{"id":12892,"date":"2013-07-18T00:01:31","date_gmt":"2013-07-17T23:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12892"},"modified":"2013-07-19T17:12:08","modified_gmt":"2013-07-19T16:12:08","slug":"gastbeitragparallelwahrungen-als-ausweg-aus-dem-euro-dilemma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12892","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag<\/small><br \/>Parallelw\u00e4hrungen als Ausweg aus dem Euro-Dilemma?"},"content":{"rendered":"<p>Die aktuelle Eurokrise offenbart das grunds\u00e4tzliche Dilemma einer W\u00e4hrungsunion: Es muss eine gemeinsame Geld- und Zinspolitik f\u00fcr mehrere Volkswirtschaften mit ggfs. ganz unterschiedlicher Leistungsf\u00e4higkeit gefahren werden. Zudem gibt es nur einen Wechselkurs, der f\u00fcr das eine Land zu hoch, f\u00fcr das andere aber zu niedrig sein kann. Die Folge sind massive Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen, Fehlleitungen der internationalen Kapitalstr\u00f6me und divergierende Konjunkturlagen, denen die Geldpolitik nicht gleichzeitig gerecht werden kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So ist die aktuelle Niedrigzinspolitik der EZB aus Sicht der Probleml\u00e4nder im Euroraum vielleicht angemessen. Sie erleichtert ihnen zumindest auf kurze Sicht die Bedienung ihrer Schuldenlast und mildert dort die Rezession, wenn auch mit stark abnehmenden Grenzertr\u00e4gen. In Deutschland leidet dagegen unter negativen Realzinsen mit entsprechenden Fehlanreizen bei Staatsverschuldung und Investitionen. Zudem werden dadurch die Sparer im Wege der finanziellen Repression praktisch enteignet, da die Nominalzinsen nicht einmal mehr die Inflationsrate decken.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sind verschiedene Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Einf\u00fchrung von Parallelw\u00e4hrungen gemacht worden. So k\u00f6nnten Probleml\u00e4nder wie Griechenland zus\u00e4tzlich zum Euro wieder eine eigene W\u00e4hrung einf\u00fchren, die dann Grundlage f\u00fcr die dortige Lohn- und Preisgestaltung w\u00e4re. So lie\u00dfe sich ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessern, w\u00e4hrend gleichzeitig der Euro als gemeinsames Zahlungsmittel erhalten bliebe. Soweit die Auslandsschulden vertragsm\u00e4\u00dfig \u201ein Landesw\u00e4hrung\u201c nominiert sind, lie\u00dfe sich auf diese Weise zus\u00e4tzlich eine Teilentschuldung bewirken, da die Landesw\u00e4hrung jetzt eben nicht mehr der Euro w\u00e4re.<\/p>\n<p>Alternativ oder zus\u00e4tzlich k\u00f6nnte auch Deutschland eine \u201eNeue DM\u201c (NDM) als Parallelw\u00e4hrung einf\u00fchren. Die Motivation w\u00e4re hier vor allem der Schutz der Sparer vor weiterer finanzieller Repression. Denn zum einen d\u00fcrfte die NDM vermutlich stark gegen\u00fcber dem Euro aufwerten, und zum anderen k\u00f6nnten Guthaben in NDM von der Bundesbank h\u00f6her verzinst werden als mit dem Euro-Einlagensatz der EZB. Dazu br\u00e4uchte die NDM nicht einmal als Bargeld eingef\u00fchrt zu werden, eine reine Buchw\u00e4hrung w\u00fcrde zun\u00e4chst ausreichen. Auch der Euro ist ja nur Schritt f\u00fcr Schritt entstanden, zun\u00e4chst als reine Verrechnungseinheit ECU, 1999 dann als obligatorische Buchw\u00e4hrung und 2002 schlie\u00dflich als Bargeld.<\/p>\n<p>Parallelw\u00e4hrungen scheinen also auf den ersten Blick f\u00fcr alle Beteiligten gro\u00dfe Vorteile zu haben. Die Probleml\u00e4nder k\u00f6nnten wieder wettbewerbsf\u00e4higer werden, die \u00dcberschussl\u00e4nder k\u00f6nnten ihren B\u00fcrgern h\u00f6here Zinsen und ein wertstabileres Geld verschaffen. Zugleich bliebe der Euro als gemeinsame Recheneinheit und innereurop\u00e4isches Zahlungsmittel erhalten.<\/p>\n<p>Trotzdem ist die Einf\u00fchrung von Parallelw\u00e4hrungen \u00f6konomisch, rechtlich und politisch schwierig. So haben die Probleml\u00e4nder wenig Interesse daran, jedenfalls solange sie ihre Zahlungsbilanz- und Staatsdefizite weiter \u00fcber Rettungsfonds und EZB finanzieren k\u00f6nnen.\u00c2\u00a0 Zudem haben sich Wirtschaft und Bev\u00f6lkerung an die Bequemlichkeit einer einheitlichen W\u00e4hrung in Europa gew\u00f6hnt. Die Freude dar\u00fcber, nun wieder alles in unterschiedlichen W\u00e4hrungen umrechnen zu m\u00fcssen, und das auch noch im eigenen Land, d\u00fcrfte begrenzt sein.<\/p>\n<p>Aber Bequemlichkeit und Gewohnheit haben ihren Preis. Wenn es beim Euroraum in seiner jetzigen Form bleibt, l\u00e4uft dies zwangsl\u00e4ufig auf eine Transferunion unvorstellbaren Ausma\u00dfes hinaus. Aktuell wird die deutsche Haftungssumme im Zusammenhang mit der Eurorettung vom ifo-Institut auf 666 Mrd. Euro veranschlagt. Mit der geplanten Bankenunion kommen noch weitaus gr\u00f6\u00dfere Risiken auf die deutschen Sparer und Steuerzahler zu. Und die langfristigen Kosten der immer gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe annehmenden Euro-Geldschwemme in Form von Inflationsrisiken und Fehlanreizen f\u00fcr die Schuldnerl\u00e4nder sind dabei noch gar nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Es gibt allerdings noch einen anderen Ausweg, n\u00e4mlich die teilweise Renationalisierung der Zinspolitik. So k\u00f6nnte die Bundesbank wertgesicherte Euroeinlagen (WGA) als Alternative zu der normalen Reservehaltung bei der EZB anbieten. Die WGA w\u00fcrden mit einer Wertgarantie in H\u00f6he der Euro-Inflationsrate bei R\u00fcckzahlung ausgestattet, zuz\u00fcglich des normalen Einlagensatzes der EZB. Damit h\u00e4tten die in Deutschland ans\u00e4ssigen Kreditinstitute eine zumindest werterhaltende Anlagem\u00f6glichkeit f\u00fcr ihre liquiden Mittel, w\u00e4hrend gleichzeitig andere Euro-Notenbanken bei der derzeitigen Niedrigzinspolitik bleiben k\u00f6nnten. Faktisch w\u00fcrde die Bundesbank damit eine Parallelw\u00e4hrung einf\u00fchren, allerdings nur als spezielles Buchgeld und ohne das Kind beim Namen zu nennen. Die Bev\u00f6lkerung erhielte damit eine bessere Verzinsung ihrer Sparguthaben, k\u00f6nnte aber dennoch den Euro als alleiniges Zahlungsmittel behalten. Und anders als bei einer echten Parallelw\u00e4hrung k\u00f6nnte ein solcher, begrenzter Schritt auch nicht als Bruch mit den anderen Eurol\u00e4ndern missverstanden werden. Denn die nicht f\u00fcr alle passende Einheitszinspolitik ist ja ein von allen Seiten anerkanntes \u00c4rgernis der Einheitsw\u00e4hrung. Trotz vieler Probleme im Detail d\u00fcrfte es sich deshalb lohnen, ernsthaft \u00fcber entsprechende Auflockerungen dieser Politik nachzudenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Hinweis:<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Leitartikel ist in der <a href=\"http:\/\/vahlen-online.beck.de\/default.aspx?vpath=bibdata%2fzeits%2fWIST%2f2013%2fcont%2fWIST.2013.H07.gl1.htm\">Ausgabe 07\/2013<\/a> der Fachzeitschrift WiSt erschienen.<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle Eurokrise offenbart das grunds\u00e4tzliche Dilemma einer W\u00e4hrungsunion: Es muss eine gemeinsame Geld- und Zinspolitik f\u00fcr mehrere Volkswirtschaften mit ggfs. ganz unterschiedlicher Leistungsf\u00e4higkeit gefahren &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12892\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<small>Gastbeitrag<\/small><br \/>Parallelw\u00e4hrungen als Ausweg aus dem Euro-Dilemma?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":155,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,33,434],"tags":[147,117,892],"class_list":["post-12892","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaisches","category-makrooekonomisches","category-waehrungspolitisches","tag-euro","tag-europaeische-union","tag-parallelwahrung"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>GastbeitragParallelw\u00e4hrungen als Ausweg aus dem Euro-Dilemma? 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