{"id":10378,"date":"2012-11-01T08:39:58","date_gmt":"2012-11-01T07:39:58","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10378"},"modified":"2012-11-01T08:39:58","modified_gmt":"2012-11-01T07:39:58","slug":"der-wettbewerb-der-staaten-und-die-freiheit-und-vielfalt-der-religion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10378","title":{"rendered":"Der Wettbewerb der Staaten und die Freiheit und Vielfalt der Religion"},"content":{"rendered":"<p>Auf Adam Smith geht die Einsicht zur\u00fcck, dass sich Monopole nur dann \u00fcber l\u00e4ngere Zeit halten k\u00f6nnen, wenn sie vom Staat durchgesetzt werden:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eThe monopolists \u2026 sell their commodities much above the natural price \u2026 Such enhancements of the market price may last as long as the regulations of police which give occasion to them\u201c (The Wealth of Nations, Bk. 1, Ch. VII, pp. 69f.).<\/p><\/blockquote>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr Religionsmonopole. Je m\u00e4chtiger der Herrscher, der Staat, desto gr\u00f6\u00dfer die Wahrscheinlichkeit einer Staatsreligion. Aber Religionen \u2013 wie die meisten kollektiven Ph\u00e4nomene \u2013 verf\u00fcgen \u00fcber ein enormes Beharrungsverm\u00f6gen. Sie k\u00f6nnen Bedingungen widerspiegeln, die mehrere Jahrhunderte zur\u00fcckliegen. Deshalb empfiehlt es sich, nicht Zust\u00e4nde, sondern Ver\u00e4nderungen zu erkl\u00e4ren. Sind Religionsmonopole vor allem in Gro\u00dfreichen entstanden, von besonders m\u00e4chtigen Herrschern eingef\u00fchrt worden? Betrachten wir einige historische Beispiele.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nach der Vereinigung von Unter- und Ober\u00e4gypten setzten die m\u00e4chtigsten Pharaonen des Alten Reichs (Djoser, Cheops und Chephren) eine neue, eine Staatsreligion durch, ebenso sp\u00e4ter Pharao Echnaton, einer der \u00fcberragenden Herrscher des Neuen Reichs.<\/p>\n<p>Im persischen Gro\u00dfreich f\u00fchrte Darius \u2013 der gro\u00dfe Zentralisierer und m\u00e4chtigste Herrscher aus dem Haus der Ach\u00e4meniden \u2013 die Lehre des Zarathustra ein, und die Sassaniden erkl\u00e4rten sie zur alleinigen Staatsreligion.<\/p>\n<p>Im alten Rom war zun\u00e4chst der K\u00f6nig Oberhaupt der Staatsreligion. Die Errichtung der Republik f\u00fchrte zur Trennung von Kirche und Staat. Nach dem Zusammenbruch der Republik f\u00fchlten sich zahlreiche Herrscher berufen, die r\u00f6mische Religion zu ver\u00e4ndern. Caesar (42 v. Chr.) und Augustus (7 v. Chr.) er\u00f6ffneten den Kaiserkult, Commodus (180-93) und vor allem Diocletian (284-305) propagierten die Mithras-Religion, Elagabalus (218-222) setzte sich f\u00fcr den Steinkult ein und Konstantin I. (324-337) f\u00f6rderte das Christentum. Keine dieser \u201eStaatsreligionen\u201c war jedoch mit einem Verbot der alten r\u00f6mischen Religion verbunden. Konstantin lie\u00df jedem, der sich taufen lie\u00df, zwanzig Goldst\u00fccke zahlen. Pers\u00f6nlich leitete er die Konzile und Gro\u00dfen Synoden und ging rigoros gegen Abweichler vor. Aber erst auf dem Totenbett trat er offiziell zum Christentum \u00fcber. Dass er einer der m\u00e4chtigsten Kaiser war, kann man schon daran sehen, dass er in der Lage war, die Reichshauptstadt vom angestammten Rom nach Konstantinopel zu verlegen. Im Jahr 341 schlie\u00dfen seine S\u00f6hne Constantius und Constans die r\u00f6mischen Tempel und verbieten den r\u00f6mischen Gottesdienst. Mit Julian Apostata (361-363) schl\u00e4gt das Pendel noch einmal kurz zur\u00fcck, aber 382 konfiszieren Gratian und Theodosius I. die L\u00e4ndereien und das Verm\u00f6gen der heidnischen Tempel und erkl\u00e4ren das Christentum endg\u00fcltig zur alleinigen und verbindlichen Staatsreligion.<\/p>\n<p>Im Frankenreich wurde das Christentum von dem m\u00e4chtigsten Merowinger, Chlodwig I. (481-511), \u00fcbernommen und von Karl dem Gro\u00dfen (768-814) als monopolistische Staatsreligion durchgesetzt. Dabei war das Christentum zun\u00e4chst auf die herrschende Klasse beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Im Mittelalter zeigte sich, dass eine staatstragende, d.h., Herrschaft legitimierende Religion wie das r\u00f6mische Christentum auch \u00fcber mehrere Jahrhunderte von einem Machtkartell der F\u00fcrsten aufrecht erhalten werden kann. Aber Kartelle sind br\u00fcchiger als Monopole, denn fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ist es im Interesse eines Beteiligten, aus dem Kartell auszubrechen und den Machtanspruch der Anderen zu unterbieten. Deshalb ist es kein Wunder, dass sich die Religionsfreiheit der Neuzeit im politisch fragmentierten Europa entwickelte und dass das freiere Denken in religi\u00f6sen Fragen vor allem dort einsetzte, wo der Wettbewerb der Staaten am ausgepr\u00e4gtesten war: in den Stadtstaaten Oberitaliens (Humanismus) und in den St\u00e4dten und Kleinstaaten Deutschlands (Reformation).<\/p>\n<p>Zur Unterdr\u00fcckung religi\u00f6ser Minderheiten kam es nicht selten dann, wenn die Macht der Herrscher zunahm. In Spanien f\u00fchrte die Vereinigung von Kastilien und Aragon (1479) zur Gr\u00fcndung der Inquisition (1480) und zur Vertreibung der Juden (1492), in Frankreich der Absolutismus Ludwigs XIV. zur Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) und zur Vertreibung der Hugenotten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Juden war die politische und dann konfessionelle Fragmentierung Europas und Deutschlands ein Gl\u00fccksfall. Sie konnten dorthin wandern, wo sie am wenigsten diskriminiert wurden, und manche Herrscher waren ihnen durchaus wohlgesonnen. Meist wurden sie in den protestantischen L\u00e4ndern besser behandelt als in den katholischen. Man vergleiche zum Beispiel Friedrich den Gro\u00dfen in Preu\u00dfen und Maria-Theresia in \u00d6sterreich. Der r\u00f6misch-katholische Alleinvertretungsanspruch traf auch die Juden.<\/p>\n<p>Im letzten Jahrhundert schlie\u00dflich wurden alle Religionen in den kommunistischen Gro\u00dfreichen (Sowjetunion, China) unterdr\u00fcckt. Die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion ging mit einer Rehabilitation der orthodoxen Kirche und der Wiederherstellung der Religionsfreiheit einher.<\/p>\n<p>Die chinesische Religionsgeschichte liefert jedoch keine Beispiele daf\u00fcr, dass besonders m\u00e4chtige Herrscher Staatsreligionen einf\u00fchrten, die f\u00fcr alle Untergebenen verbindlich waren. Zwar wurde der Konfuzianismus unter den Han, Song, Ming und Qin f\u00fcr die Staatsbeamten verbindlich, und unter den Tang traten Kaiser und Hof zum Buddhismus \u00fcber. Ansonsten bestand jedoch Religionsfreiheit. Taoismus und Ahnenkult waren weit verbreitet, und selbst das Christentum war bis 1705 erlaubt.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich war es in Japan. Das Christentum wurde im Rahmen der \u201eReichseinigung\u201c ab 1612 schrittweise verboten, zumal mehrere Regionalf\u00fcrsten zum Christentum \u00fcbergetreten waren. Als das Kaiserhaus 1868 die Shoguns entmachtete (Meiji Restauration), erkl\u00e4rte es den Shintoismus zur Staatsreligion, aber schon 1889 kehrte es zur Religionsfreiheit und \u2013neutralit\u00e4t zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Erkl\u00e4ren kann man die urspr\u00fcnglich gr\u00f6\u00dfere religi\u00f6se Toleranz in Ostasien mit der Art der Religionen, die zur Wahl standen. Der Konfuzianismus ist im wesentlichen eine Ethik. Sie predigt Disziplin und Gehorsam und bietet den Kaisern die M\u00f6glichkeit einer kosmischen Legitimation, aber es fehlt der transzendentale Anspruch. Konfutses \u201eHimmel\u201c ist kein Jenseits, sondern die kosmische Ordnung. Der Buddhismus hat zwar eine transzendentale Dimension, ist aber eine Religion ohne Gott. Weder der Konfuzianismus noch der Buddhismus ist eine Offenbarungsreligion. Aus diesen Gr\u00fcnden waren beide leicht mit anderen Glaubensinhalten zu vereinbaren. Die Andersgl\u00e4ubigkeit war keine Herausforderung der kaiserlichen Macht, obwohl diese gr\u00f6\u00dfer als in Europa war.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend also Staats- und Monopolreligionen typischerweise von Herrschern gro\u00dfer Reiche eingef\u00fchrt wurden, erleichtern die politische Fragmentierung und der Wettbewerb zwischen den Staaten die religi\u00f6se Liberalisierung. F\u00fcr das Europa der Neuzeit ist diese These bereits bei Immanuel Kant zu finden:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eJetzt sind die Staaten schon in einem so k\u00fcnstlichen Verh\u00e4ltnisse gegeneinander, dass keiner in der inneren Kultur nachlassen kann, ohne gegen die anderen an Macht und Einfluss zu verlieren \u2026 B\u00fcrgerliche Freiheit kann jetzt auch nicht sehr wohl angetastet werden, ohne den Nachteil davon in allen Gewerben \u2026 zu f\u00fchlen. Diese Freiheit geht aber allm\u00e4hlich weiter \u2026 Daher wird \u2026 die allgemeine Freiheit der Religion nachgegeben; und so entspringt allm\u00e4hlich\u2026 Aufkl\u00e4rung als ein gro\u00dfes Gut\u201c (Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltb\u00fcrgerlicher Absicht, 1795).<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach Kant beg\u00fcnstigt der Wettbewerb der Staaten also nicht nur die Freiheit der Religion, er beeinflusst auch die Inhalte der Religion: er f\u00f6rdert die religi\u00f6se Aufkl\u00e4rung. Hat er noch weitere inhaltliche Auswirkungen?<\/p>\n<p>Die religi\u00f6sen Bed\u00fcrfnisse der Menschen sind sehr verschieden. Die einen suchen in erster Linie Hilfe im Diesseits, die anderen Belohnung im Jenseits. Im Diesseits erflehen die einen Beistand in der Not oder Hilfe zum Sieg; anderen geht es um moralische Orientierung oder die Erkl\u00e4rung der Welt. Im Christentum identifizieren sich die Frauen eher mit Maria, die M\u00e4nner eher mit Jesus. F\u00fcr verschiedene Probleme gibt es verschiedene Schutzheilige, die auch lokal verortet sein k\u00f6nnen. Im Altertum hatten viele St\u00e4dte ihre eigenen Schutzg\u00f6tter. Da die Nachfrage so heterogen ist, w\u00fcrde der \u00d6konom erwarten, dass auch das Angebot vielgestaltig ist, solange der Staat keine Beschr\u00e4nkungen einf\u00fchrt. Auch diese Hypothese findet sich bereits bei Adam Smith:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBut if politics had never called in the aid of religion \u2026, there would in this case, no doubt, have been a great multitude of religious sects\u201c (The Wealth of Nations, Bk. 5, Ch. I, p. 314).<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Markt ist nur dann im Gleichgewicht, wenn entweder \u2013 wie in den USA und Japan \u2013 eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Religionen, Konfessionen oder Sekten existiert oder die gemeinsame Religion eine Vielzahl von G\u00f6ttern, Heiligen oder Interpretationsm\u00f6glichkeiten aufweist. Der Wettbewerb der Staaten \u2013 da er den staatlichen Eingriffen Schranken setzt \u2013 m\u00fcsste daher mit Polytheismus oder zumindest einem gro\u00dfen Variantenreichtum verbunden sein, w\u00e4hrend die m\u00e4chtigen Herrscher der Gro\u00dfreiche \u2013 wie gesehen \u2013 die Religion vereinheitlichen und ihren eigenen Zwecken nutzbar machen. Im Extremfall versuchen sie, ihre Macht zu legitimieren, indem sie sich selbst zum Gott erkl\u00e4ren (Theokratie). Oder sie behaupten gottgleich zu sein. Oder sie nehmen f\u00fcr sich in Anspruch, der einzige Mittler zwischen Gott und den Gl\u00e4ubigen zu sein (Hierokratie). Oder sie behaupten zumindest, von Gott eingesetzt zu sein (Gottesgnadentum). Am wirksamsten k\u00f6nnen sie ihre Untertanen disziplinieren, wenn es in ihrer Staatsreligion einen einzigen, allm\u00e4chtigen und strafenden Gott gibt. Wir w\u00fcrden daher erwarten, dass der Polytheismus eher aus einer Zeit des Staatenwettbewerbs stammt, w\u00e4hrend der Monotheismus eher in Gro\u00dfreichen eingef\u00fchrt wird. Die verschiedenen Herrscher und Staaten k\u00f6nnten auch auf dem Gebiet der Religion miteinander konkurriert haben. Werden diese Hypothesen durch die geschichtliche Erfahrung gest\u00fctzt?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst lohnt es sich, den Wettbewerb unter den sumerischen Stadtstaaten und das \u00c4gypten der Pharaonen miteinander zu vergleichen. Die Religion der Sumerer war ausgepr\u00e4gt polytheistisch, und die Tempel der verschiedenen Stadtstaaten standen in lebhaftem Wettbewerb miteinander. Die sumerischen Stadtk\u00f6nige waren zwar eng mit ihren Priestern liiert und behaupteten, den G\u00f6ttern gleich zu sein. Aber die \u00e4gyptischen Pharaonen gingen noch weiter und nahmen f\u00fcr sich in Anspruch, selbst G\u00f6tter zu sein. Zwar ist die Religion auch in \u00c4gypten zun\u00e4chst polytheistisch, aber die Pharaonen bestimmen die Glaubensinhalte. Zum Beispiel setzt Pharao Djoser im 3. Jahrtausend v. Chr. den Jenseitsglauben durch. Wenig sp\u00e4ter wird der Sonnengott Re zur nationalen und obersten Gottheit erkl\u00e4rt. Im Neuen Reich weckt der enorme Reichtum der Re-Amun-Tempel in Theben Begehrlichkeiten bei Pharao Amenophis III. und seinem Sohn Echnaton. Echnaton enteignet die Priesterschaft und f\u00fchrt als erster den Monotheismus oder zumindest die Monolatrie ein. (In der Monolatrie wird nur ein Gott verehrt, aber nicht bestritten, dass es noch andere G\u00f6tter gibt oder geben k\u00f6nnte.) Verehrt wird nur noch der Sonnengott Aton, und einziger Mittler zwischen ihm und dem \u00e4gyptischen Volk ist Echnaton.<\/p>\n<p>Nach Echnatons Tod wandert das Volk Israel aus \u00c4gypten aus. Es wird von seinem \u00fcberragenden F\u00fchrer Moses zur Monolatrie angehalten. Moses bringt Gottes Gesetze vom Berg Sinai. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott (Jahwe) und dem auserw\u00e4hlten Volk. Jahwe ist anders als Aton auch Sch\u00f6pfer der Welt. Dennoch ist die Parallele zu Echnaton offensichtlich. Deshalb haben Sigmund Freud (1939) und Jan Assmann (1997) die Hypothese aufgestellt, dass Moses entscheidend von Echnaton beeinflusst \u2013 vielleicht sogar selbst \u00c4gypter \u2013 war. Der \u00dcbergang zum strikten Monotheismus wird auf das Jahr 621 v. Chr. datiert, als K\u00f6nig Josiah \u2013 nach dem Zusammenbruch des Assyrerreichs \u2013 alle fremden G\u00f6tter aus dem Tempel entfernen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Lehre des Zarathustra, die die persischen Gro\u00dfk\u00f6nige zur Staatsreligion machten, unterscheidet zwischen dem einen Gott (Ahura Mazda) und dem Teufel (Angra Mainyu) und darf daher ebenfalls als monotheistisch oder monolatrisch klassifiziert werden. Wer dem Teufel folgt, kommt ins H\u00f6llenfeuer, kann aber von Gott gerettet werden.<\/p>\n<p>Die polytheistische hinduistische Religion entwickelte sich in Indien zu einer Zeit, in der das Land nicht geeint war.<\/p>\n<p>Im antiken Griechenland und in Kleinasien herrschte ein lebhafter Wettbewerb der St\u00e4dte. Dadurch wurde die Macht der Herrscher begrenzt. Manche gingen sogar \u2013 wie Athen \u2013 zu einer (Konsens-) Demokratie \u00fcber. (In der Solonischen Demokratie unterlag die Gesetzgebung der mit Mehrheit entscheidenden Volksversammlung immer der Normenkontrolle durch den vom Adel beherrschten Areopag.) Die Religion der alten Griechen war polytheistisch, und die G\u00f6tter \u2013 teilweise mit bestimmten St\u00e4dten assoziiert \u2013 stritten miteinander wie die St\u00e4dte. Wie in \u00c4gypten vor und nach Echnaton gab es jedoch \u00fcber- und untergeordnete G\u00f6tter \u2013 genau wie es f\u00fchrende und gef\u00fchrte St\u00e4dte gab. Die Zeit Alexanders des Gro\u00dfen war wohl zu kurz, um eine Abkehr vom Polytheismus zu bewirken. Aber Alexander lie\u00df sich 331 v. Chr. in \u00c4gypten zum Gott erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die r\u00f6mische Republik \u00fcbernahm die griechische G\u00f6tterwelt und die athenische Konsensdemokratie (Volksversammlung und Senat). Der Monotheismus wurde von Kaiser Konstantin I. eingef\u00fchrt \u2013 von dem Herrscher des gr\u00f6\u00dften Reiches, das der Westen bis dahin gesehen hatte.<\/p>\n<p>Auch die n\u00e4chste monotheistische Religion \u2013 der Islam \u2013 wurde weniger durch Missionierung als mit milit\u00e4rischen Mitteln verbreitet. Zun\u00e4chst eroberte Mohammed die arabische Halbinsel, dann unterwarfen die ersten Kalifen den gr\u00f6\u00dften Teil des Mittelmeerraums. Die Durchsetzung des islamischen Monotheismus ging mit der Etablierung eines Gro\u00dfreichs einher.<\/p>\n<p>Karl der Gro\u00dfe, Herrscher eines Gro\u00dfreiches, verbreitete den christlichen Monotheismus \u2013 zum Beispiel in (Nieder-)Sachsen \u2013 ebenfalls nicht in erster Linie durch Missionare (wie Bonifazius), sondern mit Feuer und Schwert.<\/p>\n<p>Bis hierhin haben wir untersucht, wie sich die Entstehung von Gro\u00dfreichen auf die Religion auswirkt. Kann die Kausalrichtung nicht auch umgekehrt verlaufen? K\u00f6nnen monopolistische und monotheistische Staatsreligionen nicht auch die Bildung von Gro\u00dfreichen beg\u00fcnstigen? Die Geschichte der Azteken und der Inkas bietet daf\u00fcr Anhaltspunkte, wie Conrad und Demarest (1984) zeigen.<\/p>\n<p>Nachdem der K\u00f6nig der Azteken (Itzcoatl) 1433 das Nachbarvolk der Tepaneks unterworfen hatte, f\u00fchrte er eine Staatsreligion ein. Einer der G\u00f6tter (Huitzilopochtli) wurde zum obersten und Sonnengott erkl\u00e4rt, und seine Gunst konnte nur durch massenhafte Menschenopfer erhalten werden. Der K\u00f6nig etablierte auf diese Weise eine Religion, die die Unterwerfung der Nachbarn und damit die Bildung eines immer gr\u00f6\u00dferen Reiches zur heiligen Pflicht machte.<\/p>\n<p>Bei den Inkas folgte die Religionsreform auf den Sieg \u00fcber die Chanca (1438). Sie sah vor, dass die k\u00f6niglichen Besitzungen nach dem Tod eines K\u00f6nigs nicht mehr an seinen Sohn und Nachfolger \u00fcbergingen. Der neue K\u00f6nig konnte sich daher nur durch Eroberungskriege bereichern. So entstand das Reich der Inka.<\/p>\n<p>Sowohl bei den Azteken als auch bei den Inkas wurde jedoch die Eroberungsreligion erst eingef\u00fchrt, nachdem das Staatsgebiet erheblich zugenommen hatte. Die neue Religion verst\u00e4rkte die Expansion.<\/p>\n<p>Weitere Beispiele f\u00fcr Eroberungskriege, die religi\u00f6s gerechtfertigt wurden, sind die Kreuzz\u00fcge des Mittelalters und der Mongolensturm. Dschingis Khan erkl\u00e4rte, dass er von Gott dazu bestimmt sei, den Erdkreis zu unterwerfen. Zu diesem Zeitpunkt war er jedoch bereits Herrscher eines Gro\u00dfreichs.<\/p>\n<p>Sind Monotheisten intoleranter als Polytheisten? Vergleicht man die katholische Inquisition mit der religi\u00f6sen Toleranz der alten Griechen und der r\u00f6mischen Republik, so ist man geneigt, die Frage zu bejahen. Die Verurteilung des Sokrates war eher eine Ausnahme und die religi\u00f6se Begr\u00fcndung daf\u00fcr eher vorgeschoben. Der Polytheismus bietet Wahlm\u00f6glichkeiten und erzieht zur Respektierung anderer Pr\u00e4ferenzen. Der monotheistische Gott duldet weder andere G\u00f6tter noch andere Religionen neben sich. Die Korrelation zwischen Monotheismus und religi\u00f6sem Konflikt ist jedoch nicht nur kausal zu deuten. Es k\u00f6nnte auch sein, dass beide durch eine dritte Variable \u2013 die Existenz eines Gro\u00dfreichs, eines Imperators \u2013 bestimmt werden (common-cause interdependence). Denn je m\u00e4chtiger der Herrscher ist, desto eher wird er sich einerseits in religi\u00f6se Angelegenheiten einmischen und andererseits eine monotheistische Religion durchsetzen.<\/p>\n<p>David Hume vertrat zur Freude seiner Leser die Meinung, dass ein Religionsmonopol dem sozialen Frieden dient (The History of England, 1754, vol. 3, p. 30). Sein Freund Adam Smith \u2013 Religions\u00f6konom und Marktwirtschaftler \u2013 pl\u00e4dierte dagegen f\u00fcr einen atomistischen Wettbewerb der Religionen und Konfessionen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eThe interested and active zeal of religious teachers can be dangerous and troublesome only where there is, either but one sect tolerated in the society, or where the whole of a large society is divided into two or three great sects, the teachers of each acting by concert and under a regular discipline and subordination. But that zeal must be altogether innocent where the society is divided into two or three hundred or perhaps into as many [as a] thousand small sects, of which no one could be considerable enough to disturb the public tranquility\u201c\u009d (The Wealth of Nations, Bk. 5, Ch. I, p. 314).<\/p><\/blockquote>\n<p>In einer Mehrheitsdemokratie k\u00f6nnte es wichtig sein, dass keine Religion oder Konfession \u00fcber die Mehrheit der Stimmen verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Adam Smith geht die Einsicht zur\u00fcck, dass sich Monopole nur dann \u00fcber l\u00e4ngere Zeit halten k\u00f6nnen, wenn sie vom Staat durchgesetzt werden: \u201eThe monopolists &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10378\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDer Wettbewerb der Staaten und die Freiheit und Vielfalt der Religion\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[679,80],"class_list":["post-10378","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wettbewerbliches","tag-religion","tag-wettbewerb"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der Wettbewerb der Staaten und die Freiheit und Vielfalt der Religion - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10378\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der Wettbewerb der Staaten und die Freiheit und Vielfalt der Religion - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Auf Adam Smith geht die Einsicht zur\u00fcck, dass sich Monopole nur dann \u00fcber l\u00e4ngere Zeit halten k\u00f6nnen, wenn sie vom Staat durchgesetzt werden: \u201eThe monopolists &hellip; 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