{"id":11017,"date":"2013-01-04T00:01:52","date_gmt":"2013-01-03T23:01:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11017"},"modified":"2013-01-05T10:54:04","modified_gmt":"2013-01-05T09:54:04","slug":"junge-ordnungsokonomikexpansive-geldpolitiken-und-das-ende-der-globalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11017","title":{"rendered":"<small>Junge Ordnungs\u00f6konomik<\/small><br \/>Expansive Geldpolitiken und das Ende der Globalisierung"},"content":{"rendered":"<p>In ihrem 2009er Werk <em>Money, Markets, and Sovereignty<\/em> argumentieren Benn Steil und Manuel Hinds, dass souver\u00e4ne Geldpolitiken und die Globalisierung &#8211; historisch betrachtet &#8211; nicht miteinander kompatibel sind. In der Geschichte setzten Regierungen die Geldpolitik meist aggressiv f\u00fcr ihre Interessen ein. Souver\u00e4ne Geldpolitiken trugen daher immer wieder zu Konflikten, Inflation und W\u00e4hrungskrisen bei, die mit protektionistischen Ma\u00dfnahmen einhergingen. Folglich waren in l\u00e4ngeren Globalisierungsperioden eher monet\u00e4re Standards, wie z. B. der Goldstandard, vorherrschend als souver\u00e4ne Geldpolitiken.<\/p>\n<p><!--more-->Wenn das Argument richtig ist, leben wir in einer schr\u00e4gen Welt. Die Finanzm\u00e4rkte sind mehr oder weniger integriert. Es besteht ein historisch hoher Grad an Handelsfreiheit. Dennoch nutzen L\u00e4nder und L\u00e4ndergruppen die Geldpolitik zur Steuerung der wirtschaftlichen Entwicklung. Nach Steil und Hinds ist diese Konstellation zum Scheitern verdammt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Steil und Hinds k\u00f6nnten Recht behalten. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>In den meisten L\u00e4ndern wird der Geldpolitik insbesondere bei der Krisenbek\u00e4mpfung eine bedeutende Rolle zugetragen. So senkte die Federal Reserve (Fed) den Leitzins in Reaktion auf die j\u00fcngste Finanzkrise auf (knapp \u00fcber) Null und erleichterte die Kreditvergabe, um die Finanzm\u00e4rkte zu stabilisieren und das Wachstum zu befl\u00fcgeln. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzt sie die amerikanische Fiskalpolitik durch den Kauf von Staatsanleihen. Die Bank of England, Europ\u00e4ische Zentralbank und andere bedeutende Zentralbanken reagierten sehr \u00e4hnlich. Eine Umkehr der Geldpolitik in den Krisenl\u00e4ndern ist kurzfristig nicht zu erwarten, denn das Wachstum in direkt von einer Finanzkrise betroffenen L\u00e4ndern bleibt oft f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit unterdurchschnittlich (Reinhart und Reinhart 2010).<\/p>\n<p>Da es sich bei den derzeitigen Krisenl\u00e4ndern gerade um L\u00e4nder mit bedeutenden Finanzzentren und internationalen Reservew\u00e4hrungen handelt, bleiben die durchaus gutgemeinten geldpolitischen Rettungsaktionen nicht unbemerkt im Rest der Welt. Denn w\u00e4hrend die Eurozone und die Vereinigten Staaten einen starken Wachstumseinbruch verzeichneten und sich nur langsam erholen (wenn \u00fcberhaupt), kehrten viele aufstrebende Volkswirtschaften in Osteuropa (z. B. Polen), Lateinamerika (z. B. Brasilien) und auch Ostasien (z. B. Indonesien) relativ schnell auf den Wachstumspfad zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Niedrigzinspolitik der gro\u00dfen Zentralbanken geht seit 2008 mit Kapitalfl\u00fcssen in die lukrativeren M\u00e4rkte aufstrebender Volkswirtschaften einher. Deren W\u00e4hrungen kommen unter Aufwertungsdruck. Viele dieser L\u00e4nder stabilisieren ihre W\u00e4hrung gegen\u00fcber dem Dollar oder Euro. Damit importieren sie die Geldpolitik der Fed oder ECB mehr oder weniger automatisch. Wenn die eigene W\u00e4hrung gegen\u00fcber dem Dollar oder Euro aufzuwerten droht, intervenieren die Zentralbanken. Sie folgen also der Niedrigzinspolitik. Aber auch L\u00e4nder mit flexiblen Wechselkursen, die z. B. ein Inflationsziel verfolgen, haben Anreize der aktuellen Niedrigzinspolitik der gro\u00dfen L\u00e4nder &#8211; zumindest indirekt &#8211; zu folgen.<\/p>\n<p>Mit \u00dcbernahme der Geldpolitik k\u00f6nnen spekulative Kapitalzufl\u00fcsse abgewehrt werden, die die Finanzmarktvolatilit\u00e4t erh\u00f6hen. Das bremst den Aufwertungsdruck der W\u00e4hrungen, der nicht nur dem Export schadet. Gerade Zentralbanken die \u00fcber gro\u00dfe Devisenbest\u00e4nde verf\u00fcgen, haben ein Interesse daran eine Aufwertung zu verhindern, um unabh\u00e4ngig von der Fiskalpolitik zu bleiben. Eine Aufwertung der eigenen W\u00e4hrung w\u00fcrde den Wert der Forderungen in ausl\u00e4ndischer W\u00e4hrung senken. Es entst\u00fcnden Verluste. Da es in vielen L\u00e4ndern nicht klar ist, welche Auswirkungen diese Verluste haben und ob Zentralbanken diese selbst tragen m\u00fcssen, versuchen sie solche Verluste lieber gleich zu vermeiden (Stella und L\u00f6nnberg 2008).<\/p>\n<p>Die \u00dcbernahme der Niedrigzinspolitik ist allerdings problematisch f\u00fcr schnell wachsende Volkswirtschaften. Die Kreditvergabe wird zus\u00e4tzlich angeheizt. Es wird mehr konsumiert und weniger gespart. Wenn traditionelle Anlagem\u00f6glichkeiten wegfallen, k\u00f6nnen zudem Blasen auf Verm\u00f6gensm\u00e4rkten entstehen. Deshalb haben seit 2008 eine ganze Reihe von aufstrebenden Volkswirtschaften die Mindestreserves\u00e4tze erh\u00f6ht bzw. Kapitalverkehrskontrollen verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Die Niedrigzinspolitik f\u00fchrt also bereits jetzt dazu, dass immer mehr Zentralbanken und Regierungen Schranken wiedereinf\u00fchren, von denen sie sich in den 1980er und 1990ern verabschiedet haben (Hoffmann 2012). Angesichts der expansiven Geldpolitiken der gro\u00dfen L\u00e4nder sind solche Ma\u00dfnahmen der &#8222;makroprudentiellen Kontrolle&#8220; nachvollziehbar. Sie bedeuten aber auch eine Kehrtwende im globalen Integrationsprozess. Je l\u00e4nger die gro\u00dfen Volkswirtschaften Arbeitslosigkeit und Krisen mit geldpolitischen Ma\u00dfnahmen bek\u00e4mpfen, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Wahrscheinlichkeit einer Versch\u00e4rfung der Abschottungstendenzen.<\/p>\n<p>Mittel- bis langfristig k\u00f6nnten die expansiven Geldpolitiken zur &#8222;Achillesferse der Globalisierung&#8220; (siehe auch Steil 2007) werden und <em>ungewollt<\/em> das Ende der Finanzmarktglobalisierung einl\u00e4uten. Sich versch\u00e4rfende Abschottungstendenzen k\u00f6nnten wiederum die Finanzmarktentwicklung bremsen oder sogar umkehren (Rajan und Zingales 2003). Es w\u00e4re nicht das erste Mal.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Hoffmann, A. (2012), Zero-Interest Rates and Unintended Consequences in Emerging Markets, Working Paper.<\/p>\n<p>Rajan, R. and L. Zingales (2003), The Great Reversals: the Politics of Financial Development in the Twentieth Century, Journal of Financial Economics 69(1), 5-50.<\/p>\n<p>Reinhart, C. and V. Reinhart (2010), &#8218;After the Fall&#8216;, Federal Reserve Bank of Kansas City Economic Policy Symposium Volume, Macroeconomic Challenges: The Decade Ahead at Jackson Hole, Wyoming, on August 26-28, 2010.<\/p>\n<p>Steil, B. (2007), Monetary Sovereignty as Globalization&#8217;s Achilles&#8216; Heel, Cato Journal 27, 2, 203-217.<\/p>\n<p>Steil, B. and M. Hinds (2009), Money, Markets, and Sovereignty. Yale University Press.<\/p>\n<p>Stella, P. and A. L\u00f6nnberg (2008), Issues in Central Bank Finance and Independence, IMF Working Paper WP\/08\/37.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrem 2009er Werk Money, Markets, and Sovereignty argumentieren Benn Steil und Manuel Hinds, dass souver\u00e4ne Geldpolitiken und die Globalisierung &#8211; historisch betrachtet &#8211; nicht &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11017\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<small>Junge Ordnungs\u00f6konomik<\/small><br \/>Expansive Geldpolitiken und das Ende der Globalisierung\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":141,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,7,33,12,434],"tags":[196,109],"class_list":["post-11017","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgmeines","category-globales","category-makrooekonomisches","category-monetares","category-waehrungspolitisches","tag-geldpolitik","tag-globalisierung"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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