{"id":13228,"date":"2013-08-27T00:01:00","date_gmt":"2013-08-26T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13228"},"modified":"2019-06-12T17:00:38","modified_gmt":"2019-06-12T16:00:38","slug":"parallelwaehrungen-koennen-hilfreich-sein-11-thesen-zur-euro-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13228","title":{"rendered":"Parallelw\u00e4hrungen k\u00f6nnen hilfreich sein <br\/><font size=3; color=grey>11 Thesen zur Euro-Krise<\/font>"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li>Die anhaltende Euro-Krise stimuliert eine Reaktivierung der bereits in den 1970er Jahren in der Diskussion um die Einf\u00fchrung einer europ\u00e4ischen Gemeinschaftsw\u00e4hrung gef\u00fchrten Debatte. Nachdem der Euro durch politischen Beschluss installiert wurde, flachte die Diskussion zun\u00e4chst jahrelang ab. Die nunmehr vitalisierte Renaissance des Parallelw\u00e4hrungsgedankens ist fruchtbar f\u00fcr die Suche nach Alternativl\u00f6sungen gegen\u00fcber den offiziellen Pfaden der gegenw\u00e4rtigen politischen Euro-Rettungspolitik. Das Euro-Problem l\u00e4sst sich auf zwei grunds\u00e4tzliche Facetten reduzieren: Erstens driftet die Euro-Zone immer st\u00e4rker ab in einen zunehmend ineffizienten W\u00e4hrungsraum. Und zweitens steigt das Risiko, dass die anhaltend (\u00fcber)expansive Geldpolitik der EZB Inflation im Euro-Raum produziert. Was k\u00f6nnen Parallelw\u00e4hrungen leisten, um diesen Entwicklungen entgegenzusteuern?<!--more--><\/li>\n<li>Innerhalb eines W\u00e4hrungsraumes stimulieren Parallelw\u00e4hrungen den W\u00e4hrungswettbewerb, den es bei Monopolw\u00e4hrungen nicht gibt. Man kann deshalb davon ausgehen, dass auch der W\u00e4hrungswettbewerb die dem Wettbewerb prinzipiell inh\u00e4renten Effekte produziert : Machtbegrenzung, Entdeckungsverfahren f\u00fcr innovative L\u00f6sungen, institutionelles Lernen<i>. <\/i>Die W\u00e4hrungshistorie ist reich an Erfahrungen mit Monopol- und Parallelw\u00e4hrungssystemen sowie etlichen Hybridl\u00f6sungen. Die seit kurzem wieder intensivierte Debatte um die Einf\u00fchrung von Parallelw\u00e4hrungen zur L\u00f6sung der gegenw\u00e4rtigen Euro-Krise zeichnet sich in ihrer steigenden Mannigfaltigkeit dadurch aus, dass sie\u00a0 zunehmend komplex, zu sehr ins Detail verspielt und un\u00fcberschaubar wird mit der Gefahr, dass ihre ohnehin schon geringe politische Akzeptanz v\u00f6llig dahinschwindet. Es ist deshalb sinnvoll, die Debatte auf wenige klare Linien zu reduzieren, die den w\u00e4hrungspolitischen Erfahrungen \u2013 auch und besonders mit den europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsarrangements nach Bretton Woods \u2013 entsprechen, dass konstruktivistische Rei\u00dfbrettl\u00f6sungen dauerhaft keinen Bestand haben, wenn sie sich zu sehr von marktgesetzlich gesteuerten W\u00e4hrungsarrangements entfernen.<\/li>\n<li>Parallelw\u00e4hrungen sind keineswegs alternativlose Vorschl\u00e4ge zur L\u00f6sung des Euro-Dilemmas. Die Radikall\u00f6sungen f\u00fcr das Problem, das politische Desideratum einer Einheitsw\u00e4hrung gegen das \u00f6konomische Faktum des zunehmend heterogener werdenden W\u00e4hrungsclubs Euro-Zone dauerhaft durchzusetzen, liegen \u2013 wie die W\u00e4hrungshistorie eindrucksvoll zeigt \u2013 in der \u00f6konomischen Rationalit\u00e4t clubtheoretischer Ans\u00e4tze: W\u00e4hrungsclubs funktionieren dauerhaft nur dann, wenn ihr Bedarf an realen Wechselkurs\u00e4nderungen klein ist..Diese Bedingung ist dann nicht erf\u00fcllt, wenn einzelne Clubmitglieder einen Abwertungs- und andere einen Aufwertungsbedarf haben. Dies ist f\u00fcr die Euro-Zone zutreffend, denn in ihr sind die (impliziten)nationalen 1:1-Nominalkurse zunehmend verzerrt: Zum Beispiel ist f\u00fcr Griechenland der Euro \u00fcberbewertet, f\u00fcr Deutschland unterbewertet. Griechenland hat also einen Abwertungsbedarf (wahrscheinlich zwischen 30 bis 50 %), Deutschland einen Aufwertungsbedarf (wahrscheinlich um15 bis 20 %). Entsprechendes gilt f\u00fcr die anderen Mitglieder des Euro-Clubs.<\/li>\n<li>Nimmt man, was nicht bedingungslos zwingend ist, die Nichtakzeptanz von W\u00e4hrungsanpassungen als gegenw\u00e4rtiges politisches Datum (\u201ezur Rettung des Euro\u201c), dann kommen Parallelw\u00e4hrungsl\u00f6sungen ins Spiel, um den Bedarf an Wechselkurs\u00e4nderungen in der Euro-Zone zu befriedigen. Sie dienen dann als marktliche Anpassungssubstitute gegen\u00fcber dem politisch gesetzten W\u00e4hrungskonstruktivismus nicht ver\u00e4nderbarer impliziter Nominalwechselkurse in der Euro-Zone. Dasselbe gilt f\u00fcr den Fall, dass aufgrund der anhaltend expansiven Geldpolitik der EZB die Inflation im Euro-Raum signifikant wird und die Mitglieder sich durch eine kaufkraftgesicherte Parallelw\u00e4hrung, zum Beispiel definiert als indexierter W\u00e4hrungskorb, stabilit\u00e4tspolitisch absichern wollen. Das war ja der britische Vorschlag f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer europ\u00e4ischen Gemeinschaftsw\u00e4hrung, der sich bekanntlich nicht durchsetzen konnte. F\u00fcr diesen Fall folgt, dass der Parallelw\u00e4hrungsansatz zur Inflationsabsicherung dann nicht relevant wird, wenn die Geldpolitik das priore Ziel der Geldwertstabilit\u00e4t f\u00fcr die Euro-Zone erfolgreich verfolgt oder der Euro selbst als kaufkraftgesicherter W\u00e4hrungskorb definiert w\u00fcrde.<\/li>\n<li>Die Fokussierung auf die Parallelw\u00e4hrungsrelevanz f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen Krisenl\u00e4nder sei Griechenland exemplarisch hervorgehoben: Das Land muss einen \u00fcberbewerteten Euro-Wechselkurs ertragen, der das Land erdr\u00fcckt, seine internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit massiv reduziert, zudem von den Mustern komparativer Vorteile internationaler Arbeitsleitung abschottet und die interne Produktionsstruktur verzerrt. Jede \u00dcberbewertung wirkt wie eine implizite Besteuerung aller Exporte und eine implizite Subventionierung aller Importe des Landes mit der Folge, dass der Export- und Importsubstitutionssektor unterentwickelt und der Importsektor \u00fcberdimensioniert sind, die Au\u00dfenwirtschaftsbilanz mithin ins Defizit ger\u00e4t. Die Re-Implementierung der Drachme (ND) als nationale Parallelw\u00e4hrung zum Euro k\u00f6nnte durch eine kr\u00e4ftige Abwertung strukturbereinigende Luft schaffen. Zudem teilt sich die Anpassungslast zur Erh\u00f6hung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Landes in eine interne Anpassung \u00fcber die Reduktion von L\u00f6hnen, Preisen, Besch\u00e4ftigung einerseits und eine au\u00dfenwirtschaftliche Anpassung \u00fcber den Wechselkurs andererseits, wobei letztere die von der Bev\u00f6lkerung allgemein als schmerzlicher empfundene erstere entlastet.<\/li>\n<li>Ein solcher Anpassungsmix von interner Schrumpfung und externer Abwertung sollte in Bezug auf den Wechselkurs nicht politisch, zum Beispiel durch einen <i>crawling peg, <\/i>gesteuert werden, um etwa die Anpassungslast zeitlich zu strecken, wie dies verschiedentlich vorgeschlagen wird. Ein <i>crawling peg <\/i>ist die Hybridl\u00f6sung von Parallel- und Doppelw\u00e4hrung, also mit einer Mischung aus flexiblem und festem Wechselkurs) und w\u00fcrde die \u00f6konomische Wirksamkeit der Parallelw\u00e4hrung politikgesteuert retardieren: n\u00e4mlich die rasche (Wieder-)Herstellung der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit in Verbindung mit einer m\u00f6glichst schnellen Korrektur der Fehlallokation der Produktionsstruktur des Landes von der Binnenmarktorientierung zur au\u00dfenwirtschaftlichen \u00d6ffnung durch Ressourcenreallokation in den Mustern internationaler Preisrelationen. Zudem w\u00fcrde ein politikgesteuerter Abwertungspfad, der dem marktgesteuerten Abwertungsbedarf hinterherhinkt, zu spekulativen Handels- und Kapitaltransaktionen f\u00fchren, die gewinntr\u00e4chtig auf der Basis genuin marktorientierten Abwertungsbedarfs kalkuliert werden. Jede nicht gen\u00fcgend erfolgte Abwertung, die zu weiteren Abwertungserwartungen f\u00fchrt, stimuliert den Anreiz Kapitalflucht.<\/li>\n<li>Der Einf\u00fchrung einer gegen\u00fcber dem Euro abwertenden Parallelw\u00e4hrung wird zum Beispiel f\u00fcr Griechenland entgegengehalten, eine Abwertung w\u00fcrde dem Land nicht helfen, sondern eher schaden, weil seine schmale Exportbasis (Touristik, Schiffe &amp; Reederei, Agrar) keinen f\u00fcr das Land positiven Effekt, wohl aber einen negativen importpreisbedingten Kaufkrafteffekt bringen w\u00fcrde. Dem ist entgegenzuhalten, dass eine Abwertung, eine kr\u00e4ftige zumal, die Exportbasis um neue aufgrund des \u00fcberbewerteten Euro in Griechenland bisher nicht produzierte G\u00fcter und Dienste erweitern, das Exportportfolio sich als \u2013 auch \u00fcber neue ausl\u00e4ndische Investoren \u2013 verbreitern wird, weil die implizite Exportbesteuerung wegf\u00e4llt. Das ist der allokativ-dynamische Effekt, der sich erg\u00e4nzt mit dem heimischen Restrukturierungseffekt, dass \u00fcber die Abwertung die heimische Kaufkraft st\u00e4rker von den Importen auf heimische Importsubstitute gelenkt wird, die Importsubstitutionsindustrie mithin in den Aufschwung versetzt wird. Insgesamt wird \u2013 nat\u00fcrlich unter Ber\u00fccksichtigung eines m\u00f6glichen J-Kurven-Effektes \u2013 die abwertende Parallelw\u00e4hrung ND zu einer Verbesserung der griechischen Au\u00dfenwirtschaftsbilanz f\u00fchren.<\/li>\n<li>Eine abwertende nationale Parallelw\u00e4hrung zum Euro impliziert gravierende Folgewirkungen auf die Gl\u00e4ubiger- und Schuldnerbeziehungen des Landes. Jede Abwertung bedeutet, dass alle bisher in Euro denominierten Bestandsgr\u00f6\u00dfen (Forderungen und Verbindlichkeiten) sowie Stromgr\u00f6\u00dfen (L\u00f6hne und Geh\u00e4lter) innerhalb des Landes mit der Abwertungsrate entwertet werden. Ein entscheidendes Problem liegt hier bei den Banken, wenn diese auf der Aktivseite ihrer Bilanz die Forderungen um die Abwertungsrate verk\u00fcrzen, dies jedoch auf der Passivseite mit ihren Verbindlichkeiten nicht gleicherma\u00dfen durchf\u00fchren k\u00f6nnen, weil es dann zu \u00f6konomisch negativen Massenwirkungen kommen w\u00fcrde: Im Vorfeld der Abwertung kann es zu einem<i> bank run <\/i>kommen, in dem Inhaber von Sicht- und anderen Bankguthaben ihre Konten gegen Euro-Bargeld aufl\u00f6sen oder an Banken au\u00dferhalb des Landes transferieren (was im \u00fcbrigen insbesondere in Griechenland in signifikantem Umfang bereits geschehen ist). Um dem <i>bank run<\/i> entgegenzutreten m\u00fcssten die Banken Garantien geben, dass f\u00fcr jeden privaten Bankkunden seine (Sicht-)Guthaben so gut wie Euro-Bargeld sind. Es h\u00e4ngt dann davon ab, wie glaubw\u00fcrdig diese Garantien sind. F\u00fcr Griechenland ist mehr als zweifelhaft, ob dessen Bankensystem oder der griechische Staat diese notwendige Glaubw\u00fcrdigkeit erzeugen kann. Eine h\u00f6here Glaubw\u00fcrdigkeit k\u00f6nnte wohl die EZB als Guthabengarant vermitteln.<\/li>\n<li>Die mit der Wertgarantie der Passivseite der Bankbilanzen verbundenen Wertdisparit\u00e4ten zwischen abgewerteten Forderungen und nicht abgewerteten Verbindlichkeiten m\u00fcssten, um damit verbundene Verluste der Banken zu verhindern, ausgeglichen werden, damit ein \u00fcber den Bankensektor laufender und m\u00f6glicherweise international ansteckender Kollaps des griechischen Bankensystems vermieden wird. Die daf\u00fcr ben\u00f6tigten Ressourcen d\u00fcrften nur einen Bruchteil der gegenw\u00e4rtig bestehenden und expandierenden Kredit-, Garantie- und Transfersysteme (ESFM, ESFS, ESM und so weiter) ausmachen. Diese Gelder aus den anreizineffizienten Rettungsschirmmechanismen \u201ezur Rettung Griechenlands und des Euro\u201c sollten mithin treffsicher und, weil mikro\u00f6konomisch zugeschnitten, anreizeffzient umgelenkt werden.<\/li>\n<li>Dabei gibt es die Chance, Banken zu identifizieren, die aus strukturellen Gr\u00fcnden insolvent und deshalb einem Insolvenzverfahren zuzuf\u00fchren, die also gegebenenfalls abzuwickeln sind. Mit den \u00fcber die privaten griechischen Sichtguthaben hinausgehenden Verbindlichkeiten der Banken m\u00fcsste in Bezug auf deren Wertgarantie bzw. Abwertungsrate spezifiziert nach Art der Einlagen sowie kundenspezifisch (Banken oder Nichtbanken im In- und Ausland) vorgegangen werden. Dies ist das Feld differenzierter Gl\u00e4ubigerverzichte (<i>haircuts<\/i>) und mannigfaltiger Insolvenzverfahren, die strukturbereinigend wirken. Auch hier werden differenzierte Ausgleichszahlungen n\u00f6tig sein f\u00fcr diejenigen Banken, die nicht abgewickelt werden, weil sie als \u201esystemrelevant\u201c klassifiziert werden m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Dieses in Grundz\u00fcgen skizzierte Szenario der Einf\u00fchrung, Folgewirkung und Organisation einer Parallelw\u00e4hrung zum Euro in im Krisenland Griechenland ist prinzipiell \u00fcbertragbar auf alle Euro-Krisenl\u00e4nder mit signifikantem Abwertungsbedarf. Die Parallelw\u00e4hrung fungiert hier als Substitut f\u00fcr das Ausscheiden eines Krisenlandes aus der Euro-Zone, das prinzipiell dieselben \u00f6konomischen Effekte nach sich ziehen w\u00fcrde, wenn nicht das Ausscheiden, und sei es auch nur tempor\u00e4r, als politisches Tabu unter dem Stichwort der \u201epolitischen Gesichtswahrung\u201c \u00f6ffentlich als anti-europ\u00e4ischer Integrationsr\u00fcckschritt klassifiziert w\u00fcrde. Dabei bedeutet dieses \u201eAusscheiden\u201c nichts anderes als die \u00dcbertragung der Ausnahmegenehmigung in Bezug auf die gemeinsame Geldpolitik, wie sie zum Beispiel f\u00fcr D\u00e4nemark und Gro\u00dfbritannien gilt, auf das Parallelw\u00e4hrungsland, denn die Euro-Zone ist ja, anders als die EU, keine eigenst\u00e4ndige Organisation. Vielmehr sind und verbleiben alle EU-Mitglieder \u2013 mit und ohne Ausnahmegenehmigung \u2013 zugleich Mitglied der Euro-Zone. Im \u00f6konomischen Kern kommt also die Einf\u00fchrung einer nationalen Parallelw\u00e4hrung in den Abwertungsl\u00e4ndern bei formalem Nichtverlassen der Euro-Zone einer \u201eGesundschrumpfung\u201c der Euro-Zone auf einen harten Kern von L\u00e4ndern gleich, die unter sich keinen signifikanten Wechselkurs\u00e4nderungsbedarf haben. Das ist Clubtheorie pur.<\/li>\n<\/ol>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die anhaltende Euro-Krise stimuliert eine Reaktivierung der bereits in den 1970er Jahren in der Diskussion um die Einf\u00fchrung einer europ\u00e4ischen Gemeinschaftsw\u00e4hrung gef\u00fchrten Debatte. 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