{"id":12470,"date":"2013-05-25T00:01:22","date_gmt":"2013-05-24T23:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12470"},"modified":"2013-05-27T07:40:24","modified_gmt":"2013-05-27T06:40:24","slug":"der-euro-ist-mitverantwortlich-fur-die-staatsschuldenkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12470","title":{"rendered":"Der Euro ist (mit)verantwortlich f\u00fcr die Staatsschuldenkrise"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es um die Ursachen der Staatsschuldenkrise in Europa geht, dann werden h\u00e4ufig die Finanzkrise und die daran beteiligten Banken als ausl\u00f6sende Faktoren genannt. Dies \u00fcbersieht allerdings, dass die Grundprobleme bereits mit der Gr\u00fcndung der Eurozone im Jahre 1999 gelegt wurden. Durch die Schaffung eines einheitlichen Finanzraums und dem \u00dcbergang der Geldpolitik auf die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) musste es \u2013 bei gleicher Laufzeit und Bonit\u00e4t \u2013 auch zu einem einheitlichen Nominalzins in der Eurozone kommen. Gleichzeitig entwickelten sich aber \u2013 entgegen den Erwartungen \u2013 die Inflationsraten in den Mitgliedsl\u00e4ndern deutlich auseinander, so dass die (ex-post) Realzinsen ebenfalls unterschiedlich hoch ausfielen. Abbildung 1 veranschaulicht diese Entwicklung. Deutschland weist dabei bis Ende 2007 \u2013 also bis zum Beginn der Finanzkrise \u2013 den h\u00f6chsten Realzins auf, w\u00e4hrend die heutigen Krisenl\u00e4nder durch sehr niedrige, zum Teil sogar negative Realzinsen gekennzeichnet waren. Besonders deutlich l\u00e4sst sich diese Entwicklung am Beispiel Griechenlands nachvollziehen. In den Jahren 1999 und 2000, als Griechenland noch kein Mitglied der Eurozone war, lag der Realzins dort oberhalb des deutschen Zinses, um dann nach dem Beitritt zum 1. Januar 2001 auf das niedrige Niveau der anderen (sp\u00e4teren) Krisenl\u00e4nder zu fallen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smeet1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Realzinsen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smeet1.png\" alt=\"Realzinsen\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Durch die niedrigen Realzinsen wurde sowohl die private (Konsum- und Investitions-) als auch die staatliche Nachfrage in den heutigen Krisenl\u00e4ndern angekurbelt, was zun\u00e4chst in einem Anstieg des realen Wirtschaftswachstums und nachfolgend in h\u00f6heren Inflationsraten zum Ausdruck kam. Demgegen\u00fcber bremsten die im Vergleich hierzu hohen Realzinsen in Deutschland die Nachfrage und wirkten somit konjunktur- und inflationshemmend auf die heimische Volkswirtschaft. Als Folge dieser Divergenz verloren insbesondere die s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4nder zunehmend an (Preis-)Wettbewerbsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Deutschland, was sich wiederum in entsprechenden Handelsbilanzungleichgewichten niederschlug, da der Wechselkurs als wirtschaftspolitisches Korrektiv nicht mehr zur Verf\u00fcgung stand. Die unterschiedlichen Entwicklungen der Wachstums- und Inflationsraten zeigen die Abbildungen 2 und 3 exemplarisch am Beispiel Deutschlands und Irlands.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smeet2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wachstumsraten\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smeet2.png\" alt=\"Wachstumsraten\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smeet3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Inflationsraten\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smeet3.png\" alt=\"Inflationsraten\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>In einigen der heutigen Krisenl\u00e4nder haben die zinsbedingten Fehlanreize in st\u00e4rkerem Ma\u00dfe zu einem \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Anstieg der privaten Verschuldung gef\u00fchrt, in anderen hat der Staat die g\u00fcnstigen Finanzierungsbedingungen f\u00fcr eine Ausweitung der eigenen Verschuldung genutzt. In den F\u00e4llen \u00fcberm\u00e4\u00dfiger privater Verschuldung (insbesondere Irland, Spanien und Zypern) haben dann Kreditausf\u00e4lle \u2013 etwa durch das Platzen von Immobilienblasen \u2013 zun\u00e4chst die Banken in Bedr\u00e4ngnis gebracht. Zur Vermeidung einer systemischen Krise im Bankbereich hat in all diesen F\u00e4llen der betreffende Staat die Ausf\u00e4lle \u00fcbernommen und die Banken rekapitalisiert oder abgewickelt. Erst hierdurch ist es in diesen L\u00e4ndern \u2013 die zuvor h\u00e4ufig sogar die im Stabilit\u00e4tspakt vorgesehenen maximalen Verschuldungsquoten eingehalten hatten \u2013 zu Staatsschuldenkrisen gekommen. In anderen L\u00e4ndern (insbesondere Griechenland und Italien) haben es die Regierungen hingegen vers\u00e4umt, w\u00e4hrend der Phase g\u00fcnstiger Realzinsen die bestehende Verschuldung deutlich zu reduzieren. Ganz im Gegensatz dazu stiegen sogar die \u2013 h\u00e4ufig konsumtiv verwandten \u2013 Ausgaben und die daf\u00fcr notwendige Verschuldung weiter an. Die Wirkungen dieser Fehlanreize wurden zwar in der Folge durch die Finanzkrise und die nachfolgend ergriffenen fiskalischen Gegenma\u00dfnahmen in einzelnen L\u00e4ndern nochmals verst\u00e4rkt, die Finanzkrise selbst bildete aber keinesfalls die (alleinige) Ursache der Staatsschuldenkrise. Die entsprechenden Entwicklungen sind den Abbildungen 4 und 5 zu entnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smeet4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Private Verschuldung\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smeet4.png\" alt=\"Private Verschuldung\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smeet5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"\u00d6ffentliche Verschuldung\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smeet5.png\" alt=\"\u00d6ffentliche Verschuldung\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Nach dem Ausbruch der Finanzkrise und insbesondere im Verlauf der Staatsschuldenkrise haben sich die Realzinsen \u2013 wie Abbildung 1 zeigt \u2013 jedoch in umgekehrter Weise entwickelt. W\u00e4hrend sich Deutschland nun dem niedrigsten Realzins von den aufgef\u00fchrten L\u00e4ndern gegen\u00fcbersieht, m\u00fcssen die Krisenstaaten deutlich h\u00f6here Zinsen f\u00fcr ihre Staatsschuld bezahlen \u2013 soweit sie sich \u00fcberhaupt noch am Markt finanzieren k\u00f6nnen. Im Gegensatz zur Vorkrisenphase ist die Realzinsentwicklung jetzt aber nicht prim\u00e4r durch unterschiedliche Inflationsraten bei einheitlichem Nominalzins verursacht, sondern nun sind in erster Linie \u2013 durch Risikozuschl\u00e4ge bedingte \u2013 unterschiedlich hohe Nominalzinsen f\u00fcr die Entwicklung verantwortlich. Diese Zinsspreizung zu Ungunsten der Krisenl\u00e4nder l\u00e4sst sich in \u00e4hnlicher Weise \u2013 allerdings in geringerem Ausma\u00df \u2013 auch f\u00fcr Kredite an private Unternehmen und Haushalte beobachten. Dieser (wachstumshemmende) Faktor bildete zugleich ein Argument f\u00fcr die EZB, ihren Leitzins (Hauptrefinanzierungssatz) am 2. Mai auf 0,5 Prozent zu senken.<\/p>\n<p>Verbindet man die aktuelle Zinsentwicklung mit den Ausgangs\u00fcberlegungen, so ist auf der einen Seite damit zu rechnen, dass die h\u00f6heren Realzinsen in den Krisenl\u00e4ndern \u2013 wie bereits zu beobachten \u2013 nun zu weiteren konjunkturellen Einbr\u00fcchen und r\u00fcckl\u00e4ufigen Inflationsraten f\u00fchren. Auf der anderen Seite wird Deutschland zwar im Verh\u00e4ltnis dazu ein h\u00f6heres Wirtschaftswachstum aufweisen, zugleich aber auch einen (weiteren) Beitrag zur Krisenbew\u00e4ltigung in Form einer (zuk\u00fcnftig) h\u00f6heren Inflationsrate leisten. Hierdurch wird sich die internationale (Preis-)Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Krisenl\u00e4nder innerhalb der W\u00e4hrungsunion aber verbessern und somit m\u00f6glicherweise der Umschwung zu mehr Wachstum unterst\u00fctzt. Da sich der Handel Deutschlands mit den Partnern in der W\u00e4hrungsunion von etwa 45 Prozent im Jahr 1999 auf etwa 38 Prozent im Jahr 2013 reduziert hat, sollte allerdings vermieden werden, dass hierdurch die (Preis-)Wettbewerbsf\u00e4higkeit Deutschlands gegen\u00fcber Drittl\u00e4ndern zu stark leidet.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich folglich sagen, dass die monet\u00e4re (Zwangs-)Harmonisierung bei gleichzeitig divergierenden realwirtschaftlichen Entwicklungen in der Eurozone die Basis f\u00fcr die Staatsschuldenkrise gelegt hat. Zugleich werden diese Prozesse nun aber auch zur Krisenbew\u00e4ltigung beitragen. Sie werden allerdings asymmetrisch wirken, da in den Krisenl\u00e4ndern der Zinsdruck von politischer Seite reduziert wird, w\u00e4hrend die expansiven Effekte insbesondere in Deutschland uneingeschr\u00e4nkt ihre Wirkung entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es um die Ursachen der Staatsschuldenkrise in Europa geht, dann werden h\u00e4ufig die Finanzkrise und die daran beteiligten Banken als ausl\u00f6sende Faktoren genannt. 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