{"id":12451,"date":"2013-05-17T08:34:50","date_gmt":"2013-05-17T07:34:50","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12451"},"modified":"2013-05-17T08:34:50","modified_gmt":"2013-05-17T07:34:50","slug":"inflation-versus-gefahrdung-des-finanzsektorsdas-zweiseitige-niveauproblem-der-financial-repression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12451","title":{"rendered":"Inflation versus Gef\u00e4hrdung des Finanzsektors<br\/><small>Das zweiseitige Niveauproblem der Financial Repression<\/small>"},"content":{"rendered":"<p>Bei allen Unstetigkeiten der internationalen Wirtschaftspolitik in der Bek\u00e4mpfung der Verschuldungskrise hat sich immerhin ein gemeinsames Muster im Zeitverlauf als so stabil erwiesen, dass die meisten Kapitalmarktexperten es mittlerweile zum offenkundigen Hauptinstrument gek\u00fcrt haben: Praktisch alle gro\u00dfen Notenbanken fahren eine Politik des leichten Geldes mit so gro\u00dfem Nachdruck und in so vielen Facetten, dass das Zinsniveau von Staatsanleihen \u00fcber praktisch alle Laufzeiten deutlich gedr\u00fcckt wird. Bei den als noch halbwegs \u201esicher\u201c geltenden Staaten wird damit oft sogar bei zehnj\u00e4hrigen Anleihen ein negativer Realzins generiert \u2013 wohlgemerkt vor einer Kapitalbesteuerung hinsichtlich Ertrag und Substanz, die zur weiteren Sanierung der \u00f6ffentlichen Haushalte auch noch erh\u00f6ht bzw. eingef\u00fchrt werden soll. Im Ergebnis wird jedenfalls die Schuldenlast real entwertet und der Quotient zwischen Staatsverschuldung und BIP verbessert sich sowohl durch den negativen Realzins als auch das reale Wachstum, das zudem noch vom niedrigen Zinsniveau profitieren soll.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dieses Vorgehen ist keineswegs neu. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es insbesondere von den USA langfristig eingesetzt und sp\u00e4ter von den \u00d6konomen Edward S. Shaw und Ronald I. McKinnon mit dem bis heute gebr\u00e4uchlichen Titel \u201eFinancial Repression\u201c bezeichnet. Neben dem beschriebenen \u00f6konomischen Basiseffekt erscheint dieses Instrument auch deshalb attraktiv, weil es in seiner indirekten Wirkung schlechter durchschaut wird und zudem von der Notenbank zu verantworten ist \u2013 mit anderen Worten: Die Politik muss keine w\u00e4hlerunfreundlichen Grausamkeiten in Gang setzen. Au\u00dferdem haben die Inhaber von Buchforderungen in den letzten Jahrzehnten tendenziell recht gut abgeschnitten und geben mit die Sondersteuer in Form einer schleichenden Enteignung halt nur einen Teil ihrer Performance wieder ab. Und \u00fcberhaupt: Andere Alternativen, sofern \u00fcberhaupt vorhanden, weisen wohl noch gr\u00f6\u00dfere Probleme auf.<\/p>\n<p>Als gr\u00f6\u00dftes Problem der Financial Repression gilt jedenfalls die Kontrollierbarkeit der Inflation, die bei jeder Form von Geldschwemme immer als Menetekel an der Wand steht. Immerhin ist es den gro\u00dfen Notenbanken, die Spielarten von Financial Repression seit den f\u00fcnfziger Jahren angewandt haben, bislang gelungen, das Niveau der Inflation deutlich unterhalb einschl\u00e4giger Schreckensszenarien einzubremsen. Man k\u00f6nnte also einigerma\u00dfen zuversichtlich sein, dass es auch diesmal bei \u00fcberschaubaren Geldentwertungseffekten bleibt und es spricht sogar einiges daf\u00fcr, dass das Inflationsniveau f\u00fcr die Financial Repression weniger bedeutsam ist als sonst: Gerade in der aktuellen Situation entsteht die gew\u00fcnschte Wirkung ja nicht \u00fcber h\u00f6here Inflationsraten, sondern historisch einmalig niedrige Nominalzinsen.<\/p>\n<p>Da es in der \u00d6konomie keinen Free Lunch gibt, tut man gut daran, nach den dadurch bedingten Gefahren zu suchen. Sie werden schon l\u00e4nger durch das Lamentieren der Lebensversicherungen adressiert, die sich kaum instande sehen, ihren Neukunden halbwegs attraktive Verzinsungen zu garantieren, bzw. Schwierigkeiten bei der Einhaltung bestehender Verzinsungsgarantien bef\u00fcrchten. Probleme eines, wenngleich wichtigen, Vorsorgeinstruments wie der Kapitallebensversicherung w\u00e4ren angesichts der positiven Wirkungen von Financial Repression nun gut hinzunehmen, wenn sie nicht symptomatisch f\u00fcr den gesamten Finanzsektor w\u00e4ren. Genau dies ist aber der Fall.<\/p>\n<p>In der letzten Aprildekade wurden denn auch aus allen Bereichen des deutschen Bankensystems Vorbehalte gegen\u00fcber der Niedrigzinspolitik ge\u00e4u\u00dfert und erste negative Effekte auf die Ertragszahlen berichtet. Dies mag auf den ersten Blick \u00fcberraschen, denn da die Banken nicht nur bei den Kreditzinsen belastet, sondern auch bei den Einlagenzinsen entlastet werden, erscheint der Nettoeffekt eher bescheiden. Auf den zweiten Blick erkennt man aber, dass dies tr\u00fcgt: Neben der geringeren Verzinsung des Eigenkapitals, die bei sinkenden Zinsen stets eintritt, kommt es zu einem spezifischen Niveaueffekt, weil die Einlagenzinsen nicht unter bestimmte Schwellen abgesenkt werden k\u00f6nnen, ohne einen weitgehenden Abzug der Sparer zu riskieren. In der Konsequenz lagen bzw. liegen Einlagenzinsen in der j\u00fcngeren Vergangenheit bis heute oft \u00fcber den Refinanzierungss\u00e4tzen bei der EZB; vgl. hierzu bereits <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9899\">http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9899<\/a>. Damit wird die sogenannte Passivmarge der Bank de facto eliminiert bzw. sogar negativ. Da die Aktivmarge aber nicht steigt (wie sollte sie auch, wenn EZB und Politik darauf dr\u00e4ngen, dass das billige Geld \u00fcber Kredite in der Realwirtschaft ankommen soll; vgl. ebd.) und die Fristentransformation erschwert wird; vgl. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11485\">http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11485,<\/a> f\u00e4llt die gesamte Zinsmarge, die das wirtschaftliche R\u00fcckgrat kleiner bis mittlerer Gesch\u00e4ftsbanken hierzulande darstellt, zwangsl\u00e4ufig unter langfristig durchhaltbare Mindestwerte.<\/p>\n<p>Der Preis, der bei niedrigen Inflationsraten f\u00fcr Financial Repression zu zahlen ist, liegt also in einer mittel- bis langfristigen Auszehrung des Finanzsektors, genau genommen desjenigen Teils dieses Sektors, der auf eine hinreichende Zinsspanne angewiesen ist. Dazu geh\u00f6ren insbesondere die meisten Banken, welche die Krise ohne Staatshilfe \u00fcberwunden haben und die wichtigsten Finanzpartner f\u00fcr Privatanleger und mittelst\u00e4ndische Kreditnehmer sind. Sollen sie nicht mittel- bis langfristig die Opfer zwangsverordneter Niedrigzinsen werden, m\u00fcsste c.p. die Inflationsrate zumindest so weit steigen, dass bei paralleler Steigerung der Nominalzinsen ausk\u00f6mmliche Margen zu erzielen sind.<\/p>\n<p>Das \u201eNiveauproblem\u201c ist also zweiseitig und entsprechend noch schwerer zu l\u00f6sen als bislang mit Blick auf drohende Hyperinflationen diskutiert. Umso spannender bleibt die Frage, wie nicht nur, aber auch nicht zuletzt die EZB es l\u00f6sen wird.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei allen Unstetigkeiten der internationalen Wirtschaftspolitik in der Bek\u00e4mpfung der Verschuldungskrise hat sich immerhin ein gemeinsames Muster im Zeitverlauf als so stabil erwiesen, dass die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12451\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eInflation versus Gef\u00e4hrdung des Finanzsektors<br \/><small>Das zweiseitige Niveauproblem der Financial Repression<\/small>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":125,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,12],"tags":[1155,141,262,1156],"class_list":["post-12451","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fiskalisches","category-monetares","tag-financial-repression","tag-inflation","tag-niedrigzinspolitik","tag-zinsmarge"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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