{"id":12854,"date":"2013-08-04T05:59:07","date_gmt":"2013-08-04T04:59:07","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12854"},"modified":"2013-08-10T08:22:14","modified_gmt":"2013-08-10T07:22:14","slug":"gastbeitragmarktwirtschaft-und-umweltschutz-so-fern-und-doch-so-nah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12854","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag<\/small><br \/>Marktwirtschaft und Umweltschutz: So fern und doch so nah"},"content":{"rendered":"<p>Schon in der Schule lernen Kinder h\u00e4ufig, dass unsere marktwirtschaftliche Wohlstandsgesellschaft mit einem nachhaltigen Schutz der Umwelt unvereinbar sei. Zwangsl\u00e4ufig w\u00fcrde das Streben nach Gewinn den Blick f\u00fcr die Umwelt und den Erhalt der nat\u00fcrlichen Ressourcen versperren. Nahezu die gesamte Umweltbewegung, die Medien und die politische Klasse folgen diesem Paradigma, gen\u00e4hrt von theoretischen Erkl\u00e4rungsans\u00e4tzen der \u00d6konomie, die Umweltverschmutzung als Folge des Versagens von M\u00e4rkten klassifizieren. Der Markt scheint als \u00dcbelt\u00e4ter ausgemacht, weshalb in Sachen Umweltschutz an einem starken Staat kein Vorbeikommen zu sein scheint. Mit der M\u00fche f\u00fcr den zweiten Blick verliert dieses allseits akzeptierte Bild jedoch an \u00dcberzeugungskraft und die Realit\u00e4t zeigt, dass ohne M\u00e4rkte kein echter Umweltschutz denkbar ist. Weil sich die Umweltpolitik allzu oft nicht der individuellen Anreize und Kreativit\u00e4t der Marktakteure bedient, sichert sie oft nur ihre eigene Existenz zu Lasten der Umwelt und der Menschen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Umweltschutz als Marktaufgabe<\/strong><\/p>\n<p>Menschliches Handeln ohne Umwelteinfluss ist nicht denkbar. Das hat auch R\u00fcckwirkungen auf unsere Lebensqualit\u00e4t. Knappe nat\u00fcrliche Ressourcen stehen stets nur f\u00fcr eine Verwendung zur Verf\u00fcgung, es herrscht Nutzungskonkurrenz. Scheint beispielsweise die Beanspruchung des atmosph\u00e4rischen Luftsauerstoffs oder der auf dem Erdball verf\u00fcgbaren riesige Wassermassen durch den Menschen grunds\u00e4tzlich kein Knappheitsproblem auszul\u00f6sen, ist der Konflikt nicht fern, wenn die Anzahl der Menschen mit ihren Nutzungsanspr\u00fcchen an Naturressourcen und damit die nachgefragte Menge steigt. Irgendwann f\u00fchrt an einem Rationierungsmechanismus kein Weg mehr vorbei. Dabei hat sich der Marktmechanismus gegen\u00fcber alternativen Verfahren der Allokation knapper Ressourcen als \u00fcberlegen erwiesen. Nur wenn die Verteilung der Ressourcen auf freiwilligen Tauschvorg\u00e4ngen beruht, ist gew\u00e4hrleistet, dass die Nutzungskonkurrenten f\u00fcr den Verzicht auf die Ressourcennutzung angemessen kompensiert werden und sich keines der beteiligten Individuen \u00fcbervorteilt f\u00fchlt. Aus dem antagonistischen Ressourcenkonflikt wird ein kooperativer Ressourcentausch.<\/p>\n<p>Werden G\u00fcter und Dienstleistungen getauscht, erh\u00f6ht sich der Nutzen beider Tauschpartner: Sie werden sich nur handelseinig, wenn dem jeweils erhaltenen Gut einen h\u00f6herer Wert beigemessen wird, als sie f\u00fcr den Tausch aufgeben mussten. Je h\u00f6her die Wertsch\u00e4tzung der Marktteilnehmer f\u00fcr das Tauschobjekt, umso h\u00f6her f\u00e4llt der Preis aus, zu dem es den Besitzer wechselt. Da machen auch nat\u00fcrliche Ressourcen keine Ausnahme. Damit stellen M\u00e4rkte auch sicher, dass die gehandelten Ressourcen bei demjenigen zur Verwendung kommen, bei dem sie den gr\u00f6\u00dften Nutzen stiften. Eine Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen findet auf funktionierenden M\u00e4rkten nur dann statt, wenn der Wert der aus ihnen erzeugten G\u00fcter h\u00f6her ist, als der Wert, den ihre urspr\u00fcnglichen Eigent\u00fcmer den Ressourcen in ihrem Ausgangszustand beimessen. Indem sichergestellt wird, dass der urspr\u00fcngliche Ressourceneigent\u00fcmer f\u00fcr seinen Wertverlust kompensiert werden muss, schont Markttausch die Ressourcen. Nichts kann ohne freiwilliges Einverst\u00e4ndnis der Marktgemeinschaft gebraucht, verwertet oder eben verschmutzt werden, egal, ob es den Tauschpartnern nun auf den Gebrauchswert der G\u00fcter oder den Existenzwert einer intakten Umwelt ankommt.<\/p>\n<p>Ein freiwilliger Tauschakt setzt allerdings voraus, dass f\u00fcr die gehandelten nat\u00fcrlichen Ressourcen exklusive Eigentumstitel existieren, mit denen wohldefinierte Nutzungsrechte verbrieft, diese zuverl\u00e4ssig gesch\u00fctzt und ohne Einschr\u00e4nkungen \u00fcbertragbar sind. Ohne diese Bedingungen verlieren die Tauschobjekte an Wert, da die Tauschpartner keine hinreichenden Erwartungen \u00fcber zuk\u00fcnftige Nutzungs- und Verwertungsoptionen bilden k\u00f6nnen. F\u00fcr jeden Einzelnen verliert ohne funktionierende M\u00e4rkte auch die Umwelt an Wert, zum Leidwesen aller anderen Mitglieder der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>M\u00e4rkte gibt es nicht umsonst<\/strong><\/p>\n<p>Aus diesem Grund sind freiwilliger Markttausch und sichere Eigentumsrechte elementare Voraussetzungen f\u00fcr eine nachhaltige Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen. Doch in der Realit\u00e4t sind diese Bedingungen nicht immer erf\u00fcllt. Oft fehlt es an Eigentumsrechten f\u00fcr die knappen Naturressourcen und eine freiwillige Einigung \u00fcber ihre Nutzung kommt aufgrund hoher Transaktionskosten nicht zustande. Der amerikanische Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler Ronald H. Coase arbeite vor einem halben Jahrhundert in seinem wegweisenden Aufsatz \u201eThe Problems of Social Costs\u201c heraus, dass Umweltprobleme nicht das Resultat versagender M\u00e4rkte, sondern die Folge fehlender Voraussetzungen f\u00fcr die Herausbildung von M\u00e4rkten sind.<a id=\"fna1\" href=\"#fn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Suchte man bis dahin im Geiste des Wohlfahrts\u00f6konomen Arthur C. Pigous stets die L\u00f6sung von Umweltproblemen in der Anwendung des Verursacherprinzips, nach dem der schwarze Peter immer nur einer Seite der Konfliktparteien zugeschoben wird, verdeutlichte Ronald H. Coase, dass es sich stets um eine Verursachersymmetrie handelt.<a id=\"fna2\" href=\"#fn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Leiden beispielsweise die Anwohner einer an ihren Wohnort angrenzenden Industrieanlage unter deren Nutzung der Umgebungsluft als Abgassenke, spricht man zwar \u00fcblicherweise von Umweltexternalit\u00e4ten oder sozialen Zusatzkosten der Wirtschaft, doch fallen diese Kosten nur an, weil die B\u00fcrger im Immissionsbereich dieser Industrieanlage die Umwelt ebenfalls zur Nutzung beanspruchen. Es ist die gemeinsame, jedoch nicht koordinierte Entscheidung von Anwohnern und Unternehmen die Umgebungsluft gleichzeitig zu nutzen, die das Umweltproblem ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Coase argumentierte aus diesem Grund, dass die Menschen sich einvernehmlichen auf eine gemeinsame Nutzung der Umwelt einigen w\u00fcrden, wenn dem keine prohibitiv hohen Transaktionskosten im Wege st\u00fcnden. Eine staatliche Intervention durch Umweltauflagen f\u00fcr die \u201eVerursacher\u201c oder in Form einer Abgabe, wie sie Arthur C. Pigou als Ausgleich f\u00fcr die sozialen Zusatzkosten empfohlen hatte, w\u00e4re somit nicht notwendig und auch nicht w\u00fcnschenswert. Die beteiligten Parteien w\u00fcrden sich freiwillig \u00fcber das tolerierbare Ausma\u00df der Umweltbeeintr\u00e4chtigung einigen, gegenseitig finanziell entsch\u00e4digen sowie selbst zu Anpassungsma\u00dfnahmen greifen, bis ein weiterer gegenseitiger Austausch keinen zus\u00e4tzlichen Nutzen mehr br\u00e4chte. Das Ausma\u00df der Umweltinanspruchnahme w\u00fcrde von beiden Konfliktparteien bis zu einem Niveau reduziert, bei dem die Kosten der Vermeidung einer weiteren Umweltnutzung gerade dem von ihr verursachten Schaden entspr\u00e4chen. Anders als viele Umweltsch\u00fctzer glauben liegt deshalb das Optimum der Umweltbelastung nicht bei null, sondern dort wo der Nettonutzen der Umweltnutzung maximal ist. Kooperativer Umweltschutz auf M\u00e4rkten hat gegen\u00fcber der staatlichen Entscheidung \u00fcber umweltpolitische Ziele au\u00dferdem den Vorteil, dass die Pr\u00e4ferenzen aller unmittelbar Betroffenen in die Entscheidung \u00fcber das Ausma\u00df der Umweltnutzung miteinbezogen werden.<\/p>\n<p>Kooperative Marktl\u00f6sungen von Umweltproblemen scheitern nicht, weil der Markt als Institution versagt, sondern die Voraussetzungen zu seiner Funktionsf\u00e4higkeit nicht vorliegen. Oft treten zwischen den beteiligten Parteien sehr hohe Transaktionskosten auf, die eine kooperative Einigung erschweren oder gar unm\u00f6glich machen. Neben den Kosten der Identifizierung, der Abgrenzung und des Schutzes der Eigentumsrechte k\u00f6nnen Transaktionskosten auch Folge individuell rationalen Handelns oder aber auch Ergebnis politischer Entscheidungsprozesse sein. Hohe Koordinationskosten treten beispielsweise auf, wenn Verhandlungsprozesse sehr viele Beteiligte einschlie\u00dfen und dies zu individuellen Anreizen einzelner Verhandlungsteilnehmer f\u00fchrt sich strategisch zu verhalten und \u00fcberh\u00f6hte Kompensationszahlungen zu fordern (sog. \u201eHold-Out\u201c).<a id=\"fna3\" href=\"#fn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> H\u00e4ufig lassen sich aber auch nicht kooperierende Beteiligte von den Nutzeffekten einer Kooperationsl\u00f6sung nicht auszuschlie\u00dfen, so dass am Ende alle Verhandlungsteilnehmer es vorzieht die Trittbrettfahrerposition einzunehmen. Eine Marktl\u00f6sung kommt von allein nicht zustande und die Betroffenen m\u00fcssen sich auf eigene Anpassungsma\u00dfnahmen beschr\u00e4nken. Solche Probleme wiegen umso schwerer je mehr Individuen in den Ressourcenkonflikt eingebunden sind. In Familien, kleinen Gruppen und kleineren Kommunen m\u00f6gen Empathie, Altruismus und soziale Kontrolle \u201eHold-Out\u201c und Trittbrettfahrerverhalten wirksam unterdr\u00fccken, doch auf der Ebene weitr\u00e4umiger Umweltprobleme mit einer Vielzahl von Betroffenen ist eine eigentumsrechtliche L\u00f6sung von Ressourcenkonflikten selten. Bei globalen Umweltproblemen bestehen kaum Chancen f\u00fcr eine erfolgreiche Kooperationsl\u00f6sung. Bei prohibitiv hohen Transaktionskosten kann mangels Alternativen eine reine Anpassungsstrategie ohne Marktaustausch durchaus auch eine L\u00f6sung sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fortschritt f\u00fcr die Umwelt<\/strong><\/p>\n<p>Entgegen der allgemein vorherrschenden Wahrnehmung haben die industrielle Entwicklung und der technische Fortschritt erheblich zur Entlastung der Umwelt beigetragen. Wie Indur Goklany in seinem Buch \u201eThe Improving State oft he World\u201c eindrucksvoll dokumentiert, leben wir heute nicht nur l\u00e4nger, ges\u00fcnder und in bislang unerreichtem Wohlstand, sondern auch auf einem vergleichsweise sauberen Planeten.<a id=\"fna4\" href=\"#fn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Nahezu jeder Indikator Wohlstandsindikator hat in den vergangenen zwei Jahrhunderten einen Aufw\u00e4rtstrend hingelegt, ohne das damit die globale Umweltbelastung besorgniserregende Ausma\u00dfe angenommen h\u00e4tte. \u00dcberall dort, wo Marktwirtschaften Wohlstand produzieren gedeiht auch die Umwelt. Zum einen ist der Gebrauch von nat\u00fcrlichen Ressourcen stets auch ein unternehmerischer Kostenfaktor, den es aus betriebswirtschaftlichen Gr\u00fcnden zu minimieren gilt, zum anderen hat der technische Fortschritt dazu beigetragen die Transaktionskosten einer marktwirtschaftlichen L\u00f6sung von Umweltproblemen zu reduzieren. Ebenso wie die Erfindung des Stacheldrahts im 19. Jahrhundert eine kosteng\u00fcnstige Sicherung von L\u00e4ndereien erm\u00f6glichte, lassen sich mit moderner Technik bisher kaum kontrollierbare Quellen von Umweltkonflikten zuverl\u00e4ssiger identifizieren, den betreffenden Umweltg\u00fctern Eigentumsrechte zuordnen und diese sch\u00fctzen.<a id=\"fna5\" href=\"#fn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> So werden schon heute moderne Verfahren der Emissionsmessung von Abgasen aus station\u00e4ren Emissionsquellen oder Kraftfahrzeugen, die Satelliten\u00fcberwachung der Aktivit\u00e4ten von Fischereiflotten und die manipulationssichere Video\u00fcberwachung von Fangschiffen zur Verhinderung des R\u00fcckwurfs von Beifang (Kanada, Neuseeland) praktiziert und als Grundlage marktwirtschaftlicher L\u00f6sungen des Umweltschutzes verwendet.<\/p>\n<p>Stand der Technik ist etwa das sogenannte Remote-Sensing, eine kosteng\u00fcnstige spektroskopische Ermittlung der Konzentration von CO, CO2, NOx und Benzol in Autoabgasen direkt beim Emittenten im laufenden Verkehr. Noch in den Kinderschuhen stecken dagegen Techniken zur elektronischen Satelliten\u00fcberwachung von Meerestieren, die sowohl die Beobachtung der Wanderung einzelner Tiere oder ganzer Fischschw\u00e4rme \u00fcber weite Strecken, als auch deren Zuordnung zu den Eigent\u00fcmern erlauben. Die rasante Entwicklung immer genauerer technischer Verfahren zur Stoffanalyse, Fernbeobachtung und -kontrolle sowie die sinkenden Kosten f\u00fcr ihren Einsatz n\u00e4hren die Hoffnung, dass die durch Transaktionskosten aufgeworfenen Barrieren der L\u00f6sung von Umweltproblemen mehr und mehr an Bedeutung verlieren.<a id=\"fna6\" href=\"#fn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Mit der Kombination von modernen Technologien und institutionellen Innovationen k\u00f6nnen M\u00e4rkte realisiert oder zumindest simuliert werden, was dazu beitr\u00e4gt noch bestehende Umweltsch\u00e4den zu reduzieren und die mit ihrer Beseitigung verbundenen Kosten zu minimieren. Schon heute werden handelbare Fangrechte in der Fischereiindustrie, der Emissionshandel verschiedener Luftschadstoffe sowie der Markttransaktionen mit Wasserrechten und Wasserqualit\u00e4tszertifikaten praktiziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was kann der Staat im Umweltschutz leisten?<\/strong><\/p>\n<p>Marktl\u00f6sungen haben es schwer, wenn die Eigentumsrechte an den strittigen Umweltg\u00fctern ungekl\u00e4rt sind. Oft traten \u00fcber lange historische Zeitabschnitte keine Ressourcenkonflikte auf, da wegen der geringen Anzahl der Menschen die Nachfrage nach den betreffenden Ressourcen gering war. Oder die Nutzungskosten waren mangels verf\u00fcgbarer Technologien so hoch, dass der bescheidene menschliche Zugriff auf eine Ressource zun\u00e4chst keine Nutzungskonkurrenz ausl\u00f6ste. Manchmal macht erst der technische Fortschritt den Zugriff auf eine Ressource lohnenswert, mit der Folge eines Ressourcenkonflikts. Ohne Eigentumsrechte an den zunehmend knapper werdenden Ressourcen bleiben Nutzungskonflikte nicht aus. Hier kann der Eingriff des Staates zur Fixierung und Verteidigung von Eigentumsrechten an Umweltressourcen beitragen. Genie\u00dft der Staat das Vertrauen der B\u00fcrger als Judikative und kann er die hierzu n\u00f6tigen exekutiven Aufgaben vergleichsweise kosteng\u00fcnstig l\u00f6sen, eignet er sich zur Absicherung eines verl\u00e4sslichen Handlungsrahmens f\u00fcr das Funktionieren von Marktprozessen im Umweltschutz. Versagt der Staat hierbei, verst\u00e4rken sich die Umweltprobleme.<br \/>\nBei der Zuteilung der Eigentums- und Nutzungsrechte konflikttr\u00e4chtiger Umweltg\u00fcter tr\u00e4gt der Staat eine besonders gro\u00dfe Verantwortung. Aus wohlfahrtstheoretischer Perspektive lassen sich die Verteilungsregeln nach den zu erwartenden Kosten spezifizieren. Ronald Coase Idee der Verursacherasymmetrie legt nahe, dass die Verf\u00fcgungsrechte \u00fcber eine strittige Naturressource so zu verteilen sind, dass die Transaktionskosten ihrer Verteilung, Sicherung und \u00dcbertragung m\u00f6glichst niedrig sind und Trittbrettfahrerverhalten und \u201eHold-Outs\u201c weniger attraktiv sind. Verf\u00fcgt eine Konfliktpartei \u00fcber die kosteng\u00fcnstigste Methode der Vermeidung der Umweltverschmutzung ist ihr gegen\u00fcber die Anwendung des Verursacherprinzips die volkswirtschaftlich g\u00fcnstigste L\u00f6sung. Umgekehrt sollte die Umweltpolitik den vermeintlichen Betroffenen die Verantwortung f\u00fcr die Konfliktl\u00f6sung \u00fcbertragen, wenn diese Gruppe den Belastungen durch eigene Anpassungsma\u00dfnahmen kosteng\u00fcnstiger aus dem Weg gehen kann. Also bedarf es f\u00fcr jedes Umweltproblem einer Einzelfalll\u00f6sung. Die pauschale Anwendung eines einzigen umweltpolitischen Prinzips der Haftung f\u00fcr Umweltprobleme tr\u00e4gt nicht zu einer wirksamen und kosteng\u00fcnstigen Reduzierung von Umweltproblemen bei. Stattdessen bedarf es einer genauen Charakterisierung des jeweiligen Ressourcenkonflikts. Dem staatlichen Eingriff muss die Beantwortung der Frage nach den Ursachen hoher Transaktionskosten vorausgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die T\u00fccken der Umweltpolitik<\/strong><\/p>\n<p>Jedoch hat die umweltpolitische L\u00f6sungskompetenz des Staates auch ihre Schattenseiten. Deshalb ist die politische Praxis der Umweltpolitik oft desillusionierend und h\u00e4lt den theoretischen Wunschvorstellungen ihrer Protagonisten selten stand. Meist verschlingt staatlicher Umweltschutz umfangreiche volkswirtschaftliche Ressourcen, nicht selten wird sogar das Gegenteil der gestellten Ziele erreicht. Die Logik kollektiver Entscheidungsfindung birgt auch in der Umweltpolitik so manche bittere Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p>Besonders gravierend ist das Informationsproblem der Umweltpolitik. W\u00e4hrend auf funktionierenden M\u00e4rkten der Preis alle notwendigen Informationen \u00fcber die individuelle Bewertung der nat\u00fcrlichen Ressourcen zusammenfasst, fehlt diese Informationsquelle bei Umweltproblemen unter staatlicher Obhut. Politiker k\u00f6nnen weder die Kosten noch die Nutzen umweltpolitischer Ma\u00dfnahmen mit hinreichender Genauigkeit einsch\u00e4tzen und sind daher auf Informationen angewiesen, die sie von Interessengruppen erhalten. Da der Staat aber jeder L\u00f6sung von Umweltproblemen eine Umverteilung von Eigentumsrechten vornimmt, ist zu erwarten, dass die am besten organisierten Interessengruppen mit den gr\u00f6\u00dften Gewinnchancen auch die Informationsgewinnung der Politiker am st\u00e4rksten beeinflussen. So summieren sich zu den Transaktionskosten des Marktes die politischen Transaktionskosten.<a id=\"fna7\" href=\"#fn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Mit der Wahl umweltpolitischer Instrumente bestimmt der Staat \u00fcber die Aufteilung der Kosten zwischen den beteiligten Konfliktparteien. Das beeinflusst die Transaktionskosten und kann die Suche nach einer L\u00f6sung des Ressourcenkonflikts erschweren. Verletzt das umweltpolitische Verursacherprinzip eine bereits existierende Verteilung der Eigentumsrechte besteht die Gefahr, dass eine Marktl\u00f6sung am Trittbrettfahrerverhalten bzw. strategischem Verhalten derjenigen scheitern, die ihre Anspr\u00fcche an der Ressourcennutzung beim Staat anmelden. Heerscharen von Lobbyisten buhlen um das Recht ihrem Gegner in Konfliktsituationen die Bedingungen diktieren zu k\u00f6nnen und wenden dabei erhebliche Ressourcen auf, um den Prozess der Verteilung der Eigentumsrechte zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Unternehmen, Interessenverb\u00e4nde und Einzelindividuen konkurrieren mit Hilfe von \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Verbandsaktivit\u00e4ten, finanzieller Unterst\u00fctzung f\u00fcr Parteien und \u00f6ffentliche Institutionen bis hin zu Bestechungsgeldern um die Zuweisung von Nutzungsrechten an der Umwelt. Dieses \u201eRent Seeking\u201c verursacht f\u00fcr die Gesellschaft reale Kosten in Form entgangener produktiver Nutzungsm\u00f6glichkeiten der aufgewendeten Ressourcen.<a id=\"fna8\" href=\"#fn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Dabei wird der Lobbying-Aufwand stets so weit getrieben, bis er die erzielbaren zus\u00e4tzlichen Verteilungsgewinne erreicht und sich der weitere Einsatz von Ressourcen f\u00fcr die Beeinflussung politischer Entscheidungsprozesse nicht mehr lohnt. Das kann nicht umweltfreundlich sein.<\/p>\n<p>Deutliche Spuren hinterl\u00e4sst das bei der Wahl der umweltpolitischen Instrumente. Weil der ordnungsrechtliche Ansatz sich mit seiner selektiven Kostenwirkung wesentlich besser f\u00fcr wettbewerbs- und verteilungspolitische Zwecke missbrauchen l\u00e4sst, wird ihm oft der Vorzug gegen\u00fcber der Marktl\u00f6sung gegeben. Emissionsgrenzwerte und technische Standard bieten Raum f\u00fcr die Politik einzelne Unternehmen zu f\u00f6rdern und Markteintrittsbarrieren zu errichten. Werden marktkonforme Umweltinstrumente wie Umweltabgaben oder Emissionshandel praktiziert, muss man nicht lange nach Ausnahmeregeln und speziellen Vorgaben suchen, die den Markt zugunsten der einen oder anderen Betroffenen verzerren. Besonders offensichtlich ist die G\u00fcnstlingswirtschaft bei umweltpolitisch motivierten Subventionen ausgepr\u00e4gt. Hier wird der urspr\u00fcngliche Zweck oft noch mit einer ganzen Reihe anderer Rechtfertigungsversuche verw\u00e4ssert und eine Vergabepraxis gew\u00e4hlt, die sich prim\u00e4r an den Bed\u00fcrfnissen der einflussreichsten Interessengruppen orientiert. Ein systematischer Vergleich von Aufwand und Wirkung findet selten statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die richtige Mischung macht\u2019s<\/strong><\/p>\n<p>Umweltpolitik, wie wir sie kennen, macht von den Erkenntnissen \u00fcber die notwendigen Bedingungen f\u00fcr eine Marktl\u00f6sung von Ressourcenkonflikten meist ebenso wenig gebrauch, wie sie die Schw\u00e4chen des Staates ber\u00fccksichtigt. Es ist daher kaum verwunderlich, dass so manches Umweltproblem trotzt jahrelanger Medienpr\u00e4sens noch immer besteht oder ein sehr hoher Kostenaufwand bei seiner Beseitigung zu beklagen ist. Oft tr\u00e4gt die Umweltpolitik selbst zur Versch\u00e4rfung von Ressourcenkonflikten bei. Lokaler Wasserknappheit, einer Abholzung von Urw\u00e4ldern, der Bedrohung seltener Tierarten, der \u00dcberfischung der Weltmeere, ja selbst dem in seinem Ausma\u00df unsichere Beitrag des Menschen Klimawandel ist mit unz\u00e4hligen Verboten, Grenzwerten oder Abgaben nicht beizukommen. All diese Umweltprobleme haben eine Gemeinsamkeit, es fehlt eine klare Zuordnung von Eigentumsrechten an den betreffenden Naturressourcen. Findet sie statt, wird in der Regel keine R\u00fccksicht auf die Transaktionskosten der L\u00f6sungsalternativen genommen, so dass kein echter Marktprozess in Gang kommt. Die Folge ist eine ineffiziente \u00dcbernutzung der nat\u00fcrlichen Ressourcen. In anderen F\u00e4llen wiederum wird erst durch pauschale Umweltschutzgesetze eine effiziente Ressourcennutzung verhindert.<\/p>\n<p>Umweltpolitik ist ein schwieriger Balanceakt, der kein brachiales Durchmarschieren nach Geschmack vieler Umweltfreunde erlaubt. Es geht darum die besten Rahmenbedingungen f\u00fcr den marktwirtschaftlichen Wettbewerb um Umweltschutzl\u00f6sungen zu schaffen, nicht darum den Markt durch die Umweltpolitik zu ersetzen. Umweltschutz ohne M\u00e4rkte vernachl\u00e4ssigt individuelle L\u00f6sungs- und Innovationsanreize von Eigent\u00fcmern nat\u00fcrlicher Ressourcen. Darunter leidet nicht nur unsere Wohlstandsentwicklung, sondern auch die individuelle Freiheit der Menschen.<\/p>\n<h4>Fu\u00dfnoten<\/h4>\n<p><a id=\"fn1\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna1\">[1]<\/a> Ronald H. Coase: The Problem of Social Cost; Journal of Law and Economics, 3, 1960, p. 1-44.<\/p>\n<p><a id=\"fn2\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna2\">[2]<\/a> Arthur C. Pigou (1877 \u2013 1959) war ein britischer \u00d6konom, der in seinem Buch \u201eThe Economics of Welfare\u201c (London: Macmillan &amp; Co., 1920) das von Alfred Marshall erstmals erw\u00e4hnte Konzept der Externalit\u00e4ten weiterentwickelte und daraus die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe in das Marktgeschehen ableitete. Er schlug daher Abgaben zur Internalisierung negativer externe Effekte und Subventionen zum Ausgleich f\u00fcr die Produktion von positiven Externalit\u00e4ten vor. Vgl. David R. Henderson (ed.): The Concise Encyclopedia of Economics, Arthus C. Pigou; <a href=\"http:\/\/www.econlib.org\/library\/Enc\/bios\/Pigou.html\">Liberty Fund<\/a>, Inc, 2008, p. 577<\/p>\n<p><a id=\"fn3\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna3\">[3]<\/a> David D. Friedman: Law\u2019s Order, What economics has to do with Law and why it matters; Princeton University Press, 2000, p. 26.<\/p>\n<p><a id=\"fn4\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna4\">[4]<\/a> Indur Goklany, <em>The Improving State of the World: Why We\u2019re Living Longer, Healthier, More Comfortable Lives on a Cleaner Planet<\/em> (Cato Inst, 2006).<\/p>\n<p><a id=\"fn5\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna5\">[5]<\/a> Richard Stroup and John Baden, \u201cProperty Rights and Natural Resource Management,\u201c\u009d <em>Literature of Liberty 2<\/em>, no. 4 (1979): 5\u201344.<\/p>\n<p><a id=\"fn6\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna6\">[6]<\/a> Fred E. Foldvary and Daniel B. Klein, eds., <em>The Half-Life of Policy Rationales: How New Technology Affects Old Policy Issues<\/em> (NYU Press, 2003).<\/p>\n<p><a id=\"fn7\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna7\">[7]<\/a> A. H. Barnett and Bruce Yandle, \u201cThe end of the Externality Revolution,\u201c\u009d <em>Social Philosophy and Policy<\/em> 26, no. 02 (2009): 130\u2013150.<\/p>\n<p><a id=\"fn8\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna8\">[8]<\/a> Jonathan H. Adler, \u201cRent Seeking Behind the Green Curtain,\u201c\u009d <em>Regulation<\/em> 1996, no. 4 (1996): 26\u201334.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon in der Schule lernen Kinder h\u00e4ufig, dass unsere marktwirtschaftliche Wohlstandsgesellschaft mit einem nachhaltigen Schutz der Umwelt unvereinbar sei. 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