{"id":13438,"date":"2013-10-09T09:41:32","date_gmt":"2013-10-09T08:41:32","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13438"},"modified":"2013-10-09T09:41:32","modified_gmt":"2013-10-09T08:41:32","slug":"wie-gehts-weiter-nach-dem-flaechendeckenden-daempfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13438","title":{"rendered":"Wie geht\u2019s weiter nach dem fl\u00e4chendeckenden D\u00e4mpfer?"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft durchlebte nach dem Durchh\u00e4nger im Jahr 2012 zun\u00e4chst einen schlechten Start in das Jahr 2013. Ein schwacher Au\u00dfenhandel und die schon seit geraumer Zeit r\u00fcckl\u00e4ufigen Investitionen k\u00f6nnen dies erkl\u00e4ren. Nicht zuletzt hat auch der harte Winter kurzfristig der Bauwirtschaft zugesetzt. Mittlerweile haben sich die wirtschaftlichen Perspektiven wieder etwas aufgehellt. Die deutsche Wirtschaft schwenkt im Jahresverlauf 2013 auf einen Erholungspfad ein. Dieser wird allerdings nicht steil ansteigen. Sie atmet dabei stark im Rhythmus der schwankenden Weltwirtschaft.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gr1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Investitionen\" alt=\"Investitionen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gr1.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>In Europa kam es in den letzten beiden Jahren zu einer breit angelegten Rezession. Dabei brach im vergangenen Jahr die Wirtschaftsleistung nicht nur in den prominenten Krisenl\u00e4ndern des Euroraums \u2013 Griechenland, Portugal und Spanien \u2013 ein. Auch in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern innerhalb und au\u00dferhalb des gemeinsamen W\u00e4hrungsraums ging das reale BIP zur\u00fcck \u2013 zum Beispiel in Belgien, Italien, D\u00e4nemark, Finnland und in den Niederlanden \u2013 oder kam kaum von der Stelle \u2013 zum Beispiel in Irland, Deutschland, \u00d6sterreich, Frankreich, Schweden, im Vereinigten K\u00f6nigreich und in der Schweiz. Die Anpassungslasten infolge der Staatsschulden- und Bankenprobleme haben sich fl\u00e4chendeckend in den Wirtschaftsbilanzen der europ\u00e4ischen L\u00e4nder niedergeschlagen. Sie sch\u00fcren Unsicherheit und verdunkeln nicht nur die kurzfristigen wirtschaftlichen Perspektiven. Die mittel- bis langfristige Folgesch\u00e4den zeigen sich vor allem an der im vergangenen Jahr und auch in diesem Jahr einbrechenden Investitionst\u00e4tigkeit in Europa (Abbildung 1). Investitionen bestimmen \u00fcber die Entwicklung des Wachstumspotenzials einer Volkswirtschaft. Eine andauernde Investitionszur\u00fcckhaltung schw\u00e4cht auf l\u00e4ngere Zeit das Wirtschaftswachstum. Einzig Norwegen nimmt in Europa wegen seiner Rohstoffausstattung beim Wachstum und bei den Investitionen eine herausragende Position ein. Diese Breitenwirkung zeigt zum einen, dass Struktur- und Anpassungsprobleme in nahezu allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern bestehen. Zum anderen spiegelt dies auch die wirtschaftliche Verflochtenheit unter den europ\u00e4ischen Volkswirtschaften wider.<\/p>\n<p>Zugleich waren im vergangenen Jahr markante Bremswirkungen in den Schwellenl\u00e4ndern zu verzeichnen. Damit hat die Weltwirtschaft erheblich an Schwung und an Wachstumsphantasie verloren. Nicht nur in den gro\u00dfen aufstrebenden Volkswirtschaften China, Indien, Russland und Brasilien kam es zu einer langsameren Gangart. Auch eine Reihe von weiteren wichtigen Schwellen\u00c2\u00acl\u00e4ndern \u2013 zum Beispiel Mexiko, Thailand oder die T\u00fcrkei \u2013 haben an Expansionstempo eingeb\u00fc\u00dft: Zum Ersten hatte die Schw\u00e4che in den fortgeschrittenen L\u00e4n\u00c2\u00acdern R\u00fcckwirkungen auf die aufstrebenden L\u00e4nder. Dies zeigt sich am deutlich abgeflachten Welthandel. Zum Zweiten wurden die schon seit geraumer Zeit latent vorhandenen Strukturprobleme in einer Reihe von wichtigen Schwellenl\u00e4ndern st\u00e4rker sichtbar. In China sind beispielsweise die vergleichsweise hohe Exportlastigkeit und sektorale \u00dcberkapazit\u00e4ten zu nennen. Russland ist immer noch stark von der globalen Rohstoffnachfrage abh\u00e4ngig. In Indien spielt die Staatsnachfrage eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Rolle im gesamtwirtschaftlichen Leben. Zum Dritten entstand auch eine \u00fcberm\u00e4\u00dfig hohe Vorsicht vor abrupten Kapitalabfl\u00fcssen. Die Andeutungen einer Abkehr der US-Notenbank von ihrer \u00fcberreichlichen Geldmengenexpansion sch\u00fcrten die Bef\u00fcrchtungen vor Zinserh\u00f6hungen und dadurch ausgel\u00f6sten Kapitalstr\u00f6men weg von den aufstrebenden L\u00e4ndern. In diesem von Zahlungsbilanzkrisen ver\u00e4ngstigtem Umfeld kam es bereits zu heftigen Bewegungen an den W\u00e4hrungsm\u00e4rkten (Abbildung 2). In den Abwertungsl\u00e4ndern kann dies den Reformdruck mindern, weil die Exportsektoren R\u00fcckenwind versp\u00fcren. Gleichzeitig verteuert sich aber auch die bestehende Auslandsverschuldung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gr2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wechselkurse\" alt=\"Wechselkurse\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gr2.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die geopolitische Lage hatte in den vergangenen Quartalen f\u00fcr zus\u00e4tzliche Vorsicht gesorgt. Vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika besteht weiterhin eine vergleichsweise hohe politische Unsicherheit. Der Atomstreit mit dem Iran hielt an. Die politische Lage in \u00c4gypten verschlechterte sich zeitweise erheblich. Und nicht zuletzt versch\u00e4rfte sich die Situation in Syrien. Dies l\u00e4hmt nicht nur das Wirtschaftsleben in den Krisenl\u00e4ndern und der ganzen Region. Zeitweise schlugen sich diese Entwicklungen auch kurzfristig an den \u00d6lm\u00e4rkten nieder. Gleichwohl waren die bisherigen Auswirkungen dort vergleichsweise gering (Abbildung 3). Nicht zuletzt f\u00fchrten auch die Unruhen in Brasilien deutlich vor Augen, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den aufstre\u00c2\u00acbenden L\u00e4ndern kein Selbstl\u00e4ufer ist \u2013 trotz des breiten R\u00fcckenwinds, den Brasilien durch die anstehende Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr und die Olympischen Spiele zwei Jahre sp\u00e4ter versp\u00fcren sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gr3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"\u00d6lpreisentwicklung\" alt=\"\u00d6lpreisentwicklung\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gr3.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>All diese Entwicklungen haben zu einer breitfl\u00e4chig deutlich ruhigeren Gangart der Weltwirtschaft beigetragen. Vor allem haben sie die Investitionsanreize in vielen L\u00e4ndern \u2013 trotz extrem niedriger Zentralbankzinsen in allen fortgeschrittenen Volkswirtschaften \u2013 vermindert. Trotz alledem haben sich die weiteren Perspektiven in j\u00fcngster Zeit wieder aufgehellt:<\/p>\n<ul>\n<li>Die wirtschaftliche Krise hat sich in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern im Jahresverlauf 2013 nicht weiter versch\u00e4rft (Abbildung 4a). Viel\u00c2\u00acmehr ist erfreulich, dass in einer Reihe von L\u00e4ndern die Talsohle erreicht und m\u00f6glicherweise auch die Trendwende eingeleitet wurde. Allerdings ist es vor allem in den s\u00fcdeurop\u00e4ischen Krisenl\u00e4ndern noch ein weiter Weg hin zu einer Normalauslastung. Die erschreckend hohe Arbeitslosigkeit spiegelt dies wider (Abbildung 4b). In vielen L\u00e4ndern bestehen weiterhin Struktur- und Wettbewerbsprobleme in einem nicht geringen Umfang \u2013 vor allem an den Arbeits- und G\u00fcterm\u00e4rkte. Die Innovationsleistungen m\u00fcssen in vielen L\u00e4ndern deutlich verbessert werden. Selbst in den L\u00e4ndern, die Reformen eingeleitet haben, brauchen die Ma\u00dfnahmen aber einfach auch Zeit, um ihre wirtschaftliche Kraft zu entfalten. Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) versucht jedenfalls mit ihren au\u00dfergew\u00f6hnlichen \u2013 und auch umstrittenen \u2013 geldpolitischen Ma\u00dfnahmen, die Funktionsf\u00e4higkeit des Finanzsektors zu erhalten und die Reformma\u00dfnahmen zu unterst\u00fctzen. Dies hat zumindest dazu gef\u00fchrt, dass die Europ\u00e4ische W\u00e4hrungsunion nicht auseinandergebrochen ist. Ob die L\u00e4nder, diese von der Zentralbank finanzierte Zeit nutzen, um den Reformprozess und die Restrukturierungen voranzutreiben oder um die notwendigen Reformen zu verschleppen und zu verw\u00e4ssern, wird sich erst noch zeigen.<\/li>\n<li>Die Entwicklung in den USA und Japan wird im weiteren Betrachtungszeitraum aufw\u00e4rtsgerichtet bleiben. Die Erholung an den Arbeitsm\u00e4rkten tr\u00e4gt hierzu bei. Gemessen an den europ\u00e4ischen Perspektiven sind die Wirtschaftsaussichten in den USA und in Japan gut. Gemessen am Vorkrisenniveau f\u00e4llt die erwartete Wachstumsperformance der USA allerdings bescheiden aus. Dabei muss sicherlich auch dar\u00fcber nachgedacht werden, ob diese geld- und fiskalpolitisch aufbl\u00e4hten Jahre, ganz zu schweigen von der hohen Verschuldung der privaten Haushalte, als eine vern\u00fcnftige Orientierungsgr\u00f6\u00dfe dienen k\u00f6nnen. Zumal auch derzeit die hohen geld- und fiskalpolitischen Impulse in beiden L\u00e4ndern nicht \u00fcbersehen werden d\u00fcrfen. Es wird sich zeigen, ob sie mehr als ein Strohfeuer entfachen. Jedenfalls helfen sie nicht, die strukturellen Probleme in beiden L\u00e4ndern zu beheben. Die B\u00fcrde der hohen und ansteigenden Schuldenberge lastet weiter auf diesen gro\u00dfen Volkswirtschaften. Sie bergen auch ein nicht unerhebliches konjunkturelles Risiko, wie beispielsweise der wieder auflodernde Budgetstreit und der \u201egovernment shutdown\u201c in den USA zeigen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/gr4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wirtschaftsentwicklung\" alt=\"Wirtschaftsentwicklung\" src=\"\/wordpress\/bilder\/gr4.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<ul>\n<li>Die Schwellenl\u00e4nder bleiben auf Wachstumskurs, allein schon als eine Folge ihrer wachsenden Bev\u00f6lkerungen und der damit einhergehenden Wirtschaftsimpulse auf der Angebots- und Nachfrageseite. Allerdings wird das Expansionstempo derzeit und auch k\u00fcnftig schw\u00e4cher ausfallen als in der vergangenen Dekade. Eine Reihe von Strukturproblemen \u2013 zum Beispiel auf den G\u00fcter- und Arbeitsm\u00e4rkten durch einen vergleichsweise hohen Staatseinfluss \u2013 schlagen sich in einem flacher verlaufenden Produktivit\u00e4tspfad nieder. Dazu kommen Governance-Probleme und institutionelle Defizite in den aufstrebenden Volkswirtschaften, die insbesondere in wirtschaftlich weniger dynamischen Zeiten in den Vordergrund r\u00fccken und schnell f\u00fcr Verunsicherung sorgen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insgesamt haben sich die globalen Perspektiven zuletzt wieder aufgehellt. Der fr\u00fcher gewohnte Schwung wird der Weltwirtschaft jedoch fehlen. Zu stark leiden rund um den Globus die L\u00e4nder unter Strukturproblemen. Der politische Wille, diese Probleme ernsthaft zu sehen und anzugehen, ist vielerorts schwer zu erkennen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft durchlebte nach dem Durchh\u00e4nger im Jahr 2012 zun\u00e4chst einen schlechten Start in das Jahr 2013. 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