{"id":10471,"date":"2012-10-30T00:01:56","date_gmt":"2012-10-29T23:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10471"},"modified":"2012-11-06T15:37:28","modified_gmt":"2012-11-06T14:37:28","slug":"die-logik-des-staatlichen-papiergeldes-fuhrt-in-die-inflation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10471","title":{"rendered":"Die Logik des staatlichen Papiergeldes f\u00fchrt in die Inflation"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Ankauf von Staatsanleihen, wenn n\u00f6tig auch in unbegrenzter Menge, will der Rat der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) die Kreditkosten strauchelnder Staaten und Banken k\u00fcnstlich tief halten. Schlie\u00dflich droht vielen von ihnen der Bankrott, wenn die Marktzinsen nicht k\u00fcnstlich auf tiefe Niveaus gesenkt und dort gehalten werden.<\/p>\n<p>Gegen diese \u201eRettungspolitik\u201c regt sich in der \u00d6ffentlichkeit kaum Widerstand. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass die sch\u00e4dlichen Nebenwirkungen dieser \u201eZinsmanipulationspolitiken\u201c des EZB-Rates weitgehend \u00fcbersehen oder aber als akzeptabel angesehen werden. Um die Sch\u00e4den, die aus der Zinsmarktmanipulation erwachsen, zu erkennen, muss man sich zun\u00e4chst die volkswirtschaftliche Bedeutung des Zinses vor Augen f\u00fchren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In der heutigen \u201eMainstream Volkswirtschaftslehre\u201c wird der Zins als politisch zu kontrollierendes \u201eSteuerungsinstrument\u201c gesehen, das je nach wirtschaftspolitischem Bedarfs- und Notfall beliebig zu ver\u00e4ndern ist. Grunds\u00e4tzlich wird ein niedriger Zins als f\u00f6rderlich f\u00fcr die Wirtschaft gesehen, ein hoher Zins hingegen als hinderlich.<\/p>\n<p>Folglich soll die Zentralbank, so die herrschende Meinung, den Zins so tief wie m\u00f6glich halten, um Produktion und Besch\u00e4ftigung zu \u201ef\u00f6rdern\u201c. Vor allem in einer Rezession empfehlen viele \u00d6konomen (zur Freude vor allem von Regierungen und der Banken- und Finanzindustrie), die Zentralbank solle die Zinsen (noch weiter) absenken, um auf diese Weise die Wirtschaft aus dem Tal zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Der Zins ist aber keine l\u00e4stige Kostenh\u00fcrde, die ein Hindernis auf dem Weg zur Prosperit\u00e4t darstellt, und der von der Zentralbank auf ein m\u00f6glichst tiefes Niveau geschleust werden muss. Diese Sichtweise ist \u00f6konomisch falsch, sie atmet den Ungeist einer l\u00e4ngst wiederlegten, aber immer noch weit verbreiteten ideologischen \u201eZinsfeindschaft\u201c.<\/p>\n<p>Der Zins ist eine nicht wegzudenkende Kategorie des menschlichen Handelns, er ist \u201edenknotwendig\u201c. Er ist Ausdruck einer \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit: dass n\u00e4mlich die Befriedigung gegenw\u00e4rtiger Bed\u00fcrfnisse h\u00f6her (wert)gesch\u00e4tzt wird als die k\u00fcnftiger Bed\u00fcrfnisse. Der Zins ist, \u00f6konomisch gesprochen, Ausdruck der \u201eZeitpr\u00e4ferenz\u201c der Menschen.<\/p>\n<p>\u201eTechnisch\u201c gesprochen ist der Zins das (Markt-)Ergebnis aus dem Zusammentreffen des Sparmittelangebots (also dem Teil der laufenden Einkommen, der nicht konsumiert wird) und der Nachfrage nach Sparmitteln f\u00fcr Investitionszwecke. Der Zins ist der unverzichtbare Kompass f\u00fcr alle Marktakteure. Er macht eine zukunftsgewandte kapitalintensive Produktionsweise (der \u00d6konom Eugen von B\u00f6hm-Bawerk (1850 \u2013 1914) sprach hier von \u201eUmwegproduktion\u201c) \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Mit quasi unsichtbarer Hand leitet der Zins den Aufbau des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks. Letzterer l\u00e4sst die Produktivit\u00e4t und damit Realeinkommen und Wohlstand im Zeitablauf anwachsen. Der Zins zeigt an, wie viele Ressourcen f\u00fcr neue Investitionen tats\u00e4chlich verf\u00fcgbar sind \u2013 und welche Investitionsobjekte sich \u201enicht rechnen\u201c, weil aufgrund der allgegenw\u00e4rtigen Knappheit von Mitteln nun einmal nicht alle Investitionsprojekte gleichzeitig umgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wird offensichtlich, dass ein Heruntermanipulieren des Marktzinses durch die Geldpolitik (unter sein \u201enat\u00fcrliches Niveau\u201c) unweigerlich volkswirtschaftliche Fehllenkungen knapper Mittel heraufbeschw\u00f6ren muss. Fehllenkungen von Kapital werden die Folge sein von Anleihek\u00e4ufen, die der EZB-Rat nun anpeilt.<\/p>\n<p><em>Erstens<\/em>: Wenn der EZB-Rat Anleihen strauchelnder Staaten kauft, senkt er dadurch den Marktzins k\u00fcnstlich ab (und zwar unter das Niveau, das vorherrschen w\u00fcrde, wenn der EZB-Rat keine Anleihen kaufen w\u00fcrde). Der k\u00fcnstlich gedr\u00fcckte Zins entlastet zwar die Staatsschuldner. Jedoch reduziert er gleichzeitig auch den Anreiz f\u00fcr Regierende und Regierte, ihren Staatshaushalt zu gesunden. Die Anreize zur Verschuldung steigen!<\/p>\n<p><em>Zweitens<\/em>, beginnt der EZB-Rat, die Zinsen auf k\u00fcnstlich tiefe Niveaus zu dr\u00fccken, werden politische Begehrlichkeiten aktiviert. Die Geldpolitiker kommen unter Druck, die nominalen Zinsen nicht nur so tief wie m\u00f6glich zu senken, sondern sie werden auch gedr\u00e4ngt, f\u00fcr <em>negative Realzinsen<\/em> zu sorgen: also den Nominalzins unter die Geldentwertungsrate zu senken. Auf diese Weise k\u00f6nnen sich n\u00e4mlich die (politisch einflussreichen) Schuldner (wie vor allem Regierungen und Banken) auf Kosten der Investoren und Sparer besserstellen.<\/p>\n<p><em>Drittens<\/em>, ein negativer Realzins senkt den Anreiz zum Sparen. Ressourcen werden so verst\u00e4rkt in Konsumausgaben gelenkt, und der notwendige Auf- und Ausbau des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks unterbleibt. Die Volkswirtschaft beginnt Kapitalkonsumption zu betreiben. Das Gegenwartseinkommen wird k\u00fcnstlich hoch gehalten, und das auf Kosten k\u00fcnftiger Einkommen.<\/p>\n<p><em>Viertens<\/em>: Ein Heruntermanipulieren des Zinses l\u00f6st die wirtschaftlichen und politisch sch\u00e4dlichen \u201eBoom-and-Bust\u201c-Zyklen aus. So verzerrt der k\u00fcnstlich gesenkte Zins zum Beispiel die Preise von Aktien, Anleihen und Derivaten. Verf\u00e4lschte Finanzmarktpreise verleiten zu Fehlentscheidungen und \u2013investitionen, und das nicht nur im Finanzmarktsektor, sondern auch im Unternehmenssektor, dort also, wo die volkswirtschaftliche Produktions- und Besch\u00e4ftigungsstruktur ma\u00dfgeblich gestaltet wird.<\/p>\n<p>Ein k\u00fcnstlich gesenkter Marktzins setzt Investitionen in Gang und schafft neue Arbeitspl\u00e4tze, die nur aufgrund des k\u00fcnstlich gesenkten Zinses rentabel erscheinen \u2013 und die auch nur dann rentabel bleiben, wenn der Zins k\u00fcnstlich tief bleibt oder noch weiter abgesenkt wird. Eine solche Geldpolitik korrigiert nicht etwa die aufgelaufenen wirtschaftlichen und politischen Fehlentwicklungen, sondern im Gegenteil, sie verst\u00e4rkt und vergr\u00f6\u00dfert sie.<\/p>\n<p>Fehlentwicklungen kumulieren sich n\u00e4mlich im Zeitablauf immer weiter auf. Und folglich wird auch die k\u00fcnftige Krise \u2013 also die k\u00fcnftige Korrektur der aufgelaufenen Fehlentwicklungen \u2013 umso gr\u00f6\u00dfer ausfallen, je l\u00e4nger der k\u00fcnstliche Aufschwung, finanziert mit k\u00fcnstlich gesenkten Zinsen, in Gang gehalten wird. Ein Beispiel f\u00fcr diese Problematik ist die Entwicklung des bereits ohnehin v\u00f6llig \u00fcberdimensionierten Bankensektors im Euroraum.<\/p>\n<p>Seine Bilanzsumme bel\u00e4uft sich derzeit auf 34.427 Mrd. Euro \u2013 das sind etwa 360 Prozent des Volkseinkommens im Euroraum. Anfang 2007 waren es noch etwa 300 Prozent. Im Zuge der Krise ist der Bankenapparat also nicht etwa geschrumpft, sondern vielmehr noch weiter angeschwollen! Der Grund: Die Niedrigzinspolitik der EZB h\u00e4lt marode Banken k\u00fcnstlich \u00fcber Wasser, verhindert ihren Marktaustritt und erlaubt ihnen zudem, ihr Gesch\u00e4ftsvolumen noch weiter auszuweiten. Die Kosten zur Bereinigung der Fehlentwicklungen sind bereits heute deutlich gr\u00f6\u00dfer als noch zu Beginn der Krise.<\/p>\n<p>Mit Blick auf das Anleiheaufkaufprogramm des EZB-Rates wird zudem h\u00e4ufig die damit verbundene Inflationsproblematik \u00fcbersehen oder aber kleingeredet. Denn um die Zinsen f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Staatsschuldner niedrig zu halten, wird der EZB-Rat seinen Worten Taten folgen lassen m\u00fcssen. Und das hei\u00dft, er wird Anleihen aufkaufen und mit neu geschaffenem Geld bezahlen m\u00fcssen. Der Hinweis des EZB-Rates, dass das neu geschaffene Geld \u201eneutralisiert\u201c werde, \u00fcberzeugt nicht.<\/p>\n<p>Wenn n\u00e4mlich Nichtbanken (wie zum Beispiel Versicherungen, Pensionskassen und private Sparer) beginnen, ihre Anleihen auf den Markt werfen, muss der EZB-Rat, wenn der die Zinsen tief halten will, den Kaufpreis direkt auf die Konten der Verk\u00e4ufer \u00fcberweisen \u2013 und das erh\u00f6ht den umlaufenden Zahlungsmittelbestand. Dabei ist zu beachten, dass die Euroraum-Banken \u201elediglich\u201c Staatsanleihen und Staatskredite in H\u00f6he von gut 2.700 Milliarden Euro in ihren Bilanzen halten. Der Gro\u00dfteil der ausstehenden Staatsschulden in H\u00f6he von knapp 6.000 Milliarden Euro d\u00fcrfte vor allem bei Nichtbanken im In- und Ausland liegen. Das Inflationspotenzial ist folglich immens!<\/p>\n<p>Dass Europa zusehends auf ein zentralistisch-planwirtschaftliches Modell einschwenkt, und die EZB nun in den Dienst der Regierungen gestellt wird \u2013 also die deutsche Blaupause einer politisch unabh\u00e4ngigen Zentralbank Makulatur ist \u2013, mag Best\u00fcrzung hervorrufen. Doch \u00fcberraschen kann das nicht.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen folgen der unerbittlichen Logik des ungedeckten Papiergeldes, f\u00fcr dessen Produktion der Staat das Monopol beansprucht: Die Logik, die der Verstaatlichung der Geldproduktion innewohnt (noch dazu eine, die in den H\u00e4nden einer Vielv\u00f6lkergemeinschaft liegt), wird absehbar zu einer ungehemmten Ausweitung der Geldmenge f\u00fchren.<\/p>\n<p>Unter dem Dr\u00e4ngen der Regierungsvertreter und den von ihnen beg\u00fcnstigten Gruppen, den Euro um \u201ejeden Preis\u201c zu erhalten, wird der EZB-Rat die Zahlungs- und Konjunkturprobleme, die er durch die ungedeckte Papiergeldausgabe selbst verursacht hat, mit der Ausgabe von immer neuem Geld zu l\u00f6sen versuchen. Das wird so weit getrieben, bis die vermeintliche Probleml\u00f6sung \u2013 das Geldmengenvermehren \u2013 selbst zum zentralen Problem wird: die offen zu Tage tretende Geldentwertung, die hohe, oder sehr sogar sehr, sehr hohe Inflation.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Ankauf von Staatsanleihen, wenn n\u00f6tig auch in unbegrenzter Menge, will der Rat der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) die Kreditkosten strauchelnder Staaten und Banken k\u00fcnstlich &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10471\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Logik des staatlichen Papiergeldes f\u00fchrt in die Inflation\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[196,141,709],"class_list":["post-10471","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-monetares","tag-geldpolitik","tag-inflation","tag-zins"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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