{"id":12684,"date":"2013-08-12T09:29:14","date_gmt":"2013-08-12T08:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12684"},"modified":"2013-08-12T14:38:38","modified_gmt":"2013-08-12T13:38:38","slug":"ungleichheit-heute-16geldpolitik-und-ungleichheitmachen-notenbanken-die-welt-ungleicher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12684","title":{"rendered":"<small>Ungleichheit heute (16)<\/small><br>Geldpolitik und Ungleichheit<br><small>Machen Notenbanken die Welt ungleicher?<\/small>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eInflation ist der Dieb der kleinen Leute.\u201c (Norbert Bl\u00fcm)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Haushaltseinkommen sind ungleich verteilt. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11584\">Arbeit und Demographie<\/a> sind wichtige Treiber. Wie sich die Haushaltseinkommen verteilen, h\u00e4ngt stark von der Verteilung der Arbeitseinkommen ab. Ungleich verteilte L\u00f6hne entscheiden, wie sich die Arbeitseinkommen sortieren. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11656\">Technologie und Institutione<\/a>n sind die Motoren der ungleichen Lohnverteilung. Der demographische Wandel tut ein \u00dcbriges. Neben materiellen Anreizen spielen <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11388\">individuelle Pr\u00e4ferenzen<\/a> eine wichtige Rolle. Steigende Erwerbsquoten der Frauen, kleinere Haushalte und mehr Homogamie geben den Ton an. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11933\">Steuer-Transfer-Systeme<\/a> pfl\u00fcgen die ungleich verteilten marktlichen Haushaltseinkommen um. Das mindert die Ungleichheit. Es gibt aber auch noch einen anderen staatlichen Akteur, der durch die Hintert\u00fcr verteilungspolitisch agiert: Die Notenbanken. Mit ihren geldpolitischen Aktivit\u00e4ten \u00fcben sie einen wichtigen Einfluss aus. Es wird bef\u00fcrchtet, dass sie Einkommen und Verm\u00f6gen ungleicher verteilen. Gegenw\u00e4rtig treibt die \u201eNeue Geldpolitik\u201c die Kurse an den B\u00f6rsen. Davon profitierten vor allem h\u00f6here Einkommen. Die Gefahr ist gro\u00df, dass vor allem \u00e4rmere Einkommensbezieher die Dummen sind, wenn die extrem expansive Geldpolitik \u00fcber kurz oder lang in Inflation m\u00fcndet. Notenbanken machen damit auch (Verteilungs)Politik, m\u00f6glicherweise allerdings unerw\u00fcnschte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Umverteilung \u00fcber die Inflation<\/strong><\/p>\n<p>Es ist unbestritten, dass der langfristige Trend der Verteilung der Markteinkommen der Haushalte von realen Faktoren bestimmt wird. Globalisierung, Technologie, Institutionen und Pr\u00e4ferenzen geben den Ton an. Um diesen Trend gibt es allerdings \u201ezyklische\u201c distributive Schwankungen. Die Geldpolitik ist ein wichtiger Faktor, der neben der Fiskalpolitik die Verteilung der Einkommen tempor\u00e4r schwanken l\u00e4sst. Wie die Geldpolitik verteilungspolitisch wirkt, ist allerdings umstritten. Die einen sehen sie der st\u00e4ndigen Versuchung ausgesetzt, viel zu expansiv zu Werke zu gehen. Der Druck der Politik ist nur ein Grund f\u00fcr diese Entwicklung. Ein Anstieg des allgemeinen Preisniveaus scheint unvermeidlich. Verlierer sind vor allem untere Einkommensschichten. Die Verteilung der Einkommen wird ungleicher. Das ist die klassische Sicht der Dinge. Andere k\u00f6nnen hingegen nicht genug von einer expansiven Geldpolitik kriegen. Die expansive \u201eNeue Geldpolitik\u201c ist in ihrem Sinne. Sie sehen in ihr eine M\u00f6glichkeit, die Arbeitslosigkeit sp\u00fcrbar zu verringern. Das gelte vor allem bei \u201ezyklischer\u201c Arbeitslosigkeit. Eine geringere Arbeitslosigkeit komme vor allem weniger qualifizierten Arbeitnehmern zugute. Die Verteilung der Einkommen wird gleichm\u00e4\u00dfiger. Das ist die keynesianische Sicht der Dinge.<\/p>\n<p>Eine expansive Geldpolitik beeinflusst die Verteilung der Einkommen auf vielf\u00e4ltige Art und Weise. Es ist kein Zufall, dass der Finanzsektor auf eine expansive Politik dr\u00e4ngt. Die Notenbanken bringen die gr\u00f6\u00dfere Geldmenge \u00fcber die Banken in Umlauf. Diese gelangen als Erste in den Genuss des billigen Geldes. Sie geben es zu einem h\u00f6heren Preis an die kreditnachfragende Kundschaft. Von dem so erzielten Profit schneiden sich Top-Management und Aktion\u00e4re ein \u00fcberproportional gro\u00dfes St\u00fcck ab. Die Verteilung der Einkommen wird ungleicher. Diese Entwicklung wird durch Inflation verst\u00e4rkt. Gegenw\u00e4rtig ist allerdings von inflation\u00e4ren Entwicklungen wenig zu sehen. Trotz ultra-expansiver Geldpolitik sind die Inflationsraten eher leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Die Gefahr k\u00fcnftiger inflation\u00e4rer Entwicklungen ist damit aber nicht gebannt. Eine inflation\u00e4re Zukunft k\u00f6nnte Europa schneller bl\u00fchen als erwartet. Zwei Indizien deuten darauf hin: Zum einen steigt die Arbeitslosigkeit weiter an. Deutschland ist eine Ausnahme, obwohl auch hierzulande die Arbeitslosigkeit wieder leicht ansteigt. Die <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12343\">strukturelle Komponente<\/a> der Arbeitslosigkeit w\u00e4chst, die zyklische Output-L\u00fccke schlie\u00dft sich. Zum anderen nehmen die staatlichen Schulden weiter zu. Von Austerit\u00e4t keine Spur. Ein pl\u00f6tzlicher Vertrauensverlust in die Zahlungsf\u00e4higkeit hochverschuldeter L\u00e4nder k\u00f6nnte eine <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8063\">fiskalische Inflation<\/a> ausl\u00f6sen. Die EZB w\u00e4re hilflos.<\/p>\n<p>Es ist bisher empirisch relativ wenig untersucht, wie Inflation auf die Ungleichheit der Einkommen wirkt. Die theoretischen \u00dcberlegungen haben eine ungleichheitsverst\u00e4rkende Schlagseite. Mit einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus gelingt es den Unternehmen, sich einen gr\u00f6\u00dferen Teil des Volkseinkommens anzueignen. Die Gewinne steigen schneller als die L\u00f6hne. In Zeiten \u00fcberraschender Inflation sinkt die Lohnquote. Das ver\u00e4ndert auch die personelle Verteilung der Einkommen. Es spricht einiges daf\u00fcr, dass sie ungleicher wird. Der Anteil der Arbeitseinkommen am Sozialprodukt ist bei geringeren Einkommen h\u00f6her. Bei den oberen Einkommen spielen Gewinn- und Kapitaleinkommen eine gr\u00f6\u00dfere Rolle. In Zeiten der Inflation m\u00fcsste die Verteilung der personellen Einkommen ungleicher werden. Auch am unteren Ende der Einkommensskala schl\u00e4gt die Inflation zu. Der Anteil der Arbeitnehmer, die ein fixes Nominaleinkommen beziehen, hat sich zwar verringert. Nach wie vor sind aber wichtige staatliche Transfers, wie etwa das Arbeitslosengeld II, nicht lohn- und preisindexiert. Die Leistungen werden politisch diskretion\u00e4r, also nach Kassenlage, angepasst. Ein Anstieg der Inflation verringert die realen Einkommen am unteren Ende der Einkommensleiter st\u00e4rker als anderswo auf der Leiter. Auch das sollte eigentlich ungleichheitsverst\u00e4rkend wirken.<\/p>\n<p>Neuere empirische Untersuchungen zum Zusammenhang von Inflation und Verteilung der Einkommen sind Mangelware. Die Studie von <a href=\"http:\/\/www.newyorkfed.org\/research\/economists\/albanesi\/inflation_inequality.pdf\">Stefania Albanesi<\/a> ist eine der wenigen Untersuchungen. Sie ermittelt eine positive Korrelation der beiden Gr\u00f6\u00dfen. Mehr Inflation f\u00fchrt zu ungleicher verteilten Einkommen. Das Ergebnis ist allerdings problematisch. Es umfasst nur 51 industrialisierte und weniger entwickelte L\u00e4nder f\u00fcr die fr\u00fche Zeit von 1966 \u2013 1990. Damit ist aber die Zeit der globalen \u00d6ffnung der M\u00e4rkte nach dem Fall des \u201eEisernen Vorhangs\u201c nicht erfasst. Die Phase der \u201eGreat Moderation\u201c mit niedrigen Inflationsraten wird ausgeblendet. Ein zeitn\u00e4herer Scatter-Plot zeigt, dass f\u00fcr die Zeit zwischen 1980 und 2010 Konsumenten-Preis-Indizes und korrigierte Gini-Koeffizienten f\u00fcr 187 L\u00e4nder negativ korreliert sind. Es scheint, dass die Ergebnisse von Albanesi nicht mehr gelten. Die Einkommen sind gleichm\u00e4\u00dfiger verteilt, wenn die Inflation h\u00f6her ist. Dieses Ergebnis verdeckt aber die unterschiedliche Entwicklung in den beiden Zeitr\u00e4umen einmal zwischen 1966 und 1990 und das andere Mal zwischen 1990 und 2011. Im ersten Zeitraum gehen h\u00f6here Inflationsraten und steigende Gini-Koeffizienten noch Hand in Hand. F\u00fcr die Zeit danach sind die beiden Gr\u00f6\u00dfen nicht mehr korreliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gepeq1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Inflation und Ungleichheit\" alt=\"Inflation und Ungleichheit\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gepeq1.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Umverteilung \u00fcber die Arbeitslosigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Wie ungleich die Einkommen der Haushalte verteilt sind, wird von der Verteilung der Arbeitseinkommen dominiert. Die Verteilung von L\u00f6hnen und Arbeitsmengen sind die entscheidenden Parameter. F\u00fcr die Verteilung der Arbeitseinkommen ist zweierlei wichtig: Zum einen h\u00e4ngt die Ungleichheit davon ab, wie hoch die Arbeitslosenquoten in den Einkommensperzentilen sind. In der Realit\u00e4t ist das Risiko, arbeitslos zu sein und es auch zu bleiben, bei Arbeitnehmern mit niedriger Qualifikation und geringem Einkommen h\u00f6her als bei besser qualifizierten Arbeitnehmern und h\u00f6herem Verdienst. \u201eNiedrigl\u00f6hner\u201c sind \u00f6fter arbeitslos als \u201eHochl\u00f6hner\u201c. Zum anderen beeinflussen die \u201eeinkommensspezifischen\u201c Arbeitszeiten die Ungleichheit der Arbeitseinkommen. Gering qualifizierte besch\u00e4ftigte Arbeitnehmer arbeiten weniger lang als Arbeitnehmer mit h\u00f6heren Qualifikationen. \u201eNiedrigl\u00f6hner\u201c arbeiten k\u00fcrzer als \u201eHochl\u00f6hner\u201c. Die Geldpolitik kann die Ungleichheit der Arbeitseinkommen abbauen, wenn es ihr gelingt, die Arbeitslosigkeit zu verringern. Verteilungspolitisch erfolgreich ist sie allerdings nur, wenn die Arbeitslosigkeit mit den sinkenden Perzentilen zur\u00fcckgeht und die Arbeitnehmer mit geringeren Qualifikationen bereit sind, l\u00e4nger zu arbeiten als die mit h\u00f6heren F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p>Die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Heute verfolgen alle wichtigen Notenbanken wieder ein Besch\u00e4ftigungsziel. Die einen, wie die FED, koppeln die Geldpolitik explizit an die Arbeitslosenquote. Andere, wie die EZB oder die BoE, verfolgen das Ziel implizit. Dieser Versuch, die Arbeitslosigkeit geldpolitisch abzubauen, hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn die Unterbesch\u00e4ftigung zyklisch ist. Dann k\u00f6nnen die Notenbanken versuchen, mit expansiver Geldpolitik die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu erh\u00f6hen. Eine Gefahr f\u00fcr das allgemeine Preisniveau besteht nicht. Greift diese Politik, sinkt die Arbeitslosigkeit. Davon profitieren zuerst vor allem Arbeitnehmer mit \u201emittleren\u201c Qualifikationen. H\u00e4lt die positive Entwicklung an, wird auch wieder verst\u00e4rkt \u201eeinfache\u201c Arbeit nachgefragt. Die Arbeitseinkommen verteilen sich gleichm\u00e4\u00dfiger. Reagiert die Geldpolitik z\u00fcgig auf einen Nachfrageeinbruch, werden Hysterese und steigende Einkommensungleichheit verhindert. Allerdings sind die gegenw\u00e4rtigen Erfahrungen mit expansiver Geldpolitik ern\u00fcchternd. Den Notenbanken gelingt es weltweit nicht, die Besch\u00e4ftigung zu stabilisieren. In den USA geht die Arbeitslosigkeit trotz hyper-expansiver Geldpolitik kaum noch zur\u00fcck, in Europa steigt sie sogar wieder stark an. Die Notenbanken sto\u00dfen \u00fcberall an die \u201eNull-Zins-Grenze\u201c.<\/p>\n<p>Allerdings ist das eigentliche Problem einer Politik, die Arbeitslosigkeit mit monet\u00e4ren Mitteln bek\u00e4mpfen will, ein zutiefst strukturelles. Zumindest in der EWU verdampft schon seit einiger Zeit die zyklische Komponente der Arbeitslosigkeit. Unterbesch\u00e4ftigung verfestigt sich und wird strukturell. Das gilt selbst dann, wenn sie urspr\u00fcnglich zyklisch war. Tats\u00e4chlich ist die Arbeitslosigkeit aber seit langem prim\u00e4r strukturell. Die Einf\u00fchrung des Euro hat die strukturelle Entwicklung in Europa regional und sektoral verzerrt. In einigen L\u00e4ndern sind etwa der Bau- und der Finanzsektor zu gro\u00df. Mit der Eurokrise wurde auch offenkundig, wie wenig wettbewerbsf\u00e4hig einige L\u00e4nder sind. Helfen k\u00f6nnen hier nur interne Abwertungen. Grundlegende Strukturreformen, nicht eine zentrale expansive Geldpolitik der EZB, sind das Gebot der Stunde. Gegen strukturelle Arbeitslosigkeit ist jede Geldpolitik machtlos, egal wie \u201eneu\u201c sie ist. Die expansive Geldpolitik der EZB behindert den Strukturwandel. Sie n\u00e4hrt weiter \u201eZombie-Banken\u201c, erh\u00e4lt \u00fcberkommene Strukturen und verringert die Anreize zu Strukturreformen. Auch verteilungspolitisch ist diese Strategie kontraproduktiv. Die Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu, wirtschaftliche Stagnation wird gef\u00f6rdert, Anteilseigner \u201euntoter\u201c Banken werden subventioniert. Die Verteilung der Einkommen wird ungleicher.<\/p>\n<p>Wie Geldpolitik \u00fcber den Kanal zyklischer Arbeitslosigkeit auf die Ungleichheit der Einkommen wirkt, wurde bisher kaum empirisch untersucht. Die Studie von <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/wp\/2012\/wp12199.pdf\">Olivier Coibion u.a.<\/a> ist eine der wenigen. Das Ergebnis \u00fcberrascht. F\u00fcr die USA scheinen f\u00fcr die Zeit zwischen 1980 und 2008 expansive Geldpolitik und gleichm\u00e4\u00dfiger verteilte Einkommen positiv korreliert. Das w\u00fcrde bedeuten, Arbeitslosigkeit war prim\u00e4r zyklisch und Inflation kein Problem. Es ist unklar, ob die Ergebnisse auch f\u00fcr andere L\u00e4nder gelten. Die \u201eEurosklerosis\u201c hatte in dieser Zeit weite Teile der EU fest im Griff. Das Ph\u00e4nomen der Hysterese erreichte einen H\u00f6hepunkt, strukturelle Faktoren dominierten. Ein positiver Zusammenhang von expansiver Geldpolitik und gleicher verteilten Einkommen ist unwahrscheinlich. Ein Blick auf den Scatter-Plot von 187 L\u00e4ndern f\u00fcr die Zeit von 1960 bis 2010 best\u00e4tigt die Ergebnisse f\u00fcr die USA <strong>nicht<\/strong>. Ein signifikanter Zusammenhang von Geldmenge M2 und Gini-Koeffizienten ist nicht zu erkennen. Keynesianische Arbeitslosigkeit ist nicht mit Ungleichheit korreliert. Geldpolitik ist offensichtlich besch\u00e4ftigungspolitisch impotent. Strukturelle Arbeitslosigkeit ist dagegen positiv mit Ungleichheit verbunden. Geldpolitik verteilt Einkommen \u00fcber den Kanal des Arbeitsmarktes gleichm\u00e4\u00dfiger, wenn es ihr gelingt, die strukturelle Komponente der Arbeitslosigkeit zu verringern. Erste Wahl ist damit weiterhin eine stabilit\u00e4tsorientierte Geldpolitik, die hilft, die NAIRU zu verringern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gepeq2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Arbeitslosigkeit und Ungleichheit\" alt=\"Arbeitslosigkeit und Ungleichheit\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gepeq2.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Umverteilung \u00fcber das Verm\u00f6gen<\/strong><\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig scheitert die \u201eNeue Geldpolitik\u201c der Notenbanken, Arbeitslosigkeit signifikant abzubauen. Die spannende Frage ist, wo bleibt das Geld, das die Notenbanken in gro\u00dfem Stil in Umlauf bringen. Eigentlich m\u00fcsste es sich bei wachsenden strukturellen Problemen in einem Anstieg der Inflation niederschlagen. Das ist offenkundig (noch) nicht der Fall. Die Inflationsrate ist eher leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Was mit der Liquidit\u00e4t passiert, l\u00e4sst sich f\u00fcr die USA erkennen. Die FED kauft jeden Monat f\u00fcr 85 Mrd. Dollar inl\u00e4ndische Wertpapiere. Davon gibt sie 40 Mrd. Dollar f\u00fcr \u201emortgage-backed securities\u201c aus. Mit diesen K\u00e4ufen l\u00f6st sie Umschichtungen des Portfolios aus und treibt die Preise aller finanziellen Aktiva in die H\u00f6he, auch von Aktien. Dieser Anstieg der Aktienkurse wird durch private Anleger verst\u00e4rkt. Auch in diesem Falle sind die Notenbanken beteiligt. Mit einer \u201eNull-Zins-Politik\u201c betreiben sie fiskalische Repression. Sie treiben renditesuchende Anleger, die ihre Verm\u00f6gensverluste minimieren wollen, zum Kauf riskanterer Wertpapiere. Dazu z\u00e4hlen auch Aktien. Es ist deshalb kein Zufall, dass einerseits die Aktienb\u00f6rsen mit der expansiven Geldpolitik haussieren und andererseits in den USA die Immobilienpreise stark steigen. Die Geldpolitik hat einen sp\u00fcrbaren Verm\u00f6genseffekt.<\/p>\n<p>Mit dieser Politik sind die Notenbanken auf einem gef\u00e4hrlichen Weg. Einerseits betreiben sie immer \u00f6fter Fiskalpolitik, andererseits verteilen sie Verm\u00f6gen um. F\u00fcr beide Aktivit\u00e4ten haben sie kein demokratisches Mandat. Mit der neuen Art, unkonventionelle Geldpolitik zu betreiben, stabilisieren sie die Preise auf den Finanzm\u00e4rkten. Die Eigent\u00fcmer von Aktien und Staatspapieren erhalten eine Preisgarantie. Die Analogie zur Agrarpolitik liegt auf der Hand. Beide Politiken, die \u201eNeue Geldpolitik\u201c und die \u201eAlte Agrarpolitik\u201c, sind daneben. Es ist f\u00fcr viele ein \u00c4rgernis, dass sich die geldpolitisch initiierten Verm\u00f6genszuw\u00e4chse sehr ungleich \u00fcber die Gesellschaft verteilen. Die Bank of England hat f\u00fcr das Jahr 2012 gesch\u00e4tzt, dass 40 % der Gewinne, die mit der expansiven Geldpolitik eingetreten sind, den reichsten 5 % der Haushalte zugefallen sind. Damit sind auch die Ertr\u00e4ge aus dem gestiegenen Verm\u00f6gen ungleich verteilt. Einen ersten Anhaltspunkt \u00fcber die Verteilungswirkungen erh\u00e4lt man, wenn man sich anschaut, wie etwa Aktien in den Einkommensschichten verteilt sind. F\u00fcr die USA liegt eine erste grobe <a href=\"http:\/\/www.washingtonpost.com\/blogs\/wonkblog\/wp\/2013\/05\/29\/the-feds-been-keeping-the-economy-afloat-thats-the-problem\/\">Analyse<\/a> vor. Wie nicht anders zu erwarten, ist der Gro\u00dfteil der Aktien in den H\u00e4nden von Familien der oberen 10 %. Mittlere und untere Einkommensschichten sind klar unterrepr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gepeq3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Verm\u00f6gensverteilung in Deutschland und den USA\" alt=\"Verm\u00f6gensverteilung in Deutschland und den USA\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gepeq3.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Datenlage f\u00fcr Deutschland ist nicht so, dass Ergebnisse f\u00fcr den zeitlichen Verlauf des Anteils von Aktien in den Quantilen der Verm\u00f6gensverteilung vorliegen. Einen ersten Anhaltspunkt erh\u00e4lt man allerdings aus der Verm\u00f6gensverteilung f\u00fcr das Jahr 2010. Danach halten die oberen 20 % der Verm\u00f6genden bis zu 30 % ihres Verm\u00f6gens in Aktien. Dieser Anteil nimmt mit dem Abstieg auf der Verm\u00f6gensleiter stark ab. Auf den tieferen Stufen ist er nur noch marginal. Auch in Deutschland profitieren die gro\u00dfen Verm\u00f6gen \u00fcberproportional von einer Geldpolitik, die zu einem Anstieg der Aktienkurse beitr\u00e4gt. Wenn die Geldpolitik die Immobilienpreise treibt, ist der Einfluss auf die Verm\u00f6gensverteilung \u00e4hnlich. Auch hier profitieren die Verm\u00f6genden auf den obersten Sprossen der Verm\u00f6gensleiter am st\u00e4rksten. Allerdings verteilt sich das selbstgenutzte Wohnungseigentum etwas gleichm\u00e4\u00dfiger. Vor allem die \u201eobere\u201c Mittelschicht h\u00e4lt einen erheblichen Teil ihres Verm\u00f6gens in Immobilien. Schon in der \u201emittleren\u201c Mittelschicht bricht der Anteil des Immobilienverm\u00f6gens stark ein. Eine expansive Geldpolitik, die mit dazu beitr\u00e4gt, die Immobilienpreise zu erh\u00f6hen, macht auch die Verteilung der Verm\u00f6gen ungleicher. Allerdings d\u00fcrfte der Effekt wesentlich weniger stark sein als bei Aktien.<\/p>\n<p>Notenbanken verteilen Verm\u00f6gen auch um, wenn es ihnen nicht gelingen sollte, das viele Geld wieder einzusammeln. Diese Gefahr ist real. Die Notenbanken sind in der \u201eNull-Zins-Falle\u201c. In den meisten L\u00e4ndern sind die Schuldenst\u00e4nde so hoch, dass die Staaten bei steigenden Zinsen von den Zinslasten erdr\u00fcckt werden. \u00dcberschuldete Staaten und Zombie-Banken gehen dann Pleite. Die Politik wird enormen Druck auf die Notenbanken aus\u00fcben, die Zinsen niedrig zu lassen. Wie es geht, hat die japanische Regierung schon gezeigt. Sie drohte das Gesetz zu \u00e4ndern, das die Unabh\u00e4ngigkeit der BoJ regelt, wenn diese nicht bereit sei, eine ultra-expansive Geldpolitik zu fahren. Die Gefahr ist gro\u00df, dass die Geldpolitik expansiv bleibt und die Inflationsrate steigt. Das verteilt Verm\u00f6gen um. Untere Einkommensschichten halten einen gr\u00f6\u00dferen Teil ihres Verm\u00f6gens in liquidit\u00e4tsnahen Aktiva, wie Tagesgeld oder Sparkonten. Bei oberen Einkommen ist der Anteil realer Aktiva, wie Aktien oder Immobilien, sichtbar gr\u00f6\u00dfer. Ein unerwarteter Anstieg der Inflationsrate trifft \u00e4rmere Schichten st\u00e4rker als reichere. Es gibt aber auch einen gegenl\u00e4ufigen Effekt. Tritt der Inflationsschub als \u00fcberraschender &#8222;Ketchup-Effekt&#8220; auf, werden Schuldner beg\u00fcnstigt und Gl\u00e4ubiger benachteiligt. Reichere und \u00e4ltere Haushalte verlieren. Sie halten den Gro\u00dfteil des Verm\u00f6gens. In welche Richtung sich die Verm\u00f6gensverteilung durch Inflation \u00e4ndert, ist unklar. Klar ist allerdings, dass sie sich \u00e4ndert.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Geldpolitik greift in die Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen ein. Gelingt es den Notenbanken nicht, das Preisniveau zu stabilisieren, werden Einkommen umverteilt. Wer gewinnt und wer verliert, muss sich empirisch erst noch zeigen. Die Gefahr inflation\u00e4rer Entwicklungen steigt allerdings, wenn Notenbanken mehrere wirtschaftspolitische Ziele verfolgen. Der Versuch, die Arbeitslosigkeit geldpolitisch zu verringern, m\u00fcndet wegen struktureller Probleme viel zu oft in Inflation. Auch die Varianten der \u201eNeuen Geldpolitik\u201c, die immer mehr zur Fiskalpolitik entartet, werden im Desaster enden. Schuldenfinanziertem staatlichem Schlendrian wird T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Das Risiko inflation\u00e4rer Entwicklungen nimmt zu. Der forcierte Kauf staatlicher Papiere durch die Notenbanken pfl\u00fcgt aber auch die Verm\u00f6gensverteilung um. Das l\u00e4sst zwar die B\u00f6rsen jubeln. Private Anleger werden auf Staatskosten von Risiken befreit. Die Verm\u00f6gensverteilung wird aber ungleicher. Es ist nicht sinnvoll, wenn die Notenbanken mit der Geldpolitik auch verst\u00e4rkt fiskal-, besch\u00e4ftigungs- und verteilungspolitisch t\u00e4tig werden. Das wirtschaftspolitische Assignment muss wieder vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe gestellt werden: Die Notenbanken sind f\u00fcr Preisniveaustabilit\u00e4t zust\u00e4ndig, die Tarifpartner f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung und der Staat f\u00fcr die \u00f6ffentlichen G\u00fcter, wie etwa die Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen. Eine Vermischung wirtschaftspolitischer Verantwortung ist weder effizient noch gerecht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/1ee129f257ff479dbe6dc36e9b4ccfb1\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p><strong>Beitr\u00e4ge der Serie <em>\u201cUngleichheit heute\u201c\u009d<\/em>:<\/strong><\/p>\n<p>Rainer Hank: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13021\">Ungleichheit und Gerechtigkeit: Was hat das miteinander zu tun?<\/a><\/p>\n<p>Klaus Gr\u00fcndler: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12673\">Ungleichheit und Krisen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12107\">&#8222;Reichtum ist distributive Umweltverschmutzung&#8220;. H\u00f6here Steuern oder mehr Wettbewerb?<\/a><\/p>\n<p>Klaus Gr\u00fcndler: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12214\">Ungleichheit und Wachstum<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11892\">Der amerikanische Traum \u2013 Bremst Ungleichheit die soziale Mobilit\u00e4t?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11933\">Der Staat pfl\u00fcgt die Verteilung um <\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11584\">Die Ungleichheit wird m\u00e4nnlicher<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11656\">Krieg der Modelle. Technologie oder Institutionen?<\/a><\/p>\n<p>Michael Gr\u00f6mling: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11703\">Einkommensverteilung \u2013 Vorsicht vor der Konjunktur!<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11140\">Die deutsche \u201cMitte\u201c\u009d ist stabil. Wie lange noch?<\/a><\/p>\n<p>Eric Thode: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11396\">Die Mittelschicht schrumpft \u2013 Wo liegt der Handlungsbedarf?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11388\">Geringe Stundenl\u00f6hne, kurze Arbeitszeiten. Treiben Frauen die Ungleichheit?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11133\">Deutschland wird ungleicher. Was sagt die Lohnverteilung?<\/a><\/p>\n<p>Simon Hurst: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10879\">Der Staat strapaziert die Schweizer Mittelschicht<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10851\">Einkommensungleichheit in OECD-L\u00e4ndern. Wo stehen wir?<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eInflation ist der Dieb der kleinen Leute.\u201c (Norbert Bl\u00fcm) Die Haushaltseinkommen sind ungleich verteilt. Arbeit und Demographie sind wichtige Treiber. Wie sich die Haushaltseinkommen verteilen, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12684\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<small>Ungleichheit heute (16)<\/small><br \/>Geldpolitik und Ungleichheit<br \/><small>Machen Notenbanken die Welt ungleicher?<\/small>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,25,1166,34,563,33,12,31,4,434],"tags":[556,912,196,1198,1199,328,142],"class_list":["post-12684","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-alles","category-distributives","category-gerechtes","category-kapitalistisches","category-konjunkturelles","category-makrooekonomisches","category-monetares","category-politisches","category-soziales","category-waehrungspolitisches","tag-berthold","tag-einkommensverteilung","tag-geldpolitik","tag-keynesianische-arbeitslosigkeit","tag-strukturelle-arbeitslosigkeit","tag-ungleichheit","tag-verteilung"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Ungleichheit heute (16)Geldpolitik und UngleichheitMachen Notenbanken die Welt ungleicher? - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12684\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Ungleichheit heute (16)Geldpolitik und UngleichheitMachen Notenbanken die Welt ungleicher? - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"\u201eInflation ist der Dieb der kleinen Leute.\u201c (Norbert Bl\u00fcm) Die Haushaltseinkommen sind ungleich verteilt. 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