{"id":11309,"date":"2013-02-09T00:01:16","date_gmt":"2013-02-08T23:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11309"},"modified":"2013-02-08T17:48:41","modified_gmt":"2013-02-08T16:48:41","slug":"asien-treibt-die-globalen-investitionen-ein-selbstlaufer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11309","title":{"rendered":"Asien treibt die globalen Investitionen \u2013 ein Selbstl\u00e4ufer?"},"content":{"rendered":"<p>Das globale Investitionsvolumen ist in den vergangenen zehn Jahren gewaltig angestiegen. Die weltweiten Bruttoinvestitionen \u2013 dabei handelt es sich um private und staatliche Investitionen in Ausr\u00fcstungen, Bauten und L\u00e4ger und nicht um Finanzmarktinvestitionen \u2013 stiegen auf Basis von eigenen Berechnungen von gut 7.000 Milliarden US-Dollar im Jahr 2002 um knapp 10.000 Milliarden US-Dollar auf nunmehr gut 17.000 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 an (Abbildung 1). Dagegen war in der vorhergehenden Dekade 1992 bis 2002 nur ein Plus in H\u00f6he von insgesamt gut 1.500 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen. Im Teilzeitraum 1995 bis 2002 stagnierten die weltweiten Anlageinvestitionen sogar auf einem mehr oder weniger konstanten Niveau von knapp 7.000 Milliarden US-Dollar.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/g1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Globale Investitionen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/g1.png\" alt=\"Globale Investitionen\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Im Gefolge des ab dem Jahr 2002 einsetzenden m\u00e4chtigen Investitionsbooms haben sich auch die globalen Investitionsgewichte kr\u00e4ftig verschoben. W\u00e4hrend im Jahr 2002 erst knapp ein Viertel der weltweiten Sachinvestitionen auf die Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder entfiel (im Zeitraum 1992 bis 2002 waren es bei geringen Abweichungen durchschnittlich nur gut 21 Prozent), stieg dieser Anteil bis zum Jahr 2012 auf leicht \u00fcber 50 Prozent an. Das globale Investitionsvolumen verteilt sich somit erstmals in der Neuzeit gleichm\u00e4\u00dfig auf die aufstrebenden und die fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Diese Gewichtsverlagerung wurde in den letzten Jahren sicherlich auch dadurch beschleunigt, weil die Investitionst\u00e4tigkeit in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern viel st\u00e4rker im Gefolge der globalen Finanzmarktkrise beeintr\u00e4chtigt wurde und auch danach nicht wieder das Niveau der Jahre 2007 und 2008 erreichte. Dagegen hat die Finanzmarktkrise die Investitionen in den aufstrebenden Volkswirtschaften nur wenig getroffen. Nahezu ungebremst setzte sich dann dort der Investitionsboom fort und erklomm im vergangenen Jahr mit 8.700 Milliarden US-Dollar neue H\u00f6hen.<\/p>\n<p>Insgesamt steuerten alle Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder zusammen in der Dekade 2002 bis 2012 rund 70 Prozent zum globalen Investitionswachstum in H\u00f6he von 10.000 Milliarden US-Dollar bei. In der vorhergehenden Dekade trieben dagegen die fortgeschrittenen L\u00e4nder den \u2013 deutlich moderateren \u2013 Investitionszuwachs an. Die globale Investitionst\u00e4tigkeit in der vergangenen Dekade wurde vor allem von den asiatischen Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern angetrieben. Gut 45 Prozent oder gut 4.500 Milliarden US-Dollar des genannten Gesamtzuwachses entfielen im Zeitraum 2002 bis 2012 auf die aufstrebenden L\u00e4nder in Fernost, wobei die fortgeschrittenen L\u00e4nder Japan, S\u00fcdkorea, Hongkong, Taiwan und Singapur dabei nicht ber\u00fccksichtigt werden. Im Kreis der aufstrebenden Regionen nimmt Asien damit die dominierende Rolle als Investitionsstandort ein. Sicherlich erkl\u00e4rt sich dies auch mit dem hohen Anteil dieser Region an der Weltbev\u00f6lkerung: Auf Asien entfielen im Jahr 2010 mit knapp 4,2 Milliarden Menschen rund 60 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung von knapp 7 Milliarden. Werden die f\u00fcnf genannten fortgeschrittenen L\u00e4nder Asiens ausgeklammert, bel\u00e4uft sich der Anteil Asiens immer noch auf 58 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung. Allein auf China und Indien entfallen zusammen mehr als 2,5 Milliarden Menschen oder 37 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung. Die anderen Regionen stehen bei der Kapitalstockbildung deutlich im Schatten (Abbildung 2). Die Investitionszuw\u00e4chse im Zeitraum 2002 bis 2012 in Mittel- und Osteuropa (258 Milliarden US-Dollar) und in Afrika (215 Milliarden US-Dollar) machen dies deutlich. Die L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union konnten mit einem Investitionsplus in H\u00f6he von 1.162 Milliarden US-Dollar noch die L\u00e4nder Zentral- und S\u00fcdamerikas (921 Milliarden US-Dollar) \u00fcbertreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/g2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Verteilung der Investitionen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/g2.png\" alt=\"Verteilung der Investitionen\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Nicht nur beim Blick auf die Dynamik der Investitionst\u00e4tigkeit unterscheiden sich die Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder von den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Auch hinsichtlich der Bedeutung der Investitionst\u00e4tigkeit im inl\u00e4ndischen Verwendungsgef\u00fcge des BIP hat die vergangene Dekade f\u00fcr eine divergente Entwicklung gesorgt \u2013 eine Entwicklung, die freilich daf\u00fcr sorgt, dass sich diese beiden gro\u00dfen L\u00e4ndergruppen \u00f6konomisch ann\u00e4hern. W\u00e4hrend die Investitionen in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern nur noch knapp ein F\u00fcnftel des entsprechenden Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, bel\u00e4uft sich die Investitionsquote in den aufstrebenden L\u00e4ndern mittlerweile auf ein Drittel des BIP. Hinzu kommt, dass die Investitionsquote in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern insgesamt im Jahr 2012 mit 19 Prozent etwas niedriger war als zehn Jahre zuvor (20 Prozent). In der Europ\u00e4ischen Union ging sie von 20 auf 18 Prozent zur\u00fcck. In den aufstrebenden L\u00e4ndern stieg sie dagegen fast durchg\u00e4ngig von einem Viertel auf ein Drittel des BIP an.<\/p>\n<p>Aber auch hier dominieren die Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder in Asien das Gesamtbild (Abbildung 3): In dieser L\u00e4ndergruppe war die Investitionsquote bereits im Jahr 2002 mit 31 Prozent weit entfernt von den Anteilen in den anderen Regionen. Bis zum Jahr 2012 kletterte der Anteil der Investitionen am BIP in Asien dann weiter auf 42 Prozent. Dies untermauert die gewaltigen Anstrengungen der asiatischen L\u00e4nder bei der Sachkapitalbildung und die entsprechende Vorliebe f\u00fcr Investitionen versus Konsum auf der Verwendungsseite des BIP. In den anderen aufstrebenden Regionen war dagegen nur ein \u00fcberschaubarer Anstieg der Investitionsquote zu verzeichnen. Im Durchschnitt stiegen hier die Anteile um rund 2 Prozentpunkte an. Dabei sind die Investitionsquoten am aktuellen Rand in Mittel- und Osteuropa, Afrika sowie Zentral- und S\u00fcdamerika noch nicht einmal merklich von den Werten in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern entfernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/g3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Regionale Investitionsquoten\" src=\"\/wordpress\/bilder\/g3.png\" alt=\"Regionale Investitionsquoten\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die forcierte Investitionst\u00e4tigkeit in den Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern speist sich nicht nur aus einheimischen Quellen, wenngleich diese nach wie vor die wichtigsten sind. In zunehmendem Ma\u00df werden Investitionen auch mithilfe von Direktinvestitionen finanziert. Auch hier dominiert Asien mittlerweile das Geschehen (Abbildung 4). Im Jahr 2011 konnten die aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien das h\u00f6chste Volumen an Direktinvestitionen anziehen. Insgesamt flossen in diesem Wirtschaftsraum Direktinvestitionen in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 425 Milliarden US-Dollar zu. Das war mehr als das Vierfache des Jahreswertes von 2002. Auf Platz 2 folgt die EU mit 421 Milliarden US-Dollar \u2013 seit dem Jahr 2002 ergab sich dabei immerhin ein Zuwachs von 35 Prozent. Dieses Plus steht aber weit im Schatten dessen, was in anderen Regionen erzielt wurde. Trotz der beachtlichen absoluten und relativen Zuw\u00e4chse in S\u00fcd- und Mittelamerika, Afrika und den osteurop\u00e4ischen Transformationsl\u00e4ndern kamen diese drei Regionen bei Weitem aber nicht auf das Volumen an zuflie\u00dfenden Direktinvestitionen, das in Asien verbucht werden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/g4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Globale Direktinvestitionen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/g4.png\" alt=\"Globale Direktinvestitionen\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die aufgezeigte Spaltung der globalen Investitionst\u00e4tigkeit zwischen den aufstrebenden Volkswirtschaften \u2013 mit dem gewaltigen Treiber Asien \u2013 auf der einen Seite und den fortgeschrittenen L\u00e4ndern auf der anderen Seite d\u00fcrfte sich zun\u00e4chst fortsetzen. Zumindest weisen die Prognosen f\u00fcr eine Reihe fortgeschrittener L\u00e4nder darauf hin: Die Investitionst\u00e4tigkeit wird auch im Jahr 2013 in den gro\u00dfen europ\u00e4ischen Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien r\u00fcckl\u00e4ufig sein. In Japan ist allenfalls ein leichtes Plus zu erwarten. Ein Gegengewicht im Club der reichen L\u00e4nder bilden die beiden nordamerikanischen Volkswirtschaften USA und Kanada sowie einige L\u00e4nder in Nordeuropa.<\/p>\n<p>Gleichwohl ist es bei Weitem nicht in trockenen T\u00fcchern, ob sich die Investitionst\u00e4tigkeit in den aufstrebenden Volkswirtschaften im bisherigen Ausma\u00df fortsetzen wird:<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst spricht f\u00fcr einen anhaltenden Investitionsboom in den Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern, dass dort die Bev\u00f6lkerungen nach wie vor wachsen. Nur mit einer steigenden Kapitalintensit\u00e4t, die wiederum aus privaten und \u00f6ffentlichen Investitionen gespeist wird, l\u00e4sst sich der bisher erreichte Lebensstandard halten und weiter steigern. Die materielle Armut in vielen L\u00e4ndern ist nach wie vor hoch, sodass eine nachlassende Investitionst\u00e4tigkeit ernste \u00f6konomische und soziale Probleme nach sich ziehen kann. In der mittleren Sicht erfordern auch die Anpassungslasten infolge knapper werdender Ressourcen und des Klimawandels Investitionen.<\/li>\n<li>In der kurzen Frist werden sich einige Schwellenl\u00e4nder mit ihren derzeitigen Wirtschaftsmodellen aber auch behaupten m\u00fcssen, um weiterhin ein attraktiver Investitionsstandort zu bleiben. Einige gro\u00dfe aufstrebende Volkswirtschaften in Asien, Afrika und S\u00fcdamerika haben in den letzten Jahren von der steigenden Rohstoffnachfrage und den damit einhergehenden Preiseffekten profitiert. F\u00fcr diese L\u00e4nder stellt sich die Frage, ob m\u00f6gliche Bremseffekte bei diesem Wachstumstreiber durch andere Kr\u00e4fte \u2013 wie etwa die Binnennachfrage oder andere Exportg\u00fcter \u2013 ausgeglichen werden k\u00f6nnen. Schaffen diese rohstofforientierten Volkswirtschaften rechtzeitig den Strukturwandel hin zu einem Wachstumsmodell, das auch auf einem weiteren Standbein stehen kann? Andere aufstrebende Volkswirtschaften haben dagegen bisher bereits einen wichtigen Teil ihres Antriebs aus dem florierenden Exportgesch\u00e4ft mit Industrieg\u00fctern geholt. Das gilt zum Beispiel f\u00fcr China. Auch hier stellt sich die Frage, ob sich ein m\u00f6glicherweise nachlassendes Tempo in diesem Segment \u2013 ausgel\u00f6st durch eine schw\u00e4chere Nachfrage aus dem rezessiven Europa und der sich im Anpassungsprozess befindenden USA \u2013 durch andere Wachstumstreiber kompensieren l\u00e4sst. Von entscheidender Bedeutung wird sein, wie flexibel diese Volkswirtschaften sind, ihre Wirtschaftsstruktur anzupassen. Bislang ist es oftmals vor allem mit gro\u00dfer staatlicher Hilfe gelungen, das Wirtschaftsmodell und die damit einhergehende inl\u00e4ndische Investitionst\u00e4tigkeit aufrechtzuerhalten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die bisher hohe globale Investitionst\u00e4tigkeit kann als Ausdruck einer h\u00f6heren Anpassungsneigung und Anpassungsf\u00e4higkeit interpretiert werden. Durch Investitionen passen sich Privatwirtschaft und Staat den Ver\u00e4nderungen auf der Nachfrage- und Angebotsseite der Weltwirtschaft an. Durch Investitionen w\u00e4chst der Kapitalstock nicht nur, sondern er nimmt auch die neuen Technologien auf. Hohe Investitionsquoten k\u00f6nnen mithin ein Indikator f\u00fcr Ver\u00e4nderungsbereitschaft sein. Ein nachlassender \u00c4nderungswille und Strukturprobleme k\u00f6nnen sich dagegen in einer absolut und relativ r\u00fcckl\u00e4ufigen Investitionst\u00e4tigkeit niederschlagen. Die Fortsetzung des globalen Investitionsbooms ist somit nicht nur eine Frage der Anpassungslasten \u2013 durch Bev\u00f6lkerungswachstum oder Ressourcenknappheit \u2013 sondern auch eine Frage des Anpassungswillens.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das globale Investitionsvolumen ist in den vergangenen zehn Jahren gewaltig angestiegen. 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