{"id":11707,"date":"2013-03-13T00:01:10","date_gmt":"2013-03-12T23:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11707"},"modified":"2013-03-13T06:28:42","modified_gmt":"2013-03-13T05:28:42","slug":"wie-zentralbanken-unmoralisches-handeln-befordern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11707","title":{"rendered":"Wie Zentralbanken unmoralisches Handeln bef\u00f6rdern"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p align=\"right\"><em>\u201eThe importance of keeping the pigs in good health was all too obvious. So it was agreed without further argument that the milk and the windfall apples (and also the main crop of apples when they ripened) should be reserved for the pigs alone.\u201c\u009d (George Orwell, Animal Farm, 1989, S. 26)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die politisch motivierten Markteingriffe der Zentralbanken im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise bef\u00f6rdern \u201eMoralische Wagnisse\u201c (englisch: \u201eMoral Hazard\u201c). Was ist unter Moralischen Wagnissen zu verstehen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein Versicherungsnehmer, der eine Auto-Schadensversicherung abgeschlossen hat, parkt \u201eschwungvoller\u201c in eine Parkl\u00fccke ein als ein Autofahrer, der keine solche Versicherung besitzt. Der Grund: Der Versicherte wird f\u00fcr sein Fehlverhalten (teil-)entsch\u00e4digt. Er geht daher bewusst h\u00f6here Risiken ein gegen\u00fcber einer Situation, in der er nicht versichert ist.<\/p>\n<p>Moralische Wagnisse bedeuten, dass die negativen Konsequenzen (Kosten), die das eigene Handeln hat, nicht (vollends) vom Handelnden selbst getragen werden, sondern auf Dritte abgew\u00e4lzt werden. Im freien Markt sind Moralische Wagnisse durch entsprechende Vertrags- und Pr\u00e4miengestaltung (etwa f\u00fcr Versicherungsleistungen) in den Griff zu bekommen.<\/p>\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich auf Finanzm\u00e4rkten, auf denen Zentralbanken eine \u201eaktive Rolle\u201c spielen. Die Finanzmarktakteure erhalten hier Anreize in einer Weise zu handeln, wie sie unter den Bedingungen des freien Marktes aus Eigeninteresse heraus nicht handeln w\u00fcrden, weil sie davon ausgehen k\u00f6nnen, dass nicht sie selbst f\u00fcr ihre eigenen Fehlentscheidungen haftbar gemacht werden, sondern andere.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Wenn eine Zentralbank der \u00d6ffentlichkeit zusichert, sie werde den Zahlungsausfall eines strauchelnden Schuldners abwenden (etwa durch ein Ausweiten der Geldmenge), werden Investoren (ohne viel Nachdenken) bereit sein, die Schuldtitel des Kreditnehmers zu kaufen. Sie k\u00f6nnen n\u00e4mlich darauf setzen, dass der Schuldtitel von der Zentralbank im \u201eNotfall\u201c mit neu gedrucktem Geld zur\u00fcckgezahlt wird \u2013 was zu Lasten der Geldhalter geht, denn deren Kaufkraft wird geschm\u00e4lert. Ein Paradebeispiel hat der Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Zentralbank, Mario Draghi, geboten, der bereits am 27. Juli 2012 kundtat, die elektronische Notenpresse werde angeworfen, wenn n\u00f6tig, um den Euro zusammenzuhalten (zitieren lie\u00df sich Herr Draghi mit den Worten: \u201eAnd believe me, it will be enough\u201c).<\/p>\n<p>Investoren, die fr\u00fchzeitig erkennen, dass die Zentralbank den Kurs eines Wertpapiers \u00fcber den Kurs heben wird, der sich auf dem freien Markt eingestellt hat, winken nahezu risikolose Gewinne. Diesen Gewinnen stehen entsprechende Verluste derjenigen Investoren gegen\u00fcber, die die Papiere zu niedrigen Kursen verkauft haben, weil sie nicht erkannt haben (oder nicht fr\u00fchzeitig genug dar\u00fcber informiert wurden), dass die Zentralbank die Wertpapierkurse \u00fcber ihren \u201eFair Value\u201c heben wird (etwa durch gezielte K\u00e4ufe der Papiere).<\/p>\n<p>Spannt die Zentralbank ein Sicherheitsnetz unter Staaten, Banken, ja die gesamte Konjunkturlage, werden Investoren Risiken eingehen, die sie ohne eine derartige Zentralbank-Versicherung nicht eingehen w\u00fcrden. Es kommt zu r\u00fccksichtslosem Investitionsverhalten, das f\u00fcr Spekulations-Blasen sorgt, die sich nachfolgend in Krisen entladen. Der Investor kann recht gelassen bleiben, weil er davon ausgehen kann, dass die Kurswerte seiner Papiere vor dem Verfall bewahrt werden: Die Zentralbank wird die Geldmenge ausweiten, um eine Rezession abzuwenden, und die Kosten dieser Politik hat wieder einmal der Geldhalter zu tragen.<\/p>\n<p>In einem \u201eZentralbankregime\u201c steigt der Anreiz f\u00fcr Private, sich zu verschulden. Denn auch die Privaten werden (rasch) die Vorz\u00fcge erkennen, ihren Konsum verst\u00e4rkt durch Kredit zu finanzieren. Weitet die Zentralbank n\u00e4mlich die Geldmenge immer weiter aus, nimmt die Kaufkraft des Geldes ab. Der Sparer ist der Geprellte. Der Verschuldete ist der Beg\u00fcnstigte.<\/p>\n<p>Versichert die Zentralbank den Staat gegen Zahlungsausfall, ist Misswirtschaft vorprogrammiert. Der Staat kann dann nicht nur Unn\u00f6tiges und Unsinniges durch immer mehr Kreditaufnahme finanzieren, er dehnt sich auch immer weiter aus zu Lasten der Privatwirtschaft aus. Dank seiner wachsenden Finanzkraft finden sich immer mehr Gesellschaftsmitglieder, die sich nur allzu gern in die staatliche Abh\u00e4ngigkeit begeben: als seine Angestellten oder aber als Unternehmer, die von Staatsauftr\u00e4gen profitieren. Die Gesellschaft wird aufgespalten in beg\u00fcnstigte Netto-Steuerempf\u00e4nger und benachteiligte Netto-Steuerzahler.<\/p>\n<p>Diejenigen, deren Einkommen eng mit den Finanzmarktgeschehnissen verbunden sind (Bank- und Finanzindustrie), aber eben vor allem auch diejenigen, die im Sal\u00e4r des Staates stehen, z\u00e4hlen zu den Beg\u00fcnstigten der politisch geschaffenen Moralischen Wagnisse. Diejenigen, die nicht auf Pump leben, sondern sparen, und die ihr Einkommen fernab des Staates erwirtschaften (beispielsweise als freie Handwerker und\/oder freie Unternehmer), z\u00e4hlen im Zentralbanksystem tendenziell zu den Gesch\u00e4digten.<\/p>\n<p>Politisch induzierte Moralische Wagnisse unterwandern die Prinzipien des freien Marktes. Die Verantwortlichkeit f\u00fcr die Konsequenzen des eigenen Handelns schwindet, die Gesch\u00e4ftsmoral verkommt, die kooperativen und produktiven Kr\u00e4fte der freien Marktwirtschaft werden gesch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Die Zentralbanken haben mit ihrer Politik mittlerweile die Zinsm\u00e4rkte entmachtet, geradezu lahmgelegt. Die Zinsen werden durch die (tats\u00e4chlichen oder erwarteten) Zentralbankpolitiken niedrig gehalten, sie sind vermutlich weit entfernt von den Niveaus, die sich in einem freien Marktgeschehen einpendeln w\u00fcrden. Der Zins d\u00fcrfte folglich seine volkswirtschaftliche Lenkungsfunktion weitgehend eingeb\u00fc\u00dft haben, die Volkswirtschaften befinden sich folglich im Blindflug \u2013 sinnvolle Spar-, Konsum- und Investitionsentscheidungen werden geradezu unm\u00f6glich gemacht.<\/p>\n<p>Viele \u00d6konomen sprechen mit Blick auf politisch geschaffene Moralische Wagnisse h\u00e4ufig von \u201eunbeabsichtigten Konsequenzen\u201c, die als \u201eunerw\u00fcnschte Nebenwirkung\u201c zwar bedauerlich, aber dennoch zu akzeptieren seien. Denn sie sind gewisserma\u00dfen der \u201ePreis\u201c, der zu zahlen ist, um einen noch gr\u00f6\u00dferen Missstand abzuwenden \u2013 wie etwa ein Zahlungsausfall von Staaten und Banken, der sich im Zuge einer freien Zinsbildung im Kapitalmarkt einstellen w\u00fcrde, mit all seinen wirtschaftlichen und politischen Folgen.<\/p>\n<p>\u00dcberzeugen kann diese Argumentation nicht, sie erweckt eher den Eindruck, die tats\u00e4chliche Sach- und Interessenlage soll dadurch verschleiert werden. Wie dem auch sei, in jedem Fall sollte die Argumentation kritisch hinterfragt werden: Denn diejenigen, die f\u00fcr Marktinterventionen der Zentralbanken pl\u00e4dieren und damit Moralische Wagnisse heraufbeschw\u00f6ren, k\u00f6nnen sich schlie\u00dflich irren \u2013 und zwar auch absichtlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eThe importance of keeping the pigs in good health was all too obvious. 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