auch bedacht werden, dass diese beiden Jahre von den Erholungseffekten nach dem Exporteinbruch des Jahres 2009 gepr\u00e4gt waren. Da die nominalen Importe in den ersten sieben Monaten 2012 mit einem schw\u00e4cheren Tempo zulegten und die Importbilanz der ersten sieben Monate 2012 im Vorjahresvergleich mit einem Plus in H\u00f6he von 2,3 Prozent schw\u00e4cher ausfiel als bei den Exporten, konnte der Au\u00dfenbeitrag zuletzt deutlich zulegen. Damit war bislang die Au\u00dfenwirtschaft entgegen fr\u00fcheren Erwartungen f\u00fcr das Jahr 2012 auch weiterhin ein Garant f\u00fcr das gesamtwirtschaftliche Wachstum.<\/p>\n<p>Die Staatsschuldenkrise hat sich aber nur auf den ersten Blick nicht negativ auf den deutschen Au\u00dfenhandel und auf das Wirtschaftswachstum hierzulande ausgewirkt (folgende Tabelle): Beim Blick auf den nominalen Warenhandel (auf Basis der Zahlungsbilanzstatistik) ergab sich f\u00fcr die ersten sieben Monate 2012 der bereits angesprochene Zuwachs gegen\u00fcber dem Vorjahr in H\u00f6he von 5,4 Prozent. Dieses Plus speiste sich allerdings in erster Linie aus der guten Ausfuhrt\u00e4tigkeit in die L\u00e4nder au\u00dferhalb des Euroraums. So wurde mit den L\u00e4ndern Asiens ein Zuwachs von mehr als 10 Prozent erwirtschaftet. Die Warenausfuhren in die USA stiegen sogar um gut 20 Prozent an. Auch mit den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, die nicht zum Euroraum geh\u00f6ren, konnten insgesamt leicht \u00fcberdurchschnittliche Zuw\u00e4chse verbucht werden. Auf diese L\u00e4nder entfallen mittlerweile \u00fcber 30 Prozent der deutschen Warenausfuhren. Dagegen gingen die deutschen Ausfuhren in die L\u00e4nder des Euroraums in den ersten sieben Monaten des Jahres 2012 gegen\u00fcber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 0,7 Prozent zur\u00fcck. Die r\u00fcckl\u00e4ufigen Wirtschaftsaktivit\u00e4ten in einer Reihe europ\u00e4ischer L\u00e4nder haben sich also bereits negativ in der deutschen Exportbilanz niedergeschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gro2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Warenhandel\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gro2.png\" alt=\"Warenhandel\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Auftragseing\u00e4nge der deutschen Industrie aus dem Ausland haben diese Entwicklung angedeutet (folgende Abbildung): W\u00e4hrend die Auslandsauftr\u00e4ge aus den L\u00e4ndern, die nicht zum Euroraum geh\u00f6ren, von Herbst 2011 bis Fr\u00fchjahr 2012 merklich anstiegen, war bei den Bestellungen der L\u00e4nder des Euroraums von Jahresmitte 2011 bis Fr\u00fchjahr 2012 ein durchgehender und vor allem kr\u00e4ftiger R\u00fcckgang zu beobachten. Die aktuellen Werte geben Hinweise auf eine Stabilisierung auf einem niedrigen Niveau mit Blick auf den Euroraum. Zudem signalisieren die Auftragseing\u00e4nge aber auch, dass sich die Dynamik, die bislang aus den L\u00e4ndern au\u00dferhalb des Euroraums kam, zun\u00e4chst nicht weiter fortgesetzt hat. Die Auftragsentwicklung l\u00e4sst somit f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenhandel keine weitere Dynamik erkennen. Die bisher zu beobachtenden ausgleichenden Effekte durch den Handel mit L\u00e4ndern au\u00dferhalb Europas sind demnach erst einmal nicht mehr zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gro3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Auftragseing\u00e4nge\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gro3.png\" alt=\"Auftragseing\u00e4nge\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Welche kurz- bis mittelfristigen Erwartungen k\u00f6nnen an den deutschen Au\u00dfenhandel gestellt werden? Die Konjunkturforscher gehen mehrheitlich davon aus, dass im kommenden Jahr die Weltkonjunktur wieder etwas an Tempo zulegen wird. Dies wird den deutschen Au\u00dfenhandel dann auch auf Wachstumskurs halten, aber zun\u00e4chst mit einem deutlich abgeschw\u00e4chten Expansionstempo. Beim Welthandel d\u00fcrften auch weiterhin \u2013 trotz der Auftragsentwicklung am aktuellen Rand \u2013 die st\u00e4rksten Au\u00dfenhandelsimpulse aus den aufstrebenden Volkswirtschaften kommen. Die Investitionst\u00e4tigkeit in diesen L\u00e4ndern wurde im Gegensatz zur Finanzmarktkrise des Jahres 2008 nicht in Mitleidenschaft gezogen. Vor vier Jahren sorgte die Bankenkrise f\u00fcr eine hohe Verunsicherung bei der Finanzierung von Sachinvestitionen in vielen L\u00e4ndern. Dies ist gegenw\u00e4rtig nicht der Fall. Damit wird auch der globale Investitionszyklus, der in starker Weise von den aufstrebenden Volkswirtschaften getragen wird, nicht in dem damaligen Ausma\u00df beeintr\u00e4chtigt. Allerdings werden die weiterhin von den Konsolidierungen gepr\u00e4gten L\u00e4nder des Euroraums die deutsche Exportwirtschaft nur in einem sehr begrenzten Umfang beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gro4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wechselkurs\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gro4.png\" alt=\"Wechselkurs\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Mit Blick auf die Entwicklung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit der deutschen Exportwirtschaft gibt es ein gemischtes Bild:<\/p>\n<ul>\n<li>Zum einen hat die Entwicklung der Wechselkurse die Exportt\u00e4tigkeit der deutschen Wirtschaft in letzter Zeit auf breiter Front beg\u00fcnstigt. Gegen\u00fcber den meisten W\u00e4hrungen, die in Abbildung 3 aufgef\u00fchrt sind, hat der Euro im Jahresverlauf 2012 deutlich an Wert verloren. Gegen\u00fcber den W\u00e4hrungen von Kanada, USA, Hongkong, Singapur, Japan, Australien und China hat der Euro im Vergleich August 2012 mit dem Jahresdurchschnitt 2011 um deutlich mehr als 10 Prozent abgewertet. Lediglich gegen\u00fcber dem brasilianischen Real, der indischen Rupie, der tschechischen Krone und dem s\u00fcdafrikanischen Rand waren Aufwertungen zu verzeichnen. Offensichtlich haben die Unsicherheiten im Gefolge der Staatsschuldenkrisen in einer Reihe von L\u00e4ndern des Euroraums diese Bewegungen im globalen W\u00e4hrungsgef\u00fcge ausgel\u00f6st. Es darf dabei auch nicht \u00fcbersehen werden, dass einige L\u00e4nder \u2013 wie zum Beispiel die Schweiz \u2013 ihre W\u00e4hrung an den Euro gekettet haben.<\/li>\n<li>Zum anderen sind die Lohnst\u00fcckkosten der deutschen Industrie wieder kr\u00e4ftig angestiegen. Im ersten Halbjahr 2012 lagen sie um 3,5 Prozent \u00fcber dem entsprechenden Vorjahreswert \u2013 und um fast 10 Prozent \u00fcber dem Wert des ersten Halbjahres 2008. In den letzten Jahren waren die Lohnst\u00fcckkosten zun\u00e4chst heftig angestiegen und dann auch wieder deutlich gesunken: Im Jahr 2009 lagen die Lohnst\u00fcckkosten der Industrie um mehr als 20 Prozent \u00fcber dem Vorjahreswert. Dies war die Folge der nahezu stabilen Besch\u00e4ftigung bei gleichzeitig stark einbrechender Produktion. In den Jahren 2010 und 2011 konnte dieses Kostenhandikap fast, aber nicht ganz beseitigt werden. Der erneute Anstieg belastet nun die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit der deutschen Exportwirtschaft \u2013 in einem von einer schw\u00e4cheren Nachfrage gepr\u00e4gten Umfeld.<\/li>\n<\/ul>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Staatsschuldenkrise in einer Reihe europ\u00e4ischer L\u00e4nder hat die deutsche Wirtschaft erreicht. 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