{"id":11344,"date":"2013-01-28T05:01:46","date_gmt":"2013-01-28T04:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11344"},"modified":"2013-01-28T06:24:15","modified_gmt":"2013-01-28T05:24:15","slug":"karges-kanzlergehalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11344","title":{"rendered":"Karges Kanzlergehalt?"},"content":{"rendered":"<p>Das rot-gr\u00fcne Lager hat es geschafft, die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse in Niedersachsen zu \u00e4ndern &#8211; trotz ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbr\u00fcck, wie viele meinen.\u00c2\u00a0 Dieser ist n\u00e4mlich in j\u00fcngster Zeit wiederholt in die \u00f6ffentliche Kritik geraten, so unter anderem aufgrund eines Interviews zu den Bez\u00fcgen des deutschen Bundeskanzlers.\u00c2\u00a0 Die vom Kanzlerkandidaten Steinbr\u00fcck vorgebrachte Kritik an der H\u00f6he der Bez\u00fcge des deutschen Bundeskanzleramtes hat Wellen geschlagen. Steinbr\u00fcck \u00e4u\u00dferte, dass ein Bundeskanzler im Vergleich zu F\u00fchrungskr\u00e4ften in der freien Wirtschaft (zu) gering bezahlt sei. Dabei geht es Steinbr\u00fcck laut eigenen Worten nicht um eine Anhebung der Bez\u00fcge, um davon als Kanzler zu profitieren, sondern um ein generelles Statement. Denn, so Steinbr\u00fcck, wem die Entlohnung als Kanzler nicht ausreiche, m\u00fcsse sich nicht um dieses Amt bewerben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em><strong>Wie viel verdient denn ein Bundeskanzler?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Kanzlerin Angela Merkel erh\u00e4lt ein Amtsgehalt von monatlich knapp 17.000 Euro. Hinzu kommt die Abgeordnetendi\u00e4t von etwas \u00fcber 4.000 Euro. Insgesamt bel\u00e4uft sich Merkels Jahreseinkommen damit auf etwa 250.000 Euro. Dies ist ein \u00fcberdurchschnittlich hohes Jahresgehalt, es ist aber mitnichten ein Spitzengehalt. Die Bundespr\u00e4sidentin der Schweiz verdient deutlich mehr, die Premierministerin Australiens ebenso. Der Vergleich mit dem Gehalt eines Sparkassendirektors ist bereits vielfach in den Medien thematisiert worden: 447.000 Euro im Jahr betr\u00e4gt beispielsweise das Gehalt f\u00fcr den Dortmunder Sparkassenvorstand, 570.000 Euro gibt es j\u00e4hrlich f\u00fcr den Chef der Sparkasse M\u00fcnsterland-Ost.<\/p>\n<p><strong><em>Wof\u00fcr wird denn Lohn gezahlt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Lohnh\u00f6he wird nicht nur Arbeitsleistung honoriert, sondern es werden auch vom Arbeitgeber erw\u00fcnschte individuelle Merkmale des Besch\u00e4ftigten wie Qualifikation oder Flexibilit\u00e4t vergolten. Volkswirtschaftlich gesehen erf\u00fcllt der Lohn mehrere Funktionen: An erster Stelle nimmt er eine <strong>Kompensationsfunktion<\/strong> wahr. Der Lohn ist die Kompensation f\u00fcr eine erbrachte Arbeitsleistung. Die <strong>Allokationsfunktion<\/strong> sorgt daf\u00fcr, dass der entsprechende Arbeitsmarkt (was die gew\u00fcnschten Merkmale wie etwa die Qualifikation betrifft) ger\u00e4umt ist (es also weder Fachkr\u00e4ftemangel noch \u00dcberschuss gibt), die <strong>Distributionsfunktion<\/strong> sorgt f\u00fcr die Einkommensverteilung entsprechend der vom Markt wahrgenommenen Leistung, die <strong>Motivationsfunktion<\/strong> sorgt (nach der Effizienzlohntheorie von <em>Shapiro<\/em> und <em>Stiglitz<\/em> ) f\u00fcr eine motivierte Aus\u00fcbung auch nicht direkt beobachtbarer T\u00e4tigkeiten im Sinne des Auftraggebers. Hinzu k\u00f6nnen noch weitere Funktionen kommen. So kann der Lohn u.a. ein Statussymbol darstellen. Dies kann in Verhandlungen f\u00fcr den Arbeitgeber wichtig sein. Ein hoher Status des Arbeitnehmers kann in Verhandlungen die Erfolgschancen des Arbeitgebers positiv beeinflussen, wenn dem Arbeitnehmer aufgrund des h\u00f6heren Lohnes ein h\u00f6herer Status von den anderen Verhandlungsteilnehmern beigemessen wird. Diese <strong>Statusfunktion<\/strong> ist m\u00f6glicherweise f\u00fcr das Kanzleramt ebenfalls von Relevanz.<\/p>\n<ol start=\"1\">\n<li><strong>Zur Kompensationsfunktion<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein Kanzler arbeitet de facto rund um die Uhr \u2013 Freizeit hat er kaum. 16 Stunden am Tag sind keine Ausnahme, Urlaub gibt es nicht. Von 80 bis 100 Stunden pro Woche kann man also mindestens ausgehen: Ein Kanzler arbeitet f\u00fcr zwei Personen. Zudem hat er schwierige Entscheidungen zu treffen, hinzu kommt eine hohe Reisebelastung. Umgerechnet auf eine normale Arbeitsstelle macht dies also ein Gehalt von vielleicht 125.000 Euro \u2013 die 250.000 Euro Besoldung verteilt auf zwei Normalarbeitspl\u00e4tze \u2013 das ist nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Zur Allokationsfunktion<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Lohn soll daf\u00fcr sorgen, dass der jeweilige Arbeitsmarkt ger\u00e4umt ist. Das Kanzleramt erfordert sicherlich besondere Merkmale der infrage kommenden Kandidaten. Dies gilt im Hinblick auf die Flexibilit\u00e4t, es gilt im Hinblick auf die Qualifikation und es gilt auch im Hinblick auf die Verantwortung, die das Amt mit sich bringt.<\/p>\n<p>Eine Lohnerh\u00f6hung basierend auf der Allokationsfunktion ist dann angebracht, wenn die betreffenden Anforderungen von keinem Kandidaten erf\u00fcllt werden. Da das deutsche Volk in einer Wahlentscheidung zwischen mehreren Kandidaten abstimmen soll, sollten auch mehre geeignete Kandidaten zur Verf\u00fcgung stehen. Wie wichtig eine Qualifikation ist, entscheidet dabei das Wahlvolk. Ein entsprechender Schul- oder Hochschulabschluss wird nicht vorausgesetzt. Um f\u00fcr die Wahl des Kanzlers nominiert zu werden, ist jedoch ohne Zweifel politisches K\u00f6nnen Voraussetzung, um sich in parteiinternen Ausscheidungen durchzusetzen. Es ist sehr fraglich, ob eine Erh\u00f6hung der Bez\u00fcge die Qualit\u00e4t der Bewerber, deren Willen zur Flexibilit\u00e4t oder deren Bereitschaft zur \u00dcbernahme von gro\u00dfer Verantwortung erh\u00f6ht.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Zur Distributionsfunktion<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Entlohnungen erf\u00fcllen auch die Funktion, Einkommen zu verteilen. Dies ist h\u00e4ufig die Debatte von Gerechtigkeitsdiskussionen, da Einkommen \u00fcblicherweise nach der Marktleistung und nicht nach dem Gerechtigkeitsempfinden der W\u00e4hler bemessen sind. F\u00fcr staatliche Bez\u00fcge gilt dies indes nicht, und somit ist die Frage, ob das Kanzlergehalt gerecht bemessen ist, berechtigt. Dies wiederum h\u00e4ngt vom Gerechtigkeitskriterium ab: Aus der Sicht von egalit\u00e4rer Gerechtigkeit oder Bedarfsgerechtigkeit ist die Kanzlerbesoldung wohl eher zu hoch. Aus der Sicht von Leistungsgerechtigkeit ist die Besoldung hingegen vergleichsweise sp\u00e4rlich \u2013 andernorts wird \u00e4hnliche Qualifikation, \u00e4hnliche Motivation und Flexibilit\u00e4t bei geringerer Verantwortung erheblich besser entgolten.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Zur Motivationsfunktion<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein wesentlicher Grund der hohen Managergeh\u00e4lter sind Informationsasymmetrien hinsichtlich der Leistung der Manager. Die Arbeitsleistung der Manager besteht vor allem im Treffen richtiger Entscheidungen. Die Qualit\u00e4t der Entscheidungen ist f\u00fcr die Eigner des Unternehmens oder f\u00fcr die diese vertretenden Aufsichtsr\u00e4te schwer zu \u00fcberblicken und zu beurteilen. Die Prinzipal-Agenten-Theorie erkl\u00e4rt dies: Der uninformierte Prinzipal kann den besser informierten Agenten nicht ad\u00e4quat \u00fcberwachen, der Agent genie\u00dft mithin diskretion\u00e4ren Handlungsspielraum.\u00c2\u00a0 Damit er diesen im Sinne des Prinzipals, also des Eigners, nutzt, wird ihm ein Lohnaufschlag gezahlt. Stellt sich irgendwann heraus, dass er nicht motiviert im Sinne des Prinzipals handelt, verliert er die Stelle, den damit verbundenen Lohn (beides kann er auf einem funktionierenden Arbeitsmarkt anderswo aber auch bekommen) und den Lohnaufschlag. Letzterer geht ihm dauerhaft verloren.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den Managergeh\u00e4ltern \u2013 und dazu darf man auch das Gehalt eines Sparkassendirektors rechnen \u2013 greift die Prinzipal-Agenten-Theorie beim Bundeskanzleramt aber nicht wirklich: Der Bundeskanzler und seine Handlungen stehen dauerhaft im Licht der \u00d6ffentlichkeit, werden von den Parteikollegen \u00fcberwacht, von der Opposition kritisch kommentiert und von den Medien in der Bev\u00f6lkerung gestreut. Damit kann es sich ein Bundeskanzler kaum leisten, unmotiviert zu\u00c2\u00a0 arbeiten oder ersichtlich Entscheidungen zum eigenen Vorteil zu f\u00e4llen. Damit scheidet der Hauptgrund, ein Staatsoberhaupt wie einen Topmanager zu bezahlen, aus.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Zur Statusfunktion<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Lohn, der mit einer beruflichen Position verbunden ist, wird von vielen Menschen mit dem sozialen Status dieser Position verbunden. Lohneinkommen gilt damit als Statusgut, also als positionales Gut. Ein solches Positionsgut \u2013 also eine Stelle mit im Vergleich zu anderen Stellen hohem Lohneinkommen \u2013 kann aus investiven wie auch aus konsumtiven Gr\u00fcnden nachgefragt werden. Konsumtiv meint dabei, dass die Position nur wegen des Bed\u00fcrfnisses nach Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung angestrebt wird. Bundeskanzler zu werden ist ohne Zweifel ein solches konsumtives Positionsgut. Es verhilft zu Ansehen und in den meisten F\u00e4llen auch zu Wertsch\u00e4tzung. Daf\u00fcr ist die H\u00f6he der Entlohnung nahezu irrelevant.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite muss ein deutsches Staatsoberhaupt Verhandlungen f\u00fchren, und dies auch mit Topmanagern aus der Wirtschaft. Hier ist der Status des Verhandelnden wichtig \u2013 und hier k\u00f6nnen sich Lohnunterschiede negativ bemerkbar machen, wenn die Topmanager erheblich besser bezahlt sind als der Kanzler. Aber: Diesen Unterschied aufzuheben w\u00fcrde nicht eine kleine, sondern eine erhebliche Aufstockung des Kanzleramtes ausmachen. Und da diese Argumentation auch f\u00fcr Minister, B\u00fcrgermeister oder \u00e4hnliche \u00f6ffentliche \u00c4mter gilt, ist dies f\u00fcr die deutsche Bev\u00f6lkerung wohl zu teuer.<\/p>\n<p><strong><em>Eine abschlie\u00dfende Bewertung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn eine Anhebung der Kanzlerbesoldung aus genannten Gr\u00fcnden nicht zwingend notwendig erscheint, so ist es dennoch gut und sinnvoll darauf hinzuweisen, dass die Entlohnungsunterschiede zwischen manchem Managerposten und dem Kanzleramt ihre Begr\u00fcndung nicht in Leistung oder Status haben, sondern vor allem in den Informationsasymmetrien der Managerposten (bei manchem Manager wom\u00f6glich zudem im Versagen des Aufsichtsrates).<\/p>\n<p>Es ist auch richtig, dass die Entlohnungsrelationen immer wieder \u00fcberpr\u00fcft und diskutiert werden m\u00fcssen, damit das Kanzleramt auch f\u00fcr qualifizierte, f\u00e4hige und verantwortungsbewusste Gestalter eine attraktive Position bleibt. Solche Diskussionen anzuregen obliegt naturgem\u00e4\u00df den Kandidaten f\u00fcr eine entsprechende Position. Dies vor einer Wahl bereits anzusprechen zeugt von Verantwortungsbewusstsein gegen\u00fcber der w\u00e4hlenden Bev\u00f6lkerung. Auch und gerade dann, wenn diese mehrheitlich anderer Meinung sein sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das rot-gr\u00fcne Lager hat es geschafft, die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse in Niedersachsen zu \u00e4ndern &#8211; trotz ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbr\u00fcck, wie viele meinen.\u00c2\u00a0 Dieser ist n\u00e4mlich in &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11344\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKarges Kanzlergehalt?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":122,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[1044,1045],"class_list":["post-11344","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches","tag-kanzlergehalt","tag-lohnfunktion"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Karges Kanzlergehalt? 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