{"id":10785,"date":"2012-12-19T00:01:54","date_gmt":"2012-12-18T23:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10785"},"modified":"2012-12-19T17:10:47","modified_gmt":"2012-12-19T16:10:47","slug":"politische-unsicherheit-bremst-investitionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10785","title":{"rendered":"Politische Unsicherheit bremst Investitionen"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft bewegt sich im Winter 2012\/2013 am Rande der Stagnation. F\u00fcr das Jahr 2013 wird mehrheitlich ein Wirtschaftswachstum von unter 1 Prozent erwartet. Und dabei ist unterstellt, dass es zu keiner Eskalation der Staatsschuldenkrise in Europa kommen wird. Gleichwohl wird auch ohne eine Versch\u00e4rfung der politischen Vertrauenskrise der deutsche Au\u00dfenhandel abgebremst. Der Anteil der Firmen, die im kommenden Jahr von steigenden Exporten ausgeht, h\u00e4lt sich mit rund 20 Prozent die Waage mit denjenigen Betrieben, die einen Ausfuhrr\u00fcckgang sehen (Abbildung 1). Bei den Produktionserwartungen dominieren die pessimistisch gestimmten Unternehmen (28 Prozent) um 4 Prozentpunkte \u00fcber jenen, die im Jahr 2013 ein Produktionsplus erwarten. Die Unternehmen halten sich vor diesem Hintergrund bei ihren Personalplanungen und bei der Investitionst\u00e4tigkeit im Inland merklich zur\u00fcck. Nur noch 23 Prozent der deutschen Unternehmen planen im Jahr 2013 mit h\u00f6heren Investitionen und nur noch ein F\u00fcnftel geht von einer h\u00f6heren Mitarbeiterzahl aus. Dagegen planen 28 Prozent der Unternehmen Einschnitte bei Investitionen und Besch\u00e4ftigung. Das sind zentrale Ergebnisse der Herbstumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft K\u00f6ln.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/erwart.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Erwartungen der deutschen Unternehmen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/erwart.png\" alt=\"Erwartungen der deutschen Unternehmen\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Unternehmen wurden auch gefragt, ob ihre gegenw\u00e4rtige Investitionst\u00e4tigkeit im Inland in unmittelbarer Weise durch die Staatsschuldenkrise beeintr\u00e4chtigt wird. Von den insgesamt gut 2.300 Unternehmen, die auswertbare Antworten zur Verf\u00fcgung gestellt haben, gingen 98 Prozent auf diese Zusatzfrage ein. Gut 31 Prozent dieser Unternehmen sehen ihre Investitionsneigung durch die Staatsschuldenkrise negativ beeinflusst. Fast zwei Drittel der Firmen sehen keinen Einfluss auf ihre Investitionsabsichten. Immerhin knapp 3 Prozent gehen sogar von positiven Investitionseffekten infolge der Staatsschuldenkrise aus. Schlie\u00dflich wurden die Unternehmen, deren Investitionsneigung durch die Staatsschuldenkrise beeintr\u00e4chtigt wird, nach den Gr\u00fcnden gefragt (Abbildung 2).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/folgenkrise2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Folgen der Krise\" src=\"\/wordpress\/bilder\/folgenkrise2.png\" alt=\"Folgen der Krise\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p><strong>1. Finanzierungsschock:<\/strong> Banken- und Staatsschuldenkrise gehen Hand in Hand. Erst im Gefolge der Finanzmarktkrise, die in den USA im Sommer 2007 startete, kamen ab dem Jahr 2009 die Staatschulden in einer Reihe von L\u00e4ndern richtig auf den Pr\u00fcfstand. Die Staatsschulden waren zwar auch vor der Finanzmarktkrise jenseits der tolerierbaren Schwellen \u2013 sofern solche \u00fcberhaupt Sinn machen. Die Konjunkturpakete und Rettungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Banken hatten dann aber die staatliche Schuldenspirale in vielen F\u00e4llen merklich angedreht. Jetzt, nachdem die Staatsschulden das bestimmende wirtschaftspolitische Thema sind, wird in die Gegenrichtung geschaut \u2013 die Staatsschulden bringen nun wieder die Banken ins Wanken. Vor dem Hintergrund der gegenw\u00e4rtigen Gemengelage aus Staatsschulden- und Bankenkrise liegt es nahe, die Unternehmen danach zu fragen, ob sie deshalb mit einer Beeintr\u00e4chtigung ihrer Investitionsfinanzierung rechnen. Der Anteil der Unternehmen, die sich infolge der Staatsschuldenkrise und dabei insbesondere durch schlechtere Finanzierungsbedingungen in einer negativen Weise bei ihren Investitionsentscheidungen beeinflusst sehen, ist in Deutschland allerdings \u00fcberschaubar. Nur gut ein Viertel der Unternehmen beklagt eine schwieriger werdende Eigenfinanzierung infolge der Staatsschuldenprobleme. Der Anteil der Firmen, die geringere Ertragserwartungen hegen, liegt bei 29 Prozent. Schw\u00e4chere Investitionen wegen einer eingeschr\u00e4nkten Kreditvergabe (\u201ecredit crunch\u201c) sieht nur knapp ein Viertel der Unternehmen. F\u00fcr die H\u00e4lfte der Firmen, die sich von der Staatsschuldenkrise in ihrer Investitionsneigung beeintr\u00e4chtigt sehen, stellt hingegen eine eingeschr\u00e4nkte Kreditvergabe \u00fcberhaupt kein Problem dar. Belastungen bei der Investitionst\u00e4tigkeit infolge h\u00f6herer Kreditkosten erwarten gerade einmal 15 Prozent der Betriebe.<\/p>\n<p><strong>2. Nachfrageschock:<\/strong> Die Weltkonjunktur hat als Folge der Rezession im Euroraum deutlich an Tempo eingeb\u00fc\u00dft. Die Wirtschaftsleistung wird im Euroraum im Jahr 2012 um rund \u00c2\u00bd Prozent zur\u00fcckgehen. Im Jahr 2013 ist im besten Fall eine Nullrunde zu erwarten. Am st\u00e4rksten wird die Investitionst\u00e4tigkeit der Unternehmen in Deutschland durch die unsichere Absatzlage im Euroraum und in Deutschland beeintr\u00e4chtigt. 56 Prozent der Firmen halten sich mit ihren Investitionen im Inland zur\u00fcck, weil ihre Gesch\u00e4fte mit Kunden aus dem Euroraum schw\u00e4cher ausfallen. Fast die H\u00e4lfte der Unternehmen nennt eine schw\u00e4chere konjunkturelle Gangart in Deutschland als ein Investitionshemmnis. Dagegen bewerten nur 18 Prozent der Unternehmen eine unsichere Absatzlage au\u00dferhalb der Mitgliedsl\u00e4nder der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion als sch\u00e4dlich f\u00fcr ihre Investitionen. Dieser Wert muss sicherlich dadurch relativiert werden, dass m\u00f6glicherweise ein Gro\u00dfteil der insgesamt von negativen Investitionseffekten ausgehenden Unternehmen keine nennenswerten Handelskontakte mit L\u00e4ndern au\u00dferhalb des Euroraums hat.<\/p>\n<p><strong>3. Politikschock:<\/strong> Auch die im Gefolge der Staatsschuldenkrise aufkommende politische Unsicherheit legt sich wie Mehltau auf die Investitionspl\u00e4ne. 45 Prozent der Unternehmen mit negativen Investitionsauswirkungen begr\u00fcndet diese mit einem unklaren Kurs der wirtschaftspolitischen Entscheidungstr\u00e4ger in Deutschland. Offensichtlich ist das politische Krisenmanagement in Deutschland und in der Europ\u00e4ischen Union nicht vertrauensf\u00f6rdernd und tr\u00e4gt dazu bei, Unternehmen eher von langfristig wirksamen Investitionsentscheidungen abzuhalten. Ebenso h\u00e4ufig wird die generelle Unsicherheit \u00fcber die Stabilit\u00e4t der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion genannt. Ein gro\u00dfer Teil der Unternehmen ist unschl\u00fcssig, ob diese Institution in ihrer jetzigen Ausgestaltung langfristig Bestand haben wird. In diesem Zusammenhang \u00e4u\u00dfert auch ein Drittel der Unternehmen, dass ihre Investitionst\u00e4tigkeit beeintr\u00e4chtigt wird, weil sie von einer h\u00f6heren Inflation in Deutschland in absehbarer Zukunft ausgehen.<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht nicht, dass die m\u00f6glicherweise anhaltende schwache Konjunktur im Euroraum die Kapitalbildung im Inland zun\u00e4chst einmal beeintr\u00e4chtigt. Bedenklich ist, wie hoch offensichtlich die politische Unsicherheit als Folge der Staatsschuldenkrise durch die Unternehmen eingesch\u00e4tzt wird und wie stark sich dies wiederum in der Investitionsneigung niederschl\u00e4gt. Die Unternehmen in Deutschland bringen klar zum Ausdruck, dass die vorherrschende Unsicherheit \u00fcber die politische Gangart die wirtschaftliche Unsicherheit verst\u00e4rkt. Unternehmen man\u00f6vrieren sich in einem solchen Umfeld in eine Abwartehaltung. Die wirtschaftspolitischen Entscheidungstr\u00e4ger m\u00fcssen diese Spirale der Verunsicherung stoppen. Das politische Fundament der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion muss untermauert werden. Dazu geh\u00f6rt ein klares Bekenntnis aller Mitgliedsl\u00e4nder zur gemeinsamen W\u00e4hrung und der diese tragenden Institutionen und Vertr\u00e4ge. Es m\u00fcssen aber auch Grenzen aufgezeigt werden. Viele Menschen in Europa haben gerade davor Angst, dass Aufgaben und Zust\u00e4ndigkeiten in Europa nicht mehr klar genug definiert sind.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft bewegt sich im Winter 2012\/2013 am Rande der Stagnation. 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