{"id":11380,"date":"2013-02-22T00:01:27","date_gmt":"2013-02-21T23:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11380"},"modified":"2013-02-21T16:15:04","modified_gmt":"2013-02-21T15:15:04","slug":"gastbeitraguefa-financial-fair-play-katz-und-maus-spiel-zu-erwarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11380","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag<\/small><br\/>UEFA Financial Fair Play: Katz-und-Maus-Spiel zu erwarten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der j\u00fcngst erschienene <em>Bundesliga Report 2013<\/em> der Deutschen Fu\u00dfball Liga liest sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte: Erstmals in der Historie der Bundesliga konnte die Umsatzschwelle von 2 Milliarden Euro \u00fcberschritten werden. Dabei verbuchten 14 von 18 Bundesligisten einen Gewinn. Im Durchschnitt konnte die Personalkostenquote von 40,2 % auf 37,8 % gesenkt werden. Der Bundesliga-Boom geht also weiter. W\u00e4hrend sich die Bundesliga eine solide und nachhaltige wirtschaftliche Basis geschaffen hat, k\u00e4mpft die internationale Konkurrenz mit Problemen. Gem\u00e4\u00df dem Benchmarking-Bericht des europ\u00e4ischen Fu\u00dfballverbandes UEFA wiesen im Finanzjahr 2011 63 % der europ\u00e4ischen Erstligavereine Betriebsverluste aus. Dabei verbuchten 20 der europ\u00e4ischen Top-Klubs Betriebsverluste von insgesamt 574 Mio. Euro \u2013 und das trotz insgesamt steigender Ums\u00e4tze. Viele europ\u00e4ische Spitzenklubs greifen auf die Hilfe externer Geldgeber (M\u00e4zene, Investoren) zur\u00fcck und verzerren damit den Wettbewerb. Die UEFA hat deshalb das sogenannte Financial Fair Play beschlossen, welches nun sukzessive f\u00fcr die europ\u00e4ischen Klubwettbewerbe umgesetzt wird. Ist das Reglement geeignet, tats\u00e4chlich faire Wettbewerbsbedingungen im europ\u00e4ischen Klubfu\u00dfball zu schaffen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ziele<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die UEFA verfolgt mit dem Financial Fair Play mehrere Ziele:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Begrenzung der inflation\u00e4ren Anstiege bei Abl\u00f6sesummen und Geh\u00e4ltern.<\/li>\n<li>Mehr Disziplin und Rationalit\u00e4t im Finanzwesen des Klubfu\u00dfballs.<\/li>\n<li>Die Klubs sollen gem\u00e4\u00df ihrer Eink\u00fcnfte wirtschaften.<\/li>\n<li>Empfehlung langfristiger Investitionen in den Jugendbereich und in die Infrastruktur.<\/li>\n<li>Sicherstellung der Funktionsf\u00e4higkeit des europ\u00e4ischen Klubfu\u00dfballs.<\/li>\n<li>Rechtzeitige Begleichung von Verbindlichkeiten durch die Klubs.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Punkt 1 ist f\u00fcr die UEFA besonders wichtig. Sie beabsichtigt, die finanziellen Exzesse immer weiter steigender Abl\u00f6sesummen und Spielergeh\u00e4lter zu beenden. K\u00fcnftig sollen die Vereine nur noch das Geld ausgeben d\u00fcrfen, das sie zuvor mit dem operativen Fu\u00dfballgesch\u00e4ft verdient haben. Unnat\u00fcrliche Geldstr\u00f6me von externen Geldgebern sollen versiegen. Das \u201eModell Abramowitsch\u201c soll der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Reglement<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Financial Fair Play ist in Teil III des UEFA-Reglements zur Klublizenzierung geregelt. Kernst\u00fcck ist die \u201eBreak-Even-Vorschrift\u201c (Artikel 58 bis 63), die ab Juli 2013 zum ersten Mal angewandt wird. Alle Teilnehmer der UEFA-Klubwettbewerbe m\u00fcssen diese Vorschrift einhalten; f\u00fcr die nationalen Wettbewerbe gilt das Reglement also (zumindest vorerst) nicht. Die Break-Even-Vorschrift besagt, dass die Klubs nur Ausgaben in H\u00f6he der aus dem operativen Fu\u00dfballgesch\u00e4ft stammenden Einnahmen (sogenannte \u201erelevante Einnahmen\u201c) t\u00e4tigen d\u00fcrfen. \u201eRelevante Einnahmen\u201c sind z.B. Eintrittsgelder, Fernseherl\u00f6se und Werbeinnahmen. Akzeptiert wird nur noch ein Defizit in H\u00f6he von 5 Millionen Euro (\u201eAnnehmbare Abweichung\u201c). F\u00fcr eine \u00dcbergangszeit (bis zur Saison 2017\/18) darf dieser Betrag um zun\u00e4chst 45, sp\u00e4ter um 30 Millionen Euro pro Saison \u00fcberschritten werden, sofern die Fehlbetr\u00e4ge komplett durch Anteilseigner und\/oder \u201everbundene Parteien\u201c gedeckt sind. Damit schafft die UEFA die M\u00f6glichkeit, die Finanzierung des Spielbetriebs nicht abrupt, sondern sukzessive umzustellen. Zwar werden die angestrebten Ziele folglich nicht sofort erreicht, jedoch wird die Kontinuit\u00e4t im Gesch\u00e4ftsbetrieb gewahrt und gro\u00dfe Strukturbr\u00fcche werden vermieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Einhaltung der \u201eBreak-Even-Vorschrift\u201c haben die Klubs nachzuweisen, dass sie keine \u00fcberf\u00e4lligen Verbindlichkeiten gegen\u00fcber anderen Klubs, Arbeitnehmern und\/oder Sozialversicherungsinstitutionen bzw. Steuerbeh\u00f6rden haben. Dadurch wird die tats\u00e4chliche finanzielle Situation eines Klubs transparenter. \u00dcberwacht wird die Einhaltung des Financial Fair Play durch die Finanzkontrollkammer f\u00fcr Klubs (Nachfolgegremium des UEFA-Finanzkontrollausschusses), die personell unabh\u00e4ngig zusammengesetzt ist. Deutscher Vertreter in der Finanzkontrollkammer ist Egon Franck, Sport\u00f6konom und Professor f\u00fcr Betriebswirtschaftslehre. Die Kontrollkammer kann Geldstrafen, aber auch den Ausschluss aus den Klubwettbewerben als Sanktionen verh\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Folgen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst soll die aus sport\u00f6konomischer Sicht interessante Frage, wie sich das Financial Fair Play voraussichtlich auf die sportliche Ausgeglichenheit der Ligen (\u201ecompetitive balance\u201c) auswirkt, kurz er\u00f6rtert werden. Anschlie\u00dfend wird hinterfragt, ob zu erwarten ist, dass die \u2013 gut gemeinten \u2013 Regeln \u00fcberhaupt eingehalten werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch zun\u00e4chst zu den Auswirkungen auf die sportliche Ausgeglichenheit f\u00fcr den Fall, dass die Financial Fair Play-Regeln wirksam umgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>\u201eGeld schie\u00dft Tore\u201c.<\/strong> Gem\u00e4\u00df der \u201eGeld schie\u00dft Tore\u201c-Hypothese besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Finanzkraft und sportlichem Erfolg eines Vereins. Neben der Finanzkraft gibt es weitere Erfolgsfaktoren, insbesondere die mannschaftliche Geschlossenheit, die Qualit\u00e4t des Managements, die Tagesform und Gl\u00fcck. Die Vielzahl von Einflussfaktoren verhindert einen allzu engen Zusammenhang zwischen Finanzkraft und sportlichem Erfolg.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> So lange sich die Finanzkraftunterschiede in gewissen Grenzen halten, ist die sportliche Ausgeglichenheit relativ hoch. Die Bundesliga gilt in dieser Hinsicht als Vorzeigeliga, weil wegen der 50+1-Regel<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> und wegen der finanzkraftnivellierenden zentralen TV-Rechtevermarktung die Finanzkraftschere\u00c2\u00a0 nicht sehr weit ge\u00f6ffnet ist. W\u00e4hrend etwa die Ligen in England und Spanien als langweilig gelten, weil sie sportlich von wenigen sehr ausgabew\u00fctigen Klubs beherrscht werden, gilt die Bundesliga als spannendste Liga Europas. Offenkundig sind Finanzkraftunterschiede also unsch\u00e4dlich, so lange sie eine gewisse Schwelle nicht \u00fcbersteigen. Wird diese Schwelle aber \u00fcberschritten (z.B. durch Zuwendungen milliardenschwerer Geldgeber), nimmt die sportliche Ausgeglichenheit \u00fcberproportional ab.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte es also gelingen, mittels Financial Fair Play die unnat\u00fcrlichen Geldfl\u00fcsse versiegen zu lassen, w\u00fcrde die sportliche Ausgeglichenheit im Vergleich zur aktuellen Situation wahrscheinlich steigen. Dies gilt sowohl f\u00fcr die ausl\u00e4ndischen Ligen, in denen private Geldgeber eine wichtige Rolle spielen, als auch f\u00fcr die europ\u00e4ischen Klubwettbewerbe. Vereine wie Manchester City w\u00fcrden wohl im Mittelma\u00df versinken, wenn nur noch die aus dem origin\u00e4ren Fu\u00dfballgesch\u00e4ft stammenden Gelder ausgegeben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Financial Fair Play ist keine Gleichmacherei.<\/strong> Obwohl sich die Finanzkraftschere ein St\u00fcck weit schlie\u00dfen w\u00fcrde, w\u00e4re dies keine Gleichmacherei. Profitieren w\u00fcrden die Traditionsvereine mit gro\u00dfer Fan-Basis. Sie w\u00fcrden die finanziellen Vorteile, die sie dank ihrer Beliebtheit mit dem Verkauf von Eintrittskarten, Fanartikeln und gut dotierten Werbevertr\u00e4gen erwirtschaften, wieder voll ausspielen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Closed Shop der Traditionsvereine? <\/strong>Kritiker wenden deswegen ein, dass die sportliche Ausgeglichenheit sogar abnehmen k\u00f6nnte, weil es aufgrund der Financial Fair Play-Regeln nicht mehr m\u00f6glich sei, kreditfinanziert (bzw. durch das Geld von G\u00f6nnern) in die Phalanx der etablierten Traditionsvereine einzudringen. Die Meisterschaft w\u00fcrde \u2013 so die Sorge \u2013 dann in einem Closed Shop der gro\u00dfen Traditionsvereine ausgetragen. Tats\u00e4chlich w\u00e4re es kaum noch m\u00f6glich, eine Meisterschaft quasi aus dem Nichts zu gewinnen, so wie es Manchester City oder der FC Chelsea dank ihrer Geldgeber konnten. Die Bundesliga zeigt jedoch, dass es trotzdem nicht langweilig werden muss: Neben dem sportlichen Dauerfavoriten und Finanzkr\u00f6sus Bayern M\u00fcnchen k\u00f6nnen immer wieder Vereine wie Werder Bremen, der VFB Stuttgart oder zuletzt Borussia Dortmund mit etwas Geduld und Gl\u00fcck die Meisterschaft gewinnen.<\/li>\n<li><strong>Freier Markt vs. Regulierung.<\/strong> Aus \u00f6konomischer Sicht mag bedauerlich sein, wenn mit Financial Fair Play die Wettbewerbsintensit\u00e4t in dem Sinne sinken w\u00fcrde, dass spontane Au\u00dfenseiterkonkurrenz nicht mehr m\u00f6glich ist. Optimistisch betrachtet regelt der Markt das Kommen und Gehen von Klubs, die durch Investoren, M\u00e4zene etc. gep\u00e4ppelt und ggf. wieder fallen gelassen werden. N\u00fcchtern betrachtet lebt der Profifu\u00dfball in hohem Ma\u00dfe von Emotionen, Vereinsverbundenheit und Tradition. Eine Regulierung durch Financial Fair Play, die dem Fu\u00dfball eine gewisse Kontinuit\u00e4t gew\u00e4hrleistet, d\u00fcrfte deshalb vorteilhaft sein. Und eingefleischte Fu\u00dfballfans w\u00e4ren sowieso dankbar, wenn Retortenvereine k\u00fcnftig sportlich keine Chance auf Erfolg mehr haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Regelbr\u00fcche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die europ\u00e4ische Staatsschuldenkrise hat reihenweise Negativbeispiele geliefert, wie schnell, wie kreativ und wie unverfroren gute Regeln im Bedarfsfall gebrochen oder umgangen werden. Wenn ein Regelwerk auf seine Praxistauglichkeit untersucht wird, erscheint es also sp\u00e4testens seit der europ\u00e4ischen Schuldenkrise nicht mehr angebracht, f\u00fcr die Akteure Regeltreue als wesentliches Verhaltensmerkmal zu unterstellen. Vielmehr ist Schlitzohrigkeit wohl das Mindeste, was von gewissen Vereinsvertretern, denen die Regeln ein Dorn im Auge sind, zu erwarten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch zun\u00e4chst zu einigen Hoffnungsschimmern, dass Financial Fair Play mehr werden k\u00f6nnte als nur ein Papiertiger: Im Dezember 2012 f\u00e4llte die Finanzkontrollkammer erste Entscheidungen und bestrafte acht Vereine wegen \u00fcberf\u00e4lliger Verbindlichkeiten. Die meisten Vereine kamen mit Geldstrafen davon. Einigen Vereinen wurde der Ausschluss aus den UEFA-Klubwettbewerben angedroht, falls die \u00fcberf\u00e4lligen Verbindlichkeiten bis zum 31.03.2013 nicht beglichen sind. Am schlimmsten traf es den FC Malaga, der vom n\u00e4chsten Klubwettbewerb, f\u00fcr den er sich in den kommenden vier Spielzeiten gegebenenfalls qualifiziert, ausgeschlossen wird. Au\u00dferdem hat der spanische Verein eine Geldstrafe in H\u00f6he von 300.000 Euro zu zahlen und es droht ein zus\u00e4tzlicher Ausschluss f\u00fcr eine weitere Spielzeit. Der FC Malaga legte gegen die Sperre Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof ein. Wie dieser Einspruch und etwaige weitere Klagen gegen das Financial Fair Play-Reglement ausgehen, bleibt abzuwarten. Ebenfalls bleibt abzuwarten, ob die Sanktionen der Finanzkontrollkammer genauso scharf ausfallen, wenn einer der ganz gro\u00dfen, quasi \u201esystemrelevanten\u201c Vereine gegen die Regeln verst\u00f6\u00dft. Grunds\u00e4tzlich scheint die UEFA jedenfalls gewillt, das Reglement konsequent durchzusetzen. Zumal das UEFA-Reglement offenbar schon auf die nationale Regulierung ausstrahlt: Anfang Februar haben sich die Vereine der Premier League auf eine Schuldenbremse geeinigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Aspekt macht Mut: Die UEFA ist sich der Gefahr bewusst, dass Vereine versuchen werden, das Reglement zu umgehen; und sie hat erste Gegenma\u00dfnahmen ergriffen. Eine naheliegende M\u00f6glichkeit, die Regeln zu umgehen, liegt in der Umwidmung nicht-relevanter Einnahmen in relevante Einnahmen. So k\u00f6nnen Sponsoring-Vertr\u00e4ge zu nicht-markt\u00fcblichen, \u00fcberh\u00f6hten Konditionen abgeschlossen und Zahlungen von G\u00f6nnern auf diese Weise verschleiert werden. Ein Geldgeber kann also beispielsweise als Trikotsponsor auftreten und den Sponsoring-Vertrag deutlich \u00fcberh\u00f6ht dotieren. Damit w\u00e4re die Zuwendung eine relevante Einnahme und somit eigentlich nicht zu beanstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um solchen Tricksereien entgegen zu wirken hat die UEFA das Konzept der \u201everbundenen Parteien\u201c entwickelt. Als \u201everbundene Partei\u201c gelten Personen und Unternehmen, die ma\u00dfgeblichen Einfluss auf einen Verein haben, diesen beherrschen oder die im Management oder Mutterunternehmen des Vereins eine Schl\u00fcsselposition einnehmen. Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4lle mit einer verbundenen Partei werden zum sogenannten Zeitwert angesetzt. Der Zeitwert ist der Wert, den fachkundige Dritte f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsvorfall als angemessen, also als markt\u00fcblich ansetzen w\u00fcrden. Die UEFA versucht damit, eine naheliegende Umgehungsm\u00f6glichkeit zu versperren. Soweit die Theorie. In der Praxis wird es schwierig sein, einen angemessenen Preis zu ermitteln. Der Willk\u00fcr ist T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Au\u00dferdem kann die Unterst\u00fctzung durch einen M\u00e4zen, der keinerlei Einflussm\u00f6glichkeiten oder Kontrollrechte f\u00fcr sich reklamiert, nicht verhindert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr wahrscheinlich wird es k\u00fcnftig aber auch Zahlungsstr\u00f6me geben, die zwar nicht den Buchstaben, aber dem Geist des Financial Fair Play-Reglements widersprechen und die daher von der Finanzkontrollkammer nicht kontrollierbar sind. In den amerikanischen Teamsportarten ist es g\u00e4ngige Praxis, die Spielergeh\u00e4lter k\u00fcnstlich niedrig zu halten und den Sportler stattdessen mit \u00fcppigen Werbevertr\u00e4gen auszustatten. Auf diese Weise werden die Salary Caps umgangen. Auf dem Papier sind die Geh\u00e4lter regelkonform, aber tats\u00e4chlich erhalten die Spieler viel mehr Geld als zul\u00e4ssig. Die UEFA-Finanzkontrollkammer hat wohl keine Handhabe, wenn Zahlungen au\u00dferhalb der Vereinssph\u00e4re abgewickelt werden. Dabei muss der Werbevertrag nicht einmal direkt mit dem unter Vertrag stehenden Spieler abgeschlossen werden. Im Zusammenhang mit dem Transfer Rafael van der Vaarts von Tottenham Hotspurs zum Hamburger SV berichtete das Nachrichtenmagazin \u201eDer Spiegel\u201c von einem ungew\u00f6hnlichen Plan (der letztlich aber nicht umgesetzt wurde): Der Unternehmer Michael K\u00fchne, der den Transfer finanziell erm\u00f6glichte, hatte erwogen, die im Showgesch\u00e4ft t\u00e4tige Ehefrau Sylvie van der Vaarts mit einem Werbevertrag auszustatten, um Rafael van der Vaarts Gehalt nicht in unvermittelbare H\u00f6hen steigen zu lassen. Das konkrete Beispiel zeigt, dass die Launen des Lebens dem eigentlich beg\u00fcnstigten Spieler sp\u00e4ter ungeahnte Risiken bescheren k\u00f6nnen. Dennoch zeigt das Beispiel auch, welche M\u00f6glichkeiten findige Vereine prinzipiell haben, unliebsame Regeln zu umgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Bundesliga-Geschichte gibt es eine Reihe von Anekdoten, die mit Regeltreue und Fair Play wenig zu tun haben. So gab es im Bundesliga-Gr\u00fcndungsjahr eine Obergrenze f\u00fcr Abl\u00f6sesummen in H\u00f6he von DM 100.000 pro Spieler. Was taten die Vereine damals, wenn sie einen Top-Spieler mit einem Marktwert von z.B. DM 150.000 erwerben wollten? Sie kauften zwei Spieler: den interessanten Top-Spieler und einen \u201eMitl\u00e4ufer\u201c \u2013 offiziell zu jeweils DM 100.000. Den Mitl\u00e4ufer konnte man bei n\u00e4chster Gelegenheit weiter verkaufen. Die Abl\u00f6se-Obergrenze wurde damit zwar de jure eingehalten, aber de facto doch gebrochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die UEFA strebt an, mit dem Financial Fair Play die sportliche und finanzielle Stabilit\u00e4t des europ\u00e4ischen Fu\u00dfballs zu erh\u00f6hen. Sie verfolgt damit ein ehrenwertes und lohnendes Ziel. Allerdings gibt es f\u00fcr die Vereine eine Reihe von M\u00f6glichkeiten, die Regeln zu umgehen. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass einzelne Klubs von diesen M\u00f6glichkeiten Gebrauch machen werden, um finanziell und sportlich weiter aufzur\u00fcsten und sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Dadurch w\u00fcrde die Idee des Fair Play mit F\u00fc\u00dfen getreten. Wahrscheinlich wird die UEFA im Gegenzug versuchen, Schlupfl\u00f6cher zu schlie\u00dfen und Umgehungstatbest\u00e4nde zu verhindern. Es droht somit ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Vereine wohl immer einen Schritt voraus sein werden.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a>Die Analyse von Wettquoten zeigt, dass selbst bei extrem ungleichen Bundesliga-Duellen der haushohe Favorit ein Punktverlustrisiko von rund 75 % hat. Allerdings betreffen Tagesform und Gl\u00fcck haupts\u00e4chlich das einzelne Spiel. Im Saisonverlauf verlieren sie an Bedeutung, so dass die \u00fcbrigen Erfolgsfaktoren wichtiger werden. Vgl. Quitzau, J\u00f6rn (2005), Faktor Zufall als Spielverderber: zur Prognostizierbarkeit von Fu\u00dfballergebnisse, Research Notes Nr. 18, Deutsche Bank Research. S. 17ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Laut \u00c2\u00a78, Absatz 2) der DFL-Satzung ist es Investoren nicht m\u00f6glich, die Stimmenmehrheit an einer Kapitalgesellschaft zu erwerben, die f\u00fcr die Liga spielberechtigt ist. Mindestens 50 % plus einer Stimme m\u00fcssen beim Mutterverein verbleiben, wenn ein Verein seine Lizenzspielermannschaft in eine Kapitalgesellschaft ausgliedert (\u201e50+1-Regel\u201c). Damit soll gew\u00e4hrleistet werden, dass alle Entscheidungen vom Verein, nicht aber von Investoren getroffen werden. Massive Kritik und die Unsicherheit dar\u00fcber, ob ein Gericht bei einer Klage die 50+1-Regel kippen w\u00fcrde, hat letztlich zu einer Aufweichung der Regel gef\u00fchrt. Mehrheitliche Beteiligungen sind nun m\u00f6glich, wenn ein Wirtschaftsunternehmen den betreffenden Verein bereits seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen und erheblich unterst\u00fctzt hat.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der j\u00fcngst erschienene Bundesliga Report 2013 der Deutschen Fu\u00dfball Liga liest sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte: Erstmals in der Historie der Bundesliga konnte die Umsatzschwelle &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11380\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<small>Gastbeitrag<\/small><br \/>UEFA Financial Fair Play: Katz-und-Maus-Spiel zu erwarten\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":112,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[1055,1056],"class_list":["post-11380","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sportliches","tag-financial-fair-play","tag-uefa"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>GastbeitragUEFA Financial Fair Play: Katz-und-Maus-Spiel zu erwarten - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11380\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"GastbeitragUEFA Financial Fair Play: Katz-und-Maus-Spiel zu erwarten - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der j\u00fcngst erschienene Bundesliga Report 2013 der Deutschen Fu\u00dfball Liga liest sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte: Erstmals in der Historie der Bundesliga konnte die Umsatzschwelle &hellip; 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