{"id":12875,"date":"2013-07-09T05:29:10","date_gmt":"2013-07-09T04:29:10","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12875"},"modified":"2013-07-09T05:29:10","modified_gmt":"2013-07-09T04:29:10","slug":"die-zinsmanipulation-der-zentralbanken-legt-die-saat-fur-die-nachste-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12875","title":{"rendered":"Die Zinsmanipulation der Zentralbanken legt die Saat f\u00fcr die n\u00e4chste Krise"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>&#8222;[P]olitical economy pressures could make exit harder and work towards delaying it.&#8220;<\/em> Bank for International Settlement, 83th Annual Report, S. 72.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Ist die \u201eZinswende\u201c eingel\u00e4utet? Die Wortmeldungen aus der amerikanischen Zentralbank deuten darauf hin; die Kursverluste auf den internationalen Anleihe-, Aktien- und Rohstoffm\u00e4rkten standen ganz offensichtlich im Zusammenhang mit Zinssteigerungserwartungen. Seit dem 1. Mai 2013 ist die 10-Jahresrendite der US-Staatsanleihen von 1,66 Prozent, ihrem bisherigen Rekordtief, auf mehr als 2,70 Prozent am 5. Juli 2013 geklettert.<a id=\"fna1\" href=\"#fn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Wenn man sich den Grund der derzeit immer noch tiefen Zinsen in Erinnerung ruft, so lassen sich durchaus Zweifel anmelden, ob denn die Zinsen wirklich noch viel weiter steigen werden.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/polleitjuli.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"10-Jahresrenditen der US-Staatsanleihen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/polleitjuli.png\" alt=\"10-Jahresrenditen der US-Staatsanleihen\" width=\"400\" \/><\/a> <small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Mit dem Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise im Herbst 2007 haben fast alle gro\u00dfen Zentralbanken unter F\u00fchrung der US Federal Reserve die Zinsen auf bisher nicht gekannte Tiefst\u00e4nde geschleust und auch f\u00fcr ein drastisches Ausweiten der Basisgeldmengen gesorgt. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass die kolossale Verschuldungspyramide kollabiert, die die Zentralbanken mit ihrer laxen Geldpolitik in den letzten Jahrzehnten aufget\u00fcrmt haben. Gerade in Krisenzeiten erweisen sich bekanntlich k\u00fcnstlich gedr\u00fcckte Zinsen als besonders wirksame Trickserei: \u00dcberdehnte Schuldner gelangen wieder an neue Kredite, und vor allem die gedr\u00fcckten Preise f\u00fcr Aktien, Anleihen und Rohstoffe steigen zur Freude der Investoren wieder an.<\/p>\n<p>Die Bilanz der j\u00fcngsten Rekordtiefzinspolitik f\u00e4llt jedoch uneinheitlich aus. In den Vereinigten Staaten von Amerika scheint sie f\u00fcr einen neuerlichen, wenngleich verhaltenen Scheinaufschwung zu sorgen. Im Euroraum sieht es trotz der tiefen Zinsen hingegen weiter d\u00fcster aus: Die Rezession h\u00e4lt an, Massenarbeitslosigkeit greift um sich. In Japan ist der Zinssenkungsspielraum im Grunde seit geraumer Zeit ausgesch\u00f6pft, und eine ungehemmte Monetisierung der Schulden scheint nun begonnen zu haben. In China braut sich vermutlich erst noch eine wirklich schwere Kreditkrise zusammen \u2013 angetrieben von den Fehlentwicklungen im Bau- und Immobiliensektor als Folge der jahrelangen Kredit- und Geldmengenvermehrung, finanziert von der chinesischen Zentralbank zu tiefen Zinsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p>Ein k\u00fcnstliches Herabdr\u00fccken des Zinses kann einen Konjunkturaufschwung ausl\u00f6sen. Er wird aber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in sich zusammenbrechen, in einen Abschwung \u00fcbergehen. Um den damit verbundenen Einkommensverlusten zu entkommen, rufen Regierungen und ihre treuen Berater, aber auch Bankenvertreter, Gewerkschaften und im Grunde auch alle diejenigen, die ihre Ersparnisse in Staats- und Bankschuldpapieren angelegt haben, nach noch tieferen Zinsen: Mit noch niedrigeren Zinsen, so die irregeleitete Ratio, soll die Krise \u00fcberwunden werden, die durch k\u00fcnstlich herabgedr\u00fcckte Zinsen verursacht wurde. Dass daraus nichts Gutes erw\u00e4chst, sollte selbst dem \u00f6konomischen Laien klar sein.<\/p>\n<p>Dass die Sorge vor steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten von Amerika f\u00fcr Ersch\u00fctterungen in den Finanzm\u00e4rkten sorgt, ist nicht verwunderlich. Angesichts der aufgelaufenen Schuldenlasten funktionieren die meisten Kreditgeldsysteme mittlerweile nur noch bei sehr tiefen Zinsen. Im Grunde sind k\u00fcnstlich tief gehaltene Zinsen zum \u00dcberlebenselixier der internationalen Kredit- und Geldarchitektur geworden. Das ist auch der Grund, warum es keinesfalls ausgemachte Sache ist, dass die Zinsen merklich weiter steigen werden, beziehungsweise dass sie auf ein \u201enormales\u201c Niveau ansteigen werden. Denn ob das geschieht oder nicht, liegt in den H\u00e4nden der Zentralbanken. Sie kontrollieren nicht nur die Kurzfristzinsen, sondern sie k\u00f6nnen auch durch Anleihek\u00e4ufe die l\u00e4ngerfristigen Zinsen kontrollieren, und zwar perfekt, wenn sie es denn wollen.<\/p>\n<p>Eine Zentralbank kann den von ihr politisch gew\u00fcnschten Marktzins jederzeit am Markt durchsetzen. Und das geht so: Die Zentralbank k\u00fcndigt an (erzeugt also die Erwartung), sie sei bereit, den Kurs einer Anleihe durch K\u00e4ufe bei 100 Euro zu halten. Der Marktpreis der Anleihe wird dann nicht unter diesen Kurs fallen: Niemand wird seine Anleihe f\u00fcr weniger als 100 Euro im Markt verkaufen, wenn ihm die Zentralbank daf\u00fcr 100 Euro zahlt. Diese Politik ist eine Mindestpreispolitik f\u00fcr Anleihen (was gleichbedeutend ist mit einer Politik, die den Zins nicht \u00fcber ein politisch gew\u00fcnschtes Niveau ansteigen l\u00e4sst).<\/p>\n<p>Dass die Zentralbank dabei den Kurs der Anleihe auf ein Niveau hebt, das h\u00f6her ist als der Kurs, der sich im freien Markt bilden w\u00fcrde, versteht sich von selbst: Eine Mindestpreispolitik f\u00fcr Anleihen soll ja gerade den Marktzins unter das Niveau senken, das sich einstellen w\u00fcrde, wenn sich die Kursbildung im Markt frei vollziehen k\u00f6nnte. Vielen Investoren ist das bereits klar. An den Kapitalm\u00e4rkten sind folglich l\u00e4ngst nicht mehr die Inflations- und Kreditausfallsorgen der Investoren ma\u00dfgeblich f\u00fcr die H\u00f6he der Langfristzinsen. Der entscheidende Faktor f\u00fcr die Zinsh\u00f6he ist vielmehr die erwartete Bereitschaft der Zentralbanken, Anleihen aufzukaufen.<\/p>\n<p>Zentralbanken k\u00f6nnen die Zinsen zwar auf das politisch gewollte Niveau schleusen. Sie geben dabei jedoch die Kontrolle \u00fcber die Geldmenge auf. Denn sie m\u00fcssen die Anleihek\u00e4ufe mit neu geschaffenem (Basis-)Geld bezahlen. Und je h\u00f6her die Betr\u00e4ge sind, die Investoren an den M\u00e4rkten verkaufen, desto gr\u00f6\u00dfer wird auch die Geldmengenausweitung ausfallen. Doch genau diese (Neben-)Wirkung kommt wohl nicht wenigen gelegen, allen voran den hoch verschuldeten Staats- und Bankenschuldnern: K\u00fcnstlich tief gehaltene Zinsen, die niedriger sind als die Rate der Geldentwertung, vermindern n\u00e4mlich den realen Wert der Schulden \u2013 zu Gunsten der Schuldner, zu Lasten der Sparer.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p>Wo l\u00e4ge denn ein \u201enormaler\u201c Kapitalmarktzins? In einem Markt, in dem die Zinsen manipuliert sind, l\u00e4sst sich die Antwort nur kontrafaktisch geben: Der normale Marktzins w\u00e4re der Zins, der sich ergeben w\u00fcrde, wenn die Zentralbank (sofort) aufh\u00f6rt, neues Geld durch Kreditvergabe in Umlauf zu bringen; es w\u00e4re der Zins, der sich ergibt, wenn Investoren zur \u00dcberzeugung gelangen, die Zentralbank wird strauchelnden Staats- und Bankschuldnern nicht mehr mit der elektronischen Notenpresse beispringen. Viel spricht daf\u00fcr, dass die \u201enormalen\u201c Zinsen mitunter deutlich oberhalb der derzeitigen Marktzinsen liegen w\u00fcrden. Sogar die Einsch\u00e4tzung, dass bei einem \u201enormalen\u201c Zins viele Staats- und Bankschuldner Konkurs anmelden m\u00fcssten, ist nicht von der Hand zu weisen.<\/p>\n<p>Aus diesen \u00dcberlegungen l\u00e4sst sich folgern: Um die Zahlungsunf\u00e4higkeit des heutigen Schuldgeldsystems abzuwenden, bedarf es k\u00fcnstlich gedr\u00fcckter Zinsen \u2013 ob nun stark oder nur leicht gedr\u00fcckt, in jedem Falle m\u00fcssen sie niedriger ausfallen, als sie in einem freien Marktgeschehen sein w\u00fcrden. Wenn die Zentralbanken den Zins \u201efreilassen\u201c, w\u00fcrden die Kapitalmarktzinsen weltweit vermutlich sehr stark steigen, und eine unmittelbare schwere (Bereinigungs-)Rezession-Depression w\u00e4re vermutlich die Folge. Spricht das nicht f\u00fcr das Vorgehen der Geldpolitiker? Die Antwort ist Nein, denn ein \u201eAusweg\u201c ist die fortgesetzte Zinsmanipulation der Zentralbanken nicht: Sie verursacht noch gr\u00f6\u00dfere Fehlentwicklungen und Ungleichgewichte und wird absehbar in eine noch gr\u00f6\u00dfere Krise m\u00fcnden.<\/p>\n<p>Ein kurzer Blick in die leidvolle Geldgeschichte l\u00e4sst in der Tat bef\u00fcrchten, dass in einer Situation, in der zwischen \u201eKrise sofort\u201c und \u201eKrise sp\u00e4ter\u201c zu w\u00e4hlen ist, \u201eKrise sp\u00e4ter\u201c bevorzugt wird. Die Zentralbanken werden wohl also weitermachen mit ihrer Zinsmanipulation. Sie werden nun vermutlich dazu \u00fcbergehen, die Langfristzinsen f\u00fcr die noch als relativ gut angesehen Staatsschuldner bei ungef\u00e4hr 3 Prozent \u201efestzuhalten\u201c: Die Zinsen sollen nicht zu tief gedr\u00fcckt werden, damit der \u00f6ffentliche Unmut gegen das Schuldgeldsystem nicht bef\u00f6rdert wird; die Zinsen sollen aber auch nicht zu hoch ausfallen, sodass Schuldner \u00fcberleben k\u00f6nnen. Mit einer Zinswende im Sinne einer \u201eNormalisierung\u201c der Zinsen ist damit vorl\u00e4ufig wohl nicht zu rechnen. Recht sicher ist hingegen, dass die Zinsmanipulation der Zentralbanken die Saat f\u00fcr die n\u00e4chste Krise legt.<\/p>\n<h4>Fu\u00dfnote<\/h4>\n<p><a id=\"fn1\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna1\">[1]<\/a> Ein solcher Zinsanstieg mag gering erscheinen, hat aber betr\u00e4chtliche barwertige Folgen. Man nehme nur einmal eine Anleihe mit zehnj\u00e4hriger Laufzeit, einem Nominalwert von 100 US$ und einem Jahrescoupon von 1,7 US$. Steigt der Marktzins von 1,7 Prozent auf 2,5 Prozent, so bedeutet das einen Barwertverlust in H\u00f6he von etwa 7 Prozent auf den Anleihebestand; steigt der Marktzins auf 4 Prozent, bel\u00e4uft sich der Buchverlust schon auf knapp 19 Prozent.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;[P]olitical economy pressures could make exit harder and work towards delaying it.&#8220; Bank for International Settlement, 83th Annual Report, S. 72. I. 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