{"id":13386,"date":"2013-10-05T00:01:02","date_gmt":"2013-10-04T23:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13386"},"modified":"2013-10-04T16:59:37","modified_gmt":"2013-10-04T15:59:37","slug":"das-unsichtbare-und-die-wirtschaftspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13386","title":{"rendered":"Das Unsichtbare und die Wirtschaftspolitik"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt sicher viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass \u00f6konomische Argumente au\u00dferhalb des wissenschaftlichen Bereichs auf Ignoranz, Befremden und gelegentlich auch Abscheu sto\u00dfen. Einige dieser Gr\u00fcnde sind vermutlich das offensichtlich interessengeleitete Handeln von Akteuren, die bestimmte Ma\u00dfnahmen propagieren (Lobbyismus), das gelegentliche Fehlen einer Begabung, komplexe Sachverhalte auf ihren zentralen Punkt zu bringen und auch die nicht immer rein sachlichen Auseinandersetzungen unter den \u00d6konomen selbst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein besonders wichtiger Punkt d\u00fcrfte jedoch darin bestehen, dass die \u00f6konomische Argumentationslogik dem Alltagsdenken und den unmittelbaren Alltagserfahrungen der Menschen nicht selten widerspricht. Unser Alltagshandeln besteht zumeist aus Ma\u00dfnahmen, die in einer direkten Beziehung zu einem bestimmten Ziel stehen. Wenn wir einen Nagel in die Wand schlagen, um ein Bild aufzuh\u00e4ngen, m\u00fcssen wir uns \u00fcber etwaige Folgeeffekte keine gro\u00dfen Gedanken machen. Wenn wir t\u00e4glich arbeiten gehen, und dabei G\u00fcter und Dienstleistungen erstellen, m\u00fcssen wir uns \u00fcber deren Verwendung durch den Arbeitgeber wenig Gedanken machen.<\/p>\n<p>Genau in diesem Punkt unterscheidet sich die \u00f6konomische Argumentationslogik von unserem allt\u00e4glichen Denken. H\u00e4ufig sind die (z.T. nicht sichtbaren) Folgeeffekte einer politischen Ma\u00dfnahme viel wichtiger als die unmittelbaren Wirkungen und es ist genau die Ber\u00fccksichtigung dieses Umstandes, die \u201eden Unterschied macht zwischen einem schlechten und einem guten \u00d6konomen\u201c (Bastiat 1848, S. 1). Um dies zu verdeutlichen, sei im Folgenden zun\u00e4chst das klassische Beispiel von Bastiat (1848, Kapitel 1), die zerbrochene Fensterscheibe, wiederholt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die M\u00e4r vom Segen der Zerst\u00f6rung<\/strong><\/p>\n<p>Man stelle sich vor, ein Junge zerst\u00f6rt beim Ballspiel eine Fensterscheibe am Haus seiner Eltern. Was wird passieren? Zun\u00e4chst einmal wird dieser Vorgang das Entsetzen seiner Eltern hervorrufen. M\u00f6glicherweise werden sie ihn ausschimpfen, vielleicht sogar bestrafen. Au\u00dfenstehende werden hingegen oftmals zu einer anderen Sicht der Dinge kommen: \u201eNun ja, es ist schade f\u00fcr die Eltern, aber so kann doch zumindest der Glaser seiner T\u00e4tigkeiten nachgehen und seine Angestellten bezahlen. Wenn niemals eine Scheibe zerst\u00f6rt w\u00fcrde, wer k\u00f6nnte dann noch einen Glaserbetrieb betreiben? Letztlich sind es doch Probleme wie die zerst\u00f6rte Fensterscheibe, die die Wirtschaft in Gang halten!\u201c<\/p>\n<p>Dass dieses Denken durchaus weit verbreitet ist, kann kaum bestritten werden. Selbst Nobelpreistr\u00e4ger wie Paul Krugman folgen einer solchen Logik gelegentlich bedenkenlos. In einem <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.com\/2011\/08\/15\/paul-krugman-fake-alien-invasion_n_926995.html\">Interview<\/a> auf CNN lie\u00df er sich zu der Argumentation hinrei\u00dfen, dass es segensreiche Wirkungen habe, wenn die Menschen glaubten, von Au\u00dferirdischen angegriffen zu werden und deshalb massive Sicherheitsvorkehrungen, verbunden mit gro\u00dfen Ausgabenprogrammen des Staates, treffen w\u00fcrden. Dies k\u00f6nne einen konjunkturpolitischen Impuls ausl\u00f6sen, der die Wirtschaft aus der Rezession katapultieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Offensichtlich hat Krugman seinen Bastiat nicht gelesen. Denn dieser erl\u00e4utert, warum Krugmans Art des Denkens verfehlt ist. Zun\u00e4chst einmal stellt Bastiat fest, dass dem Wohl des Glasers nat\u00fcrlich das Leid des Hausbesitzers entgegenzustellen ist. Dar\u00fcber hinaus \u2013 und hier beginnt das eigentliche Argument \u2013 gilt es jedoch zu ber\u00fccksichtigen, dass dem sichtbaren Akt des Austauschens einer Fensterscheibe eine nicht sichtbare (weil ausbleibende) Handlung folgt: Der Hausbesitzer, der f\u00fcr die Reparatur der Fensterscheibe zahlen muss, h\u00e4tte dieses Geld beim Ausbleiben des Ungl\u00fccks anders verwendet. So w\u00e4re es denkbar \u2013 um bei Bastiats Beispiel zu bleiben \u2013, dass der Hausbesitzer stattdessen ein neues Paar Schuhe gekauft h\u00e4tte, wozu er nunmehr kein Geld hat. Darunter leidet zugleich auch der Schuhmacher, dem nun ein Auftrag entgeht.<\/p>\n<p>Betrachtet man das Wohlergehen aller drei Beteiligten, des Hausbesitzers, des Glasers und des Schuhmachers, so zeigt sich, dass der Hausbesitzer und der Schuhmacher einen Schaden erleiden und nur der Glaser profitiert. Aus gesellschaftlicher Sicht ist das Ungl\u00fcck der eingeschlagenen Fensterscheibe somit keineswegs positiv zu bewerten.<\/p>\n<p>Diese scheinbar so triviale Einsicht wird in vielen wirtschaftspolitischen Kontexten ausgeblendet. Da dies nicht erst seit heute so ist, machte es Bastiat schon im Jahr 1848 zu seinem Kriterium der Unterscheidung in gute und schlechte \u00d6konomen. Es gibt, wie Bastiat betont, einen einleuchtenden Grund daf\u00fcr, warum dieser Fehler wieder und wieder gemacht wird: Es liegt daran, dass die direkte Folge des Ungl\u00fccks \u2013 die Reparatur der Fensterscheibe \u2013 f\u00fcr jeden Interessierten sichtbar ist, w\u00e4hrend die indirekte Folge \u2013 das Ausbleiben des Schuhkaufs \u2013 unsichtbar bleiben muss.<\/p>\n<p>Die indirekte Folge hat in der \u00f6konomischen Theorie einen eigenen Namen: Opportunit\u00e4tskosten. Diese beinhalten den Verzicht auf die bestm\u00f6gliche alternative Handlungsweise, den ein handelnder Mensch erleidet, wenn er sich zu einer bestimmten Verhaltensweise durchringt. Jede Handlung, die Menschen durchf\u00fchren, ist mit Opportunit\u00e4tskosten verbunden. Gehen wir etwa ins Kino, dann k\u00f6nnen wir nicht zeitgleich das Fu\u00dfballspiel im Fernsehen verfolgen. Die Einbu\u00dfe an Lebensqualit\u00e4t, die daraus entsteht, dass wir das Fu\u00dfballspiel nicht live sehen konnten, bildet dann die Opportunit\u00e4tskosten des Kinobesuchs (falls es nicht eine noch bessere Alternative gibt).<\/p>\n<p>Da Opportunit\u00e4tskosten als Nutzeneinbu\u00dfe f\u00fcr eine nicht gew\u00e4hlte Alternative zumeist unsichtbar bleiben, finden Sie in der tagespolitischen Diskussion oftmals keine ausreichende Beachtung. Dies soll im Folgenden an einigen Beispielen illustriert werden.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)<\/h4>\n<p>Der Zweck des EEG besteht insbesondere darin, \u201eim Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu erm\u00f6glichen\u201c (\u00c2\u00a71 EEG). Zu diesem Zweck sieht es Einspeiseverg\u00fctungen f\u00fcr Elektrizit\u00e4t vor, die aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde. Diese Einspeiseverg\u00fctungen richten sich nach den Kosten ihrer jeweiligen Stromerzeugung. Mit anderen Worten: Eine Stromgewinnungstechnik mit hohen Kosten (Photovoltaik, auf die wir uns im Folgenden beschr\u00e4nken wollen) erh\u00e4lt eine hohe Einspeiseverg\u00fctung und eine Technik mit geringen Kosten erh\u00e4lt nur eine geringe. Neben der Einspeiseverg\u00fctung legt das EEG einen Vorrang bei der Einspeisung fest, d.h. dass in Situationen mit einer zu hohen Stromproduktion zun\u00e4chst konventionelle Kraftwerke abgeschaltet werden m\u00fcssen und EEG-Anlagen weiter produzieren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Das Gesetz erfreut sich auch heute noch einer gro\u00dfen Popularit\u00e4t, die vermutlich aus den direkten und sichtbaren Wirkungen der Regelungen resultiert. Diese Wirkungen sind zum einen die Bereitstellung von Elektrizit\u00e4t, die nicht mit einem CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df belastet ist. Zum anderen berichten Politiker mit Stolz, dass bei der Produktion und der Aufstellung von Photovoltaikanlagen neue Arbeitspl\u00e4tze entstanden sind.<\/p>\n<p>Deutlich weniger engagiert werden die indirekte Effekte der Stromproduktion durch Photovoltaik und deren bevorzugter Behandlung diskutiert. Immerhin ist die wirtschaftspolitische Diskussion so weit vorgedrungen, dass inzwischen die h\u00f6heren Stromkosten f\u00fcr Verbraucher und die Industrie als Problem anerkannt werden. Drei indirekte Effekte finden sich jedoch in den Medien kaum wieder: (1) Ohne die Vorrangregelung f\u00fcr EEG-Strom w\u00fcrden die konventionellen Kraftwerke \u2013 wie zuvor \u00fcblich \u2013 deutlich l\u00e4ngere Laufzeiten und h\u00f6here Renditen realisieren. Dieser kontrafaktische Zustand ist nat\u00fcrlich nicht sichtbar, \u00fcbt aber gleichwohl eine gro\u00dfe Wirkung aus. Durch die Vorrangregelung ist das Interesse der stromerzeugenden Industrie an Investitionen in konventionelle Kraftwerke so weit zur\u00fcckgegangen, dass die Aufrechterhaltung des Betriebs bestimmter Kraftwerke sogar rechtlich erzwungen werden soll. (2) Die Investitionen in Photovoltaikanlagen sind nicht nur aus \u00f6konomischer, sondern auch aus \u00f6kologischer Sicht ineffizient. Denn aus langfristiger Perspektive verhindert jede durch Photovoltaik erzeugte Kilowattstunde Strom die Produktion einer deutlich gr\u00f6\u00dferen Strommenge durch andere klimafreundliche (im Allgemeinen sogar: klimafreundliche<span style=\"text-decoration: underline;\">re<\/span>) Produktionstechnologien: Geht man etwa davon aus, die Bereitschaft der Bev\u00f6lkerung zum Tragen h\u00f6herer Kosten der Stromproduktion sei nach oben begrenzt und das Ziel der Energiepolitik bestehe vorrangig in der Reduktion der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen, dann verringert jede zus\u00e4tzlich installierte Photovoltaikanlage den monet\u00e4ren Spielraum zum Aufstellen anderer umweltfreundlicher Kraftwerke. Da der Photovoltaik-Strom teurer ist als zum Beispiel derjenige aus Windenergieanlagen oder anderen Formen der umweltfreundlichen Stromproduktion, f\u00e4llt etwa der Verzicht auf Windenergiestrom h\u00f6her aus als der Zugewinn an Photovoltaikstrom. (3) Ohne die EEG-F\u00f6rderpolitik w\u00fcrde die deutsche Industrie zwar mehr CO<sub>2<\/sub> emittieren, doch gleichzeitig ginge der CO<sub>2<\/sub>\u00c2\u00ad-Verbrauch in anderen europ\u00e4ischen Staaten um exakt denselben Betrag zur\u00fcck! Dieser Effekt l\u00e4sst sich \u2013 da wir ein EEG haben und das Szenario kontrafaktisch ist \u2013 nat\u00fcrlich nicht beobachten, ist aber dennoch bedeutsam. Ursache f\u00fcr diesen Zusammenhang ist die Einbindung der deutschen Energiepolitik in das europ\u00e4ische Emissionszertifikatesystem. Dieses legt auf europ\u00e4ischer Ebene eine Obergrenze f\u00fcr die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen vor und verpflichtet u.a. die Kraftwerksbetreiber, sich Emissionslizenzen am europ\u00e4ischen Zertifikatemarkt zu kaufen. Die F\u00f6rderung der Photovoltaik f\u00fchrt dazu, dass die deutsche Nachfrage nach solchen Zertifikaten abnimmt, sodass der Preis f\u00fcr die Zertifikate sinkt. Als Folge davon erwerben andere europ\u00e4ische Nachfrager die Emissionszertifikate und nehmen die entsprechenden Emissionen vor. Der Nettoeffekt der F\u00f6rderung der Photovoltaik auf die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen l\u00e4sst sich somit pr\u00e4zise festlegen: er betr\u00e4gt genau null.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Mindestl\u00f6hne<\/h4>\n<p>Mindestl\u00f6hne sind popul\u00e4r wie lange nicht mehr: SPD und Gr\u00fcne fordern sie, die CDU hingegen bef\u00fcrwortet ihre Einf\u00fchrung in einer entsch\u00e4rften Variante (\u00fcber die Tarifpartner). In meinem letzten <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12918\">Blog-Beitrag<\/a> habe ich relativ ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert, auf welch \u00fcberaus schwachem Fundament die \u00fcbliche Argumentation steht. Die Frage hier lautet ein wenig anders: Wie kommt es, dass dieses sch\u00e4dliche Instrument eine derartige Popularit\u00e4t erreicht hat?<\/p>\n<p>Meine Erkl\u00e4rung lautet: weil die direkten, sichtbaren Effekte popul\u00e4r sind, die nicht sichtbaren, indirekten und verz\u00f6gert eintretenden Effekte jedoch weitgehend ausgeblendet werden.<\/p>\n<p>Die direkte Wirkung ist eindeutig: Arbeitnehmer mit einem deutlich unter dem Durchschnitt liegenden Stundenlohn erhalten f\u00fcr ihre Arbeit mehr Geld. Dieser Effekt befriedigt ein abstraktes und wohl auch von den allermeisten Menschen geteiltes Gerechtigkeitsgef\u00fchl, das besagt, dass man dem Schwachen helfen soll. Auf diese Weise bewirkt ein Mindestlohn folglich etwas Gutes.<\/p>\n<p>Doch wie steht es um die indirekten Wirkungen? Klar ist, dass die Anzahl von Arbeitspl\u00e4tzen, die f\u00fcr Arbeitnehmer mit geringer Produktivit\u00e4t (im Allgemeinen Jugendliche und andere Geringqualifizierte) verf\u00fcgbar sind, keine Naturkonstante ist. Die Einf\u00fchrung des Mindestlohns f\u00fchrt zu einer Erh\u00f6hung der Kosten, die ein Arbeitgeber tragen muss, wenn er einen gering qualifizierten Arbeitnehmer einstellen m\u00f6chte. Vor einer Einstellung wird sich der Arbeitgeber jedoch immer die Frage stellen m\u00fcssen, ob der betreffende Arbeitnehmer dazu in der Lage ist, diese Kosten durch seine Leistung im Betrieb wieder einzuspielen. Dies wird oftmals nicht der Fall sein, sodass Arbeitnehmer, die in einer Welt ohne Mindestl\u00f6hne besch\u00e4ftigt worden w\u00e4ren, nunmehr arbeitslos bleiben. Hieraus resultieren sowohl sp\u00fcrbare Kosten f\u00fcr die betroffenen Arbeitslosen als auch eine starke Belastung der Sozialversicherungssysteme. Letzteres wird zu einer Erh\u00f6hung der Lohnnebenkosten und damit zu einer Versch\u00e4rfung der Besch\u00e4ftigungsproblematik f\u00fchren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werden die Arbeitgeber am Tag der Einf\u00fchrung des Mindestlohns nicht gleich Tausende von K\u00fcndigungsbriefen aufsetzen. Die Wirkung erfolgt dadurch, dass frei werdende Stellen, die ohne Mindestlohn wiederbesetzt worden w\u00e4ren, eben nicht wiederbesetzt werden. V\u00f6llig analog wird eine Vielzahl von neuen Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr Geringqualifizierte, die ohne Mindestlohn entstehen w\u00fcrden, niemals eingerichtet. Die jeweils nicht entstandenen Arbeitspl\u00e4tze bleiben nat\u00fcrlich unsichtbar und ihr Fehlen wird zumeist nicht mit dem Mindestlohn in Verbindung gebracht. Dies wird noch dadurch verst\u00e4rkt, dass die volle Wirkung der Mindestl\u00f6hne erst nach einigen Jahren sp\u00fcrbar wird. Auf diese Weise k\u00f6nnen Mindestl\u00f6hne, selbst wenn sie den gr\u00f6\u00dften volkswirtschaftlichen Schaden hervorrufen, in Gesellschaft und Politik \u00fcberaus beliebt bleiben. Deshalb ist es eine Aufgabe des \u00d6konomen, auf diese Effekte wieder und wieder hinzuweisen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Die Euro-Rettungspolitik<\/h4>\n<p>Das gleiche Schema l\u00e4sst sich auch im Hinblick auf die Euro-Rettungspolitik erkennen. Die zumeist als alternativlos dargestellten Ma\u00dfnahmen werden praktisch immer mit ihren unmittelbaren Wirkungen gerechtfertigt. Diese bestehen vor allem in der Vermeidung von unmittelbaren Staatsbankrotten, dem vorl\u00e4ufigen Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen und der kurzzeitigen Stabilisierung des Euro als W\u00e4hrung. Bei allen drei Aspekten kann man die Frage stellen, ob die verwendeten Ma\u00dfnahmen wirklich dazu in der Lage sind, Abhilfe zu schaffen. So ist es durchaus zweifelhaft, ob Griechenland trotz aller Hilfspakete dauerhaft seinen Schuldendienst leisten kann, ob der \u00fcberdimensionierte Staatssektor Griechenlands (und die damit verbundenen Arbeitspl\u00e4tze) dauerhaft erhalten bleiben kann oder ob der Euro als W\u00e4hrung dauerhaft stabil bleiben kann, wenn unentwegt \u00fcber neue Rettungsma\u00dfnahmen diskutiert werden muss.<\/p>\n<p>Mindestens ebenso wichtig wie diese Zweifel sind die indirekten, nicht unmittelbar sichtbaren Effekte der Euro-Rettungspolitik. Ohne die Rettungsma\u00dfnahmen w\u00e4re der Druck auf die \u00fcberschuldeten L\u00e4nder, die nicht tragf\u00e4higen Strukturen anzupassen, deutlich gr\u00f6\u00dfer gewesen. Grundlegende Reformen w\u00e4ren in Zeiten gro\u00dfer Finanznot durchsetzbar gewesen. In jedem Fall h\u00e4tten sie die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der griechischen Wirtschaft nachhaltig gest\u00e4rkt. Die Wirkungen dieser nicht erfolgten Reformen bleiben im Hier und Jetzt nat\u00fcrlich unsichtbar.<\/p>\n<p>Die hohen Betr\u00e4ge, die in Rettungsfonds eingespeist wurden, setzen L\u00e4ndern, deren Verschuldungsprobleme noch nicht zu ausgepr\u00e4gt sind, Anreize, verst\u00e4rkt auf eine europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t zu bauen. Die Entwicklung der Wirtschaftspolitiken der L\u00e4nder Italien und Frankreich (jeweils seit den letzten Wahlen) l\u00e4sst Schlimmes bef\u00fcrchten. In die gleiche Richtung wirkt die Niedrigzinspolitik der Europ\u00e4ischen Zentralbank. Praktisch alle europ\u00e4ischen Staaten haben sich l\u00e4ngst an die niedrigen Zinsen gew\u00f6hnt und w\u00fcrden bei einer Normalisierung des Zinsniveaus in Finanzn\u00f6te geraten. Das h\u00f6here Ma\u00df an Eigenverantwortung und Solidit\u00e4t in der Finanzpolitik, das sich in einem Europa ohne die praktizierte Rettungspolitik eingespielt h\u00e4tte, bleibt nat\u00fcrlich unsichtbar.<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Rettungsma\u00dfnahmen konnten die meisten privaten Gl\u00e4ubiger erhebliche Teile ihrer Kreditrisiken an den staatlichen Sektor weiterreichen. Auf diese Weise wurde eine nicht unbetr\u00e4chtliche Verm\u00f6gensumverteilung zu Gunsten der Besitzer gro\u00dfer Verm\u00f6gen und zulasten der Steuerzahler vorgenommen. Die gr\u00f6\u00dfere Vorsicht der Kreditgeber, die sie ohne Hoffnung auf Sozialisierung ihrer Kreditrisiken walten lassen w\u00fcrden, wird nat\u00fcrlich ebenso unsichtbar bleiben wie die m\u00f6gliche fruchtbare Verwendung der Rettungsmilliarden, wenn sie nicht in die Rettungsfonds geflossen w\u00e4ren.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Fazit<\/h4>\n<p>Der gute \u00d6konom (im Sinne von Bastiat) ist daran gew\u00f6hnt, die indirekten, oftmals unsichtbaren Effekte gesellschaftspolitischer Politikma\u00dfnahmen sehr ernst zu nehmen. Diese Effekte sind auf Grund der hohen Komplexit\u00e4t der Fragestellung oftmals nicht zweifelsfrei einer einzigen, in der Vergangenheit liegenden Ma\u00dfnahme zuzuordnen. Das macht sie vage, abstrakt und in gewisser Weise unwirklich, weshalb sie von Laien nicht selten als weltfremde Theorie abgestempelt werden. Folglich orientiert sich die wirtschaftspolitische Diskussion h\u00e4ufig an den sichtbaren und direkten Wirkungen von Ma\u00dfnahmen, selbst wenn die Bedeutung der unsichtbaren, indirekten Effekte in vielen F\u00e4llen weit gr\u00f6\u00dfer ist. Wenn wir jedoch nicht nur eine \u00f6kologische, sondern auch eine \u00f6konomische Nachhaltigkeit als gesellschaftliches Ziel verfolgen, wird klar, dass die Vernachl\u00e4ssigung der unsichtbaren, indirekten Effekte ein str\u00e4flicher Fehler ist. Um mit Bastiat (1848, S. 1) zu sprechen: Es gibt zwei Herren, die uns diese Lektion lehren k\u00f6nnen: die Erfahrung und die Voraussicht. Da die Erfahrung als Lehrer mitunter brutal ist, empfiehlt er die Voraussicht. Die Europ\u00e4ische Union und ihre Politiker haben sich wohl eher f\u00fcr die Erfahrung entschieden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Literatur <\/b><\/p>\n<p>Bastiat, Fr\u00c3\u00a9d\u00c3\u00a9ric (1848): Selected Essays on Political Economy, Irvington-on-Hudson, <a href=\"http:\/\/www.econlib.org\/library\/Bastiat\/basEss1.html#Chapter 1\">http:\/\/www.econlib.org\/library\/Bastiat\/basEss1.html#Chapter 1<\/a>.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt sicher viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass \u00f6konomische Argumente au\u00dferhalb des wissenschaftlichen Bereichs auf Ignoranz, Befremden und gelegentlich auch Abscheu sto\u00dfen. 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