{"id":1055,"date":"2009-06-04T01:19:24","date_gmt":"2009-06-04T00:19:24","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=1055"},"modified":"2009-06-04T06:56:48","modified_gmt":"2009-06-04T05:56:48","slug":"interventionismus-ist-destruktivismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=1055","title":{"rendered":"Interventionismus ist Destruktivismus"},"content":{"rendered":"<p>Im 20. Jahrhundert wurde die Menschheit Zeuge von Anfang und Ende eines der wohl furchtbarsten sozialen Experimente: dem Sozialismus. Er stand Pate f\u00fcr Schreckensregime, von Josef Stalin, Mao Tse-tung, Adolf Hitler bis hin zu Pol Pot, die unbeschreibliches Leid und wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zerst\u00f6rung brachten. Es sind diese bis heute unvergessenen historischen Erfahrungen, die den Sozialismus als ein bewusst anzustrebendes gesellschaftliches Modell einer Mehrheit beraubt haben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Daraus l\u00e4sst sich jedoch nicht der Schluss ziehen, dass der Sozialismus nicht doch noch errichtet werden k\u00f6nnte, und zwar diesmal als Ergebnis einer Abfolge von gesellschaftspolitischen Entscheidungen, die jeweils f\u00fcr sich genommen zum Zeitpunkt, als sie getroffen wurden, als w\u00fcnschenswert erschienen, die aber nachfolgend Wirkungen entfalteten, die h\u00e4ufig nicht vorhergesehen wurden und die, w\u00e4ren sie zum Zeitpunkt der Entscheidungen bekannt gewesen, vermutlich zu anderen politischen Entscheidungen gef\u00fchrt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Unverkennbar haben sich die Gesellschaften des 21. Jahrhunderts auf den so genannten \u201edritten Weg\u201c begeben, sie versuchen, einen Pfad zwischen Sozialismus und Kapitalismus zu beschreiten: Der Staat soll das Privateigentum sch\u00fctzen (wie der Kapitalismus es vorsieht), doch er soll es einschr\u00e4nken oder ganz aufheben (k\u00f6nnen), wenn das dem Erreichen von gesellschaftlich w\u00fcnschenswerten Zielen dient (wie es der Sozialismus empfiehlt). Letzteres erfolgt vor allem durch den \u201eInterventionismus\u201c.<\/p>\n<p>Er ist mittlerweile zum pr\u00e4genden Element f\u00fcr nahezu alle Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche geworden. Der Interventionismus will das Privateigentum an den Produktionsmitteln zwar beibehalten, allerdings trachtet er danach, die Freiheit der Eigent\u00fcmer der Produktionsmittel durch staatliche Weisungen, Gebote und Verbote einzugrenzen, um auf diese Weise politisch w\u00fcnschenswerte (Allgemein-)Ziele zu erreichen. Die Spuren des Interventionismus sind mittlerweile in nahezu allen Wirtschafts- und Lebensbereichen zu entdecken.<\/p>\n<p>Der Staat sorgt durch (immer weiter steigende) Steuern und Abgaben daf\u00fcr, dass die Einkommen, die am Markt erzielt werden, immer st\u00e4rker nach politischem Beliebigkeitskalk\u00fcl umverteilt werden; er hat die Alterssicherung weitgehend unter seine Fittiche gebracht; auch lenkt er ma\u00dfgeblich die Geschicke der Gesundheitsversorgung; er hat sich die Hoheit \u00fcber die Kinderbetten gesichert, indem er die Schul- und Universit\u00e4tsbildung ma\u00dfgeblich (mit-)bestimmt; er besitzt und verwaltet die Verkehrswege; er kontrolliert und beeinflusst durch umfangreiches Regulieren ma\u00dfgeblich die Gesch\u00e4ftsmodelle der Finanzinstitute; und nicht zuletzt hat er das Geldangebot monopolisiert.<\/p>\n<p>Der Interventionismus ist jedoch kein nachhaltiges, eigenst\u00e4ndiges Wirtschaftsmodell. Dass er entweder in den Sozialismus abdriften muss, oder aber eine R\u00fcckkehr zum Kapitalismus erfordert, das zeigte Ludwig von Mises (1881 \u2013 1973) bereits im Jahr 1929 in seinem Buch \u201eKritik des Interventionismus\u201c auf.\u00c2\u00a0 Mises erkannte, warum das staatliche Eingreifen in das freie Marktsystem nicht die Ziele erreichen kann, die es vorgibt, erreichen zu k\u00f6nnen (und zu wollen).<\/p>\n<p>Der Interventionismus zwingt die Wirtschaftsakteure etwas zu tun, was sie aus wohl verstandenem Eigeninteresse heraus nicht tun w\u00fcrden. Das provoziert \u201eUmgehungsstrategien\u201c auf Seiten derjenigen, die sich der G\u00e4ngelung zu entziehen suchen, und so erreicht der Interventionismus nicht das, was er verspricht zu erreichen. Mises kam zum Ergebnis: Der \u201e(\u2026) Eingriff in das Getriebe der auf dem Sondereigentum an den Produktionsmitteln beruhenden Wirtschaftsordnung verfehlt den Zweck, den seine Urheber durch ihn erreichen wollen; er ist \u2013 im Sinne seiner Urheber \u2013 nicht nur zwecklos, sondern geradezu zweckwidrig, weil er das \u201e\u00dcbel\u201c, das durch ihn bek\u00e4mpft werden soll, noch ganz gewaltig vermehrt.\u201c<\/p>\n<p>Doch das Scheitern des Interventionismus best\u00e4rkt jedoch seine Anh\u00e4nger aus Politik und Wirtschaft regelm\u00e4\u00dfig nur noch st\u00e4rker, dass die (unbeabsichtigten) Sch\u00e4den, die der Interventionismus anrichtet, dem freien Marktsystem, nicht aber dem Interventionismus anzulasten sind, und dass die Sch\u00e4den mit \u201eumfassenderen\u201c und \u201everbesserten\u201c Interventionen abgestellt werden k\u00f6nnen. Und weil der Interventionismus viele (heimliche) Anh\u00e4nger hat \u2013 hierzu z\u00e4hlen Regierungspolitiker genauso wie ihre B\u00fcrokraten, aber auch Interessengruppen wie Gewerkschaften und Unternehmensverb\u00e4nde \u2013, wird eine unheilvolle Interventionsspirale in Gang gesetzt.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentlich empfundene Not, die aus den Sch\u00e4den erw\u00e4chst, die der Interventionismus unweigerlich anrichtet, macht sowohl die schlecht als auch die gut informierten, auf ihren Vorteil bedachten Bev\u00f6lkerungs- und Interessengruppen empf\u00e4nglich f\u00fcr die Verhei\u00dfungen, die die Interventionisten propagieren: dass n\u00e4mlich mit mehr Interventionen die Notsituation \u00fcberwunden werden kann; beziehungsweise einzelne glauben, dass sie sich den Interventionismus nutzbar machen k\u00f6nnen, dass er ihnen Privilegien gegen\u00fcber anderen einr\u00e4umen kann. Der Interventionismus zersetzt so \u00fcber kurz oder lang das Grundprinzip der freien Gesellschaftsordnung: den uneingeschr\u00e4nkten Respekt vor dem Privateigentum des Einzelnen in der Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Die Gesellschaft ger\u00e4t unter dem Interventionismus auf die schiefe Bahn: sie rutscht unabl\u00e4ssig von der freiheitlichen, kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in den Sozialismus ab. Eine \u201ePosition in der Mitte\u201c gibt es folglich nicht, wie Mises zeigte: Entweder ist von allen Interventionen, wo und wann auch immer, abzusehen oder, wenn man nicht davon abl\u00e4sst, werden zur Behebung der Sch\u00e4den, die der Interventionismus verursacht, immer neuen Interventionen erforderlich, und zwar soweit, \u201e(\u2026) bis die gesamte Produktion und Verteilung der Leitung des gesellschaftlichen Zwangsapparates unterstellt wird, also bis zur Vergesellschaftung der Verf\u00fcgung \u00fcber die Produktionsmittel, bis zum Sozialismus.\u201c<\/p>\n<p>Wohl keine andere Form des Interventionismus hat so gro\u00dfen Schaden angerichtet wie das staatlich beherrschte Geldsystem, in dem die staatlichen Zentralbanken das Monopol \u00fcber die Geldmenge halten. \u00dcber die Jahrzehnte ist unter der staatlichen Geldherrschaft eine gigantische Schuldenpyramide entstanden. Die (verbliebenen freien) Marktkr\u00e4fte haben nunmehr die Korrektur der Fehlentwicklung eingeleitet.<\/p>\n<p>Doch die m\u00f6glichen Effekte, die die marktgetriebene Korrektur mit sich bringt \u2013 wie zum Beispiel Banken- und Staatspleiten, Rezession und Arbeitslosigkeit \u2013, werden in der \u00d6ffentlichkeit als Notlage empfunden, in der staatliche Ma\u00dfnahmen \u2013 allen voran ein drastisches Ausweiten der Staatsverschuldung, Gelddrucken und das Anheben von Steuern, aber auch das Ausweiten von Regulierungen und Nationalisieren von Banken und Industrieunternehmen \u2013 als der einzig m\u00f6gliche Weg aus dem Debakel erscheinen.<\/p>\n<p>Die so genannte \u201eKreditmarktkrise\u201c \u2013 die in Wahrheit eine marktgetriebene Korrektur der vorangegangenen, staatlich verursachten Fehlentwicklungen ist \u2013 stellt die Industriegesellschaften im Kern vor eine l\u00e4ngst beigelegt geglaubte Systemfrage: Sozialismus oder Kapitalismus? Die bisherigen Ma\u00dfnahmen, f\u00fcr die sich die Gesellschaften und ihre Regierungen entschieden haben, geben eine eindeutig Antwort: Sie zeigen in Richtung mehr Interventionismus. Vergessen scheint die Erkenntnis zu sein, die Mises verbreitete: dass der fortgesetzte Interventionismus destruktiv ist, denn er ebnet den Weg in den Sozialismus.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im 20. Jahrhundert wurde die Menschheit Zeuge von Anfang und Ende eines der wohl furchtbarsten sozialen Experimente: dem Sozialismus. 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