{"id":12295,"date":"2013-05-03T00:01:14","date_gmt":"2013-05-02T23:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12295"},"modified":"2013-05-02T19:54:44","modified_gmt":"2013-05-02T18:54:44","slug":"buchermarkthanno-beck-geld-denkt-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12295","title":{"rendered":"<small>B\u00fccherMarkt<\/small><br\/>Hanno Beck: Geld denkt nicht<br \/>"},"content":{"rendered":"<p>B\u00fccher, die sich der Lebenshilfe angenommen haben, gibt es reichlich. Das Kochbuch ist so ein Klassiker. Doch nur wenige Investitionen in einen Ratgeber d\u00fcrften so ertragreich sein wie der Kauf eines Buches \u00fcber Geldanlage \u2013 wenn es denn gut und nicht von der Finanzindustrie gesteuert ist. \u201eGeld denkt nicht\u201c von Hanno Beck geh\u00f6rt dazu. Es ist keines dieser Hellseher-Pamphlets, die es in der B\u00f6rsenliteratur leider viel zu h\u00e4ufig gibt. Stattdessen bekommt der Leser schonungslos seinen Spiegel vorgehalten, ohne gleich rot anlaufen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Layout des Buchumschlages hat zuletzt eine ungeahnte Aktualit\u00e4t bekommen. Denn darauf sind zwei 500-Euro-Scheine abgebildet, die zu Papierfliegern gefaltet sind. Einer dieser Flieger hat bereits eine Bruchlandung hingelegt. Dem anderen steht der harte Aufschlag auf den Boden der Tatsachen noch bevor. Der am h\u00f6chsten notierte Euro-Schein sollte April-Ger\u00fcchten zufolge tats\u00e4chlich aus dem Verkehr gezogen werden, um die Geldf\u00e4lschung einzud\u00e4mmen. Doch w\u00e4hrend der 500-Euro-Schein k\u00fcnftig sowohl original als auch vermutlich gef\u00e4lscht weiterhin im Umlauf ist, erleiden viele Wertpapierdepots von Anlegern regelm\u00e4\u00dfig einen Crash in solchen und noch ganz anderen Gr\u00f6\u00dfenordnungen. Dies m\u00fcsste nicht unbedingt sein, wenn die Lehren der Behavioral Economics beherzigt w\u00fcrden. Dazu muss man nicht gleich Psychologie oder Volkswirtschaftslehre studiert haben. Wie in Becks Buch deutlich wird, reichen bereits manche wissenschaftliche Erkenntnisse gepaart mit historischen und allt\u00e4glichen Anekdoten, um dem Verstand ein wenig auf die Spr\u00fcnge zu helfen. Eine Auswahl.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Wie entkommt man dem Ruf der Herde?<\/strong><\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen des Rufes der Herde ist nicht erst bekannt, seitdem das Computerspiel \u201eLemmings\u201c Anfang der 1990er Jahre auf den Markt gekommen ist. Die kleinen Kreaturen mit den gr\u00fcnen Haaren und dem blauen Gewann laufen blindlings ins Verderben, sofern der Spieler ihnen keinen Weg aus dem Dilemma weist. Beck f\u00fchrt den tragischen Fall einer Sekte auf, die am 18. November 1978 im s\u00fcdamerikanischen Dschungel zu einem gro\u00dfen Teil Selbstmord begangen hat. An der B\u00f6rse ist der Herdentrieb zwar nicht lebensbedrohlich. Er kann aber zumindest existenzgef\u00e4hrdend sein. Becks Rezept lautet daher: Abstand zum Geschehen an den Kapitalm\u00e4rkten wahren \u2013 so wie die legend\u00e4ren Investoren Warren Buffett und Bill Gross, die weit weg von der hektischen Wall Street residieren. Vielleicht ist es genau diese r\u00e4umliche Entfernung vom kollektiven Treiben, durch die man dem Lockruf der Herde entsagen kann, meint der Volkswirtschaftsprofessor: \u201eF\u00fcr Anleger bedeutet das, dass sie sich ganz bewusst ein St\u00fcck von der Hektik des Tagesgesch\u00e4ftes fernhalten sollten. Nicht jeden Tag ins Depot schauen, nicht jeden Tag die Kurse vergleichen, nicht jeden Tag die B\u00f6rsenzeitschrift mit den neuesten hei\u00dfen Aktientipps lesen \u2013 einfach eine gesunde Distanz zum allt\u00e4glichen Irrsinn herstellen.\u201c (S. 36)<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Warum ist Framing so gef\u00e4hrlich?<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>Nach einer Definition seines Erfinders Erving Goffmann bedeutet Framing das Einbetten eines Themas in ein bestimmtes Bedeutungsumfeld. Was relativ abstrakt klingt, kann an der B\u00f6rse viel Geld kosten. Denn wenn ein Investor dem Ph\u00e4nomen des Framing aufliegt, betrachtet er nicht nur die \u2013 f\u00fcr seine Investition eigentlich alleine entscheidenden \u2013 Fakten, sondern auch deren Verpackung. Beck nennt unter anderem ein Beispiel aus der Versicherungswirtschaft. Dabei bietet die Versicherung zum einen einen Vertrag mit einer hohen Pr\u00e4mie und einer R\u00fcckzahlung bei Schadenfreiheit, zum anderen einen Kontrakt mit niedriger Pr\u00e4mie und Selbstbeteiligung. Beide Offerten sind von der Logik her identisch \u2013 und dennoch entscheiden sich die meisten Versicherten f\u00fcr die erste Variante. Dabei ist diese wegen des entgangenen Zinses in Wirklichkeit sogar teurer. Framing in Reinkultur. Dieser versuchten Beeinflussung ist nur schwer beizukommen. Beck empfiehlt, Dinge immer aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und anschlie\u00dfend entschlossen zu handeln.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Wie kann man sich die geistige Kontenf\u00fchrung zunutze machen?<\/strong><\/p>\n<p>Menschen f\u00fchren bisweilen eine eigenartige Buchhaltung, die mit der eines ehrbaren Kaufmanns wenig gemein hat. Oder wie l\u00e4sst sich sonst erkl\u00e4ren, dass viele Girokonten trotz horrender Zinsen im Minus sind, obgleich sich noch Geld auf dem alles andere als \u00fcppig verzinsten Sparbuch befindet? Genau wie viele Menschen zwischen ihren Konten chinesische Mauern hochgezogen haben, gibt es oftmals auch f\u00fcr alle m\u00f6glichen Ausgabenarten einen eigenen Posten \u2013 bis hin zum Gemischtwarenladen. Das schr\u00e4nkt uns in unserer Flexibilit\u00e4t ein, kann aber auch \u2013 Stichwort Altersvorsorge \u2013 sein Gutes haben. Denn die Spardisziplin l\u00e4sst sich mit mentalen Konten erh\u00f6hen. Beck spricht sich daf\u00fcr aus, eine Zeit lang zu warten, ehe man unverhoffte Geldeing\u00e4nge wie einen Lottogewinn oder eine Steuerr\u00fcckzahlung verbucht bzw. ausgibt. Dann besteht eine Chance, dass dieses Geld nicht auf dem h\u00e4ufig umgesetzten Konto f\u00fcr Gl\u00fccksf\u00e4lle, sondern auf dem lange w\u00e4hrenden Altersvorsorgekonto landet. Damit Kleinstbetr\u00e4ge nicht st\u00e4ndig im Gemischtwarenladen landen, r\u00e4t Beck diese gro\u00df zu rechnen. F\u00fcnf Euro f\u00fcr eine Packung Zigaretten t\u00e4glich klingen \u00fcberschaubar an. 150 Euro pro Monat sind dagegen schon eine andere Hausnummer.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Mit welchen Vorkehrungen kann man den Besitztumseffekt austricksen?<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>Den wenigsten gelingt es, keinerlei Emotionen zu seinem Hab und Gut aufzubauen. Wenn etwas in unseren Besitz gewandert ist, betrachten wir es als unser Eigentum und geben es nur ungern wieder her. An der B\u00f6rse kann dieses Ph\u00e4nomen zum Nichtstun (ver-)f\u00fchren \u2013 und viel Geld vernichten. Es ist allerdings unklar, in welchem Ausma\u00df der Besitztumseffekt auch bei Gutscheinen und Wertpapieren zuschl\u00e4gt. Eine liebgewonnene Kaffeetasse mag unverk\u00e4uflich sein; bei einem abstrakten Gut auf dem Wertpapierkonto ist dies vermutlich anders. Und dennoch: Auch bei \u201eseiner\u201c Aktie wird ein Investor vom Besitztumseffekt eingenommen; er l\u00e4sst sie \u2013 wom\u00f6glich zu lange \u2013 unangetastet. Dies ist <em>eine<\/em> Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Beharrungsirrtum; die Angst, seine aktive Handlung sp\u00e4ter zu bereuen eine andere. Beck r\u00e4t: \u201eAuf lange Sicht bereuen wir eher das, was wir nicht getan haben \u2013 wer sich diese Lehre vergegenw\u00e4rtigt, springt leichter \u00fcber den Schatten der Entscheidungsparalyse.\u201c (S. 188) Dabei h\u00fclfe die Vorstellung, dass es besser sei, etwas zu wagen, als ein Leben lang mit der Unsicherheit zu reisen, was gewesen w\u00e4re, wenn wir gewagt h\u00e4tten. Eine weitere \u00dcberwindungsstrategie ist, sich die Opportunit\u00e4tskosten zu vergegenw\u00e4rtigen. Denn mit jedem Tag, an dem das Geld auf dem mager verzinsten Sparbuch herumliegt, h\u00e4tte es bei einer anderen Verwendung mehr Rendite erwirtschaften k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Woran erkennt man L\u00fcgen und Halb-L\u00fcgen?<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>Sie wollen nur dein Bestes \u2013 dein Geld! Das gilt f\u00fcr den Metzger um die Ecke genau wie f\u00fcr den Friseur des Vertrauens. Doch hier erh\u00e4lt man wenigstens eine direkte R\u00fcckmeldung, indem man zu Hause eine Vesper macht oder in den Spiegel schaut. Bei Finanzprodukten kann man indes kein schnelles Feedback erwarten. Nachhaltiger Erfolg stellt sich \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 meist erst sehr viel sp\u00e4ter ein. Abstrakte (und nicht selten komplizierte) Finanzprodukte machen eine Entscheidung schwerer als die Wurstauswahl an der Theke. Was also liegt f\u00fcr den Anbieter n\u00e4her, dem Investor mit Hochglanzbrosch\u00fcren, vermeintlich atemberaubenden Statistiken und markigen Worten auf die Spr\u00fcnge zu helfen? Ranglisten, beispielsweise von Fonds, haben dennoch eine anziehende Wirkung auf die Anleger. Dabei m\u00fcssen Topleistungen aus der Vergangenheit f\u00fcr die Zukunft nichts hei\u00dfen. Beck spricht vom Gesetz der kleinen Zahl, dem das Gehirn irrt\u00fcmlicherweise unterliegt. Dabei m\u00fcsste es, wenn es rational denkt, dem Gesetz der gro\u00dfen Zahl folgen. Es gibt Ausrei\u00dfer nach oben, die Fonds auf Platz eins von Ranglisten sp\u00fclen. Es gibt genauso gut aber auch Ausrei\u00dfer nach unten. \u00dcber kurz oder lang werden sich viele Fonds im Durchschnitt einreihen. Beck warnt: \u201eMan muss aufpassen, dass man nicht dem Gesetz der kleinen Zahl verf\u00e4llt \u2013 die statistische Realit\u00e4t erschlie\u00dft sich nicht aus wenigen Datenpunkten. Wer aus der Tatsache, dass ein Produkt \u00fcber drei Jahre hinweg ganz vorne ist, schlie\u00dft, dass dieses Produkt exzellent ist, untersch\u00e4tzt die Macht des Zufalls und \u00fcbersch\u00e4tzt die Aussagekraft solcher vereinzelter Datenpunkte.\u201c (S. 265)<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Wie verhindert man zeitinkonsistentes Verhalten?<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>Die Zeitinkonsistenz in der Geldpolitik kann zu \u00fcberraschender Inflation f\u00fchren. Ein Mittel, um diesem Problem Herr zu werden, ist eine unabh\u00e4ngige Notenbank. Ein anderes die Selbstbindung. Letztere hilft auch dem Investor, der ein zeitinkonsistentes Verhalten an den Tag legt, wenn er langfristig richtige Ziele wie die Altersvorsorge verfolgt, aber kurzfristig anders handelt und das Geld lieber ausgibt. Sparpl\u00e4ne k\u00f6nnen helfen, da man sich in der Regel nur bei deren Einrichtung einmal \u00fcberwinden muss. Sie haben dar\u00fcber hinaus einen weiteren positiven Nebeneffekt, wenn man sich vor Augen h\u00e4lt, dass die gro\u00dfen Renditespr\u00fcnge an den B\u00f6rsen meist nur an wenigen Tagen im Jahr passieren, wie Beck unter Anf\u00fchren empirischer Studien zu Bedenken gibt. Wenn man permanent investiert ist, nimmt man diese Tage zwangsl\u00e4ufig mit. Das ist sicher keine Erkenntnis, f\u00fcr die man noch einen Nobelpreis gewinnt. Mehr Ertrag als alle Tipps in manch anderem Ratgeber zusammen bringt sie allemal.<\/p>\n<p><strong>Hinweise:<\/strong> \u201eGeld denkt nicht \u2013 Wie wir in Gelddingen klaren Kopf behalten\u201c ist beim <a href=\"http:\/\/www.hanser.de\/\" target=\"blank\" >Hanser Verlag<\/a> erschienen. Autor Prof. Dr. Hanno Beck hat daf\u00fcr k\u00fcrzlich den Deutschen Finanzbuchpreis 2013 erhalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/5cc9fa22f3884afeb543ee47978b6b15\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fccher, die sich der Lebenshilfe angenommen haben, gibt es reichlich. Das Kochbuch ist so ein Klassiker. 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